Ingeborg Weber-Kellermann

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Ingeborg Weber-Kellermann (* 26. Juni 1918 in Berlin; † 12. Juni 1993 in Marburg) war eine deutsche Volkskundlerin.

Werdegang[Bearbeiten]

Weber-Kellermann studierte zunächst Volkskunde, Ethnologie, Anthropologie und Vorgeschichte unter anderem bei Adolf Spamer. Nach ihrer Promotion im Jahre 1940 war sie von 1946 bis 1959 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und dann bis 1960 Stellvertretende Direktorin am Institut für deutsche Volkskunde an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW). Im selben Jahr wechselte sie ans Institut für mitteleuropäische Volksforschung, das spätere Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft, an der Universität Marburg. Nach ihrer Habilitation 1963 war sie von 1968 bis 1985 Professorin für Europäische Ethnologie. Ihre Forschungsschwerpunkte waren Kindheits- und Familiensoziologie, Interethnik sowie Feste, Bräuche und Lieder.

Ingeborg Weber-Kellermann kritisierte besonders die Sprachinselforschung (durch Kuhn, Jungbauer, Künzig u. v. m.) und stellte dieser ihr Konzept der Interethnik gegenüber, das Akkulturations- und interkulturelle Übernahmeprozesse in den Mittelpunkt stellt. Ihre Sicht wird heute wiederum als unrealistisch kritisiert, da sie sich hauptsächlich auf Kulturaustausch, Toleranz und harmonisches Miteinander von Kulturen konzentriere und interethnische Konflikte, Ablehnung usw. ausblende.

Schriften[Bearbeiten]

  • Josefsdorf: Lebensbild eines deutschen Dorfes in Slawonien (= Deutsche Schriften zur Landes- und Volksforschung. Bd. 15). Hirzel, Leipzig 1942 (Dissertation, Universität Berlin, 1941).
  • Zur Frage der interethnischen Beziehungen in der Sprachinselvolkskunde. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde. Bd. 62 (1959), S. 19–47.
  • Erntebrauch in der ländlichen Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts. Auf Grund der Mannhardtbefragung in Deutschland von 1865 (= Veröffentlichungen des Instituts für Mitteleuropäische Volksforschung an der Philipps-Universität Marburg-Lahn. Reihe A, Bd. 2). Elwert, Marburg 1965 (Habilitationsschrift, Universität Marburg).
  • Probleme interethnischer Forschungen in Südosteuropa. In: Ethnologia Europaea. Bd. 1 (1967), Heft 3, S. 218–231.
  • Deutsche Volkskunde zwischen Germanistik und Sozialwissenschaften (= Sammlung Metzler. Bd. 79). Metzler, Stuttgart 1969.
  • (mit Walter Stolle) Volksleben in Hessen 1970. Arbeit, Werktag und Fest in traditioneller und industrieller Gesellschaft. Schwartz, Göttingen 1971, ISBN 3-509-00565-1.
  • (mit Annemie Schenk) Interethnik und sozialer Wandel in einem mehrsprachigen Dorf des rumänischen Banats (= Marburger Studien zur vergleichenden Ethnosoziologie. Bd. 3). Marburger Studienkreis für Europäische Ethnologie, Marburg 1973.
  • Die deutsche Familie. Versuch einer Sozialgeschichte (= Suhrkamp-Taschenbuch. Bd. 185). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-518-06685-4.
  • Die Familie. Geschichte, Geschichten und Bilder. Insel, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-458-05020-5.
  • (Hrsg.) Zur Interethnik: Donauschwaben, Siebenbürger Sachsen und ihre Nachbarn. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-518-07480-6.
  • Brauch, Familie, Arbeitsleben. Schriften (= Marburger Studien zur vergleichenden Ethnosoziologie. Bd. 10). Marburg 1978.
  • Das Weihnachtsfest. Eine Kultur- und Sozialgeschichte der Weihnachtszeit. Bucher, Luzern/Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-7658-0273-5.
  • Die Kindheit. Kleidung und Wohnen, Arbeit und Spiel. Eine Kulturgeschichte. Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-458-05095-7.
  • Volksfeste in Deutschland (= HB-Bildatlas spezial. Bd. 3). HB, Hamburg 1981.
  • Das Buch der Weihnachtslieder. Mit Klavier- oder Orgelbegleitung. Musikalische Bearbeitung von Hilger Schallehn. Schott, Mainz 1982, ISBN 3-7957-2061-3. Taschenbuch: Melodieausgabe mit Akkordbezifferung (Serie Musik Atlantis-Schott, Band 8213). 12. Auflage. Atlantis, Mainz 2010, ISBN 978-3-254-08213-8.
  • Frauenleben im 19. Jahrhundert. Empire und Romantik, Biedermeier, Gründerzeit. Beck, München 1983, ISBN 3-406-08516-4.
  • Der Kinder neue Kleider. 200 Jahre deutscher Kindermoden in ihrer sozialen Zeichensetzung (= Suhrkamp-Taschenbuch. Bd. 1128). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-37628-4
  • Saure Wochen, frohe Feste. Fest und Alltag in der Sprache der Bräuche. Bucher, München/Luzern 1985, ISBN 3-7658-0471-1.
  • Landleben im 19. Jahrhundert. Beck, München 1987, ISBN 3-406-32177-1.
  • Vom Handwerkersohn zum Millionär. Eine Berliner Karriere des 19. Jahrhunderts. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34707-X.
  • Die Kinderstube (= Insel-Bücherei. Bd. 1126). Insel, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-458-19126-7.
  • Die helle und die dunkle Schwelle. Wie Kinder Geburt und Tod erleben (= Beck’sche Reihe. Bd. 1035). Beck, München 1994, ISBN 3-406-37425-5.
  • Erinnern und vergessen: Autobiographisches und weitere Materialien. Hrsg. v. Siegfried Becker, Andreas Bimmer. Jonas, Marburg 1993, ISBN 3-89445-240-4.
  • Das Buch der Kinderlieder. 235 alte und neue Lieder. Kulturgeschichte, Noten, Texte, Bilder. Klaviersätze von Hilger Schallehn und Manfred Schmitz. Schott, Mainz 1997, ISBN 3-7957-2063-X. Taschenbuch: Melodieausgabe mit Akkordbezifferung (Serie Musik Atlantis-Schott, Band 8370). 2. Auflage. Atlantis, Mainz 2010, ISBN 978-3-254-08370-8.

Des Weiteren eine ganze Reihe von Filmen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Becker, Andreas C. Bimmer (Hrsg.): Ländliche Kultur. Internationales Symposion am Institut für Europäische Ethnologie und Kulturforschung, Marburg, zu Ehren von Ingeborg Weber-Kellermann. Göttingen 1990.
  • Annemie Schenk: Interethnische Forschung. In: Rolf W. Brednich (Hrsg.): Grundriss der Volkskunde: Einführung in die Forschungsfelder der europäischen Ethnologie. 3. Auflage. Reimer, Berlin 2001, S. 363–390.
  • Von der Sprachinselforschung zur Interethnik. In: Ingeborg Weber-Kellermann, Andreas C. Bimmer, Siegfried Becker: Einführung in die Volkskunde/Europäische Ethnologie. Eine Wissenschaftsgeschichte. 3. Auflage. Metzler, Stuttgart 2003, S. 175–180.

Weblinks[Bearbeiten]