Inge Lehmann

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Inge Lehmann (* 13. Mai 1888 auf Østerbro, Kopenhagen, Dänemark; † 21. Februar 1993 in Kopenhagen) war eine dänische Geodätin und Seismologin.

Inge Lehmann wurde als Tochter des experimentellen Psychologen Alfred Lehmann (1858–1921) im Stadtteil Østerbro geboren, wo sie auch aufwuchs. Ihre Familie war eine alteingesessene Kopenhagener Familie, zu der auch Orla Lehmann gehörte.

Ihre Schulausbildung erhielt sie an einer pädagogisch fortschrittlichen Schule, die von Hanna Adler, einer Tante von Niels Bohr, geleitet wurde. Nach eigenem Bekunden hatten ihr Vater und Adler entscheidenden Einfluss auf ihren Werdegang. Nach dem Schulabschluss studierte sie mit einigen krankheitsbedingten Unterbrechungen Mathematik an den Universitäten Kopenhagen und Cambridge und wurde nach einigen Jahren Tätigkeit im Versicherungswesen 1925 Assistentin des Geodäten Niels Erik Nørlund, der sie mit dem Aufbau seismologischer Observatorien in Dänemark und Grönland beauftragte. In dieser Zeit begann ihr Interesse an der Seismologie. 1928 machte sie ihr Examen in Geodäsie und trat eine Stellung als staatliche Geodätin und Leiterin der Seismologischen Abteilung am Geodätischen Institut an.

In einem Artikel von 1936 mit dem schlichten Titel P' interpretierte sie erstmals P-Wellen-Einsätze in Seismogrammen, die rätselhafterweise im P-Wellen-Schatten des Erdkerns liegen, als Reflexionen an einem inneren Erdkern. Diese Interpretation wurde in den zwei bis drei folgenden Jahren auch von anderen führenden Seismologen wie Beno Gutenberg, Charles Richter und Harold Jeffreys übernommen. Der Zweite Weltkrieg und die Besetzung Dänemarks durch die deutsche Wehrmacht schränkten Lehmanns Arbeit und ihre internationalen Kontakte erheblich ein.

In den letzten Jahren bis zu ihrer Pensionierung 1953 verschlechterte sich das Klima zwischen ihr und anderen Mitgliedern des Geodätischen Instituts. Nach 1953 zog Inge Lehmann für mehrere Jahre in die USA und arbeitete mit Maurice Ewing und Frank Press zusammen an der Untersuchung der Erdkruste und des oberen Erdmantels. Dabei entdeckte sie eine weitere seismische Diskontinuität, die sich in einer mittleren Tiefe von 190 bis 250 km befindet und gemeinhin nach ihrer Entdeckerin als „Lehmann-Diskontinuität“ bekannt ist.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Inge Lehmann zählt international zu den bedeutendsten Seismologen. Für ihre Leistungen erhielt sie zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, u. a. den Harry Oscar Wood Award (1960), die Emil-Wiechert-Medaille (1964), die Goldmedaille der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaft und Schriften (1965), den Tagea Brandt Award (1938 und 1967), die Ernennung zum Fellow der Royal Society (1969), die William Bowie Medal (1971) und die Medaille der Seismological Society of America (1977), sowie die Ehrendoktorwürden der Columbia University, New York, (Sc.D. h.c., 1964) und der Universität Kopenhagen (Dr. phil. h.c., 1968) und zahlreiche Ehrenmitgliedschaften.

Seit 1997 verleiht die American Geophysical Union (AGU) die nach Lehmann benannte Inge Lehmann Medal.

Zu Ehren der Wissenschaftlerin wurde außerdem der Asteroid (5632) Ingelehmann benannt.

Wichtige Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Lehmann, Inge (1936): P'. Publications du Bureau Central Séismologique International A14(3), S. 87–115

Weblinks[Bearbeiten]