Independents

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Die Independents waren eine religiöse englische Bewegung, die stark von der Theologie Johannes Calvins geprägt war und die die Selbständigkeit der einzelnen Kirchengemeinde (congregation) betonte. Eine andere Bezeichnung ist Kongregationalismus. Er entstand im 17. Jahrhundert im Gegensatz zur zentralisierten, hierarchisch durch Bischöfe geführten Anglikanischen Kirche.

In England hatte die Reformation besonders gravierende Auswirkungen für die katholische Kirche gehabt. 1534 vollzog Heinrich VIII. die Trennung der englischen Kirche von der römisch-katholischen Kirche, weil der Papst seine Scheidung von seiner Ehefrau und die Heirat mit Anne Boleyn verweigerte. Nach seiner Gründung der eigenen Anglikanischen Kirche war England offiziell protestantisch, abgesehen von dem missglückten Versuch seiner Nachfolgerin Maria I., die Uhr zurückzudrehen und den Katholizismus als Staatsreligion in England wiederherzustellen.

Viele Protestanten betrachteten damals jedoch die Staatskirche als noch zu sehr von katholischen Einflüssen geprägt. Es gab immer noch einen von Bischöfen geleiteten Klerus, und der Gottesdienst wurde in Latein gehalten. Die anglikanische Kirche (Church of England) ist aus theologischer Sicht gemäßigt evangelisch. Sie behielt jedoch viele Rituale der römisch-katholischen Kirche bei (Bischofsamt, Messgewänder u.a.). Die Protestanten, die die anglikanische Kirche reformieren wollten, wurden als Puritaner bezeichnet. Sie wollten die englische Staatskirche von allen katholischen Strukturelementen "reinigen" ("purify"). Sie traten ab etwa 1560 auf und bildeten keine klar definierte Kirche, vielmehr waren sie eine allgemeine Bewegung – „a broad church“.

1582 traten die „Brownists“ auf. Diese protestantische Kirche nennt sich heute Kongregationalisten (engl. „Congregationalists“). Die Bezeichnung Independents wurde erst ab 1653 (Protektorat) verwendet. Die Independents wandten sich gegen eine zentralisierte Kirche. Deshalb lehnten sie die anglikanische Kirche und deren Klerus entschieden ab.

Die Blütezeit der Independents war 1640 bis 1660. Während des Englischen Bürgerkriegs (1642-46) war Oliver Cromwell der Führer dieser Glaubensrichtung. Im zweiten Bürgerkrieg (1648-49) kämpfte seine independentistische Bauernarmee, die New Model Army, gegen die schottischen Presbyterianer und besiegte sie.[1]

Die Auffassung, diese Kriege seien in erster Linie oder ausschließlich religiös motiviert gewesen, ist irrig. Denn die Vorstellungen der Independents fanden Anklang bei den sich schnell entwickelnden kapitalistisch gesinnten Schichten Englands, darunter den Yeomen, d.h. Kleinbauern, die ihr akkumuliertes Kapital investieren wollten. Cromwell gehörte dieser Gesellschaftsschicht an. Es war darum kein Zufall, dass seine Kriegspartei die meiste Unterstützung in Englands stärker entwickeltem Süden und den reichen Hafenstädten fand, wo die Independents die Mehrheit der Bevölkerung stellten.

Es war der klassische Zusammenstoß der Kräfte des frühen Kapitalismus und des späten Feudalismus. Dieser gesellschaftliche Konflikt sollte sich 140 Jahre später in Frankreich wiederholen. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass das heutige Regierungssystem Großbritanniens seine Wurzeln in den Lagerfeuerbesprechungen der New Model Army hat. Aber dieses Heer war nur finanzierbar, weil alle wichtigen Hafenstädte Englands wie auch die City of London die Parlamentarische Partei in beträchtlichem Maße finanziell unterstützten.

Die Angehörigen der aus England hervorgehenden protestantischen Kirchen werden nicht mehr als Dissenters, Independents oder Puritans bezeichnet. Sie verstehen sich nicht als radikal oder gar als revolutionär. Die heutige Bezeichnung ist Free Churches (Freikirchen).

Literatur[Bearbeiten]

  • Benjamin Hanbury: Historical memorials relating to the Independents or Congregationalists. London 1839-1844.
  • John Kennedy: The people called Independents: with relation to their doctrinal history and beliefs. London 1878.
  • George Yule: The Independents in the English civil war. Cambridge University Press, Cambridge 1958.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. Nürnberger: Cromwell, Oliver. In Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band I, Tübingen 1957, Spalte 1884-1885.