Infocom

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Infocom
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Rechtsform Incorporated
Gründung 22. Juni 1979
Auflösung 5. Mai 1989
Auflösungsgrund Schließung durch den Mutterkonzern Mediagenic
Sitz Cambridge, Massachusetts, USA
Branche Softwareentwicklung

Produkte

Das Unternehmen Infocom wurde am 22. Juni 1979 gegründet und stellte zahlreiche Computerspiele her, die meisten davon gehören dem Genre der Textadventures an, für die Infocom die Bezeichnung Interactive Fiction verwendete. Unternehmenssitz war Cambridge, Massachusetts, ein Vorort von Boston.

Überblick[Bearbeiten]

Die Firma Infocom war bekannt für die hohe literarische Qualität ihrer geistreichen und anspruchsvollen Adventure-Spiele. Während die meisten anderen zeitgenössischen Spiele dieses Genres nur simpel strukturierte Zwei-Wort-Befehle wie “take apple” („nimm Apfel“) verstanden, kamen die Spiele von Infocom auch mit komplexeren Eingaben wie “take the green apple on the table” („nimm den grünen Apfel auf dem Tisch“) oder “take everything from the box” („nimm alles aus der Schachtel heraus“) zurecht, was an einem sehr ausgereiften und gut durchdachten Textparser lag. Dieser beruhte auf Erkenntnissen der Erforschung künstlicher Intelligenz und war in der LISP-ähnlichen Programmiersprache ZIL („Zork Implementation Language“) geschrieben.

Eine weitere Besonderheit der Infocom-Spiele waren die zahlreichen aufwendigen Packungsbeilagen wie Zeitungsausschnitte, Visitenkarten oder Streichholzbriefchen, mit denen die Stimmung des jeweiligen Spiels haptisch vermittelt wurde und die sich gleichzeitig als hervorragender Kopierschutz erwiesen. Infocom verzichtete als einer der wenigen Publisher jener Zeit auf physisch kopiergeschützte Disketten.

Auf den frühen Heimcomputern Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts mit ihren beschränkten Disketten- und Speicherkapazitäten, noch dazu ohne Festplatte, war es kaum möglich, sowohl ansprechende Grafik als auch ansprechenden Text in ein einziges Spiel zu packen. Infocom entschied sich für reinen Text. Während bei anderen frühen Computerspielen selbst Rechtschreibfehler keine Seltenheit waren, überzeugten die Spiele von Infocom durch ihre lebendig beschreibende, oft lakonische Prosa. Erst kurz vor dem Ende der Firma im Jahre 1989 wurden noch einige Adventures mit Grafik veröffentlicht, doch auch in diesen dominierte der Text.

Das erste (und sehr erfolgreiche) Spiel namens Zork wurde 1977 als Freizeitprojekt für Unix-Systeme am MIT innerhalb eines LCS („Laboratory for Computer Science“) genannten Labors der Universität geschrieben. Einige der Autoren waren zwei Jahre später an der Gründung des Unternehmens Infocom beteiligt, das als Zusammenschluss von Kommilitonen des LCS entstand. Das Ziel der Gründung Infocoms war es nie gewesen, ein Unterhaltungssoftwareunternehmen zu werden, damit aber Infocom ein erstes Produkt vorweisen konnte, wurde die Mainframe-Fassung von Zork für die Veröffentlichung auf Heimcomputern mit geringerer Kapazität in drei Teile zerlegt (1980–1982).

Der weitere Weg von Infocom war damit vorgezeichnet, und weitere wichtige Titel wurden die anderen Spiele der Zork-Serie, sowie, u.a., Planetfall (1983), The Hitchhiker's Guide to the Galaxy (nach dem Buch Per Anhalter durch die Galaxis) (1984) und A Mind Forever Voyaging (1985).

Infocom veröffentlichte seine Spiele auf so vielen Plattformen wie nur möglich, wodurch viele der älteren Spiele für mehr als 10 verschiedene Computersysteme jener Zeit erhältlich waren.

Der Versuch, sich mit der Datenbank-Software Cornerstone (1985) auch im Markt für Geschäftsprogramme zu etablieren, scheiterte. Konkurrenzprodukte wie dBASE waren zu mächtig und Cornerstone wurde ein Misserfolg, der Infocom in große finanzielle Schwierigkeiten führte. Als Folge dessen wurde Infocom 1986 vom Spielehersteller Activision übernommen.

Nach einem Führungswechsel bei Activision wurden 1989 die noch verbliebenen Mitarbeiter von Infocom entlassen und der Betrieb eingestellt. Danach nutzte man bei Activision den Namen „Infocom“ noch einige Jahre als Label. Einige Entwickler (u.a. Steve Meretzky) wechselten zu dem von Bob Bates gegründeten Unternehmen Legend Entertainment, welches das klassische Textadventure mit Grafikelementen auffrischte und seinerseits eine Reihe beachtlicher Titel vorweisen konnte.

Titel[Bearbeiten]

Textadventures im Zork-Universum[Bearbeiten]

weitere Textadventures[Bearbeiten]

Grafikadventures[Bearbeiten]

  • 1988: Zork Zero
  • 1988: Journey: The Quest Begins (Menügesteuert, keine textuelle Befehlseingabe)
  • 1989: James Clavell's Shogun
  • 1989: Arthur: The Quest for Excalibur

Rollenspiel[Bearbeiten]

Computerunterstütztes Brettspiel[Bearbeiten]

  • 1985: Fooblitzky (Apple II, Atari 8-bit, DOS)

Anwendungsprogramme[Bearbeiten]

  • 1985: Cornerstone (Datenbank)

Vermächtnis[Bearbeiten]

Die meisten Spiele von Infocom sind (allerdings nicht legal) nach wie vor per Internet erhältlich.

Activision hat jedoch mehrere Sammlungen der Spiele auf CD bzw. Disketten veröffentlicht: „Lost Treasures of Infocom I & II“ (beide ohne Leather Goddesses of Phobos, das mit einem beiliegenden Gutschein extra erworben werden musste) und „Masterpieces of Infocom“ (ohne „Hitchhiker's Guide“ und „Shogun“, deren Rechte an die Buchautoren zurückgefallen waren). Diese sind nur noch gebraucht erhältlich.

Kern aller Infocom-Spiele (außer Fooblitzky und Quarterstaff) ist die sog. Z-machine-Spieldatei, die mithilfe eines Z-machine-Emulators (auch ZIP, d.h. Zork Interpreter Program genannt, was aber nichts mit dem Kompressionsformat ZIP zu tun hat) gespielt wird. Dieses Konzept ermöglichte es Infocom, ihre Spiele für die Vielzahl damaliger Heimcomputer-Plattformen und -Systeme in jeweils inhaltlich identischer Form zu veröffentlichen.

Solche Interpreter sind heute für viele Plattformen und Betriebssysteme erhältlich, von den Heimcomputern der 80er Jahre (wie z.B. Apple II, Commodore 64, und Schneider/Amstrad CPC) über moderne Windows- und Unix-basierte Systeme bis zu diversen Palmtops, Organizern und Handhelds, womit die Spiele auch auf modernen Rechnern noch nutzbar sind.

Mit Inform liegt eine Programmiersprache mit Bibliotheken vor, die es ermöglicht, selbst Spiele für die Z-Machine zu schreiben. Die Inform-Sprache unterscheidet sich grundlegend von ZIL, erzeugt aber Spieldateien im gleichen bzw. einem leicht erweiterten Format.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]