Indischer Nationalkongress

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Indian National Congress
भारतीय राष्ट्रीय काँग्रेस
Flagge des INC
Sonia Gandhi (cropped).jpg
Partei­vorsitzende Sonia Gandhi
Gründung 28. Dezember 1885
Haupt­sitz Neu-Delhi
Aus­richtung Progressivismus, Sozialdemokratie, Demokratischer Sozialismus, Säkularismus
Farbe(n) Blau
Internationale Verbindungen Sozialistische Internationale, Progressive Allianz
Website www.nationaldemocraticcongress.com

Der Indische Nationalkongress (INC, englisch Indian National Congress), auch Kongresspartei oder Kongress genannt, ist eine von sechs nationalen Parteien Indiens (vgl. Liste der politischen Parteien in Indien) und gilt neben der Bharatiya Janata Party als eine der beiden großen Parteien des Landes. Sie gilt als sozialliberal und säkular orientiert, während die Bharatiya Janata Party für eine konservative Ausrichtung und Hindu-Nationalismus steht.

Die Kongresspartei wurde 1885 gegründet und ist eine der ältesten demokratischen Parteien der Welt. Sie war die führende Bewegung des indischen Unabhängigkeitskampfes. Zahlreiche andere, vor allem regionale Parteien sind aus Abspaltungen entstanden.

Geschichte[Bearbeiten]

Delegierte der ersten Versammlung des INC in Bombay 1885

Bis zur Unabhängigkeit Indiens[Bearbeiten]

Die Kongresspartei ist eine 1885 von Hindus und Muslime, sowie Briten im damaligen Britisch-Indien gemeinsam gegründete indische Partei. Als Ort der Gründung war zunächst Pune vorgesehen. Wegen eines Ausbruchs der Pest in Pune wich man jedoch nach Bombay aus, wo die eigentliche Gründungsversammlung am 28.–30. Dezember 1885 stattfand.[1] Eine führende Rolle bei der Gründung spielte der schottische Theosoph Allan Octavian Hume. Ziel der neu gegründeten Partei war es, eine stärkere Teilhabe von gebildeten Indern an der politischen Machtausübung in Britisch-Indien zu erreichen.

Nach und nach gewann der Kongress an politischem Gewicht und spielte eine führende Rolle bei der Massenbewegung gegen die Teilung Bengalens 1905, die von nationalbewussten Indern als ein Versuch der britischen Kolonialherren gesehen wurde, Muslime und Hindus gegeneinander auszuspielen. Auch in der Swadeshi-Bewegung 1905 bis 1911, die der Stärkung des nationalindischen Bewusstseins und der indischen Wirtschaftskraft dienen sollte, war der Kongress aktiv. 1906 wurde die rivalisierenden Muslimliga gegründet, die spezifisch die Interessen der Muslime vertreten wollte. Der Indische Nationalkongress wurde außerdem mit Konflikten zwischen dem moderaten Flügel unter der Führung von Gopal Krishna Gokhale und dem radikalen Flügel unter der Führung von Bal Gangadhar Tilak belastet. Es kam 1907 zur Spaltung der Kongresspartei. Der moderate Flügel berief nun alljährlich eine alternative Versammlung ein, das All India Congress Committee, welches fortan zum wichtigsten Entscheidungsgremium des Nationalkongresses wurde. Indischer Nationalkongress und Muslimliga verfassten 1916 gemeinsam im sogenannten Lucknow-Pakt eine Erklärung mit Forderungen nach indischer „Selbstregierung“, wobei zunächst weniger an vollständige Unabhängigkeit, sondern an die Erlangung des Status eines Dominions gedacht war. Diese wurde von der britischen Regierung im August 1917 mit einer politischen Absichtserklärung beantwortet, Indien einen allmählichen Übergang zur Selbstregierung zuzugestehen.

Gandhi mit dem Kongress-Präsidenten Bose (1938)

Unter der Führung Mohandas Gandhis, der 1914 endgültig nach Indien zurückgekehrt war, kam es in der Zwischenkriegszeit zu gewaltfreien Widerstand (Satyagraha) gegen die britische Herrschaft. Der Kongress, der zuvor eher ein elitärer Zirkel von westlich gebildeten Intellektuellen gewesen war, wurde zu einer Massenbewegung. Mit dem Government of India Act aus dem Jahr 1935 erhielten die Provinzen Britisch-Indiens eine relativ weit gehende Autonomie. Bei den Wahlen zu den Provinzialvertretungen errang der Kongress in 8 von 11 Provinzen die Mehrheit und bildete anschließend die Provinzialregierungen. Bei Kriegsausbruch 1939 erklärte der Vizekönig Lord Linlithgow den Kriegseintritt Britisch-Indiens auf Seiten des Empire, ohne die gewählten indischen Volksvertreter zu konsultieren. Die gewählten Kongresspartei-geführten Provinzialregierungen traten daraufhin unter Protest zurück. Radikalere Vertreter im Indischen Nationalkongresses sahen den Krieg als Möglichkeit, die Unabhängigkeit Indiens im aktiven Kampf zu erlangen. Der 1938 zum Parteipräsidenten gewählte Subhash Chandra Bose floh, nachdem die Kolonialregierung ihn unter Hausarrest gestellt hatte, ins Ausland, proklamierte eine Gegenregierung des „Freien Indien“ und baute zunächst von Deutschland und später von Japan aus eine indische Auslandsarmee auf. Gandhi bemühte sich um die politische Einheit zwischen Hindus und Muslimen. Im Jahr 1942 rief Gandhi die Quit India-Bewegung aus, in der die britischen Kolonialherren zum Verlassen des Landes aufgefordert wurden. Nach Kriegsende kam es 1947 zur Unabhängigkeit, allerdings konnte die Einheit Indiens nicht bewahrt werden und die mehrheitlich muslimischen Landesteile wurden unter dem Staatsnamen Pakistan als eigener Staat selbständig. Jawaharlal Nehru, der enge Mitstreiter Gandhis aus den Reihen des Kongresses wurde erster Premierminister Indiens.

Seit 1947[Bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Hier fehlt eine detaillierte Parteigeschichte unter Nehru, Indira Gandhi, Rajiv Gandhi, etc.
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.
Zwei Ochsen unter einem Joch - das Wahlsymbol der Kongresspartei zwischen 1951 und 1969

Nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 stellte die Kongresspartei bis 1977 alle Premierminister des Landes, beginnend mit Jawaharlal Nehru. 1969 verließ eine Gruppe von Kongressmitgliedern die Partei und bildete die kleinere Indische Nationalkongress-Organisation (U). Bei der Parlamentswahl im März 1977 errang die aus verschiedenen Oppositionsgruppen hervorgegangene Janata Party einen klaren Sieg über die Kongresspartei Indira Gandhis.

1978 spaltete sich die Kongresspartei erneut, als Indira Gandhi im Zuge parteiinterner Auseinandersetzungen den Indischen Nationalkongress-Indira (I) gründete, der 1981 vom Obersten Gerichtshof offiziell als Kongresspartei anerkannt wurde. Die Kongresspartei gewann die Parlamentswahl 1980 und Indira Gandhi wurde erneut Premierministerin. Nach ihrer Ermordung 1984 wurde ihr Sohn Rajiv Gandhi bis 1989 Premierminister.

P. V. Narasimha Rao war als Vertreter der Kongresspartei indischer Premierminister von 1991 bis 1996. Bei der Parlamentswahl 2004 erzielte die inzwischen von Sonia Gandhi geführte oppositionelle Kongresspartei einen unerwarteten Sieg. Sie wurde jedoch in der Presse stark wegen ihrer italienischen Herkunft angefeindet. Überraschend für ihre Parteienkoalition lehnte sie es daher ab, den Posten des Premierministers zu übernehmen, als Premierminister wurde am 22. Mai 2004 Manmohan Singh vereidigt. Die unter seiner Führung stehende Regierung konnte ihre Mehrheit in der Parlamentswahl 2009 behaupten und deutlich ausbauen. Bei der Parlamentswahl 2014 erlitt die Kongresspartei jedoch eine schwere Niederlage und erzielte mit 19,3 % der Stimmen und 8,1 % der Parlamentssitze ihr schlechtestes Ergebnis bei allen gesamtindischen Wahlen seit der Unabhängigkeit.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die Wahlergebnisse (gewonnene Mandate) bei den gesamtindischen Parlamentswahlen.[2] Im Verlauf ihrer Geschichte war die Kongresspartei mehreren Spaltungen unterworfen. Für die Wahl 1971, 1977 und 1980 sind hier die Ergebnisse von Indira Gandhis Kongresspartei (Congress (R) bzw. Congress (I)) aufgeführt.

Jahr Wahl Stimmen-
anteil
Parlaments-
sitze
1951 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1951 44,99 %
364/489
1957 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1957 47,78 %
371/494
1962 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1962 44,72 %
361/494
1967 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1967 40,78 %
283/520
1971 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1971 43,68 %
352/518
1977 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1977 34,52 %
154/542
1980 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1980 42,69 %
353/529
1984 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1984 49,10 %
404/514
1989 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1989 39,53 %
197/529
1991 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1991 36,26 %
232/521
1996 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1996 28,80 %
140/543
1998 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1998 25,82 %
141/543
1999 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 1999 28,30 %
114/543
2004 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 2004 26,53 %
145/543
2009 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 2009 28,55 %
206/543
2014 IndienIndien Wahl zur Lok Sabha 2014 19,30 %
44/543

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Indischer Nationalkongress – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Stewart Bowman: Columbia Chronologies of Asian History and Culture, Seite 300. ISBN 0-231-11004-9 (englisch), abgefragt am 27. Dezember 2010
  2. Election Results – Full Statistical Reports. Indian Election Commission (Indische Wahlkommission), abgerufen am 12. Oktober 2014 (englisch, Wahlergebnisse sämtlicher indischer Wahlen zur Lok Sabha und zu den Parlamenten der Bundesstaaten seit der Unabhängigkeit).