Indra Sinha

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Indra Sinha

Indra Sinha (* 1950 in Colaba,[1] Mumbai, Maharashtra, Indien) ist ein britischer Schriftsteller indischer Herkunft.[2] Bevor er Schriftsteller wurde, arbeitete er als Werbetexter. Sinha ist als einer der besten zehn britischen Texter aller Zeiten gewählt worden.[1] Bekannt wurde er vor allem durch seine kompromisslosen Werbekampagnen für Amnesty International oder das Bhopal Medical Appeal.[1] 1995 kündigte er der Agentur, um sich fortan dem Schreiben von Romanen und Sachbüchern zu widmen.[3]

Werk[Bearbeiten]

Zu Indra Sinhas Werk gehören, neben seinen Übersetzungen alter Sanskrit-Texte ins Englische,[4] auch ein Bericht über die Generation vor dem Zeitalter des Internets namens The Cybergypsies,[5] sowie zwei Romane, von denen The Death of Mr. Love[6] auf dem Gerichtsprozess des K.M. Nanavati gegen den Staat Maharashtra basiert und Animal's People[7][8], welches die Katastrophe von Bhopal behandelt. Animal's People, (dt.: 'Menschentier') wurde 2007 auf die Shortlist des Man Booker Prize[9][10] gewählt. 2008 gewann Sinha den Commonwealth Writers' Prize. Menschentier erscheint in Deutschland im Oktober 2011 im Rahmen der von Ilija Trojanow herausgegebenen Reihe Weltlese. Lesereisen ins Unbekannte im Verlag Edition Büchergilde.[11]

Bibliographie[Bearbeiten]

Deutschsprachig erscheint:

Über Bhopal[Bearbeiten]

Seit 1993 kämpft Sinha engagiert für die Rechte der Opfer der Chemiekatastrophe von Bhopal.[3][14] In diesem Jahr kreierte er die erste Kampagne für das Bhopal Medical Appeal, in welcher er ein inzwischen sehr bekanntes Bild des Fotografen Raghu Rai verwandte, das die Beerdigung eines toten Kindes zeigt.[1] Die Einnahmen dieser Kampagne kamen dem Bau einer Klinik zugute, die den Überlebenden der Katastrophe eine kostenfreie Behandlung gewährleistete.[3] Sinha ist ein ausgesprochener Gegner der Dow Chemical Company, welche Besitzerin der Union Carbide ist, und zu welcher eine vernachlässigte, baufällige und unterbesetzte Chemieanlage in der Stadt Bhopal gehörte. Aus dieser Anlage traten in der Nacht des 3. Dezember 1984 400 Tonnen Giftgas aus, das 8.000 Menschen tötete und etwa eine halbe Million erkranken ließ. Seitdem starben 20.000 Menschen an den Folgen des Unfalls, und mehr als 100.000 sind heute chronisch krank. Aus der verlassenen, heruntergekommenen Anlage treten auch heute noch giftige Chemikalien aus, die im Grundwasser versickern und Brunnen nachhaltig verschmutzen.[15]

Neben der Veröffentlichung seines Romans Animal's People (eine fiktive Erzählung über die Nachwirkungen des Chemieunfalls), hat Sinha viele Interviews gegeben und mehrere Artikel zu dem Thema geschrieben,[16] unter anderem im Guardian anlässlich des 25. Jahrestags der Katastrophe, in welchem er Lokalpolitiker verurteilt (insbesondere Babulal Gaur von der BJP) und ihnen vorwirft, 2004 keine Einigung mit dem Obersten Gerichtshof Indiens bezüglich einer angemessenen Wasserpolitik für die Giftopfer getroffen zu haben.[17] Auch die indische Regierung macht er für dieses Versagen verantwortlich.

Als ehemaliger Werbetexter ist Sinha besonders über die Imageaufbesserungsversuche der Dow Chemical Company in Form von Sponsoring von Live Earth Run For Water Events und Veranstaltungen von Blue Planet Run erbost. Dows „Human Element“ Werbekampagne nennt er „glitzernde Lügen“, und er zitiert Paul Phare: “Lügen schön zu erzählen, macht sie nicht wahr.”[18][19]

Leben[Bearbeiten]

Sinha ist Sohn eines Offiziers der Indischen Navy und einer englischen Schriftstellerin.[20] Seine Ausbildung begann er am Mayo College in Ajmer, Rajasthan in Indien und setzte sie an der Oakham School, in Rutland und am Pembroke College in Cambridge, England fort, wo er Englische Literatur studierte. Mit seiner Frau lebt er in Sussex und Südfrankreich. Sie haben drei erwachsene Kinder.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Lindsay Pereira: I feel strong contempt for Indian politicians. In: Rediff.com, 22. August 2007. Abgerufen am 6. Oktober 2011.  „Pick an advertising agency; any agency. Walk to where the copywriters congregate, and gently whisper the name 'Indra Sinha'. Then stand back and watch as feelings of inadequacy suddenly rush into the room. There is a perfectly logical explanation for the reaction. For decades now, Sinha has been making copywriters around the world feel inadequate and inspired in turns. Being voted one of the top ten British copywriters of all time tends to give one that kind of power … Sinha's writing career has been intriguing. He began with a translation (Kama Sutra) and followed it with an explanation of the Tantric tradition (Tantra: The Cult of Ecstasy), before winning acclaim with his rather frightening memoir on hours spent online in the early years of the Internet, The Cybergypsies. His first novel, The Death of Mr Love, was based on a real-life murder, in Mumbai, where he was born.“ 
  2. Indra Sinha profile. In: The Guardian. Abgerufen am 28. Mai 2008. 
  3. a b c Stephen Moss, „Triumph from tragedy“, The Guardian, 26. September 2007, Aufgerufen am 5. Dezember 2009.
  4. SINHA, Indra
  5. a b Our decade: The 90s and cyberspace. In: BBC News E-cyclopedia. 13. März 1999. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  6. a b Shamaila Khan: Indra Sinha Interview. In: BBC Radio Manchester. 15. November 2002. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  7. a b Bhopal revisited: Animal's Story
  8. Mark Thwaite: Interview with Indra Sinha. In: The Book Depository, Ltd. Gloucester. 2007. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  9. McEwan battles Booker newcomers. In: BBC News. 7. August 2007. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  10. At-a-glance: a guide to the Booker longlist 2007. In: BBC News. 8. August 2007. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  11. Edition Büchergilde, „Weltlese“, Aufgerufen am 15. September 2011.
  12. Common misconceptions about Kama Sutra. “The Kama Sutra is neither a sex-manual nor, as also commonly believed, a sacred or religious work. It is certainly not a tantric text. In opening with a discussion of the three aims of ancient Hindu life – dharma, artha and kamaVatsyayana's purpose is to set kama, or enjoyment of the senses, in context. Thus dharma or virtuous living is the highest aim, artha, the amassing of wealth is next, and kama is the least of the three.” —Indra Sinha.
  13. Books on Indra Sinha's website (cached).
  14. Georg Blume, „Die Leiden von Bhopal“, ZEIT, 17. August 2010, Aufgerufen am 15. September 2010.
  15. Indra Sinha, „Abandoned to their fate“, The Guardian, 9. April 2008, Aufgerufen am 5. Dezember 2009.
  16. Indra Sinha, „Why I'm going on hunger strike for Bhopal“, The Guardian, 12. Juni 2008, Aufgerufen am 5. Dezember 2009.
  17. Indra Sinha, „Bhopal: 25 years of poison“, The Guardian, 3. Dezember 2009, Aufgerufen am 5. Dezember 2009.
  18. A glimpse behind the mask of Dow (Version vom 9. April 2007 im Internet Archive) Bhopal.net „Behind the mask of Dow“ e.cards. Aufgerufen am 5. Dezember 2009.
  19. A glimpse behind the mask of Dow Indra Sinha's website blog (cached), aufgerufen am 5. Dezember 2009.
  20. Biographie auf Indra Sinhas website.