Industriepark Höchst

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Tor Ost des Industrieparks mit dem Sanofi-Aventis-Logo
Blick von Osten in die Brüningstraße im Industriepark

Der Industriepark Höchst ist das etwa vier Quadratkilometer große Werksgelände der ehemaligen Farbwerke Hoechst AG und einer der größten Industrieparks in Deutschland. Er liegt in den Frankfurter Stadtteilen Höchst, Sindlingen und Schwanheim sowie mit seinem südwestlichen Teil in der Gemarkung Kelsterbach und wird vom Main durchflossen.

Zwei Brücken, die Werksbrücke Mitte und die Werksbrücke West, verbinden den nördlichen mit dem südlichen Werksteil. Der Industriepark Höchst hat eine eigene Postleitzahl 65926, die ursprünglich 1993 für die Hoechst AG vergeben worden war.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Industriepark Höchst ist einer der größten Chemie- und Pharmastandorte Europas. Seit der Aufgliederung der Hoechst AG 1998 betreibt ihn die Firma Infraserv Höchst. Sie bietet den ansässigen Unternehmen Industriedienstleistungen wie Energien, Entsorgungs- und Sicherheitsleistungen oder Facilitymanagement an. Tochterfirmen wie Infraserv Logistics oder Provadis ergänzen das Portfolio um Logistik- und Aus- und Weiterbildungleistungen. Der Industrieparkbetreiber ist nicht zuletzt für die Gefahrenabwehr verantwortlich. Er unterhält deshalb auch eine eigene Werkfeuerwehr und ein medizinisches Versorgungszentrum.

Im Industriepark Höchst wurden seit 2000 jährlich mehr als 300 Mio. Euro investiert, das ist mehr als in den besten Jahren der Hoechst AG. Die Zahl der Unternehmen im Industriepark stieg seit 1997 von etwa 40 auf über 90. Größter Investor und größtes Einzelunternehmen am Standort ist Sanofi. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg von ca. 19.000 Ende der 90er Jahre auf ca. 22.000 im Jahr 2005, dazu kommen etwa 1500 Auszubildende.

Aktuelle Investitionsprojekte im Industriepark Höchst sind der Bau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums der Clariant[1] sowie einer Chloralkali-Elektrolyse der Akzo Nobel[2]. Die größten Investitionsprojekte der letzten Jahre waren der Bau eines Ersatzbrennstoff-Kraftwerks (Abfallverbrennungsanlage) und der Neubau des Ticona-Werkes, das dem Ausbau des Frankfurter Flughafens weichen musste. Gegen den Bau des Ersatzbrennstoff-Kraftwerks setzte sich seit Anfang 2007 eine Bürgerinitiative Menschenrecht Gesunde Umwelt ein, die 6000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt hatte.[3] In Höchst besteht bereits seit Ende der 1980er Jahre eine Bürgerinitiative von Kritikern des Industrieparks.[4]

Zum Schutz der anliegenden Bevölkerung vor Störfällen wurden unter anderem Sirenen als Frühwarnungsinstrumente installiert. Gesprächskreise und Veranstaltungen, Fördermaßnahmen und eine eigene Website dienen dem Dialog zwischen Industrieparkfirmen und Anwohnern.

Zur Überwachung der Emissionen und der genehmigten Grenzwerte betreibt das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) zwei Luftmessstationen in unmittelbarer Nähe des Industrieparks. Während für die Station am Bahnhof Höchst (50° 6′ 10″ N, 8° 32′ 32″ O50.1029055555568.5421722222222) eine teilweise bis 1979 zurückreichende ununterbrochene Messreihe vorliegt, wurde die Station Sindlingen (50° 4′ 40″ N, 8° 30′ 56″ O50.0777777777788.5155555555556) 1998 abgebaut und erst am 1. Januar 2008 wieder neu installiert. Beide Stationen messen kontinuierlich neben meteorologischen Daten die Konzentration der Luftschadstoffe Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid, Ozon und Feinstaub. Die neue Station in Sindlingen erfasst auch Messwerte für Benzol, Toluol und m-/p-Xylol, die Station in Höchst für Methan und sonstige Kohlenwasserstoffe.[5]

Ein gelegentlich bei winterlichen Inversionswetterlagen auftretendes Phänomen ist der Industrieschnee, der durch die Wasserdampfemissionen des Kraftwerkes und der Kühltürme im Industriepark verursacht wird. Weihnachten 2007 fielen dadurch in den angrenzenden Stadtteilen bis zu 10 Zentimeter Schnee, während das übrige Rhein-Main-Gebiet schneefrei war.[6]

Das bekannteste Bauwerk des Werksgeländes ist das 1920 bis 1924 errichtete Technische Verwaltungsgebäude, nach seinem Architekten Peter Behrens auch als Behrensbau bezeichnet. Turm und Brücke des Bauwerks waren von 1947 bis 1997 das Firmenlogo der Hoechst AG.

Mehr als 70 Anlagen und Gebäude, aber auch eine Lärmschutzmauer an der Grenze zu Sindlingen, wurden seit 1986 durch den Künstler Friedrich-Ernst von Garnier farblich gestaltet.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Hafen im Industriepark Höchst, 1988

Der Industriepark Höchst ist über alle Verkehrsträger angebunden:

  • Im Süden des Industrieparks liegt der Kelsterbacher Knoten an der B 40a. Von hier aus sind die A3 am Flughafen Frankfurt am Main und die A66 am Krifteler Dreieck direkt zu erreichen. Neben dem für den LKW-Verkehr genutzten Tor Süd gibt es vier weitere nur für PKWs und Zweiräder passierbare Tore. Das Straßennetz im Industriepark Höchst ist 72 Kilometer lang.
  • Der Flughafen Frankfurt am Main liegt etwa sechs Kilometer südlich des Industrieparks.
  • Der Gleisanschluss des Industrieparks zweigt westlich des Bahnhofs Höchst von der Bahnstrecke Frankfurt-Niedernhausen ab. Das interne Gleisnetz hat eine Länge von etwa 57 Kilometern. Der nächstgelegene Personenbahnhof ist der Bahnhof Frankfurt-Höchst Farbwerke am Tor Nord, der von den S-Bahn-Linien S1 und S2 angefahren wird.
  • Der Industriepark Höchst verfügt über einen eigenen Binnenhafen. Am nördlichen Ufer befinden sich sechs Steiger zur Abfertigung von Tankschiffen. Zwischen mittlerer Werksbrücke und Leunabrücke erstreckt sich eine mehrere hundert Meter lange Kaimauer, an der ebenfalls Schiffe anlegen können. Hier wird hauptsächlich Kraftwerkskohle gelöscht. Auf der Südseite gibt es ein 450 Meter langes Hafenbecken, in dem mehrere Schiffe gleichzeitig liegen können. Es dient hauptsächlich der Anlieferung von Steinsalz sowie dem Containerumschlag für das Frankfurt Intermodal Terminal. Durch das Containerterminal werden die Verkehrsträger Wasser, Schiene und Straße „trimodal“ miteinander verknüpft. Der jährliche Güterumschlag liegt bei ca. 2 Millionen Tonnen, darunter 20000 Container.[7]
  • Rohrleitungsnetze versorgen den Industriepark mit Erdgas und Ethylen und dienen zur Verteilung von Technischen Gasen, Druckluft, Dampf, Wasser, Kältemitteln sowie Vor- und Zwischenprodukten. Die Gesamtlänge der Leitungsnetze beträgt rund 800 Kilometer.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Industriepark am Tor West
Blick von der Leunabrücke auf den Industriepark Höchst
Werksbrücke Mitte
Werksbrücke West in Sindlingen

Über 90 Unternehmen vornehmlich aus den Bereichen Pharma, Chemie, Biotechnologie und Dienstleistungen haben sich hier angesiedelt. Im Industriepark Höchst befinden sich mehr als 120 Produktionsanlagen und etwa 800 Labor- und Bürogebäude. Zu den bekanntesten Unternehmen zählen:

  • Air Liquide Deutschland GmbH (Industriegase)
  • Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH (Grundchemikalien) und Akzo Nobel Functional Chemicals GmbH (bauchemische Additive)
  • Allessa GmbH (Verfahrensentwicklung und Herstellung chemischer Zwischen- und Endprodukte)
  • Bayer CropScience AG (Pflanzenschutz)
  • Beyer-Mietservice KG (Vermietung von Nutzfahrzeugen und Maschinen)
  • BIS Industrieservice Mitte GmbH, BIS Prozesstechnik GmbH (Technische Dienstleistungen)
  • BTF GmbH & Co. KG, Elektrogroßhandel (Befestigungs- und Montagetechnik)
  • Cabot Nanogel GmbH (Aerogel)
  • Cargill GmbH (Biodiesel)
  • Celanese Chemicals Europe GmbH (Basischemikalien und Acetatprodukte), Celanese Emulsions GmbH (Dispersionen)
  • Contargo Industriepark Höchst GmbH (Betreiber des Containerterminals)
  • Chemfidence Services GmbH & Co. KG (Beschaffungsdienstleistungen)
  • Clariant Produkte (Deutschland) GmbH (Spezialitätenchemie)
  • Degussa Bank GmbH (Bankdienstleistungen)
  • DB Services Südwest GmbH (Poststellendienstleister)
  • DyStar Textilfarben GmbH & Co. Deutschland KG (Farbstoffe)
  • Eurest Deutschland GmbH (Gastronomie)
  • Euticals GmbH (Organisch-chemische Synthese, Herstellung von Feinchemikalien)
  • Grillo-Werke AG (Anorganische Schwefel- und Zinkchemie)
  • Infraserv Höchst (Industriedienstleistungen)
  • Kuraray Specialties Europe GmbH (Polymerchemie)
  • Basell Polyolefine GmbH (Kunststoffe)
  • Manpower GmbH (Personaldienstleistungen)
  • Merck KGaA (Spezialchemikalien für Flachdisplays)
  • New England BioLabs GmbH (Biotechnologie)
  • Nutrinova GmbH (Lebensmittelzusatzstoffe)
  • Provadis GmbH - Partner für Bildung und Beratung GmbH
  • Samsung Cheil Industries Co. Ltd (Kunststoff Forschung)
  • Sandoz Industrial Products GmbH (Pharmaherstellung Generika)
  • Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Pharma)
  • Siemens AG (Verfahrenstechnik und Engineering)
  • Solvay Fluor GmbH (Organische und anorganische Fluorprodukte, Kältemittel)
  • Ticona GmbH (Technische Kunststoffe)
  • Team BS Betriebsservice GmbH (Personaldienstleistungen und OnSite-Büro)
  • Technion GmbH (Verfahrenstechnische Pilotanlagen)
  • Italmatch Deutschland GmbH (Phosphorderivate)
  • Würth-Gruppe Adolf Würth GmbH & Co. KG, UNI ELEKTRO Fachgroßhandel GmbH & Co. KG (Befestigungs- und Montagetechnik)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Metternich: Ideenfabrik. Von den Farbwerken zum Industriepark Höchst. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-7829-0576-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frankfurter Rundschau vom 1. März 2012
  2. F.A.Z. vom 4. Juli 2011
  3. Meldung der Frankfurter Neuen Presse vom 11. Dezember 2007
  4. Bürgerinitiative Höchster Schnüffler un' Maaagucker e.V.
  5. Luftmessnetz des HLUG, Aktuelle Messwerte
  6. Frankfurter Neue Presse vom 22. Dezember 2007
  7. http://www.industriepark-hoechst.com/index/industriepark/fakten.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Industriepark Höchst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.098.5344444444444Koordinaten: 50° 5′ 24″ N, 8° 32′ 4″ O