Indian Citizenship Act

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US-Präsident Calvin Coolidge mit vier Osage-Indianern nach der Unterzeichnung des Citizenship Act.

Der Indian Citizenship Act (englisch: Indianer-Staatsbürgerschaftsgesetz), auch bekannt als Snyder Act, wurde durch Homer P. Snyder, einen Kongressabgeordneten aus New York, eingebracht und sprach den amerikanischen Indianern die volle Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten zu. Das Gesetz wurde von US-Präsident Calvin Coolidge am 2. Juni 1924 unterzeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Viele Indianer hatten bereits durch Ehe, Militärdienst, Verträge oder andere Gesetze die Staatsbürgerschaft bekommen. So hatten ab 1888 viele mit Weißen verheiratete Indianerinnen die Staatsbürgerschaft erhalten, ab 1919 konnten sie Veteranen des Ersten Weltkriegs in einem (umständlichen) Verfahren beantragen. Rund ein Drittel der registrierten Indianer, rund 125.000 Menschen also[1], war jedoch durch keinen dieser Wege eingebürgert worden.

Mit dem Gesetz erhielten die Bundesstaaten die Möglichkeit, den Indianern auf ihrem Gebiet das Wahlrecht einzuräumen, jedoch verweigerten ihnen viele Bundesstaaten dieses Recht.

Auch auf Seiten der Indianer gab es Widerstand gegen diesen Versuch, wie es sich in ihren Augen darstellte, die Ureinwohner zu assimilieren und zu individualisieren, statt sie als Angehörige ihrer jeweiligen indianischen Nation anzuerkennen. Bereits 1877 war mit der Ingalls Bill ein erster Versuch unternommen worden, den Indianern auf dem Gebiet der USA die Staatsbürgerschaft einzuräumen, doch fürchteten viele von ihnen, damit ältere Vertragsrechte einzubüßen, sowie die Auflösung der Stämme und den Verlust ihres Landes. So etwa dachten Angehörige der Choctaw und Chickasaw, aber auch der Seminolen und Creek. 1887 bestätigte sich diese Befürchtung, denn mit dem General Allotment Act, auch Dawes Act genannt, wurde das allen Angehörigen des jeweiligen Stammes gehörende Land in Parzellen aufgeteilt, was zudem die Gesamtgröße der Reservate um zwei Drittel reduzierte. Die Aufteilung in Parzellen war hierbei die Voraussetzung, um die Staatsbürgerschaft zu erhalten.[2]

Dennoch kämpften Indianer auch für die Anerkennung ihrer Bürgerrechte, wie etwa 1884 John Elk, der den Staat Nebraska verklagte. Er forderte, dass die 14. Ergänzung (amendment) der Verfassung, die den aus Afrika verschleppten ehemaligen Sklaven und ihren Nachkommen die Staatsbürgerschaft bereits seit 1868 zuerkannt hatte, auch für Indianer Gültigkeit haben müsse. Der Oberste Gerichtshof entschied jedoch, dass Nebraska im Recht war, als der Bundesstaat dem Indianer die staatsbürgerlichen Rechte verweigert hatte. Die Indianer gehörten nach Meinung des Gerichts ihrer Nation an, nicht der der Vereinigten Staaten. Tatsächlich waren bis dahin die Bürgerrechte nur gewährt worden, wenn die Rechte der jeweiligen Indianernation aufgegeben worden waren, wie etwa im Fall der Ottawa, die 1862 ihr gesamtes Stammesland in Einzelparzellen aufgelöst hatten.[3]

1901 erhielten die Bewohner des Indianer-Territoriums in Oklahoma ungefragt die Staatsbürgerschaft. Von den 19,5 Millionen Acre Stammesland wurden bis 1907 16 Millionen privatisiert, was auf Grund der Ölfunde die Zuwanderung von Nichtindianern so stark förderte, dass 1907 rund 1,3 Millionen Nichtindianer im Gebiet lebten.

Vor allem der Six Nations Grand Council, der Große Rat der sechs Irokesennationen, wehrte sich gegen die gesetzlichen Änderungen von 1919, also die Übertragung der Staatsbürgerschaft auf die einstigen Soldaten des Ersten Weltkriegs, die wohlmeinend beschlossen worden war[4], ohne sie zu fragen. Sie betrachteten die US-Staatsbürgerschaft als bloßes Mittel der Assimilation und sahen das Gesetz als Teil der Politik der Landzuweisung an Individuen, die die USA von 1887 bis 1933 verfolgten. Damit versuchte die Regierung, das Land, das traditionell den Stämmen gehörte, im Sinne der kapitalistischen Eigentumsordnung Einzelbesitzern zuzuweisen. Konsequenterweise erklärten die Irokesen unabhängig von den USA den Achsenmächten den Krieg, unterhalten eigene diplomatische Beziehungen, geben eigene Autoschilder aus und gehen nicht zu den Wahlen.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vine Deloria: American Indian policy in the twentieth century, University of Oklahoma Press 1992

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. On this day in History. June 2, 1924: Indians become U.S. citizens today, Native News online (Version vom 5. Juni 2009 im Internet Archive).
  2. Bruce Elliott Johansen: The encyclopedia of Native American legal tradition, Greenwood Publishing Group, 1998, S. 137f.
  3. Sharon O'Brien: American Indian Tribal Governments, University of Oklahoma Press, 1993, S. 79ff.
  4. Thomas A. Britten: American Indians in World War I: at home and at war, UNM Press, 1999, 179f.
  5. Bruce Elliott Johansen: The encyclopedia of Native American legal tradition, Greenwood Publishing Group, 1998, S. 138.