Indexpatient

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Als Indexpatient (zu deutsch: Hinweispatient von lat. index für Anzeige, Hinweis) bezeichnet man in der Epidemiologie jene Person, von der aus die Ausbreitung einer Krankheit ihren gesicherten oder mutmaßlichen Ausgang genommen hat, wie dies bei Infektions- oder Erbkrankheiten der Fall ist, die infektiös oder genetisch weiter verbreitet werden.

Dieser Ersterkrankte wird auch Patient Null (im englischen Sprachraum Patient Zero)[1] genannt.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Im Blutspendewesen wäre jener Blutspender der Indexpatient, von dem – durch seine kontaminierte Blutspende – Krankheitserreger (Pathogene) auf einen oder mehrere Empfänger seiner gewonnenen Blutprodukten übertragen wurden (→ Infektionsweg). Der/Die infizierte/n Empfänger und der besagte, zu ermittelnde Indexpatient sind die wichtigsten Ausgangspunkte für die Durchführung eines sogenannten Look-back-Verfahrens, bei dem alle Spender eines bestimmten Empfängers sowie alle Empfänger von Spenden des Indexpatienten ermittelt werden müssen.

Rekonstruktion der Infektionswege[Bearbeiten]

Bei der Rekonstruktion der Ausbreitung untersucht man die Infektionsketten, um Aussagen zu Übertragungswegen (Tier → Mensch, Mensch → Mensch, Luft- oder Tröpfcheninfektion), Ansteckungswahrscheinlichkeit („Wieviel Menschen stecken sich an?”), Erkrankungswahrscheinlichkeit („Wieviel angesteckte Menschen erkranken schließlich daran?”), Latenzzeit („Wielange dauert es bis Krankheitssymptome auftreten?”) und Sterblichkeit („Wieviel erkrankte Menschen sterben daran?”) machen zu können. Dabei interessieren alle Erkrankten.

HIV/AIDS Ausbruch ab 1959[Bearbeiten]

Die ersten am Humanen Immundefiziens-Virus (HIV) infizierten Personen stammen von Blutproben aus dem Jahr 1959.[2] Es ist wahrscheinlich, dass diese Personen auch an AIDS erkrankten. Da die Krankheit zum damaligen Zeitpunkt jedoch nicht bekannt war, lässt sich dies im Nachhinein nur vermuten, nicht jedoch belegen.

Der erste bekannte an AIDS erkrankte Mensch auf dem Nordamerikanischen Kontinent war der Afroamerikaner Robert Rayford aus Missouri, der Mai 1969 im Alter von 15 Jahren an Kaposi-Sarkom verstarb. 1987 wiesen Forscher von der Tulane University School of Medicine in aufbewahrten Blutproben eine HIV-1 Virusinfektion bei diesem Patienten nach.[3]

Ebola Ausbruch in Westafrika ab 2013[Bearbeiten]

Die erste 2013 an Ebola in Westafrika erkrankte Person war ein zweijähriges Kind einer jungen Mutter aus Meliandou, einem Dorf in der Präfektur Guéckédou in Guinea. Das Kind erkrankte am 2. Dezember 2013 an Fieber, Magenkrämpfen, Erbrechen und verstarb am 6. Dezember 2013. Innerhalb von drei Wochen starben nach ihm seine dreijährige Schwester, seine Mutter, seine Großmutter und eine Krankenschwester, die sie pflegte.[4] Da das Dorf Meliandou im Grenzgebiet von Guinea, Sierra Leone und Liberia liegt, verbreitete sich die Krankheit durch Kontaktinfektion (Kontakt mit u.a. Schweiß und Blut) rasch in allen drei Ländern.

Der Indexpatient in der Psychotherapie[Bearbeiten]

In der Systemischen Therapie wird ein Gruppenmitglied, das mit seinen Symptomen einengende Wirklichkeitskonstruktionen und leiderzeugende Interaktionsmuster innerhalb der Gruppe anzeigt, ebenfalls als Indexpatient bezeichnet.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. TheFreeDictionary – Medical dictionary: Lemma: „Patient Zero (englisch), abgerufen am 14. März 2014.
  2. Zhu T, Korber BT, Nahmias AJ, Hooper E, Sharp PM, Ho DD: An African HIV-1 Sequence from 1959 and Implications for the Origin of the Epidemic. In: Nature. 391, Nr. 6667, 1998, S. 594–7. Bibcode: 1998Natur.391..594Z. doi:10.1038/35400. PMID 9468138.
  3. Garry RF, Witte MH, Gottlieb AA, Elvin-Lewis M, Gottlieb MS, Witte CL, Alexander SS, Cole WR, Drake WL: Documentation of an AIDS virus infection in the United States in 1968. In: JAMA. 260, Nr. 14, October 1988, S. 2085–7. doi:10.1001/jama.260.14.2085. PMID 3418874.
  4. Frank Patalong: Patient Zero: Forscher rekonstruieren Verbreitungsweg der Ebola-Seuche. Spiegel Online, 10. August 2014, abgerufen am 10. August 2014.
  5. A. Vossler: Als Indexpatient ins therapeutische Abseits? Kinder in der systemischen Familientherapie und -beratung. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie. 2000 Jul–Aug;49(6), S. 435–449, PMID 11008483.