In the Court of the Crimson King

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In the Court of the Crimson King
Studioalbum von King Crimson
Veröffentlichung 10. Oktober 1969
Label Island Records
Format LP, CD
Genre Progressive Rock
Anzahl der Titel 5
Laufzeit 43m 45s

Besetzung

Produktion

  • Robert Fripp
  • Peter Sinfield
Studio Wessex Sound Studios, London
Chronologie
In the Court of the Crimson King In the Wake of Poseidon
(1970)

Das Album In the Court of the Crimson King der britischen Band King Crimson gilt als stilprägendes Werk des Progressive Rock. Es wurde am 10. Oktober 1969 unter dem Label Island Records veröffentlicht (in den USA und Japan Atlantic Records).

Entstehung[Bearbeiten]

Die Stücke des Debütalbums von King Crimson wurden während der Proben seit der Gründung der Band im November 1968 erarbeitet und bereits vor seiner Veröffentlichung mehrfach live gespielt. I Talk to the Wind war dabei der einzige Song, der von Robert Fripps und Michael Giles' Vorgängerband Giles, Giles & Fripp übernommen wurde. An der Entstehung der anderen Songs waren meist sämtliche Bandmitglieder beteiligt. So stammte der Einstiegsriff zu 21st Century Schizoid Man von Greg Lake, die Erweiterung um die chromatische Tonfolge F, F# und G von Ian McDonald, der Riff am Beginn des instrumentalen Mittelteils geht auf eine Idee Fripps zurück, und Michael Giles ist für den Unisonoteil verantwortlich. Der Text wurde von Peter Sinfield verfasst.

Die erste Bandprobe fand am 13. Januar 1969 im Keller des Fulham Palace Cafés in London statt. Ende Januar entschieden sich David Enthoven und John Gaydon, als Manager für die Band zu arbeiten und brachten den Moody-Blues-Produzenten Tony Clarke von der Plattenfirma Decca dazu, sich die Band anzuhören. Dieser sagte zu, mit King Crimson ein Album aufzunehmen. Am 1. Mai 1969 besuchte die Band die Londoner Morgan Studios, in denen die Arbeiten am Debütalbum stattfinden sollten, um sich ein Bild zu machen. Doch die Aufnahmen konnten aufgrund zahlreicher Konzertverpflichtungen erst im Juni beginnen.

Am 12. Juni begannen die Aufnahmesitzungen mit 21st Century Schizoid Man. Die Backing Tracks entstanden noch an diesem Tag, am nächsten Tag nahm McDonald sein Solo auf. Am 14. Juni arbeitete man an I Talk to the Wind, in den nächsten Tagen an Epitaph. Doch die Sessions wurden schon am 19. Juni abgebrochen. Die Band war unzufrieden mit der Richtung, in die Tony Clarke gehen wollte.

Nach einer Unterbrechung von drei Wochen unternahm man einen letzten Versuch mit Clarke und nahm die Arbeiten am 7. Juli wieder auf. Vier Tage lang konzentrierte sich die Band auf Epitaph. Doch erneut wurden die Sessions abgebrochen: Tony Clarke hatte versucht, King Crimson den "Moody-Blues-Sound" zu verpassen, der sich zuvor bereits als sehr erfolgreich erwiesen hatte. Doch die Band wollte ihr eigenes Klangbild entwickeln. Sie trennte sich daraufhin von Clarke und Decca.

Enthoven und Gaydon mussten in der Folge die Band selbst finanzieren, konnten jedoch bald einen Vertrag mit Island Records abschließen. Daraufhin wurden die Arbeiten in den Wessex Studios wieder aufgenommen.

Ab 21. Juli wurde The Court of the Crimson King fertiggestellt. In den darauffolgenden Tagen nahm man das Mellotron und den Gesang auf. Am 29. Juli nahm sich die Band I Talk to the Wind vor, einen Tag später wandte man sich Epitaph zu. 21st Century Schizoid Man wurde vom ersten bis zum vierten August 1969 aufgenommen. Die Arbeiten daran wurden mit Fripps und McDonalds' Soli abgeschlossen. Am 31. August wurden die Backing-Tracks für Moonchild aufgenommen. Aufgrund des Mangels an Songmaterial beschloss man, die kurze Ballade durch eine Improvisation (damals ohnehin bereits ein wichtiger Teil von King-Crimson-Konzerten) auszubauen. Die Songs Mars (aus Gustav Holsts Suite Die Planeten, veröffentlicht als The Devil's Triangle auf dem Folgealbum In the Wake of Poseidon)[1] und Get thy Bearings (die Coverversion eines Donovan-Songs), die damals auf Konzerten gespielt wurden, wollte die Band nicht mit auf das Album nehmen, weil man keine Coverversion auf dem Debüt haben wollte. Ebenso wenig wurden die Stücke Travel Weary Capricorn (Fripp, Lake, McDonald, Giles, Sinfield) und Drop In (Fripp, Lake, McDonald, Giles) mit auf das Album genommen. Sie sind bis heute lediglich auf Live-Alben zu hören. Drop In geht auf eine Songidee Fripps namens Why Don't You Just Drop In aus den Tagen seiner früheren Band Giles, Giles and Fripp zurück.

Die Aufnahmen waren Ende August abgeschlossen.

Titelliste[Bearbeiten]

  1. 21st Century Schizoid Man (Fripp/McDonald/Lake/Giles/Sinfield) - 7:20, inklusive
    • Mirrors
  2. I Talk to the Wind (McDonald/Sinfield) - 6:05
  3. Epitaph (Fripp/McDonald/Lake/Giles/Sinfield) - 8:47, inklusive
    • March For No Reason
    • Tomorrow and Tomorrow
  4. Moonchild (Fripp/McDonald/Lake/Giles/Sinfield) - 12:11, inklusive
    • The Dream
    • The Illusion
  5. The Court of the Crimson King (McDonald/Sinfield) - 9:22, inklusive
    • The Return of the Fire Witch
    • The Dance of the Puppets

Die Gesamtlaufzeit des Albums beträgt 43:45 Minuten.

Anmerkungen

  • Die Benennung einzelner Teile der Stücke 21st Century Schizoid Man, Epitaph, Moonchild und The Court of the Crimson King hat keinerlei Bedeutung. Die Musiker entschieden sich dafür, als sie hörten, dass sie mehr Geld bekommen würden, wenn das Album mehr Stücke enthielt. Daher entschloss man sich zu Titeln wie „21st Century Schizoid Man including Mirrors“.
  • Die Bebop-artige Phrase am Beginn des instrumentalen Mittelteils von 21st Century Schizoid Man stammt aus Ian McDonalds' Tagen in einer Big Band der britischen Armee. Er hatte sie ursprünglich als Teil eines Stückes namens Three Score and Four für diese Band geschrieben, das jedoch nie gespielt worden war. McDonalds' Solo über dem 12/8-Takt bricht abrupt ab, weil diese Tonspur der 8-Spur-Anlage im Anschluss für Robert Fripps Gitarre benötigt wurde.
  • McDonalds' Flötensolo auf I Talk to the Wind wurde aus zwei verschiedenen Aufnahmen zusammengeschnitten. Der Schnitt ist bei 5:23 zu hören.
  • Epitaph wuchs seit Winter 1968/69 durch Beiträge verschiedener Bandmitglieder nach und nach an. Die Melodie stammt wohl von Lake, Tomorrow And Tomorrow geht auf eine Bandprobe am 27. Mai 1969 zurück. Erst am 6. Juni, als McDonald die Noten für Epitaph und Cadence and Cascade festhielt, scheint das Stück in seiner endgültigen Fassung vorgelegen zu haben.
  • Moonchild war im Februar im Keller des Fulham Palace Cafés entstanden. Die Melodie geht auf eine Zusammenarbeit von Fripp und McDonald zurück. Der dumpfe Schlagzeugklang wurde dadurch erreicht, dass Michael Giles seine Instrumente mit Handtüchern abdeckte. Bei 9:50 baute Fripp eine kurze Passage aus dem Oklahoma!-Stück Surrey with a Fringe on Top ein.
  • Der Text zu The Court of the Crimson King stammte aus einem völlig anderen Stück, das Peter Sinfield 1968 geschrieben hatte. McDonald arbeitete seit dem 4. Februar an einer neuen Melodie für den Text. Eine kurze Phrase in McDonalds' Flötensolo bei 5:11 geht auf Rimski-Korsakows Scheherazade zurück (Beginn des zweiten Satzes).

Besetzung[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

21st Century Schizoid Man bewegt sich im Bereich zwischen Hard Rock und Jazz. Zunächst dominieren ein E-Gitarren-Riff ( Hörbeispiel?/i), verzerrte Gitarrensounds und aggressiver, ebenfalls verzerrter Gesang. Später geht der Song in rasante Unisono-Läufe ( Hörbeispiel?/i) über, die dem Bebop entlehnt sind. Die Stilwechsel, die rhythmischen Brüche (in weiten Teilen wechseln 4/4-, 3/4-, 2/4-, 12/8- und 6/8-Takte) und die enorme Dynamik des Stückes waren zu dieser Zeit eine Ausnahmeerscheinung.

I Talk to the Wind fungiert als idyllisches Zwischenspiel zwischen dem frenetischen 21st Century Schizoid Man und dem hymnischen Abschluss der ersten Albumseite, Epitaph. Es ist das einzige Stück auf In the Court of the Crimson King, das nicht vollständig in Moll gehalten ist.

Das hymnische Epitaph wird durch die Mollakkorde des Mellotrons dominiert. Im Text herrschen düstere Zukunftsvisionen vor, die durch den Verlust alter Wahrheiten und moralischer Anleitung aktuellen Wissens bestimmt sind. Die Hoffnungslosigkeit wird durch die achtzehnfache Wiederholung einer VI-v-Progression in e-Moll im Schlussteil Tomorrow and Tomorrow unterstrichen.

The Court of the Crimson King und Moonchild beruhen auf einfachen, reinen Dreiklängen, gängigen Akkordfolgen und Kadenzen. Die Ballade Moonchild stellt dabei den Moll-Septnonakkord in den Vordergrund. Sie ist gleichzeitig das erste Dokument für ein Problem, das King Crimson durch nahezu die gesamte Zeit ihres Bestehens begleiten sollte: der Mangel an fertig komponiertem Material. Der größte Teil des über 12-minütigen Stückes wird von einer langen Improvisation eingenommen, mit der Fripp mittlerweile derart unzufrieden ist, dass er mehrfach geäußert hat, man hätte den Song um die Hälfte kürzen sollen. Für das Box-Set Frame by Frame (1991) hat er den improvisierten Teil herausgenommen.

Cover[Bearbeiten]

Das Albumcover zeigt ein verzerrtes, schreiendes Gesicht, das vom Rand abgeschnitten wird. Auf der Innenseite des Klappcovers sind ein freundlicheres Gesicht und zwei Hände, deren Gestik eine rege Unterhaltung abzubilden scheint, zu sehen. Die Bilder wurden von Barry Godber gemalt, einem Freund von Peter Sinfield aus dessen Tagen am Chelsea Art College. Er starb ein Jahr nach der Veröffentlichung des Albums 24-jährig an einem Herzanfall.

Rückschau[Bearbeiten]

Die Musik des Albums unterscheidet sich wesentlich vom musikalischen Mainstream der damaligen Zeit. Es zeichnet sich durch häufigen Mellotron-Einsatz, lange und virtuose Instrumentalteile, rhythmische und harmonische Komplexität sowie surreale Texte aus. Damit nimmt es bereits viele musikalische Elemente des Progressive Rock der 1970er Jahre vorweg und gilt als stilprägender Meilenstein. Zusammen mit frühen Alben der Bands The Nice, Procol Harum und The Moody Blues ist In the Court of the Crimson King oft als erstes Progressive-Rock-Album bezeichnet worden.[2][3] Viele Bands haben sich an diesem Album orientiert, darunter Genesis, die sich das Cover in ihrem Proberaum an die Wand gepinnt hatten.

Das Debütalbum enthält zudem mit 21st Century Schizoid Man King Crimsons bis heute bekanntestes Stück. 2003 nannte der damalige britische Premierminister Tony Blair es gegenüber der Zeitung The Guardian als sein Lieblingslied.[4]

Das Musikmagazin eclipsed wählte das Album auf den 2. Platz seiner Liste der 150 wichtigsten Prog-Alben.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In the Wake of Poseidon auf Allmusic
  2. Annalen des Jahres 1969 auf den Babyblauen Seiten
  3. In the Court of the Crimson King in der Progrography
  4. Rock on, Tony. The Guardian, abgerufen am 7. Mai 2009.
  5. eclipsed Nr. 144, S. 39.

Weblinks[Bearbeiten]