Indigene Völker Europas

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Während die größten indigenen Bevölkerungsgruppen der Welt auf dem amerikanischen Doppelkontinent und in Südasien zu finden sind, existieren auch in Europa einige indigene Völker. Diese leben überwiegend in Skandinavien und Osteuropa. Dazu kommen weitere indigene Völker in politisch von europäischen Staaten beherrschten Gebieten außerhalb Europas.

Indigene Völker im geographischen Europa[Bearbeiten]

Die meisten indigenen Völker Europas leben innerhalb der Russischen Föderation. Im europäischen Teil des Landes sind dies u. a. die Samen der Kola-Halbinsel, die Wepsen in Karelien, die Nenzen, die den Autonomen Kreis der Nenzen den Norden der Republik Komi bewohnen. Auch einige Ethnien Südrusslands sind als indigene kleine Völker anerkannt, so die Abasinen, Schapsugen und Nagaibaken.

Innerhalb Russlands ist umstritten, ob die finnischstämmigen Völker der Komi und Mari ebenfalls als indigen zu gelten haben, da sie über eigene „Staatlichkeit“ in Gestalt autonomer Republiken verfügen.

Unstrittig ist dagegen, dass die Samen im Norden Fennoskandinaviens und Russlands durch ihre sprachliche und kulturelle Unterscheidung zu den indigenen Völkern gezählt werden.

In der Ukraine definieren sich mehrere Bevölkerungsgruppen der Halbinsel Krim als indigen, so die Krimtataren, die Karaim und die Krimtschaken.

In der Schweiz gab es eine Diskussion um die Frage, ob die Schweiz die ILO-Konvention 169 zum Schutz indigener Völker unterzeichnen soll. Dabei ging es darum, ob "Fahrende" ein indigenes Volk bilden würden. Das Schweizer Recht versteht unter "Fahrenden" jedoch eine heterogene Bevölkerungsgruppe ohne eigenständige Ethnizität, die zum einen aus Jenischen, zum anderen aus Manouches (Sinti), jeweils mit Schweizer Staatsbürgerschaft, besteht. Roma und Sinti betrachten ihre Gruppe nicht als indigen, und auch die Schweizer Manouches melden keinen solchen Anspruch an, wohl aber seit einigen Jahren jenische Interessenvertretungen. Im politischen und gesellschaftlichen Diskurs blieb diese Position isoliert.

Indigene Völker außerhalb Europas, die europäischen Staaten angegliedert sind[Bearbeiten]

Politisch zu Europa gehören auch die östlich des Ural lebenden Indigenen Völker Sibiriens, von den Nenzen, Chanten und Mansen Westsibiriens, bis zu den Yupik, Tschuktschen und Alëuten (Volk) des russischen Fernen Ostens. Tatsächlich stellt der Ural keine signifikante Grenze dar, sodass sich die formell zu Asien gehörenden Nenzen der Halbinsel Jamal sprachlich und kulturell nicht signifikant von den westlich des Urals lebenden Angehörigen dieser Ethnie unterscheiden.

Die indigenen Bewohner der französischen Überseegebiete Neukaledonien und Französisch-Guayana sind politisch Bürger/-innen der Europäischen Union.

Das überwiegend von Inuit bewohnte Grönland genießt zwar eine weitgehende Autonomie, ist jedoch politisch Dänemark angegliedert, allerdings ohne Teil der Europäischen Union zu sein.

Nationale Minderheiten in Europa[Bearbeiten]

Sprachliche Minderheiten in anderen europäischen Ländern, wie etwa Basken, Bretonen, Sorben oder Friesen unterscheiden sich in Lebensart und Kultur nicht sehr von der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung, sodass sie üblicherweise nicht als indigen bezeichnet werden.

Auch Sinti und Roma sind in Deutschland als nationale Minderheit nach der Europäischen Minderheitenkonvention anerkannt, fallen also nicht in die Kategorie "Indigene Völker".

Siehe auch[Bearbeiten]