Inga-Staudamm

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Inga-Staudamm
Staudamm Inga I mit abzweigendem Kanal zu Inga II
Staudamm Inga I mit abzweigendem Kanal zu Inga II
Lage
Inga-Staudamm (Demokratische Republik Kongo)
Inga-Staudamm
Koordinaten 5° 30′ 59,7″ S, 13° 37′ 15,2″ O-5.5165913.6209Koordinaten: 5° 30′ 59,7″ S, 13° 37′ 15,2″ O
Land: Demokratischen Republik Kongo
Gewässer: Fluss Kongo
Kraftwerk
Betriebsbeginn: 1972
Technik
Engpassleistung: 230 Megawatt
Turbinen: 14
Sonstiges

Die Inga-Staudämme sind zwei Staudämme in der Demokratischen Republik Kongo an den Inga-Fällen, an denen der Fluss Kongo 100 m herunterstürzt. Gemessen an ihrer Leistung sind sie die größten Wasserkraftwerke des subsaharischen Afrikas.

Inga I wurde 1972 in Betrieb genommen, zehn Jahre später wurde Inga II fertiggestellt. Beide Kraftwerke gelten als „Weiße Elefanten“ des früheren Präsidenten Mobutu Sese Seko. Daneben existieren Planungen für zwei weitere Dammprojekte.

Inga I und II[Bearbeiten]

Rohrleitungen des Wasserkraftwerks Inga I

Inga I ist mit sechs Turbinen mit einer jeweiligen Leistung von 52 MW ausgestattet, Inga II verfügt über acht Turbinen, die jeweils eine Leistung von 178 MW erreichen können.[1] Ab 2005 erfolgte die Instandsetzung der Wasserkraftwerke mit Unterstützung der Weltbank. Die Instandsetzung von Inga I erfolgte dabei hauptsächlich durch deutsche Unternehmen, die Arbeiten an vier der Turbinen von Inga II wurden durch eine Tochterfirma der kanadischen MagIndustry Corp. übernommen, die im Gegenzug exklusive Stromlieferungen für ein Werk zur Magnesiumgewinnung in Pointe-Noire im Nachbarstaat erhielt.[1]

Trotz der Instandhaltung und neu installierter Maschinen konnte die angestrebte Kapazität – auch infolge zunehmender Verschlammung – nicht erreicht werden, von ihrer möglichen Kraftwerksleistung von 1.700 MW leisteten sie im Mai 2008 weniger als ein Viertel, die gewonnene Energie wird hauptsächlich über die HGÜ Inga-Shaba zum Minenbetrieb in der rohstoffreichen Region Katanga zur Kupfergewinnung verwendet.[2]

Inga III[Bearbeiten]

Inga I und II mit geplantem Staudamm Inga III

Neben den beiden bestehenden Staudämmen ist ein drittes Kraftwerk, Inga III geplant. Die mögliche Leistung soll 3.500 [3] bis 4.300 MW[2] betragen. Als Partner für die Finanzierung ist ein Public-Private-Partnership zwischen der Regierung und dem Bergbaukonzern BHP Billiton im Gespräch, der ein Aluminiumwerk in Bas-Congo errichten wollte.[4] Im Februar 2012 zog sich der Konzern jedoch aus den Verhandlungen zurück.[5]

Im Oktober 2012 teilte ein Sprecher des verantwortlichen Gremiums mit, dass die Regierung bei der Finanzierung auf eine Gruppe aus Geldgebern spekuliere, unter denen sich die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank befänden. Die Bauarbeiten mit einer Laufzeit von 6 Jahren sollen im Jahr 2016Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren beginnen, als Kosten wurden im Herbst 2012 9 Milliarden US-Dollar genannt.[6] Derzeit befinden sich drei Bietergruppen im Wettbewerb: Ein chinesischer Zusammenschluss aus China Three Gorges Corporation und Sinohydro Corporation, ein spanisches Duo aus Grupo ACS und Eurofinsa sowie die beiden koreanischen Unternehmen Daewoo Corporation und Posco zusammen mit dem kanadischen Unternehmen SNC Lavalin.

Die Ausschreibungsergebnisse sollten ab November 2012 ausgewertet werden.[6] Die Regierung schrieb zwischen Ende 2012 und Anfang 2013 mehrere Aufträge für externe Berater aus, sowohl für technische Belange als auch für die Durchführung von Vergabeverfahren, zu denen u.a. auch das Inga-Projekt gehören soll.[7][8]

Grand Inga[Bearbeiten]

geplanter Staudamm Grand Inga mit geplantem Staubecken nach Umleitung des Kongo

Anders als mit Inga I, II und III welche durch Kanäle Wasser des Kongo abzweigen, ist mit dem Staudammprojekt Grand Inga eine komplette Umleitung und Aufstauung des Kongo zur Energiegewinnung geplant. Mit einer potentiellen Leistung von 39–45.000 MW wäre ein derartiger Staudamm das leistungsstärkste Wasserkraftwerk der Welt, es würde die Leistung des Drei-Schluchten-Damms um mehr als das Doppelte übersteigen und könnte einen großen Teil des afrikanischen Energiebedarfs decken. Für die Realisation der Idee werden Kosten von 80 Milliarden US-Dollar[2] erwartet. Nicht zuletzt diese Summe, die in der Demokratischen Republik Kongo die Korruption schüren könnte und das Land vor einen enormen Schuldenberg stellen würde, weckt Kritik an dem Vorhaben. Auch sind die ökologischen Folgen, die starke Zentralisierung der Energieversorgung sowie wahrscheinlich ausbleibende Entschädigungen an die lokale Bevölkerung Argumente der Kritiker gegen den Bau.[9][10] Im Sommer 2012 wurde ein Vertrag zwischen den beiden Regierungen der Republiken Kongo und Südafrika geschlossen, der es ermöglichen soll, gemeinsame Machbarkeitsstudien zum Projekt durchzuführen.[11]

Für Grand Inga wurde im Dezember 2011 mit dem Ende der ersten Bauphase bis 2025Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren gerechnet. Deren Kapazität betrüge 6 Gigawatt, die auf 39 Gigawatt ausgebaut werden könnten.[4] Im Mai 2013 wurde bekannt, dass der Bau im Oktober 2015 beginnen soll. In der ersten Phase sollen 4,8 Gigawatt, zum Abschluss des Projektes 40 Gigawatt produziert werden.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b MagEnergy Concludes INGA II Rehabilitation Agreement. In: Business Wire, 31. Mai 2005 (über findarticles.com, abgerufen 15. Juni 2008)
  2. a b c Nevin, Tom: Grand Inga - reality or pipe dream?. In: African Business, Ausgabe 343, Juni 2008, S. 32 – 34
  3. Inga 3. International Rivers (abgerufen 15. Juni 2008)
  4. a b Tristan Coloma: Inga, größte Kraft Afrikas, Le Monde diplomatique Nr. 9442 vom 11. März 2011, Zugriff am 15. Dezember 2011
  5. DR Congo Inga Three Dam: BHP Billiton withdraws custom, BBC, 16. Februar 2012 abgerufen am 5. November 2012
  6. a b Gabriella Mulligan: Congo’s $9 Billion Hydropower Plant To Supply Power To Southern Africa, Ventures Africa, 19. Oktober 2012, abgerufen am 5. November 2012
  7. DR Congo seeks procurement, financial experts for Inga hydroelectric complex, other projects, hydroworld.com, 7. Januar 2013, abgerufen am 2. Februar 2013
  8. DR Congo seeks experts to study Inga project, transmission, hydroworld.com, 6. Dezember 2012, abgerufen am 2. Februar 2013
  9. Terri Hathaway: Congo’s Inga: Great Power for Whom?. International Rivers, 1. August 2006 (abgerufen 15. Juni 2008)
  10. Streit um Afrikas Super-Damm. Süddeutsche.de, 22. April 2008 (abgerufen 15. Juni 2008)
  11. Terence Creamer: SA approves Grand Inga power treaty with DRC, Engineering News, 22. August 2012, abgerufen am 5. November 2012
  12. DR Congo giant hydro dam work starts 2015. News.com.au, 20. Mai 2013 abgerufen am 23. Mai 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Inga-Fälle und Inga-Staudamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien