Inge Höger

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Inge Höger beim Ostermarsch Rhein-Ruhr 2012

Inge Dora Minna Höger (* 29. Oktober 1950 in Diepholz) ist eine deutsche Politikerin (Die Linke).

Sie war von 2005 bis 2006 stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag. Im September 2013 wurde sie über die Landesliste in den 18. Deutschen Bundestag gewählt. Ihre Position zum Nahostkonflikt führte mehrfach zu Kontroversen.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule und der Handelsschule in Rahden machte Inge Höger von 1967 bis 1969 eine Ausbildung zur Speditionskauffrau. Anschließend absolvierte sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft in Bremen, welches sie 1973 als Diplom-Betriebswirtin (FH) beendete. Danach war sie in verschiedenen Unternehmen im Rechnungswesen und seit 1994 bei der Verwaltung der AOK in Herford tätig. Sie war Mitglied der Gewerkschaft ÖTV und ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di. Sie war gewerkschaftliche Vertrauensfrau, Betriebs- und Personalrätin und ehrenamtliche Funktionärin bei ver.di auf der Landes- und Bundesebene. Unter anderem hat sie in der ÖTV an einem Konzept für eine solidarische Krankenversicherung mitgearbeitet, das im ÖTV-Bezirk NRW II beschlossen wurde. Von 1993 bis zur Bundestagswahl 2005 war sie Vorsitzende des Frauenausschusses des DGB – zunächst für den Kreis Herford, dann für die Region Bielefeld-Ostwestfalen. In dieser Funktion hat sie sich insbesondere für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen eingesetzt. In den 90er Jahren hat Inge Höger mit anderen den Stadtelternrat Herford initiiert und war dessen Sprecherin und Mitglied im Landeselternrat NRW.

Inge Höger kandidierte 2004 erfolglos (Ergebnis: 3,21 %) als parteilose Kandidatin für das Amt der Bürgermeisterin in ihrer Heimatstadt Herford.

Inge Höger ist Mitglied bei Attac, der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), der Informationsstelle Militarisierung Tübingen (IMI), der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA), den Naturfreunden Herford, dem Förderverein gewerkschaftliche Arbeitslosenarbeit, der Gewerkschaft ver.di, dem Kuratorium „Erinnern – Forschen – Gedenken“ Herford, dem Medico international, von Pro Asyl, der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW, von Rote Hilfe e.V. und dem Welthaus Bielefeld.

Partei[Bearbeiten]

Höger war Gründungsmitglied der WASG in NRW und wurde im Juni 2005 auch Mitglied der PDS. Durch den Zusammenschluss von PDS und WASG 2007 wurde Höger Mitglied der Partei Die Linke und war Sprecherin im Kreisverband Herford.

Abgeordnete[Bearbeiten]

Büroschild am Wahlkreisbüro in Herford

Seit 2005 ist Inge Höger über die Landesliste Nordrhein-Westfalen der Linkspartei Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von November 2005 bis September 2006 stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion Die Linke. Sie war von 2006 bis 2013 Mitglied im Verteidigungssauschuss. Im Verteidigungsausschuss war sie für Auslandseinsätze auf dem Balkan (Operation Althea, KFOR) und im Mittelmeer zuständig und war im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Gefangenschaft von Murat Kurnaz in Guantánamo vertreten.[1] In der 17. Legislaturperiode war Höger Obfrau ihrer Fraktion in dem Untersuchungsausschuss über die Bombardierung im Kunduz-Fluss am 4. September 2009. Auch im Untersuchungsausschuss über die Beschaffung der Euro-Hawk-Drohne war Höger dabei.[2] Seit 2009 ist sie Mitglied im Unterausschuss Abrüstung und abrüstungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Nach der Wahl 2013 wechselte sie in den Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und ist weiterhin abrüstungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Antizionismus[Bearbeiten]

Benjamin Krüger, Sprecher des Bundesarbeitskreises (BAK) Shalom der Linken und Mitarbeiter von Frank Tempel, attestiert Höger eine extrem einseitige Position, die immer wieder antisemitische Ressentiments bediene. Höger gebe dem nicht nur symbolisch (mit entsprechenden Schals[3][4][5]) sondern auch in Reden Ausdruck. Zudem nehme sie ihr offizielles Amt als abrüstungspolitische Sprecherin kaum wahr, sondern konzentriere sich auf Kritik an Israel.[6]

Zusammen mit Annette Groth und Norman Paech begleitete Höger Ende Mai 2010 einen umstrittenen internationalen Schiffskonvoi in den Gazastreifen und wurde kurzzeitig vom israelischen Militär festgehalten.[7][8] 2011 kam es im Zusammenhang mit der Ermordung zweier propalästinensischer Aktivisten, des israelischen Schauspielers und Filmregisseurs Juliano Mer-Khamis und des italienischen Journalisten Vittorio Arrigoni, durch palästinensische Terroristen zu Kontroversen um Erklärungen auf Högers Webseite.[9] Die Äußerungen wurden unter anderem von Volker Beck und Henryk M. Broder als antisemitische Verschwörungstheorie kritisiert,[10][11] Höger distanzierte sich daraufhin von den Texten und ließ sie löschen.[12]

Henryk M. Broder hielt Höger mehrfach linken Antisemitismus sowie ein unkritisches Verhältnis gegenüber der Hamas vor, unter anderem in seinem Buch Vergesst Auschwitz![13] sowie Zeitungsartikeln und Blogbeiträgen[10][3]. Sebastian Voigt nahm Högers Einstehen für die Terrororganisation Hamas und den innerparteilichen Umgang mit Kritikern Högers, namentlich der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau zum Anlass, der Linkspartei einen offenen wie verdeckten Antisemitismus als Kern ihrer Ideologie vorzuwerfen.[14][15]

Im November 2008, kurz vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht, blieb sie einer Abstimmung des Bundestags, die eine verstärkte Bekämpfung des Antisemitismus zum Gegenstand hatte, demonstrativ fern.[16]

Verurteilung[Bearbeiten]

Am 29. November 2012 hob der Bundestag aufgrund einer Vorlage des Immunitätsausschusses die Immunität von Inge Höger und drei weiteren Abgeordneten der Linken auf. Sie hatten sich 2010 beim Castor-Transport in Niedersachsen an einem Aufruf zum Schottern – also zum strafbaren Entfernen von Steinen unter Bahngleisen – beteiligt. Im April 2013 wurde sie deshalb wie auch Sevim Dağdelen und Christel Wegner zu einer Geldstrafe verurteilt.[17]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Inge Höger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Murat Kurnaz und das KSK. Wohin die uneingeschränkte Solidarität mit den USA geführt hat Infobroschüre der Partei die Linke
  2. http://www.linksfraktion.de/nachrichten/zensur-ausschuss
  3. a b Das Problem einer Linken mit lebenden Juden, Die Welt, 13. Mai 2011
  4. Ja, es gibt Antisemiten bei uns, Der Spiegel, 27. Juni 2011
  5. Die Linke und die Juden: Zwischen Antizionismus und Antisemitismus Befreiung aus dem Kerker des Israel-Hasses
  6. Da existiert eine Israel-Obsession Jungle World Nr. 30, 28. Juli 2011.
  7. Israelische Militäraktion gegen Soliflotte
  8. Studie enthüllt Antisemitismus in der Linkspartei, Die Welt, 19. Mai 2011
  9. Mittlerweile gelöschter Text einer Presseerklärung auf der Homepage von Ingeborg Höger (18. April 2011).
  10. a b Henryk M. Broder: Alkoholismus und Antisemitismus haben viel gemein, Die Welt vom 22. April 2011
  11. German MP blames Israel for Mer, Arrigoni deaths, von BENJAMIN WEINTHAL JERUSALEM POST CORRESPONDENT, JP 24. April 2011
  12. Antisemitismus-Vorwurf gegen Inge Höger / Nach Kritik des Publizisten Henryk M. Broder: umstrittener Text von der Homepage der Politikerin genommen
  13. Henryk M. Broder: Vergesst Auschwitz!: Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage, Albrecht Knaus Verlag, 2012, S. 144, 147
  14. Sebastian Voigt: Antisemitic Anti-Zionism Within the German Left—Die Linke, in Charles A. Small: Global Antisemitism: A Crisis of Modernity, Martinus Nijhoff Publishers, 2013 S. 337 ff
  15. Sebastian Voigt: Die Linke and the Left, in: PDF Journal for the Study of Antisemitism, Volume 3, No 2, S. 611–621, hier S. 613.
  16. Antisemitismus: Gegenstimme vom Linksdeck
  17. Anti-Atom-Protest: Linken-Politikerinnen wegen Aufruf zum "Schottern" verurteilt