Inge Keller

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Inge Keller 1951

Inge Keller (* 15. Dezember 1923 in Berlin) ist eine deutsche Schauspielerin.

Leben[Bearbeiten]

Inge Keller debütierte 1942 im Theater am Kurfürstendamm. Anschließend ging sie nach Sachsen, wo sie in Freiberg und Chemnitz spielte und auch das Kriegsende erlebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie nach Berlin zurück, zunächst ans Hebbel-Theater. Boleslaw Barlog engagierte Inge Keller schließlich ans Schloßparktheater. Dieser besetzte sie als Pützchen in Des Teufels General, die sie in 250 Vorstellungen mit O. E. Hasse in der Titelrolle spielte. 1950 wechselte sie an das Deutsche Theater im Ostteil der Stadt. Dort spielte sie als Ensemblemitglied bis 2001 und war von da an dort weiter als Gast tätig.

Ihre Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Wolfgang Langhoff und Wolfgang Heinz, später mit Thomas Langhoff, Peter Stein, Edith Clever, Harry Kupfer, Einar Schleef und Michael Thalheimer machte sie zu einer der bedeutendsten Theaterschauspielerinnen in Ost- und Westdeutschland. Keller gastierte in den 1970er und 1980er Jahren in West-Berlin an der Schaubühne und am Renaissance-Theater, u. a. in Inszenierungen von Rudolf Noelte.

Walter Ulbricht (links) zeichnet Inge Keller 1961 mit dem Nationalpreis I. Klasse für Kunst und Literatur aus

Auch in Kinofilmen wie in Ärztinnen nach dem Theaterstück von Rolf Hochhuth (1984 Darstellerpreis beim 3. Nationalen Spielfilmfestival der DDR) und in Aimée und Jaguar und Lola und Bilidikid im Jahr 2000 überzeugte Keller durch Stil und Sprache. Darüber hinaus spielte sie in Fernsehfilmen der ARD und des ZDF, so in Alles Samba, Wilsberg und Commissario Brunetti.

Inge Keller, Oktober 2006

Zu ihrem 75. Geburtstag im Jahr 1998 erschien im Verlag Das Neue Berlin das seitdem mehrfach vergriffene Buch von Hans Dieter Schütt Alles aufs Spiel gesetzt. Eine erweitere Neuauflage erschien zur Leipziger Buchmesse 2007. Günter Gaus porträtierte Keller im Jahr 2000 in seiner Interviewreihe Zur Person im RBB.

1989 gastierte sie bei den Wiener Festwochen als Frau Alving in Ibsens Gespenstern mit Ulrich Mühe als Osvald - einer Inszenierung, die zwölf Jahre lang auf dem Spielplan des Deutschen Theaters stand. Einen ihrer umjubelten Auftritte hatte sie an der Bayerischen Staatsoper in München und an der Komischen Oper Berlin als Maria Josefa in Aribert Reimanns Oper Bernarda Albas Haus nach Federico García Lorca in der Regie von Harry Kupfer, der einzigen Sprechrolle in dem modernen Musiktheaterstück. Kellers sprachliche Ausdruckskraft und Nachhaltigkeit als Schauspielerin bezeugen auch ihre Lesungen der Werke von Heinrich von Kleist, Theodor Fontane, Thomas Mann, Stefan Zweig, Eva Strittmatter, Christa Wolf und Franz Fühmann. Im Hörbuchverlag PATMOS erschien Die Betrogene von Thomas Mann.

Inge Keller gehörte und gehört keiner Partei an. Sie selbst bezeichnete sich selbstironisch als Diensthabende Gräfin der DDR. Thomas Langhoff nannte sie anlässlich ihres 75. Geburtstags den einzigen Vamp der DDR. Die Medien kürten sie zur Grande Dame des Deutschen Theaters.

Am 18. November 2007 beging sie ihr 65. Bühnenjubiläum mit einer Lesung von Kleists Die Marquise von O.... am Deutschen Theater Berlin. Bei einer Gedenkveranstaltung aus Anlass des Todes von Erwin Geschonneck trat sie am 2. April 2008 in der Akademie der Künste gemeinsam mit Regine Lutz, Hermann Beyer und Thomas Langhoff auf. Mit Geschonneck hatte Keller unter anderem 1961 in dem DEFA-Film Gewissen in Aufruhr gespielt.

Am 13. April 2008 las sie im Deutschen Theater die Novelle Leporella von Stefan Zweig. Aus Anlass ihres 85. Geburtstags am 15. Dezember 2008 interviewte Gregor Gysi sie in der Gesprächsreihe des Deutschen Theaters Gregor Gysi trifft Zeitgenossen. Seit April 2009 steht Inge Keller im Berliner Ensemble als Shakespeare in der Inszenierung Shakespeares Sonette von Robert Wilson und Rufus Wainwright auf der Bühne.

Aus der Ehe mit dem Chefkommentator des DDR-Fernsehens Karl-Eduard von Schnitzler, die 1956 geschieden wurde, ging die Tochter Barbara Schnitzler hervor. Diese wie auch deren Tochter Pauline Knof sind ebenfalls beide als Schauspielerinnen tätig.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

  • 1948: J. Deval - Wir armen Erdenbürger, Schlosspark Theater Berlin
  • 1948: C. Zuckmayer - Des Teufels General, Schlosspark Theater Berlin (Pützchen)
  • 1948: H. BahrDas Konzert, Hebbel-Theater Berlin (Eva Gerndl)
  • 1949: G. WeisenbornDie Ballade vom Eulenspiegel, vom Federle und …, Hebbel-Theater Berlin (Schellenbarbell)
  • 1950: A. MillerTod eines Handlungsreisenden, Hebbel-Theater Berlin
  • 1950: C. OdetsGolden Boy , Deutsches Theater Berlin (Lorna)
  • 1950: C. Sternheim1913, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Gräfin Sophie)
  • 1951: A. Kornjetschuk – Chirurg, Deutsches Theater Berlin (Lida)
  • 1952: F. v. Schiller - Don Carlos, Deutsches Theater Berlin ( Eboli)
  • 1952: G.B.Shaw - Pygmalion, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Eliza)
  • 1952: J. Burjakowski – Julius Fucik, Deutsches Theater Berlin (Gustina)
  • 1953: W. ShakespeareOthello, Deutsches Theater Berlin (Emilia)
  • 1954: G. B. Shaw - Androklus und der Löwe, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Lavinia)
  • 1954: M. GorkiSsomow und andere Deutsches Theater Berlin
  • 1954: W. Shakespeare – Viel Lärm um nichts, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Beatrice)
  • 1955: G. Hauptmann - Vor Sonnenuntergang, Deutsches Theater Berlin (Paula Clothilde Clausen)
  • 1956: N. HikmetLegende von der Liebe, Deutsches Theater Berlin (Mechmeneh Banu)
  • 1956: L. HellmanDie kleinen Füchse, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Regina Giddens)
  • 1957: W. Shakespeare – König Lear , Deutsches Theater Berlin (Goneril)
  • 1958: L. de VegaDas Dorf Fuente Ovejuna, Deutsches Theater Berlin (Königin)
  • 1958: A. TschechowDrei Schwestern, Deutsches Theater Berlin (Mascha)
  • 1958: E. M. RemarqueDie letzte Station, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Anna)
  • 1959: M. Gorki – Sommergäste, Deutsches Theater Berlin (Warwara)
  • 1962: G. B. Shaw - Haus Herzenstod, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Lady Ariadne)
  • 1962: F. v. Schiller – Wilhelm Tell, Deutsches Theater Berlin (Stauffacherin)
  • 1963: J. W. v. Goethe - Iphigenie auf Tauris, Deutsches Theater Berlin (Iphigenie) - Fernsehaufzeichnung 1969
  • 1964: MolièreTartuffe, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Elmire)
  • 1964: G. B. Shaw –Die Millionärin , Deutsches Theater Berlin (Millionärin)
  • 1965: VercorsZoo oder der menschenfreundliche Mörder, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele
  • 1968: C. Sternheim –Die Kassette, Deutsches Theater Berlin (Elsbeth Treu)
  • 1969: M. Braun – Die Troerinnen, Deutsches Theater Berlin (Kassandra)
  • 1972: W. Shakespeare –Leben und Tod König Richard III, Deutsches Theater Berlin (Königin Elisabeth)
  • 1975: H. IbsenEin Volksfeind, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Frau Stockmann)
  • 1977: G. Hauptmann –Die Ratten, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele (Sidonie Knoppe)
  • 1980: F. G. LorcaBernarda Albas Haus, Deutsches Theater Berlin (Bernarda Alba)
  • 1981: G. Büchner - Dantons Tod, Deutsches Theater Berlin (Julie)
  • 1982: H. MannDie traurige Geschichte von Friedrich dem Großen, Deutsches Theater Berlin (Fürstin Galitzin)
  • 1982: M. A. BulgakowDie Verschwörung der Heuchler, Theater im Palast (Madeleine Bejart)
  • 1983: H. Ibsen - Gespenster, Deutsches Theater Berlin (Frau Alving)
  • 1984: B. JonsonVolpone , Theater im Palast (Lady Would-Be)
  • 1985: F. v. Schiller – Wallenstein, Deutsches Theater Berlin
  • 1986: T. BernhardVor dem Ruhestand, Deutsches Theater Berlin (Vera)
  • 1987: I. TurgenewEin Monat auf dem Lande, Deutsches Theater Berlin (Anna Islajewa)
  • 1992: P. ShafferLaura und Lotte, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele
  • 2005: Johann Wolfgang von Goethe - Faust. Der Tragödie zweiter Teil, (Regie: Michael Thalheimer), Deutsches Theater Berlin
  • 2009: William Shakespeare - Shakespeares Sonette (Regie: Robert Wilson), Berliner Ensemble (Shakespeare)

Hörspiele[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

Inge Keller ist Ehrenmitglied des Deutschen Theaters Berlin und Mitglied der Akademie der Künste

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]