Inez De Florio-Hansen

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Inez De Florio-Hansen (* 1943 als Inez Hansen) ist eine deutsche Fremdsprachenforscherin mit den Schwerpunkten Fremdsprachenlehr- und -lernforschung sowie interkulturelle Kommunikation. Nach einer Professorentätigkeit an der Pädagogischen Hochschule Erfurt war sie bis zur Versetzung in den Ruhestand Professorin an der Universität Kassel. 2011 wurde sie durch die Veröffentlichung einer Festschrift geehrt[1] Sie ist außerdem als literarische Übersetzerin hervorgetreten und hat zahlreiche Werke italienischer Erzählerinnen und Erzähler[2] sowie Drehbücher und eine Fellini-Biographie[3] ins Deutsche übertragen.

Portrait Inez De Florio-Hansen

Leben[Bearbeiten]

Nach der Promotion in romanischer Literaturwissenschaft (1970)[4] und den Staatsprüfungen für das Lehramt an Gymnasien (1974) hat sie umfangsreiche Erfahrungen als Fremdsprachenlehrerin in verschiedenen Schulformen gesammelt. Es folgte eine mehrjährige Tätigkeit als Fachberaterin am Hessischen Kultusministerium (Betreuung italienischer Migrantenkinder, Herkunftssprachenunterricht Italienisch, Fortbildung für italienische Lehrkräfte). Außerdem unterrichtete sie Italienisch an verschiedenen Volkshochschulen. 1994 habilitierte sie sich mit einer empirischen Untersuchung zum Wortschatzlernen erwachsener Fremdsprachenlernender an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main.[5]

Nach Lehraufträgen an den Universitäten Frankfurt/Main und Gießen erhielt sie 1994 einen Ruf als Universitätsprofessorin an die (damalige) Pädagogische Hochschule Erfurt (1995/96: Direktorin des Instituts für Romanische Philologie). 1996 trat sie die Professur für Fremdsprachenlehr- und -lernforschung/Interkulturelle Kommunikation an der Universität Kassel an, an der sie bis zur Versetzung in den Ruhestand auch als Institutsdirektorin und Dekanin tätig war. Seither widmet sie sich verstärkt der Lehrerfortbildung und der Erstellung von Unterrichtsmaterialien für Englisch, Französisch und Italienisch.[6]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten]

In mehreren Monographien, betreuten Sammelbänden, als Gastherausgeberin bzw. Koordinatorin einschlägiger Fachzeitschriften wie Fremdsprachen Lehren und Lernen, Der Fremdsprachliche Unterricht – Französisch und französisch heute und in über 150 Aufsätzen hat Inez De Florio-Hansen sich zu allen wichtigen und innovativen Aspekten des Fremdsprachenunterrichts in den Schulsprachen geäußert. Außerdem hat sie über 30 Rezensionen veröffentlicht und ist im Redaktionsbeirat internationaler Fachzeitschriften wie System, Journal of Linguistics and Language Teaching (JLLT) sowie der Zeitschrift für Romanische Sprachen und ihre Didaktik (RomSD). Im letzten Jahrzehnt hat sie sich vorrangig der Didaktik des Englischen, vor allem dem Englischunterricht an beruflichen Schulen, gewidmet. Verstärkt betreibt sie empirische Unterrichtsforschung und hat die erste ausführliche Auseinandersetzung mit Visible Learning von J. Hattie (2009; 2012) vorgelegt. Sie hat ein eigenes Verständnis von evidenzbasiertem Lehren und Lernen entwickelt, welches sie an verschiedenen Unterrichtsbeispielen aus den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften, Geographie, Politik/Wirtschaft und den Sprachen Deutsch und Englisch exemplifiziert.[7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Lernen und Lehren von Fremdsprachen[Bearbeiten]

  • Lernen, wie man Wortschatz lernt: von der Instruktion zur Lernerautonomie. In: Der fremdsprachliche Unterricht – Französisch. 30.23/1996, S. 29–33.
  • Authentizität und Neue Medien. Zum Beitrag der Neuen Technologien für selbstbestimmtes Fremdsprachenlernen. In: Neusprachliche Mitteilungen aus Wissenschaft und Praxis. 53.4/2000, S. 204–212.
  • Von der Friedenserziehung zur global education: Fremdsprachenunterricht in Zeiten der Internationalisierung und Globalisierung. In: französisch heute. 33.3/2002, S. 326–343.
  • Fremdsprachenlernende zu Wort kommen lassen oder Wortschatzarbeit: aktiv, individuell, interaktiv. In: Udo O.H. Jung (Hrsg.): Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer. Lang, Frankfurt/Main u.a. 2006, S. 180–188.
  • Selbstbestimmtes Lernen: Essentials für die Konstruktion kompetenzorientierter Lernaufgaben. In. Französisch Heute. 39.3/2008, S. 26–44.
  • Wer hat Angst vor Bildungsstandards? Überlegungen zur Kompetenz-, Aufgaben- und Inhaltsorientierung im Fremdsprachenunterricht. In: Lüger, Heinz-Helmut/ Rössler, Andrea (Hrsg.): Wozu Bildungsstandards? Zwischen Input- und Outputorientierung in der Fremdsprachenvermittlung. Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung Sonderheft 13/2008. Landau: Verlag Empirische Pädagogik, 59-86.
  • How to Become a Successful Language Learner. Autonomy, Styles and Strategies Revisited. In: Fremdsprachen und Hochschule. 81/2009, S. 9–40.
  • Faces of Facebook/Faces de Facebook. Zum Umgang mit sozialen Netzwerken: kritisch, konstruktiv, kreativ. In: Praxis Fremdsprachenunterricht. 5 (2011), S. 5–8 (+ Download).
  • A never-ending story: video games. In: Praxis Fremdsprachenunterricht Englisch 4, 9-13.
  • Sprachmittlung in alltagsweltlicher Kommunikation. Eine komplexe Herausforderung für Fremdsprachenlehrer und -lerner. In: Reimann, Daniel/ Rössler, Andrea (Hrsg.): Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht. Tübingen: Narr, 65-92.
  • Translation Competence in Foreign Language Learning. Can language Methodology benefit from Translation Studies? In: Journal of Linguistics and Language Teaching (JLLT online), 1-29.
  • "Money, money, money". In: Praxis Fremdsprachenunterricht Englisch 5, 22.

Inter-/Transkulturalität[Bearbeiten]

  • Interkulturalität als Voraussetzung für personale Autonomie und Authentizität. Überlegungen zu einem (fremd-)sprachenübergreifenden Konzept. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts. 47.3/2000, S. 227–234.
  • Zur Entwicklung interkultureller Sensibilität im autonomiefördernden Fremdsprachenunterricht. Vorschläge für den Englisch- und den Französischunterricht. In: Praxis des neusprachlichen Unterrichts. 48.2/2001, S. 61–69.
  • Transkulturelle Kompetenz: zur Messbarkeit von Verhaltensnormen. In: Dagmar Abendroth-Timmer u.a. (Hrsg.): Normen und Normverletzungen. Aktuelle Diskurse in der Fachdidaktik Französisch. ibidem, Stuttgart 2010, S. 61–96.
  • Der italienische Film und sein Publikum. Überlegungen zur Rezeptionsästhetik und Inter-/Transkulturalität. In: Eva Leitzke-Ungerer (Hrsg.): Film im Fremdsprachenunterricht (FIF). ibidem, Stuttgart, S. 187–204.

Mehrsprachigkeit und Migration[Bearbeiten]

  • Perspektiven für den Unterricht Italienisch und Deutsch als Fremd-/ Zweitsprachen. In: Italienische Botschaft (Hrsg.): Schule und Bildung zwischen Italien und Deutschland: eine Frage europäischer Integration. Bonn 1984, S. 28–36.
  • mit Adelheid Hu (Hrsg.): Plurilingualität und Identität. Zur Selbst- und Fremdwahrnehmung mehrsprachiger Menschen. Stauffenburg, Tübingen 2007.
  • Minderheitensprachen. In: Carola Surkamp (Hrsg.): Metzler Lexikon der Fremdsprachendidaktik. Metzler, München 2010, S. 220–221.
  • (Hrsg.): Towards Multilingualism and the Inclusion of Cultural Diversity. kassel university press, Kassel 2011.

Lehrer(fort)bildung[Bearbeiten]

  • Modul: Lexique et grammaire. Pädagogische Hochschule Freiburg u.a.: Fern-/Kontaktstudiengang. Didaktik des frühen Fremdsprachenlernens.
  • Vom Umgang mit Wörtern. Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von Fremdsprachenstudierenden. In: Dirk Siepmann (Hrsg.): Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung. Sonderheft 9/2006, S. 145–191.
  • Online versus Onsite Learning? Insights into Computer-Based University Courses in Foreign Language Pedagogy. In: Fremdsprachen und Hochschule. 77/2006, S. 9–32.
  • mit Bernd Klewitz: Fortbildungshandreichung zu den Bildungsstandards Englisch und Französisch. kassel university press, Kassel 2010.
  • Zur Rolle der Lehrkraftin einem medienpädagogisch ausgerichteten Fremdsprachenunterricht. In: Reinfried, Marcus/ Volkmann, Laurenz (Hrsg.): Medien im neokommunikativen Fremdsprachenunterricht. Einsatzformen, Inhalte, Lernerkompetenzen. Frankfurt/Main: Lang, 41-62.
  • Ästhetisches und literarisches Lernen im Französischunterricht - ein Beitrag zur Leseförderung. In: französisch heute 43.2, 61-71.
  • Lernwirksamer Unterricht. Eine praxisorientierte Anleitung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2014.

Unterrichtsmaterialien[Bearbeiten]

  • Va bene. Bd. 2: Lehrbuch und Arbeitsbuch. Bd. 2. Hueber, München 1986 und 1987.
  • Techniken und Strategien für das Leseverstehen. Stark, Freising 2003.
  • Kreatives Schreiben. Stark, Freising 2005.
  • Mündliche Kompetenzen A1, A2, B1. (Französisch). Stark, Freising 2011.
  • How to deal with complaints - writing business letters and e-mails. Stuttgart: Raabe, ca. 30 Seiten.
  • Proper business etiquette - practicing intercultural communication skills. Stuttgart: Raabe, ca. 30 Seiten.
  • "How do you get work experience?" - Talking about Germany's dual system of vocational education and training. Stuttgart: Raabe, ca. 25 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinfried, M./Rück, N. (Hrsg.) (2011): Innovative Entwicklungen beim Lehren und Lernen von Fremdsprachen. Festschrift für Inez De Florio-Hansen. Tübingen: Narr (Giessener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik).
  2. u.a. Dacia Maraini: Memoiren einer Diebin. Ullstein, Frankfurt/Main u.a. 1977; K. Stiller (Hrsg.): Italienische Erzählungen des 20. Jahrhunderts. Piper, München 1982.
  3. Fellini: Ein Portrait von Liliana Betti. Diogenes, Zürich 1976.
  4. I. Hansen: Zwischen Epos und höfischem Roman. Die Frauengestalten im Trojaroman des Benoit de Sainte-Maure. Fink, München 1971. (Diss. Aachen 1970).
  5. I. De Florio-Hansen: Vom Reden über Wörter. Vokabelerklärungen im Italienischunterricht mit Erwachsenen. Narr, Tübingen 1994. (Habilitationsschrift)
  6. Vgl. Festschrift: Beruflicher Werdegang, XVI-XVII; Profil. In: Zeitschrift für Romanische Sprachen und ihre Didaktik. 4.2, S. 235–243.
  7. De Florio-Hansen, Inez (2014): Lernwirksamer Unterricht. Eine praxisorientierte Anleitung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG).