Ingelfingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ingelfingen
Ingelfingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ingelfingen hervorgehoben
49.39.65217Koordinaten: 49° 18′ N, 9° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Hohenlohekreis
Höhe: 217 m ü. NHN
Fläche: 46,48 km²
Einwohner: 5594 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74653
Vorwahl: 07940
Kfz-Kennzeichen: KÜN
Gemeindeschlüssel: 08 1 26 039
Stadtgliederung: Kernstadt und 7 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schloßstraße 12
74653 Ingelfingen
Webpräsenz: www.ingelfingen.de
Bürgermeister: Michael Bauer
Lage der Stadt Ingelfingen im Hohenlohekreis
Landkreis Heilbronn Landkreis Schwäbisch Hall Main-Tauber-Kreis Neckar-Odenwald-Kreis Bretzfeld Dörzbach Forchtenberg Forchtenberg Ingelfingen Krautheim (Jagst) Künzelsau Kupferzell Mulfingen Neuenstein (Hohenlohe) Niedernhall Öhringen Pfedelbach Schöntal Waldenburg (Württemberg) Weißbach (Hohenlohe) ZweiflingenKarte
Über dieses Bild
Ingelfingen 1906
Ingelfingen und Ruine Lichteneck vom Nordhang aus gesehen
Die evangelische Nikolauskirche

Die Stadt Ingelfingen ist ein staatlich anerkannter Erholungsort im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg und liegt am unteren Kocher, über 35 Kilometer nordöstlich von Heilbronn und etwa drei Kilometer westnordwestlich von Künzelsau (jeweils Luftlinie).

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Kernstadt Ingelfingens liegt an dessen flachem Nordbogen zwischen Künzelsau und Forchtenberg im hier etwa 190 m tief eingeschnittenen Tal des Kochers. Der Schalklingenbach zieht in südsüdöstlicher Richtung durch die Altstadt und mündet dann von rechts in den Fluss; auf halber Höhe auf dem Mündungssporn liegt die Burgruine Lichteneck. Die alten Siedlungsteile des Ortes liegen in fast 300 Meter Abstand vom nördlichen Flussufer am Übergang von der Kocheraue zum rechten Hangfuß und ziehen sich ein gutes Stück ins Klingental hoch; neuere füllen flussaufwärts die ganze Breite der Aue unter dem Hohenberg oder liegen südlich des Flusses am Anstieg zum Mühlberg.

Der Stadtteil Criesbach liegt einen guten Kilometer flussabwärts in einer Lage analog der Altstadt vor einem kleineren Klingenzulauf von Norden und am Beginn einer großen rechten Talweitung, die sich jenseits der Stadtgrenze zu Niedernhall noch fortsetzt. Südlich des Kochers gehört auf der Hochebene der Ort Lipfersberg zu Ingelfingen, ebenso zwei kleine Höfe gegenüber von Künzelsau-Nagelsberg im Tal bzw. an dessen linkem Hang.

Der größte Teil des Stadtgebietes liegt jedoch auf der von flachen Talverläufen gegliederten Hochfläche nördlich des Kochers. Auf dieser Hochebene sind etliche kleinere Höfe und Weiler verstreut, die bedeutenderen Ansiedlungen dort liegen jedoch in Seitentälern des Kochers und der Jagst: Hermuthausen liegt etwa 6 km ostnordöstlich von Ingelfingen am oberen Österbach, der über den Deubach in den Kocher entwässert, jenseits eines Zipfels Künzelsauer Gebietes. Weldingsfelden liegt etwa anderthalb Kilometer nördlich davon am Abhang zum Forellenbach, der geradewegs nördlich nach Dörzbach-Hohenbach zur Jagst strebt. Stachenhausen, Dörrenzimmern und Eberstal folgen einander westlich davon im Tal des zur Jagst bei Schöntal-Marlach ziehenden Sindelbachs. Diebach liegt wenig entfernt von Eberstal ebenfalls an der westlichen Stadtgrenze, jedoch im oberen Tal des Langenbachs, der südlich zum Kocher bei Weißbach fließt.

Die südliche Hochebene um Lipfersberg erreicht an der südlichen Stadtgrenze eine Höhe von 412,7 m ü. NN, die viel größere nördliche bei Weldingsfelden sogar 429,3 m ü. NN. Der Kocher bildet die Tiefenachse des Stadtgebiets, er fließt auf ungefähr 207 m ü. NN ein und verlässt Ingelfingen wenig unterhalb von 200,6 m ü. NN.[2]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ingelfingen hat neben der Kernstadt noch sieben Stadtteile: Criesbach, Diebach, Dörrenzimmern, Eberstal, Hermuthausen, Stachenhausen und Weldingsfelden.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde Ingelfingen im Jahre 1080. Schon 1302 wird Ingelfingen als Oppidum bezeichnet, war somit ein befestigter Ort mit allen damit verbundenen Rechten einer Stadt. 1323 verleiht König Ludwig dem Ort das Marktrecht. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt unter vielen Seuchen- und Truppendurchzügen schwer zu leiden. Zwischen 1701 und 1805 hatte hier der Graf von Hohenlohe seine Residenz, was dem Ort durch die Ansiedlung von Handwerkern eine wirtschaftliche Blüte bescherte. 1892 förderte die Gründung der Weingärtnergenossenschaft Ingelfingen, Vorläuferin der heutigen Kochertalkellerei, den Weinbau. Im 19. Jahrhundert fand man bei der Suche nach Steinkohle Salzwasser mit großer Heilwirkung, das man jedoch nicht für Kuren nutzt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1. Januar 1972: Criesbach, Diebach, Dörrenzimmern, Hermuthausen und Weldingsfelden
  • 1. September 1973: Eberstal

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 61,4 %
 %
50
40
30
20
10
0
48,6 %
36,2 %
15,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,9 %p
+5,6 %p
-1,6 %p

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab folgende Sitzverteilung:

CDU 48,6 % − 3,9 10 Sitze − 3
FWG 36,2 % + 5,6 7 Sitze ± 0
SPD 15,3 % − 1,6 3 Sitze − 1

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 7. Mai 2006 wurde Michael Jürgen Bauer mit einer Mehrheit von 55,94 % der Stimmen im ersten Wahlgang als Nachfolger von Wolfgang J. Schneider zum Bürgermeister gewählt.

1948–1978: Heinrich Ehrmann[3]
1978–2006: Wolfgang J. Schneider
seit 2006: Michael Jürgen Bauer

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Ingelfinger Wappens lautet: In Blau ein silberner Krummstab. Die Stadtflagge ist Weiß-Blau.

Der Krummstab ist schon im ersten bekannten Siegel der Stadt enthalten, das aus dem 16. Jahrhundert überliefert ist, aber wahrscheinlich schon aus dem 15. Jahrhundert stammt. Der Stab wird als Hinweis auf den Heiligen Nikolaus als Patron der Stadtkirche verstanden, soll aber auch auf Verbindungen zum Stift Comburg hinweisen. Die Krümme des Stabs wurde im 19. Jahrhundert und noch bis etwa 1920 mit der Öffnung nach links dargestellt. Ein Gemeinderatsbeschluss vom 10. April 1956 bestätigte die heutige Form des Wappens.[4]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Ingelfingen unterhält seit 1991 eine Städtepartnerschaft mit der französischen Gemeinde Saint-Héand (Département Loire) in der Nähe von Saint-Étienne.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ingelfingen ist eine Weinbaustadt, deren Lagen zur Großlage Kocherberg im Bereich Kocher-Jagst-Tauber gehören. Es liegt an der Württemberger Weinstraße. Die Rebflächen werden teilweise von den Mitgliedern der Kochertalkellerei sowie von Selbstvermarktern bewirtschaftet. Eine größere brachliegende Fläche in unmittelbarer Nähe der Ruine Lichteneck wurde unter Initiative und Finanzierung des ortsansässigen Unternehmers Fritz Müller kürzlich neu angelegt.

Verkehr[Bearbeiten]

Wichtigste Verkehrsverbindung für die Stadt Ingelfingen ist die Kochertalstraße (L 1045), die sie von Niedernhall im Westen kommend nach Osten durchquert in Richtung Künzelsau. Quer zu dieser Achse führt wenig östlich des Stadtzentrums die Bundesstraße 19 von Bad Mergentheim im Norden über Künzelsau in Richtung Süden nach Schwäbisch Hall. Über diese beiden Straßen ist die Anschlussstelle Kupferzell der A 6 Heilbronn-Nürnberg 14 km entfernt und der nächste Bahnanschluss in Waldenburg 15 km.

Die ehemalige Kochertalbahn durch Ingelfingen (von Waldenburg bis Forchtenberg) ist stillgelegt und die Trasse großteils zurückgebaut. Der Personenverkehr wurde am 30. Mai 1981 zugunsten des Nahverkehrsmodells Hohenlohekreis (eines Pilotprojektes für Omnibusnetze im ländlichen Raum) eingestellt; die Einstellung des Güterverkehrs erfolgte am 15. Mai 1991.

Einige Buslinien des Nahverkehrs Hohenlohekreis (NVH) verbinden seither die Stadt mit den Nachbarorten sowie den Mittelzentren Künzelsau, Öhringen und Bad Mergentheim.

Auf der Gemarkung von Ingelfingen liegen die Sonderlandeplätze Ingelfingen-Bühlhof (privat) und Ingelfingen-Hermuthausen (Vereins-Fluggelände); die nächsten Verkehrslandeplätze Niederstetten und Schwäbisch Hall-Hessental sind beide rund 30 Kilometer entfernt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Ingelfingen hat heute mehrere bedeutende Industriebetriebe (Steuerungstechnik, Herstellung und Vertrieb von Montageteilen)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Panoramablick übers Kochertal bei Ingelfingen

Bauwerke[Bearbeiten]

Das sehenswerte 1705 bis 1712 errichtete Neue Schloss der Grafen von Hohenlohe befindet sich seit 1962 im Besitz der Stadt und dient seit der Sanierung 1984/1985 als Rathaus.

Im November 2013 wurde das 1625 bis 1627 erbaute Alte Schloss von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg als „Denkmal des Monats“ ausgezeichnet.[8]

Besichtigungswürdig sind der Schwarze Hof, ein bemerkenswertes Stadtadelshaus und das Muschelkalkmuseum Hagdorn.

Die evangelische Nikolauskirche wurde um 1500 erbaut. Ihr Chor weist ein kunstvolles gotisches Netzgewölbe auf.[9]

Die Burgruine Lichteneck ist der erhaltene Rest einer um 1250 von Kraft von Boxberg erbauten Burg, die im 15. Jahrhundert zerstört wurde.

Das Ingelfinger Fass gilt als zweitgrößtes Holzfass Europas und beherbergt ein Weinbaumuseum.

Das Fachwerkhaus Schmiedgasse 15 wurde laut einer dendrochronologischen Untersuchung um 1295 erbaut und ist damit eines der ältesten erhaltenen Häuser in Deutschland.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Topografische Karte 1:25.000 für die geographischen Daten.
  3. Nachruf in der Onlineausgabe der Heilbronner Stimme.
  4. Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 81.
  5. BTI Befestigungstechnik.
  6. Bürkert Fluid Control Systems.
  7. Gemü-Gruppe.
  8. Das Alte Schloss in Ingelfingen, „Denkmal des Monats“ November 2013 bei denkmalstiftung-baden-wuerttemberg.de (abgerufen am 24. November 2013)
  9. Evang. Nikolauskirche Ingelfingen: Festschrift zur Wiedereinweihung am 12. Dezember 1976.
  10. Judith Breuer: In Ingelfingen steht eines der ältesten Häuser Deutschlands. Denkmalpflege in Baden-Württemberg, H. 4/2013, S. 233-235.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ingelfingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien