In ihren Augen
| Filmdaten | |
|---|---|
| Deutscher Titel | In ihren Augen |
| Originaltitel | El secreto de sus ojos |
| Produktionsland | Argentinien |
| Originalsprache | Spanisch |
| Erscheinungsjahr | 2009 |
| Länge | 129 Minuten |
| Altersfreigabe | FSK 12 |
| Stab | |
| Regie | Juan José Campanella |
| Drehbuch | Juan José Campanella Eduardo Sacheri (Roman und Drehbuch) |
| Produktion | Juan José Campanella Gerardo Herrero Mariela Besuievski Vanessa Ragone Axel Kuschevatzky |
| Musik | Federico Jusid Emilio Kauderer |
| Kamera | Félix Monti |
| Schnitt | Juan José Campanella |
| Besetzung | |
|
|
In ihren Augen (El secreto de sus ojos) ist ein argentinischer Spielfilm des Regisseurs Juan José Campanella aus dem Jahr 2009 mit Ricardo Darín in der Hauptrolle. Campanella mischt Krimi und melodramatische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der aufziehenden Militärdiktatur, die von 1976 bis 1983 in Argentinien herrschte. Bisherige argentinische Spielfilme, die sich mit der Militärdiktatur befassten, handelten von den Jahren, als die Diktatur etabliert war. In ihren Augen handelt von der Zeit kurz davor.[1] Der Film war nach wenigen Monaten in Argentinien die meistgesehene einheimische Produktion seit 35 Jahren.[2] Er wurde von der deutschsprachigen Kritik geschätzt, erhielt den Filmpreis Oscar und den spanischen Preis Goya.
Inhaltsverzeichnis |
Handlung[Bearbeiten]
Der pensionierte argentinische Gerichtsbeamte Benjamín Esposito beschließt im Jahre 2000 einen Roman zu schreiben. Im Zentrum soll die Vergewaltigung und Ermordung einer jungen verheirateten Frau, Liliana Colotto, im Juni 1974 stehen. Esposito trifft sich mit der Richterin Irene Hastings, seine große Liebe, nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder. Zusammen mit ihr hat er vor 25 Jahren den Mordfall untersucht.
Nach der Ermordung von Liliana Colotto wurden zwei Bauarbeiter des Mordes angeklagt und von der Polizei mit Schlägen zu einem Geständnis gezwungen. Esposito ist überzeugt, dass die beiden unschuldig sind. Wütend greift er Romano, einen Justizbeamten aus der anderen Abteilung, an. Esposito will nach dem wahren Mörder suchen. Er besucht Ricardo Morales, den Ehemann der Getöteten, und versucht ihm zu helfen. In den Fotoalben des jungen Ehepaars fällt ihm ein Mann auf, der in einer besonderen Art und Weise auf Liliana Colotto blickt. Der Witwer identifiziert ihn als Isidoro Gómez. Esposito macht sich daraufhin auf die Suche nach Gómez. Doch dieser ist nicht auf seiner Baustelle erschienen, auch seine Mietwohnung hat er überhastet verlassen. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Pablo Sandoval durchsucht Esposito ohne richterliche Erlaubnis die Wohnung der Mutter des Verdächtigen. Sie finden und stehlen dort die Briefe, die Gómez an seine Mutter geschrieben hat. Die Briefe erwiesen sich zunächst als nichtssagend, offenbaren jedoch eine Leidenschaft für den Racing Club, einem Fußballverein aus Avellaneda. Nach längerer Suche können sie Gómez nach einer Verfolgung in einem Fußballstadion verhaften.
Im Verhör provoziert Richterin Hastings den Verdächtigten Gómez. Sie bezweifelt seine Männlichkeit, bis dieser außer sich gerät und schließlich auch den Mord an der jungen Frau gesteht. Das Gericht verurteilt ihn zu lebenslänglicher Haft. Doch schon nach kurzer Zeit ist Gómez wieder frei. Der argentinische Sicherheitsdienst hat sich Gómez' nach Beginn der Militärdiktatur angenommen und setzt ihn als Spitzel ein. Romano, der nun für den argentinischen Sicherheitsdienst arbeitet, ist für diesen Schachzug verantwortlich, der damit offenbar eine offene Rechnung mit Esposito begleichen wollte. Hastings und Esposito protestieren vergebens gegen dieses Vorgehen. Auf dem Rückweg begegnen sie Gómez in einem Fahrstuhl, welcher demonstrativ seine Pistole überprüft. Ein offenbar von Gómez beauftragtes Hinrichtungskommando will Esposito in seiner Wohnung erschießen, ermordet jedoch statt seiner den zufällig allein anwesenden Sandoval. Esposito verabschiedet sich daraufhin von Irene Hastings und flieht in die Provinz, wo er jahrelang arbeitet.
25 Jahre später, nachdem Esposito einen Großteil seines Romans fertiggestellt hat, sucht er den Bankangestellten Morales auf, der sehr zurückgezogen auf dem Land lebt. Er hat nicht wieder geheiratet. Schließlich erzählt er Esposito, dass er Gómez aufgespürt habe. Anschließend habe er diesen aus Rache entführt und ermordet. Esposito verabschiedet sich und lässt während der Autofahrt seine Gedanken kreisen. Schließlich kann er sich erinnern, dass Morales ihm damals gesagt hat, der Mörder dürfe nicht einfach mit dem Tod bestraft werden, sondern solle lebenslang eingesperrt werden. Deshalb kehrt Esposito zu Fuß zu Morales' Anwesen zurück und kann beobachten, wie Morales ein Tablett mit Speisen zu einem Anbau seines Hauses trägt. Es stellt sich heraus, dass Morales den Mörder seiner Frau seit 25 Jahren in einem selbstgebauten Gefängnis gefangen gehalten hat. Er will Gómez lebenslänglich eingesperrt lassen, wie es ursprünglich vorgesehen war. Zurück in Buenos Aires geht Esposito ins Gerichtsgebäude, wo er Irene seine Liebe gestehen will. Der Film endet, als er die Tür zu ihrem Büro schließt.
Kritik[Bearbeiten]
Bei der deutschsprachigen Filmkritik kam der Film gut an. Es hieß, er sei außergewöhnlich und faszinierend,[3] „spannend und unterhaltsam“[4] oder „sowohl schauspielerisch, erzählerisch wie visuell ein Glücksfall“.[1]
Das gemeinsame Element der ansonsten sehr verschiedenen Genres des Melodrams und des Krimis sei die Aufmerksamkeit, erläuterte Gerhard Midding in epd Film. „Sein langsamer, umsichtiger Erzählrhythmus ist dem Film unverzichtbar, denn im Kern handelt er von den Bedingungen der Wahrnehmung. Die revidierte Perspektive, aber auch das Fortwirken des ersten Blicks offenbaren die wahren Zusammenhänge.“ Die beiden Ermittler und die Richterin sähen im Zusammenspiel mehr als jeder für sich.[5] Und Martin Schwickert vom Tagesspiegel meinte, Campanella „gelingt es, die beiden Erzählebenen so eng miteinander zu verschlingen, dass die kriminalistische Ermittlung und die Ermittlung der eigenen Gefühle oft kaum auseinanderzuhalten sind. Das ist spannend, herzzerreißend und durchzogen von tiefer Melancholie.“[6]
In dramaturgischer Hinsicht nannten die Kritiker den Film „klassisches Erzählkino“,[6] auf „altmodische Art“ spannend erzählt.[7] „Eine eigene Handschrift ist dabei zwar nicht zu erkennen, aber eingängiges Kino von großem Unterhaltungswert, das zudem noch etwas zu erzählen hat, ist das auf jeden Fall“, fand Walter Gasperi in der Zeitschrift Ray. Campanella setze die Stilmittel des Thrillers souverän ein, sein Film zeichne sich durch eine temporeiche Handlung, ein sorgfältig aufgebautes Drehbuch und eine ökonomische Erzählweise aus.[8] Midding hingegen nannte die Ökonomie der Motive eher gewissenhaft als raffiniert.[5] In der Presse erklärte Christoph Huber, „das Zusammenspiel von sorgfältiger Konstruktion und getragenem Rhythmus sorgt für die Effektivität“.[7] Andere fanden, die packende und bewegende Geschichte ziehe das Publikum immer tiefer hinein[9] oder bewege, ohne in Gefühlskitsch zu münden.[2] Den Umgang mit den unterschiedlichen Zeitebenen fand man souverän,[3] glaubwürdig gestaltet[4] oder deren Verschachtelung kunstvoll.[8]
Erwähnt wurden auch die „exzellenten“ Dialoge[1] und die „bestechenden“ Figurenzeichnungen.[7] Im „exzellenten“[8] oder „hervorragenden Darstellerensemble“[4] wurde Ricardo Darín aufgrund seines Charismas hervorgehoben.[7][8] Nannte Geri Krebs in der Neuen Zürcher Zeitung den Kameramann Felix Monti einen wahren Meister im „stupenden Spiel von Licht und Schatten“,[1] waren Huber die Bilder „manchmal zu gelackt oder fast schon zu aufsehenerregend“.[7]
Das Werk schildere das „Lebensgefühl, das eigentlich das Gefühl eines verhinderten Lebens ist“, wie es in Lateinamerika viele Menschen empfänden.[2] Es mache „auf beklemmende Weise die Verlorenheit des Einzelnen in einer repressiven Gesellschaft spürbar.“[3] Auf die „unverheilten Wunden“ weise es ebenso hin wie es die elementaren Themen von Schuld, Strafe und Gerechtigkeit aufgreife.[6] Dabei werfe der Film die Frage nach dem Recht zur Selbstjustiz auf.[4][8] Der Ausgang des geschilderten Heilungsprozesses fiel für Midding „eine Spur zu affirmativ“ aus.[5]
Verleihtitel[Bearbeiten]
Der Originaltitel El secreto de sus ojos wird in der deutschen Übersetzung auf "In ihren Augen" verkürzt. Die wörtliche Übersetzung wäre "Das Geheimnis in ihren (/seinen) Augen". Die Mehrdeutigkeit des Possesivpronomens wird größtenteils beibehalten: Es kann sowohl "seinen" als auch "ihren" (Einzahl weiblich/Mehrzahl unbestimmtes Geschlecht) bedeuten. Aus dramaturgischen Gründen liegt aber die Übersetzung mit "ihren" nahe.
Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten]
2010 gewann In ihren Augen den Oscar für den besten fremdsprachigen Film sowie den Goya Filmpreis als Bester ausländischer Film in spanischer Sprache. Bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2010 folgte eine Nominierung als Bester europäischer Film.
Kritikenspiegel[Bearbeiten]
Positiv
- Cinema Nr. 11/2010, S. 58, von Ralf Blau: In ihren Augen
- film-dienst Nr. 22/2010, von Wolfgang Hamdorf: In ihren Augen
- Neue Zürcher Zeitung, 19. August 2010, S. 43, von Geri Krebs: Virtuoses Vexierspiel
- Ray, Nr. 12/2010, S. 58, von Walter Gasperi: In ihren Augen / El secreto de sus ojos
- Der Spiegel, 25. Oktober 2010, S. 143, ungezeichnete Kurzkritik: Kino in Kürze
- Der Tagesspiegel, 28. Oktober 2010, S. 27, von Martin Schwickert: Liebe & Tod
- Die Welt, 28. Oktober 2010, S. 24, von Barbara Schweizerhof: Das Lebensgefühl von Millionen: „In ihren Augen“
Eher positiv
- epd Film Nr. 11/2010, S. 37, von Gerhard Midding: In ihren Augen
- Die Presse, 27. Dezember 2010, von Chistoph Huber: Wie Blicke den Weg zum Mörder weisen
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Webseite
- In ihren Augen in der Internet Movie Database (englisch)
- Pressespiegel auf moviepilot.de
- Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ a b c d Geri Krebs: Virtuoses Vexierspiel. In: Neue Zürcher Zeitung, 19. August 2010, S. 43
- ↑ a b c Barbara Schweizerhof: Das Lebensgefühl von Millionen: „In ihren Augen“. In: Die Welt, 28. Oktober 2010, S. 24
- ↑ a b c Ralf Blau: In ihren Augen. In: Cinema Nr. 11/2010, S. 58
- ↑ a b c d Wolfgang Hamdorf: In ihren Augen. In: film-dienst Nr. 22/2010
- ↑ a b c Gerhard Midding: In ihren Augen. In: epd Film Nr. 11/2010, S. 37
- ↑ a b c Martin Schwickert: Liebe & Tod. In: Der Tagesspiegel, 28. Oktober 2010, S. 27
- ↑ a b c d e Chistoph Huber: Wie Blicke den Weg zum Mörder weisen. In: Die Presse, 27. Dezember 2010
- ↑ a b c d e Walter Gasperi: In ihren Augen / El secreto de sus ojos. In: Ray, Nr. 12/2010, S. 58
- ↑ Der Spiegel, 25. Oktober 2010, S. 143: Kino in Kürze