Ingelheim am Rhein

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Ingelheim. Zu weiteren Bedeutungen siehe Ingelheim (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ingelheim am Rhein
Ingelheim am Rhein
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ingelheim am Rhein hervorgehoben
49.9741666666678.0541666666667110Koordinaten: 49° 58′ N, 8° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Höhe: 110 m ü. NHN
Fläche: 49,86 km²
Einwohner: 24.283 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 487 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55218
Vorwahlen: 06132
06130 (Großwinternheim)
06725 (Sporkenheim)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 030
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Neuer Markt 1
55218 Ingelheim am Rhein
Webpräsenz: www.ingelheim.de
Oberbürgermeister: Ralf Claus (SPD)
Lage der Stadt Ingelheim am Rhein im Landkreis Mainz-Bingen
Breitscheid (Hunsrück) Bacharach Manubach Oberdiebach Oberheimbach Niederheimbach Weiler bei Bingen Trechtingshausen Waldalgesheim Münster-Sarmsheim Bingen am Rhein Ingelheim am Rhein Budenheim Heidesheim am Rhein Wackernheim Grolsheim Gensingen Horrweiler Aspisheim Welgesheim Zotzenheim Badenheim Sprendlingen Sankt Johann (Rheinhessen) Wolfsheim (Gemeinde) Ockenheim Gau-Algesheim Appenheim Nieder-Hilbersheim Bubenheim (Rheinhessen) Ober-Hilbersheim Engelstadt Schwabenheim an der Selz Jugenheim in Rheinhessen Stadecken-Elsheim Essenheim Ober-Olm Klein-Winternheim Nieder-Olm Sörgenloch Zornheim Bodenheim Gau-Bischofsheim Harxheim Nackenheim Lörzweiler Mommenheim (Rheinhessen) Hahnheim Selzen Nierstein Oppenheim Dienheim Dexheim Dalheim (Rheinhessen) Köngernheim Friesenheim (Rheinhessen) Undenheim Uelversheim Uelversheim Ludwigshöhe Guntersblum Weinolsheim Dolgesheim Eimsheim Hillesheim (Rheinhessen) Wintersheim Dorn-Dürkheim Rhein-Lahn-Kreis Hessen Mainz Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Bad Kreuznach Donnersbergkreis Landkreis Alzey-WormsKarte
Über dieses Bild
Ein kolorierter Stich von Ingelheim von Matthäus Merian, 1645
Ingelheim im Jahr 2009

Ingelheim am Rhein ist eine große kreisangehörige Stadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts befand sich dort die Ingelheimer Kaiserpfalz, die den Kaisern und Königen bis ins 11. Jahrhundert als Aufenthalts- und Regierungsort diente. Auf diese Zeit folgte die Herrschaft der Grafen von Ingelheim in Ober-Ingelheim und die Blütezeit des Ingelheimer Oberhofs im Spätmittelalter, von dessen Prozessen die Ingelheimer Haderbücher zeugen.

Bekanntester Sohn der Stadt war Sebastian Münster, Autor der berühmten Cosmographia. Er wurde in Nieder-Ingelheim geboren, ein Porträt von ihm zierte die vorletzte Version des 100-D-Mark-Scheins. 1885 wurde in Nieder-Ingelheim das heute weltweit tätige Unternehmen Boehringer Ingelheim durch Albert Boehringer gegründet.

Ingelheim wurde erst 1939 zur Stadt erhoben. Dabei wurden die vorher eigenständigen Gemeinden Frei-Weinheim, Ober-Ingelheim und Nieder-Ingelheim zusammengeschlossen. Dadurch, dass die heutige Stadtmitte um den Bahnhof sich erst nach der Stadterhebung entwickelt hat, befindet sich die historische Bausubstanz vorwiegend in den einzelnen Stadtteilen. Heute ist Ingelheim am Rhein Mittelzentrum im Landkreis Mainz-Bingen und seit 1996 Kreisstadt und Sitz der Kreisverwaltung Mainz-Bingen. Sie wird aufgrund des überwiegenden Rotweinanbaus als die „Rotweinstadt“ bezeichnet.

Geographie[Bearbeiten]

Ingelheim am Rhein liegt im Norden von Rheinhessen, am Rheinknie im Südwesten Deutschlands und westlich der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Der Rhein bildet die nördliche Grenze des Stadtgebiets. Die Stadt gehört zum westlichen Rhein-Main-Gebiet. Südlich erstreckt sich die Stadt in das Selztal hinein. Ober-Ingelheim und Großwinternheim liegen im Selztal zwischen Mainzer Berg und Westerberg. Der Stadtteil Nieder-Ingelheim schmiegt sich an die nordwestliche Ecke des Mainzer Berges. Frei-Weinheim liegt nördlich am Rhein, der Stadtteil Sporkenheim südwestlich von Frei-Weinheim. Am Fuße nördlich des Westerbergs liegt der Stadtteil Ingelheim-West.

Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes ist der Rheinhafen im Norden mit 80,8 m ü. NN bei Frei-Weinheim. Die beiden höchsten Punkte sind der Mainzer Berg mit 247,8 m ü. NN und der Westerberg mit 247,5 m ü. NN. Sie sind Ausläufer der rheinhessischen Hochfläche. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgebietes beträgt 7,9 Kilometer, die Ost-West-Ausdehnung 5,0 Kilometer. Nahegelegene größere Städte sind östlich die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden, westlich Bad Kreuznach und südöstlich Worms.

Geologie und Gewässer[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet Ingelheims gehört zum Mainzer Becken. Die Böden in diesem Gebiet werden von tertiären Kalkschichten bestimmt, in der Rheinebene bei Frei-Weinheim und Nieder-Ingelheim ist die Bodenbeschaffenheit sandig mit Kalkflugsanden beziehungsweise Kalkflugsanddünen,[2] im Wesentlichen nördlich der Autobahn entlang der Konrad-Adenauer-Straße, aber auch südlich der Autobahn und innerhalb des Werksgeländes der Firma Boehringer Ingelheim. Ein kleines Vorkommen befindet sich auch im Bereich der Griesmühle. Diese Erdformationen stehen nach dem rheinland-pfälzischen Landespflegegesetz unter Naturschutz. Ihre Beschädigung oder Beseitigung gelten als unausgleichbarer Eingriff in Natur und Landschaft. Städtebauliche Nutzung in Bereichen mit Kalkflugsanden ist daher ausgeschlossen oder wird nur in ganz besonderen Ausnahmefällen genehmigt. Zwei solcher Ausnahmefälle waren der Bau der Konrad-Adenauer-Straße von der Autobahnbrücke bis zur Rheinstraße und der der Kindertagesstätte an der Sporkenheimer Straße. Der Untergrund besteht zusätzlich aus Oligozän, Ton und Mergel, die beim langsamen Aussüßen eines Meeresarmes entstanden sind.[3] Der Kiefernwald in der Nieder-Ingelheimer Gemarkung, der sich hauptsächlich auf dem heutigen Gebiet des Stadtteils Ingelheim-West befand, wurde im Laufe der letzten Jahrhunderte zuerst durch den Obst- und Spargelanbau und dann durch den Gebäudebau weitgehend verdrängt.

Durch das Stadtgebiet fließt die Selz aus südlicher Richtung von Schwabenheim kommend in nördlicher Richtung quer durch das Stadtgebiet und mündet bei Frei-Weinheim in den Rhein. Der Ikasee befindet sich in Nieder-Ingelheim zwischen Autobahn und Blumengarten. Da der Stadtteil Frei-Weinheim direkt am Rhein liegt, ist Ingelheim Hafenstadt.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Ein Bienenfresser über Ingelheim

Rund um Ingelheim gibt es insgesamt sechs Naturschutzgebiete: im Nordwesten des Stadtgebiets das Schutzgebiet Sandlache, an dieses grenzt im Süden das größte Schutzgebiet Ingelheimer Dünen und Sande. Im Nordosten liegt direkt am Rhein das Naturschutzgebiet Fulder Aue & Ilmen Aue und südwestlich der Stadt der Nordausläufer des Westerbergs. Östlich sind die Hangflächen des Mainzer Berges am Heidesheimer Weg unter Naturschutz gestellt. Westlich des Stadtteils Großwinternheim ist die sogenannte Gartenwiese im Uferbereich der Selz Naturschutzgebiet.[4]

Flächennutzung[Bearbeiten]

Die Stadtfläche beträgt insgesamt 49,86 km². Der größte Anteil des Stadtgebiets werden hauptsächlich mit Wein- und Obstbau mit 65,4 % landwirtschaftlich genutzt. Siedlungs- und Verkehrsflächen haben einen Anteil von 22,9 % einschließlich der zugehörigen Frei- und Betriebsflächen. Bedingt durch den Rhein hat Ingelheim 5,9 % Wasserfläche. Eine für Rheinhessen übliche kleine Waldfläche entspricht 5,2 % und sonstige Flächen kommen auf 0,6 %.[5] Darüber hinaus verfügt die Stadt Ingelheim über einen 1200 ha großen Stadtwald im Hunsrück, der allerdings nicht zur Fläche der Stadt zählt.

Nutzungsanteile der Stadtgebietsfläche in Prozent
Landwirtschaft
  
32,62 km²
Gebäude- und Verkehrsfläche
  
11,43 km²
Wasser
  
2,93 km²
Wald
  
2,58 km²
Sonstige Nutzung
  
0,30 km²

Stadtgliederung und Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Stadt Entfernung[6]
Wappen Oestrich-Winkel.svg Oestrich-Winkel (Hessen) 5,7 km
Wappen Eltville am Rhein.png Eltville am Rhein (Hessen) 6,6 km
Wappen von Heidesheim.png Heidesheim am Rhein 4,3 km
Wappen von Wackernheim.png Wackernheim 3,2 km
Wappen Schwabenheim an der Selz.png Schwabenheim an der Selz 5,5 km
Bubenheim Rhh Wappen.jpg Bubenheim (Rheinhessen) 6,6 km
Wappen neu.png Nieder-Hilbersheim 7,8 km
Wappen von Appenheim.png Appenheim 6,3 km
Wappen von Gau-Algesheim.png Gau-Algesheim 3,6 km
Wappen von Bingen.png Bingen am Rhein 12,5 km
Wappen-Geisenheim.png Geisenheim (Hessen) 7,7 km

Das Stadtgebiet ist in sechs Stadtteile gegliedert. Die vier Gründerdörfer von 1939 Nieder-Ingelheim, Frei-Weinheim, Ober-Ingelheim und Sporkenheim wurden zur Stadt Ingelheim am Rhein zusammengeschlossen. Ingelheim-West ist der jüngste Stadtteil, der im Zuge der Bebauung westlich des Boehringer-Werksgeländes in den 1960er Jahren entstand. 1972 wurde Großwinternheim, südlich von Ober-Ingelheim, eingemeindet. Die Stadtteile Frei-Weinheim und Ingelheim-West sind zusammengewachsen, ebenso die Stadtteile Nieder-Ingelheim mit Ober-Ingelheim und Nieder-Ingelheim mit Ingelheim-West. Baulich getrennt sind Ingelheim-West und Ober-Ingelheim sowie Frei-Weinheim und Nieder-Ingelheim. Abgetrennt vom übrigen Stadtgebiet sind Sporkenheim und Großwinternheim. Großwinternheim ist der einzige Stadtteil von Ingelheim, der als Ortsbezirk ausgewiesen ist und deswegen einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher hat.[7]

Ingelheims rheinland-pfälzische Nachbarorte sind die nach Einwohnerzahl etwa gleich großen Stadt Bingen im Westen, östlich die Verbandsgemeinde Heidesheim mit den Orten Wackernheim und Heidesheim sowie südwestlich die Verbandsgemeinde Gau-Algesheim mit den Gemeinden Schwabenheim, Bubenheim, Nieder-Hibersheim, Appenheim und der Stadt Gau-Algesheim. Die hessischen Orte Geisenheim, Oestrich-Winkel, Eltville sind durch den Rhein getrennt und über eine Fährverbindung zu erreichen. Bei Ingelheim gibt keine Brücke über den Rhein. Die nächste stromaufwärts ist die Schiersteiner Brücke bei Mainz, stromabwärts die Südbrücke in Koblenz.

Klima[Bearbeiten]

Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 9,8 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 18,0 beziehungsweise 18,5 °C, der kälteste Januar mit 1,0 °C im Mittel. Die meisten Niederschläge fallen im Juni und im August mit durchschnittlich 64, die geringsten im März mit durchschnittlich 31 Millimeter. Wie ganz Rheinhessen befindet sich auch Ingelheim wettergeschützt durch Hunsrück, Taunus, Odenwald und Donnersberg. Deshalb liegen die durchschnittlichen Jahresniederschläge nur bei 560 Millimetern.

Klimadiagramm[8]


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Ingelheim
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 1,0 2,0 4,5 9,5 14 17 18 18 14,5 10,5 5 2 Ø 9,7
Niederschlag (mm) 40 35 31 36 52 64 59 64 45 40 51 43 Σ 560
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
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a
g
40
35
31
36
52
64
59
64
45
40
51
43
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [8]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die für Rheinhessen typische Endung -heim geht wohl auf die fränkische Zeit wahrscheinlich im 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. zurück. Siedlungen und Höfe wurden damals mit dem Namen ihres Herren und diesem Suffix versehen. Der Ortsname ist in Urkunden späterer Zeiten unter anderem als Ingilinhaim, Ingilinheim (782), Ingilenhaim, Engelheim, Hengilonheim, Engilonheim (822), Engilinheim (826), Hingilinheim (855), Ingilunheim (874), Ingulinheim (889), Ingelesheim (891), Ingelenheim (940), Anglia sedes (1051), Ingilheim und Ingelnheim (1286) überliefert. Der Namenszusatz am Rhein wird seit der Verleihung der Stadtrechte 1939 verwendet. Seit 1269 wird zwischen Nieder- und Ober-Ingelheim unterschieden.

Funde von Faustkeilen legen nahe, dass das Gebiet um Ingelheim bereits in der Altsteinzeit vor ungefähr 50.000 Jahren besiedelt wurde. Nach der Eroberung durch die Römer diente die Gegend zur Versorgung der römischen Truppen und der Bevölkerung des damaligen Mogontiacum. Im dritten und vierten Jahrhundert folgten aufgrund der Nähe zu Mainz massive Zerstörungen, was zum Ende des Vicus und aller Villae führte.

Geschichte der Dörfer[Bearbeiten]

Eine historische Karte Nieder-Ingelheims um 1840

Mittelalter[Bearbeiten]

Ab dem 5. Jahrhundert[9] wurde der Raum Ingelheim von den Franken besiedelt. In dieser Zeit entwickelte sich das heutige Ober-Ingelheim als eine der ersten[10] Ingelheimer Siedlungen zum Dorf. Die nähere Region um Ingelheim war später bekannt als Ingelheimer Reich, ab dem 14. Jahrhundert dann als Ingelheimer Grund.[11] Überregionale Bedeutung errang das Ingelheimer Reich mit dem Beschluss Karls des Großen, ein Königsgut der Merowinger zur Kaiserpfalz[12] auszubauen, bei der etwas später Nieder-Ingelheim entstand. Karls erster urkundlich nachgewiesener Aufenthalt datiert von 774. Insgesamt hielt er sich drei- bis viermal in Ingelheim auf. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Ludwig der Fromme.[13] Dieser hielt sich deutlich öfter in Ingelheim auf, mindestens zehnmal. Er verstarb auch in Ingelheim, vermutlich auf einer der Rheinauen bei Ingelheim. Die Kaiserpfalz diente im Mittelalter vielen weiteren deutschen Königen und Kaisern der Staufer, Ottonen und Salier als Stützpunkt.[14] Unter Otto I. hatte[15] die Kaiserpfalz ihre zweite Blütezeit, nachdem sie lange vernachlässigt worden war. In der Zeit der Salierkönige, die Mainz als Bischofssitz bevorzugten, wurde die Ingelheimer Pfalz lange wenig benutzt. Unter dem Nachfolger Friedrich I. Barbarossa fand in der Kaiserpfalz eine Reihe von Umbaumaßnahmen statt. Er baute die Pfalz als befestigte Reichsburg aus. Vom 8. bis 10. Jahrhundert wurden insgesamt neun Ingelheimer Synoden[16] in dieser Pfalz abgehalten.

Eine Karte Ober-Ingelheims um 1800

Ab dem 13. Jahrhundert setzte ein langsamer Niedergang ein, der in der politischen Bedeutungslosigkeit Nieder-Ingelheims endete. Im 14. Jahrhundert war das Ende des Ingelheimer Reichs mit der mehrstufigen Verpfändung des Gebiets endgültig besiegelt. Damit stieg die Bedeutung Ober-Ingelheims. Dort waren die Adelsfamilien, die ehemals zur Verwaltung der Kaiserpfalz gehörten, ansässig, darunter die späteren Grafen von Ingelheim.[17] Der Ort erhielt im 13. Jahrhundert eine Stadtbefestigung. Der Ingelheimer Oberhof[18][19] im Ingelheimer Grund, wie das Gebiet nach dem 14. Jahrhundert hieß, war über Jahrhunderte eine Berufungsinstanz umliegender Schöffengerichte. Kaiser Karl IV. verpfändete den Ingelheimer Grund im Jahr 1356 erneut, diesmal an die Stadt Mainz und 1375 mit der Reichsstadt Oppenheim und anderen Reichsorten an den Kurfürsten Ruprecht I. von der Pfalz auf Lebenszeit. Am 1. Mai 1376 erfolgte die Huldigung des Kurfürsten und der Ingelheimer Grund wurde faktisch kurpfälzisch. Er übertrug die Pfandschaft an seinen Sohn Ludwig, der dafür 100.000 Gulden[20] zahlte.

Neuzeit[Bearbeiten]

Im Jahre 1488[21] wurde Ingelheims berühmtester Sohn, der Kosmograph Sebastian Münster, geboren.[22] Er war Mitautor des neben der Bibel meistgelesenen Buches des 16.–17. Jahrhunderts, der Cosmographia, einer historisch-geographischen Beschreibung der Welt. Mitte des 16. Jahrhunderts gab es im Ingelheimer Grund Hexenprozesse[23] mit der Folge, dass drei Frauen verbrannt wurden. Im 17. Jahrhundert wurden durch den mittlerweile großen Einfluss der Kurpfalz auf das Gerichtswesen in den kurpfälzischen Gebieten weitere Prozesse verhindert.

Der Dreißigjährige Krieg und der Pfälzer Erbfolgekrieg verschonten die beiden Ingelheimer Orte weitgehend in ihrer Bausubstanz. Allerdings ging der Wohlstand in diesen Jahrhunderten deutlich zurück. Auch wurden verwertbare Reste, vorwiegend Säulen der mittlerweile zur Ruine gewordenen Kaiserpfalz, für den Aufbau des Heidelberger Schlosses abtransportiert. Der Ingelheimer Grund wurde nach dem Friedensschluss von Münster und Osnabrück von 1648 (Westfälischer Friede) von der alten Reichspfandschaft in kurpfälzisches Territorium umgewandelt. Das Jahr 1680 bedeutete das Ende des Oberhofes in Ober-Ingelheim, der vom kurpfälzischen Hofgericht ersetzt wurde. Im Ingelheimer Grund wütete 1666 acht Monate lang die Pest, der ein Großteil der Bevölkerung zum Opfer fiel.

Die Burgkirche, Wahrzeichen der Stadt

Die Heidelberger Kurfürsten führten ab 1556 die Reformation im Ingelheimer Grund ein. Zuerst lutherisch unter Ottheinrich, ab 1565 radikal reformiert unter Friedrich III. Durch den Wechsel der Wittelsbacher Zweige mit verschiedenen Konfessionen ergab sich im 17. Jahrhundert ein Nebeneinander und oft ein Gegeneinander der Konfessionen katholisch, lutherisch und kalvinistisch-reformiert. Umstritten war vor allem die Nutzung der Kirchen und ihrer Einkünfte durch Pfarrer und für den Schulunterricht. Nachdem eine Verordnung von 1698 zur gemeinsamen Benutzung der Kirchen (Simultaneum) keinen Konfessionsfrieden gebracht hatte, wurden in der Religions-Deklaration von 1705 Kirchen und Kirchengut zwischen Katholiken und Reformierten aufgeteilt. Die katholische Gemeinde von Nieder-Ingelheim erhielt St. Remigius, die evangelische Gemeinde die Kirchenruine der heutigen Saalkirche in der Kaiserpfalz. In Ober-Ingelheim bekamen die Reformierten die heutige Burgkirche, die Katholiken mussten sich (wie die zahlenmäßig wenigen Lutheraner) eine eigene Kirche in Ober-Ingelheim bauen, St. Michael. Jesuiten errichteten um 1737 in Nieder-Ingelheim ein Missionsgut. Die Mission bestand auch noch nach der Auflösung des Ordens bis zur Säkularisation des Kirchengutes in der französischen Zeit. Die Bibliothek des Gutes bestand aus 336 Werken.

Ende des 18. Jahrhunderts besetzten französische Revolutionstruppen Ingelheim, ihnen diente das Ingelheimer Gebiet bei Belagerungen von Mainz als Einquartierungs- und Versorgungsgebiet. Im Frieden von Campo Formio wurde 1797 beschlossen, dass das linksrheinische Gebiet des Heiligen Römischen Reichs an Frankreich fiel. Somit war der Ingelheimer Grund französisch. Auch die Sonderstellung des Grundes, die ein ganzes Jahrtausend Bestand hatte, war damit beendet.

Luftbild Nieder-Ingelheims aus den 1930er Jahren

Die napoleonische[24] Zeit ab 1804 brachte den Ingelheimer Orten in dem neu geschaffenen Kanton Oberingelheim im Departement Donnersberg, das nun zu Frankreich gehörte, einen gehörigen Modernisierungsschub. Eine neuzeitliche Verwaltung wurde eingeführt, der Ingelheimer Adel musste die Orte verlassen und eine moderne Besitzkultur etablierte sich. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig zogen sich die Franzosen wieder zurück, die Preußen und deren Verbündete überquerten 1814 den Rhein und beendeten damit die französische Vorherrschaft in diesem Gebiet. 1816 fielen die Ingelheimer Dörfer nach provisorischer bayerisch-österreichischer Verwaltung an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt als Provinz Rheinhessen. Der Kanton Oberingelheim blieb vorerst bestehen, wurde aber 1835 aufgelöst und in den Kreis Bingen eingegliedert. Zeugnis der hessischen Verwaltungszeit ist das ehemalige hessische Amtsgericht im Neuweg. An der Revolution 1848/49 beteiligten sich auch Ingelheimer Bürger. Beim Aufenthalt des späteren Kaisers und damaligen Prinzen Wilhelm I. am 12. Juni 1849[25] als Kommandierender der „Operationsarmee in Baden und in der Pfalz“ bei Ingelheim entging er nur knapp einem Attentat. Die Folge war, dass in den Ingelheimer Orten hessische und später preußische Truppen zwangseinquartiert wurden.[26]

Die 1860er Jahre brachten die Industrialisierung,[27] deren Zeugnisse vor allem in Nieder-Ingelheim noch zu sehen sind. Am 17. Oktober wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Mainz und Bingen eingeweiht und Nieder-Ingelheim bekam einen Bahnhof, der damals schon Ingelheim hieß. Die Strecke wurde durch die hessische Ludwigsbahn betrieben. Von den vielen Industriebetrieben des 19. Jahrhunderts ist nur das Familienunternehmen Boehringer Ingelheim übrig geblieben. Den Deutsch-Österreichische Krieg (Hessen stand auf Österreichs Seite) 1866 überstand Ingelheim unbeschadet, wurde aber von preußischen Truppen beim Angriff auf Mainz besetzt, dieser Zustand war aber bereits Mitte 1866 wieder beendet.

Rathaus mit Marktplatz in Ober-Ingelheim Anfang des 20. Jahrhunderts

Der neue nationale Geist des 1871 geschaffenen Kaiserreichs fand auch im Ingelheimer Gebiet Anklang. Zeugnis davon ist der Bismarckturm auf dem Westerberg auf Ober-Ingelheimer Gemarkung. 1911 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Frei-Weinheim und Partenheim in Betrieb genommen, das so genannte Zuckerlottche (Selztalbahn). Sie war bis 1985 in Betrieb. Nach dem Ersten Weltkrieg, der 288 Kriegsopfer forderte, waren auch die Ingelheimer Dörfer von der linksrheinischen Besetzung durch die Franzosen betroffen. 1925 gab es erste Diskussionen um die Zusammenlegung der Dörfer Ober-Ingelheim und Nieder-Ingelheim zur Stadt Groß-Ingelheim, die allerdings am Widerstand der Nieder-Ingelheimer Bevölkerung scheiterte.

Nationalsozialismus und Stadterhebung[Bearbeiten]

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 setzten die Nationalsozialisten alle Kommunalpolitiker ab und ersetzten sie durch eigene. Wie in anderen deutschen Städten und Orten wurden auch in den Ingelheimer Dörfern Teile der Bevölkerung verfolgt. Zuerst wurden Kommunisten ausgeschaltet, was dann über Andersdenkende, Sinti, Roma, Sozialdemokraten und Separatisten schließlich in der Verfolgung jüdischer Bürger gipfelte. Erstmals gab es am 9. März 1933 bei Regimegegnern Hausdurchsuchungen durch SA und SS.[28] 1935 wurden Regelungen zur Abwehr jüdischen Einflusses fast zeitgleich in den Ingelheimer Orten angeordnet, die unter anderem den Zuzug von Juden in die Gemeinden und die Benutzung gemeindlicher Einrichtungen verboten:, Besuche von Juden warem unerwünscht, sie wurden durch Schilder gekennzeichnet. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die Ober-Ingelheimer Synagoge zerstört. 73 jüdische Mitbürger aus den Ingelheimer Orten wurden bis Kriegsende in Konzentrationslager deportiert.

Am 1. April 1939 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Frei-Weinheim, Nieder-Ingelheim und Ober-Ingelheim zur Stadt Ingelheim am Rhein durch Reichsstatthalter Jakob Sprenger vereinigt. Zunächst hatten die Ober-Ingelheimer Ratsherren eine ablehnende Haltung gegen eine Zusammenlegung, sie sahen bei einer der Beratungen am 28. Juli 1938 zunächst keine Vorteile der Zusammenlegung, sondern eher finanzielle Belastungen.[29] Trotzdem erließ Jakob Sprenger im Dezember den Zusammenschluss unter folgendem Wortlaut:[30]

„An dem fruchtbaren Nordrand des rheinischen Hügellandes liegen seit alters her im Schutze einer mächtigen Kaiserpfalz Ober-Ingelheim und Nieder-Ingelheim, weitbekannt durch den Fleiß ihrer Winzer. Diese Gemeinden sind mit dem Orte Frei-Weinheim am Ufer des Rheines allmählich zu einer Einheit zusammengewachsen. Im siebenten Jahr der Regierung unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler ist die Zeit gekommen, diese Ortschaften zu einem lebenskräftigen Gemeinwesen zusammenzuschließen. Die neue Stadt soll zum Nutzen des Deutschen Volkes und zum Wohle ihrer Arbeiter und Bauern einer neuen größeren Zukunft entgegen gehen. Auf Grund der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 bestimme ich deshalb, was folgt: 1. Die Gemeinden Ober-Ingelheim, Nieder-Ingelheim und Frei-Weinheim im Kreis Bingen werden mit Wirkung vom 1. April 1939 zu einer neuen Gemeinde vereinigt. 2. Dieser Gemeinde verleihe ich Stadtrechte und gebe ihr den Namen Stadt Ingelheim am Rhein. 3. Das bestehende Ortsrecht bleibt in seinem bisherigen Geltungsbereich bis zum 30. September 1939 in Kraft, soweit es nicht schon früher geändert wird. 4. Die Wohnung oder der Aufenthalt in den Gemeinden Ober-Ingelheim, Nieder-Ingelheim und Frei-Weinheim gilt als Wohnung oder Aufenthalt in der Stadt Ingelheim am Rhein. 5. Die Amtszeit der ehrenamtlichen Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderäte der Gemeinden Ober-Ingelheim, Nieder-Ingelheim und Frei-Weinheim endigt mit dem 31. März 1939. Die Bestellung des Bürgermeisters der Stadt Ingelheim behalte ich mir vor. Die Beigeordneten und Gemeinderäte der Stadt Ingelheim am Rhein werden zum 1. April 1939 durch die zuständigen Stellen berufen.
Darmstadt, den 14. Dezember 1938. Der Reichsstatthalter in Hessen Sprenger Gauleiter von Hessen-Nassau“

Jakob Sprenger: Erlass zur Stadterhebung 1939
Politische Zugehörigkeit Ingelheims seit 1648
Staat Verwaltungseinheit Zugehörigkeit
Banner of the Holy Roman Emperor with haloes (1400-1806).svg Heiliges Römisches Reich Kurpfalz 1648–1797
Flag of France.svg Première République française Département du Mont-Tonnerre 1797–1804
Flag of France.svg Premier Empire Département du Mont-Tonnerre 1804–1816
Flagge Großherzogtum Hessen ohne Wappen.svg Großherzogtum Hessen Provinz Rheinhessen 1816–1871
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich Großherzogtum Hessen-Darmstadt 1871–1918
Flag of Germany (3-2 aspect ratio).svg Deutsches Reich Volksstaat Hessen 1918–1933
Flag of the NSDAP (1920–1945).svg Deutsches Reich Volksstaat Hessen 1933–1945
Flag of Germany (1946-1949).svg Deutschland
Französische Besatzungszone 1945–1946
Rheinland-Pfalz 1946–1949
Flag of Germany.svg Bundesrepublik Deutschland Rheinland-Pfalz seit 1949

Zum ersten Bürgermeister nach der Stadterhebung wurde Franz Bambach (NSDAP) ernannt. Schon kurz nach der Stadterhebung wurde das Gebiet zwischen Bahnhofstraße und Binger Straße als zukünftiges Stadtzentrum beschlossen.[31]

Am Ende des Zweiten Weltkrieges blieb Ingelheim dank des später hingerichteten Volkssturmkommandanten Hermann Berndes, der die Verteidigung der Stadt gegen die vorrückenden US-Truppen im März 1945 ablehnte, von größeren Zerstörungen verschont. Im Verlauf des Krieges kam es nur zu einzelnen verirrten Bombenabwürfen und gezielten Jagdbomberangriffen. Am 20. März 1945 war der Krieg für Ingelheim beendet, als die 90. US-Division aus südwestlicher Richtung kommend, die Stadt fast kampflos einnahm. Größeren Widerstand gab es an der Kreuzung Neuweg und Aufhofstraße, an der eine Panzersperre errichtet worden war, die allerdings nicht mehr geschlossen wurde.[32] Dort starben zwei deutsche Soldaten. Durch amerikanischen Artilleriebeschuss starben drei Zivilisten in Ober-Ingelheim vor dem Eindringen der US-Division. Ingelheim hatte rund 600 Gefallene zu beklagen. Viele Flüchtlinge aus dem zerbombten Mainz erforderten einen verstärkten Wohnungsbau in Ingelheim.[33] Am 10. Juni lösten französische Besatzungstruppen die US-Truppen ab.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Seit dem 30. August 1946 gehört Ingelheim zum neu geschaffenen Land Rheinland-Pfalz. Die Stadt gehörte bis 1969 zum Landkreis Bingen. Am 15. Januar 1947 stimmten die demokratisch gewählten Parteien für den Fortbestand der Zusammenlegung der ehemals eigenständigen Orte zur Stadt Ingelheim am Rhein.

Bedingt durch die Industrialisierung und die Kriegsflüchtlinge wurde in den 1950er Jahren der Wohnungsbau verstärkt. Die ehemals bäuerlich geprägten Dörfer Nieder- und Ober-Ingelheim wuchsen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fast völlig zusammen. Aus dieser Zeit stammt auch das Ingelheimer Zentrum um den Bahnhof. 1969 entstand der Landkreis Mainz-Bingen, in dem der Landkreis Bingen aufging. Kreisstadt war zunächst Mainz. Am 22. April 1972 wurde das südliche Nachbardorf Großwinternheim eingemeindet.[34] Der Stadtteil besitzt heute noch einen Ortsbeirat und Ortsvorsteher. 1973 erhielt die Stadt durch eine Änderung der Gemeindeordnung von Rheinland-Pfalz den Status einer großen kreisangehörigen Stadt. Der Leiter der Stadtverwaltung und Vorsitzende des Stadtrates erhielt die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister.

Einkaufszentrum Neue Mitte Ingelheim

1996 wurde der Sitz der Kreisverwaltung von Mainz nach Ingelheim verlegt, das seitdem Kreisstadt ist. Mit dem Umbau des Bahnhofumfeldes 2003 begann der Ausbau des Ingelheimer Stadtzentrums, dessen Kernprojekt, das Einkaufszentrum Neue Mitte, im November 2011 eröffnet wurde. In den folgenden Jahren wurde das Marktzentrum am Neuen Rathaus abgerissen. Auf dem Areal werden eine Kulturhalle und das neue Weiterbildungszentrum Ingelheim entstehen. In der Bahnhofstraße und der Binger Straße sind eine Fußgängerzone und kleinere Bauprojekte wie der Umbau der alten Karlspassage geplant.

Im Zusammenhang mit der Kommunalreform in Rheinland-Pfalz wird seit 2012 eine Eingemeindung von Heidesheim und Wackernheim diskutiert. Diesbezügliche Verhandlungen wurden zunächst Anfang 2012 vom Stadtrat abgelehnt, aber im Juni 2013 wurde einstimmig beschlossen, mit diesen Gemeinden zu verhandeln. Im Dezember beschloss das Innenministerium Rheinland-Pfalz, das Gesetz zur Zwangsfusion von Budenheim mit der Verbandsgemeinde Heidesheim zur Verbandsgemeinde Budenheim auszusetzen, um der Stadt Ingelheim und der Verbandsgemeinde Heidesheim die Chance einer Eingemeindung zu geben. Diese muss bis zum Jahr 2019 zustande kommen, sonst tritt das Gesetz zur Bildung der Verbandsgemeinde Budenheim in Kraft.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten]

Der Selztaldom im Stadtteil Großwinternheim

Im Jahre 2008 waren 35 Prozent der Einwohner evangelisch und 33 Prozent katholisch, 26 Prozent waren konfessionslos, zu einem Prozent gibt es keine Angaben. Die sechs katholischen Pfarreien gehören zum Dekanat Bingen im Bistum Mainz. Die fünf evangelischen Pfarreien der EKHN gehören zum Dekanat Ingelheim der Propstei Mainz. Daneben gibt es in Ingelheim eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde der Baptisten, eine freireligiöse und eine Gemeinde der Zeugen Jehovas.

In Ingelheim gibt es eine islamische Gemeinde, die anfangs in einem ehemaligen Geschäftshaus in der Bahnhofstraße in Ober-Ingelheim ihre Gebetsräume hatte. Die Fatih Sultan Camii mit einem Kulturzentrum wurde 2008 eröffnet.

Stolpersteine zur Erinnerung an den Holocaust

Bis 1942 bestand in Ingelheim eine jüdische Gemeinde, deren Entstehung in das 16. Jahrhundert zurückging. Um 1850 lebten in Ober-Ingelheim etwa 200 Juden, 1933 gab es in Ober- und Nieder-Ingelheim noch insgesamt 134. 1840/41 wurde in der Stiegelgasse eine architekturgeschichtlich bedeutende Synagoge erbaut und am 27. August 1841 eingeweiht. 1938 wurde sie zerstört. Zahlreiche jüdische Einwohner kamen in der NS-Zeit nach Deportationen in den Vernichtungslagern ums Leben. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es in Ingelheim keine jüdische Gemeinde mehr.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Zu Beginn der Industrialisierung wuchsen die Einwohnerzahlen[35] der einzelnen Dörfer, besonders in Nieder-Ingelheim, bis zur Stadtgründung 1939 stetig. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich zudem viele Flüchtlinge aus den umliegenden ausgebombten Städten (Mainz, Bingen) im damals nahezu unzerstörten Ingelheim nieder. Die Einwohnerzahl stieg in der Nachkriegszeit vom Jahr 1945 mit 11.348 Einwohner auf 15.078 Einwohner im Jahr 1955 an.

Der ausländische Anteil der Bevölkerung beträgt 2473 Personen. Davon sind 363 türkischer und 352 polnischer Herkunft, sie stellen den größten Anteil dar. Hinzu kommen 196 Personen bosnischer, 154 italienischer, 136 serbischer und 119 kroatischer Herkunft, 75 Rumänen, 70 US-Amerikaner, 64 Briten und 59 Portugiesen. Der Rest sind kleinere Bevölkerungsgruppen.

Vor der Stadtwerdung
Jahr Nieder-Ingelheim Ober-Ingelheim Frei-Weinheim Großwinternheim gesamt
1815 1.360 1.738 192 677 3.967
1834 2.130 2.371 439 797 5.737
1861 2.352 2.673 606 811 6.442
1900 3.435 3.402 838 7.675
1905 3.435 3.402 838 814 8.489
1910 3.852 3.479 882 8.213
1933 5.157 4.116 1.183 10.456
1939 5.526 4.309 1.200 11.035

[36]

Politik[Bearbeiten]

Das neue Rathaus in Ingelheim

Die Politik wird seit 1982 im neuen Rathaus am „neuen Markt“ gelenkt. Davor war der Sitz der Stadtverwaltung das alte Rathaus in Nieder-Ingelheim, das den Anforderungen schon 1939 bei der Stadtgründung nicht genügte, weshalb einige Teile der Verwaltung in Gebäude in den einzelnen Stadtteilen ausgelagert werden mussten. Das Neue Rathaus wird im Zuge der Umgestaltung des Neuen Marktes bis 2016 erweitert und modernisiert.[37]

Stadtrat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[39]
Wahlbeteiligung: 52,5 % (2009: 51,3 %)
Gewichtetes Ergebnis[38]
 %
40
30
20
10
0
32,9 %
32,7 %
9,0 %
8,0 %
13,3 %
4,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+3,1 %p
+6,4 %p
-4,6 %p
-3,5 %p
+2,7 %p
-4,1 %p

Der Stadtrat in Ingelheim besteht aus 36 Mitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 24. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Oberbürgermeister als Vorsitzenden. Aufgrund der Besonderheiten des rheinland-pfälzischen Wahlsystems bei den Kommunalwahlen (personalisierte Verhältniswahl) sind die in der Graphik dargestellten prozentualen Stimmanteile als „gewichtete Ergebnisse“ ausgewiesen, welche das Wahlverhalten nur rechnerisch wiedergeben.[38] Die CDU und die SPD sind mit jeweils zwölf Sitzen im Stadtrat vertreten. Weitere Sitzverteilung im Stadtrat:[40]

Partei Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands 12
Sozialdemokratische Partei Deutschlands 12
Bündnis 90/Die Grünen 5
Freie Wähler 3
FBI 3
Freie Demokratische Partei 1

Bei der Wahl 2009 erhielt die CDU ebenfalls die meisten Stimmen, es folgten SPD, Freie Wähler, Liste Klose, Grüne und die FDP. Zusätzlich gibt es im Stadtteil Großwinternheim einen Ortsbeirat mit einem Ortsvorstand. Die Hauptprojekte der Stadtpolitik der nächsten Jahre sind die Entwicklung der Ingelheimer Innenstadt, die Eingemeindung der Nachbarorte Heidesheim und Wackernheim sowie die Verbesserung der Infrastruktur.

Liste der (Ober-)Bürgermeister[Bearbeiten]

Während zwischen 1939 und 1972 die Einwohnerzahl die Grenze zum Oberbürgermeisteramt nicht überstieg, gibt es seit 1972 das Amt des Oberbürgermeisters. Wahlvorschläge für das Amt des Oberbürgermeister können von Parteien, Wählergruppen und Einzelbewerbern eingereicht werden. Am 28. August 2011 wurde der bisherige Bürgermeister Ralf Claus (SPD) zum hauptamtlichen Oberbürgermeister gewählt, er trat sein Amt am 16. Januar 2012 an. Hauptamtliche Bürgermeisterin, die vom Stadtrat gewählt wurde, ist seit 1. März 2012 Eveline Breyer (CDU).[41]

Name Partei Funktion Regierungszeit
Zeit des Nationalsozialismus (1939–1945)
Franz Bambach NSDAP Bürgermeister 1939–1945
Alliierte Verwaltung (1945–1949)
Georg Schick Parteilos Bürgermeister unter US-Kontrolle April–Juni 1945
Georg Rückert SPD Bürgermeister unter US-Kontrolle 1945–1948
Bis zur Gebietsreform (1949–1972)
Heinz Brühne SPD Bürgermeister 1949–1956
Heinz Kühn Ingelheim Bürgermeister 1957–1966
Hans-Ulrich Oehlschlägel SPD Bürgermeister 1966–1972
Nach der Gebietsreform (seit 1972)
Hans-Ulrich Oehlschlägel SPD Oberbürgermeister 1972–1975
Anno Vey CDU Oberbürgermeister 1975–1995
Joachim Gerhard CDU Oberbürgermeister 1995–2012
Ralf Claus SPD Oberbürgermeister seit 2012

Wahlkreise[Bearbeiten]

Die Stadt Ingelheim gehört bei Bundestagswahlen zum Wahlkreis 206 Mainz der Mainz und das westliche Gebiet des Landkreises Mainz-Bingen umfasst. Seit der Bundestagswahl 2013 ist Ursula Groden-Kranich (CDU) Wahlkreisabgeordnete. Auf Landesebene gehört Ingelheim zum Wahlkreis 30 Ingelheim am Rhein und umfasst die Stadt Ingelheim am Rhein sowie Budenheim und die Verbandsgemeinden Bodenheim, Heidesheim und Nieder-Olm. Seit der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2011 hat Dorothea Schäfer (CDU) das Direktmandat inne.

Wappen und Stadtfahne[Bearbeiten]

Ingelheimflagge4.JPG
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Stadtfahne und Wappen

Das Wappen ist seit der Stadtgründung 1939 im Gebrauch und wurde von der hessischen Regierung mit der Urkunde vom 1. April 1939 bestätigt. Es zeigt den Reichsadler, einen schwarzen, rot bewehrten und bezungten Adler auf silbernem (weißen) Grund. Die Herkunft des Wappens erklärt sich durch die Reichsfreiheit des Ingelheimer Grundes. Für das heutige gesamtstädtische Wappen wurde das Wappen von Ober-Ingelheim als Vorbild genommen, das sehr große Ähnlichkeit aufweist. Die Stadtfahne ist zweistreifig in den Stadtfarben rot und weiß gehalten und mit dem Ingelheimer Wappen versehen. Es gibt auch eine Ausführung ohne Wappen. Die Fahne wird seit dem Jahr 1939 geführt.

Die Stadtteile führten in ihrer Eigenständigkeit Wappen, die heute teilweise noch inoffiziell im Gebrauch sind. Aufgrund der historischen Zugehörigkeit zu Nieder-Ingelheim besitzt Sporkenheim kein eigenes Wappen, genauso wie Ingelheim-West, das erst in den 1960-ern entstand. Da sie aber in ehemaliger Nieder-Ingelheimer Gemarkung liegen, haben sie de facto dasselbe Wappen wie Nieder-Ingelheim.

Logo der Stadt Ingelheim am Rhein

Zusätzlich wurde ein offizielles Logo eingeführt, dabei stehen die Zinnen für die historischen Stätten in Nieder und Ober-Ingelheim sowie steht jede einzelne Zinne für einen Stadtteil (sechs Zinnen für sechs Stadtteile). Der blaue, geschwungene Balken sollte die Lage am Rhein symbolisieren. Abgeschlossen wird das Logo mit einem roten Balken, der für den Rotweinanbau steht.

Städtepartnerschaften und Patenschaften[Bearbeiten]

Erste Partnerstadt wurde im Mai 1963 auf Vorschlag des damaligen Präsidenten des Freundschaftskreises Rheinland-Pfalz, Dr. Max Schröder, Autun in Frankreich. Im selben Jahr wurde auch die Partnerschaft mit Stevenage in Großbritannien besiegelt. Am 24. Oktober 1975 wurden die Partnerschaften zwischen Ingelheim, Autun und Stevenage zu einer Dreierpartnerschaft erweitert. 1984 kam San Pietro in Italien und 2002 Nysa in Polen dazu. Darüber hinaus bestehen zu dem Berliner Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg seit 1971 sowie zu der ostdeutschen Stadt Limbach-Oberfrohna in Sachsen seit 1990 zwei deutsche Partnerschaften. Wegen der lebendigen Zusammenarbeit mit seinen Partnerstädten wurde Ingelheim mit der Verleihung der Europafahne durch das Europaparlament 1983 in Straßburg geehrt.

Bürgermeister Heinz Kühn bei der Unterzeichnung zur Stadtpartnerschaft mit Autun

Zwischen den Städten werden regelmäßig Besuchsfahrten von Vereinen, Politikern und Touristen organisiert. Bei Veranstaltungen sind die Partnerstädte oft vertreten. Hervorzuheben ist der Schüleraustausch, der regelmäßig zwischen den Partnerstädten stattfindet. Seit 2005 initiiert der Förderverein Ingelheimer Städtepartnerschaften e. V. die Jugendbegegnungsinitiative 3 Towns – 1 Vision zwischen Autun und Stevenage.

Eine Boeing 737-530 der Lufthansa trug seit 1991 bis zur Außerdienststellung 2011 den Namen Ingelheim am Rhein D-ABJE (SN 25310/2126). Außerdem bestand bis zur Außerdienststellung am 28. Juni 2001 eine Partnerschaft zur S58 Pinguin, einem Schnellboot der deutschen Marine. Seit 2012 besteht eine Taufpartnerschaft mit einer Embraer 195 der Lufthansa-Tochtergesellschaft CityLine.[42]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

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Panoramabild Ingelheims von einer Brücke über der Umgehungsstraße nach Großwinternheim

Kulturdenkmäler und Mahnmale[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet gibt es eine Reihe an bauhistorischen Kirchenbauten, davon ist die Burgkirche eine der besterhaltenen Wehrkirchen im südwestdeutschen Raum. Sie ersetzte eine romanische Vorgängerkirche. Die Kirche steht innerhalb eines doppelten Mauerrings aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde bis ins 15. Jahrhundert erweitert und umgebaut und erst mit der Verlängerung des westlichen Langhauses 1468 fertiggestellt. Ihr romanischer Turm diente unter anderem als Archiv für den Ingelheimer Oberhof. Auch war die Kirche lange Zeit Grablege der Adeligen aus Ober-Ingelheim. Nach der Reformation wurde sie den Protestanten zugesprochen.

Zu oberst liegt ein altes, durchaus verfallenes, weitläufiges Schloß, in dessen Bezirk eine noch gebrauchte, aber schlecht erhaltene Kirche. Zur Revolutionszeit meißelte man die Wappen von den Rittergräbern. Uralte Glasscheiben brechen nach und nach selbst zusammen. Die Kirche ist protestantisch. Ein wunderbarer Gebrauch war zu bemerken. Auf den Häuptern der steinernen Ritterkolossen sah man bunte, leichte Kronen von Draht, Papier und Band, turmartig zusammengeflochten. Dergleichen standen auch auf Gesimsen, große beschriebene Papierherzen daran gehängt. Wir erfuhren, daß es zum Andenken verstorbener unverheirateter Personen geschehe. Diese Totengedächtnisse waren der einzige Schmuck des Gebäudes.

Goethe: anlässlich seines Besuches von Ober-Ingelheim am 5. September 1814

Heute ist die Burgkirche neben der Kaiserpfalz das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Seit 2003 hat sie wieder ihre ursprüngliche Farbgebung aus dem 15. Jahrhundert.[43]

In Nieder-Ingelheim, nicht weit vom Pfalzgebiet, befindet sich die Kirche St. Remigius. Das barocke Kirchenschiff, das den baufälligen Vorgängerbau ersetzte, stammt aus dem 18. Jahrhundert, der romanische Turm hingegen aus dem 12. Jahrhundert. Ursprünglich war die Kirche dem Heiligen Kilian geweiht. Einst befand sie sich außerhalb von bewohntem Gebiet. Der Bau der Mainzer Straße in der Zeit der Französischen Revolution an der Kirche vorbei beschleunigte auch den Häuserbau in diesem Gebiet.

Die Saalkirche (evangelisch), 997 in Nieder-Ingelheim als Kapelle St. Peter der Kaiserpfalz errichtet, ist der besterhaltene Teil der ehemaligen Pfalz. Ihre heutige Form erhielt sie im 12. Jahrhundert unter Barbarossa. Nach dem Niedergang der Kaiserpfalz blieb sie wie die übrigen Gebäude der Pfalz erhalten. In der Reformation wurde das Stift aufgehoben und dem Verfall preisgegeben. Nach der Französischen Revolution wurde sie den Protestanten zugesprochen. In einem Bericht aus dem Jahre 1638 heißt es, dass die Kirche bis auf den Chor und die Mauern des Querschiffs eingestürzt sei. Das Langhaus wurde im Laufe der Jahrhunderte für den Hausbau abgetragen. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts konnte mit einer Renovierung begonnen werden, die Rekonstruktion des Langhauses wurde erst 1965 abgeschlossen.

Der Selztaldom in Großwinternheim im neuromanischen Stil stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Der Name täuscht, denn eigentlich ist der Selztaldom kein Dom im herkömmlichen Sinne. Allerdings prägt er in freier Randlage das Orts- und Landschaftsbild weithin. Die verwendeten Kalk- und Sandsteine stammen weitgehend aus der Region.

Die bedeutende Ingelheimer Kaiserpfalz stammt aus dem 8. Jahrhundert und diente den Kaisern und Königen bis ins 11. Jahrhundert als Aufenthalts- und Regierungsort. Der Pfalzkomplex befindet sich im heutigen Nieder-Ingelheim. Von der einstigen Kaiserpfalz sind nur noch Reste erhalten. Der größere Teil der Anlage liegt als Fundament unter der Erde.

Die Pfalz erfuhr in ihrer Geschichte mehrere Umbauten, bis sie nach dem Niedergang Nieder-Ingelheims wegen ihrer Bedeutungslosigkeit nach und nach abgebrochen wurde. Vom Abbruch nicht betroffen war die einstige Pfalzkapelle, die heutige Saalkirche. Gegenwärtig wird das Gebiet der einstigen Pfalz restauriert und steht unter Denkmalschutz. Auch finden dort noch Ausgrabungen statt.[44][45] Für die Sanierung des Saalgebietes und Sicherung der Reste der Kaiserpfalz erhielt die Stadt am 6. November 2011 in einem europaweiten Wettbewerb der Stiftung Lebendige Stadt den Titel „Die unverwechselbare Stadt“.[46]

Das Heidesheimer Tor war in der karolingischen Zeit östlichster Aus- und Eingang der Kaiserpfalz. Vom einstigen Tor mit zwei Türmen links und rechts vom Torbogen ist nichts mehr zu sehen, da das Tor im 13. Jahrhundert im Zuge des Umbaus zur mittelalterlichen Wehrarchitektur zugemauert und die Türme abgetragen wurden.

Die Überreste der Ober-Ingelheimer Ortsbefestigung lassen erahnen, welche Ausmaße die Verteidigungsanlage des ehemaligen Reichsdorfes Ober-Ingelheim besaß. Am besten erhalten ist die in östlicher Richtung mit einem doppelten Mauerring und Zwinger ausgestattete Wehranlage an der Burgkirche. In den letzten Jahren wurde die Anlage begehbar gemacht und restauriert. Der Malakoffturm ist der größte der Wachtürme und diente auch als Verlies. Auch der Mauerabschnitt am Seufzerpfad ist gut erhalten. Dort kann man noch den ehemaligen Burggraben erkennen. Auch sind noch einige der Vorlagetürme und die ehemaligen Stadttore Uffhubtor, Ohrenbrücker Tor und Stiegelgässer Tor erhalten.

Der Bismarckturm auf dem Westerberg

Die Errichtung des Bismarckturmes wurde im Frühjahr 1902 von Heinrich Claß initiiert.[47][48] Er wurde 1912 fertiggestellt und war der teuerste in Rheinland-Pfalz. Ursprünglich war für Ingelheim der Entwurf „Götterdämmerung“ vorgesehen, dazu kam es allerdings nicht. Professor Wilhelm Kreis entwarf einen Bismarckturm eigens für Ingelheim. Er besteht vorwiegend aus Kalksteinen aus der Umgebung. Der eigentliche Turm war schon 1910 fertig, die Kuppel hingegen erst 1912. Im Eingangsbereich wird Otto von Bismarck mit der Inschrift „ZU / BISMARCKS / EHR“ auf einer Sandsteintafel geehrt. Darüber befindet sich ein Balkon. Bis zum Zweiten Weltkrieg fanden am Turm Sonnwendfeste und Bismarck-Gedenkfeiern statt. Gegenwärtig wird der Turm zur Weihnachtszeit mit Lichteffekten als „Ingelummer Kerz“ illuminiert.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Im Ingelheimer Stadtgebiet sind vier Naturdenkmäler ausgewiesen. Östlich der Rheinstraße auf dem Jungaugelände befindet sich nördlich zwischen Rheinufer und Jungau entlang eines Schotterweges eine Reihe von Trauerweiden; westlich steht eine Eiche. Bei den beiden weiteren Ödländern, der Gewann In den neun Morgen östlich von Nieder-Ingelheim und der Gewann Rabenkopf östlich von Ober-Ingelheim, handelt es sich um flächige Naturdenkmäler.

Kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen[Bearbeiten]

Im Mütter- und Familien-Zentrum e. V. (MütZe) im Alten Gymnasium in Ober-Ingelheim tauschen sich die Ingelheimer Einwohner generationsübergreifend aus. Babysitterbörse, Handarbeitsstunden, Frühstück und Mittagessen, Hausaufgaben- und Ferienbetreuung sowie Kurse und Veranstaltungen rund um alle Familienthemen von Baby über Gesundheit bis hin zu Kreativität werden regelmäßig angeboten. Das Jugend- und Kulturzentrum Yellow wurde 2010 eröffnet und ersetzt das für ein Einkaufszentrum gewichene Haus der Jugend. Das seit 2009 bestehende Mehrgenerationenhaus in Ingelheim-West hat das Ziel, Menschen aus verschiedenen Altersgruppen zusammenzubringen, um Erfahrungen, Interessen und Begabungen auszutauschen.

In der Stadtbücherei im Stadtzentrum werden rund 30.000 Medien für Freizeitgestaltung, Aus-, Fort- und Weiterbildung angeboten. In unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Rathauses in der Innenstadt befindet sich ein Kino mit zwei Sälen, in dem täglich aktuelle Kinofilme zu sehen sind. Anfang 2016 wird eine Mediathek im Innenstadtbereich eröffnen.[49]

Das Museum bei der Kaiserpfalz informiert in einer eigenen Abteilung über die nach 785 von Karl dem Großen in Ingelheim erbaute Kaiserpfalz. Präsentiert werden archäologische Kleinfunde, Objekte aus dem Bereich der Bauplastik sowie ein anschauliches Modell des einst imposanten Bauwerks. Reste der Kaiserpfalz sind in unmittelbarer Nähe des Museums zu besichtigen. Von europäischer Bedeutung ist der 1996 gefundene goldene Solidus, die bisher einzige gefundene Goldmünze mit dem Bildnis Karls des Großen[50]

Es gibt in Ingelheim eine ausgeprägte Fastnachtskultur, die allerdings wegen der geographischen Nähe sehr unter dem Einfluss der Mainzer Fastnacht steht. Es gibt insgesamt vier Vereine, den Carneval-Verein Wäschbächer 1885 in Nieder-Ingelheim, den Carneval-Verein Frei-Weinheim, den Ingelheimer Carnevalverein in Ober-Ingelheim und den Narrenclub Ingelheim 1987 in Nieder-Ingelheim. Alle Vereine veranstalten in der Zeit vor den Straßenumzügen eigene Fastnachtssitzungen. Bis auf Sporkenheim und Ingelheim-West wird in jedem Stadtteil von jeweiligen Verein ein Fastnachtsumzug durch den Stadtteil organisiert. Durch die Innenstadt führt kein Zug.

Burgkirche mit Rotweinfest in Ober-Ingelheim

Das traditionelle Rotweinfest findet vom letzten Septemberwochenende bis zum ersten Oktoberwochenende statt, das Hafenfest am letzten Juliwochenende. Diese beiden Feste stellen die zwei größeren Heimatfeste dar. Das Eurofolk-Festival, eine Folk-Musikveranstaltung auf dem Burgkirchen-Festgelände im Juni/Juli, das vom Verein Freunde des Eurofolkfestival Ingelheim e. V. veranstaltet wird, gilt seit 1972 als eines der Nachfolgefestivals des Waldeck-Festivals. Ein Großteil der Besucher sind Menschen der Hippiekultur, Jugendliche aus der Umgebung und aus ganz Deutschland. Die Besucherzahl variiert zwischen 2000 und 3000. Vom Ingelheimer Eurofolkfestival aus wurde 1974/1975 das OpenOhr Festival in Mainz gegründet.

Vom 1. bis 3. Juni 2012 war Ingelheim Gastgeber des Rheinland-Pfalz-Tages mit 270.000 Besuchern. Das Fest, das von Kurt Beck eröffnet wurde, fand in der Innenstadt sowie auf dem Festplatz an der Burgkirche statt. Stargäste waren Stefanie Heinzmann, Glasperlenspiel, Matthias Reim, Michelle und Die Atzen. Im Innenstadtbereich waren die Sender Rockland Radio RPR1 und bigFM mit Bühnen vertreten. SWR1 baute seine Bühne auf dem Festplatz östlich der Burgkirche auf. Zudem gab es eine kommunale Bühne am Winzerkeller in der Binger Straße.

Boehringer Ingelheim veranstaltet seit 1959 jährlich von April bis Mitte Juni das Kulturfestival Internationale Tage rund um das Alte Rathaus in Nieder-Ingelheim. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Kunstausstellung mit jährlich wechselnden Themen. Höhepunkt dieser Veranstaltung war in den letzten Jahren die Nacht der Kunst, bei der auch das Saalgebiet mit nächtlicher Illumination und Führungen eingebunden wird.

Seit 2013 wird auf dem Stadtplatz in der Stadtmitte die Konzertreihe Donnerstags in der City von der Stadtverwaltung veranstaltet. Die Konzerte finden an sechs Donnerstagen von Mitte August bis Ende September statt. Es treten regionale sowie überregionale Künstler auf.

Ingelummer Kerz (Bismarckturm in der Weihnachtszeit)

Weitere Veranstaltungen sind die Kerb in Großwinternheim, die ökumenische Kerb in Nieder-Ingelheim, die Entekerb in Frei-Weinheim und die Sporkenheimer Kerb, die als letzte die Kerbesaison beendet. Das Altstadtfest in Nieder-Ingelheim Anfang August wird vom Narrenclub Ingelheim auf dem Zuckerberg veranstaltet. Zudem werden alljährlich in verschiedenen Weingütern Weinhöfefeste durchgeführt. Weihnachtsmärkte gibt es auf dem Burgkirchengelände in Ober-Ingelheim und in der alten Markthalle in Nieder-Ingelheim. Am Siebten jeden Monats lesen und stellen Autoren des Ingelheimer Leinpfad Verlags im Cafe 7° der Kunsthalle Mainz ihre Bücher vor.[51]

Parks[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet gibt es eine Reihe von Park- und Grünanlagen. Östlich der Stadtmitte liegt die größte, die Kommerzienrat-Boehringer-Anlage mit einem neugotischen Kriegerdenkmal. An der Burgkirche, eingerahmt von den Wehrmauern, befindet sich das Rosengärtchen mit dem ehemaligen Marktbrunnen. Die neu angelegte Uffhubtor-Grünanlage ist vergleichsweise klein; sie verfügt über Bänke und eine Wiese. Der Seufzerpfad lädt mit seinen Sitzmöglichkeiten direkt am besterhaltenen Abschnitt der Ober-Ingelheimer Ortsbefestigung zum Verweilen ein. Am Rhein liegt die auch als Festplatz dienende Jungau mit Sitzgelegenheiten und Spielplatz.

Die Jungau im Sommer

Gastronomie[Bearbeiten]

Traditionell gibt es besonders in Ober-Ingelheim viele Weinstuben, deren Zahl aber in den letzten Jahren abgenommen hat. An Wochenenden in den Monaten Mai bis September gibt es Weinhöfefeste mit regionaler Bewirtung.

Sport und Vereine[Bearbeiten]

In Nieder-Ingelheim befindet sich das Sportstadion am Blumengarten für Fußball und Leichtathletik, in dem der Fußballverein SpVgg Ingelheim seine Heimspiele austrägt. Der 1. Schwimmsportverein Ingelheim 1966 e. V. bietet sowohl für die Jugend als auch für Senioren ein Trainingsprogramm an. Der Reiterverein Ingelheim am Boehringer-Werksgelände bietet Reitunterricht für Jugendliche und Erwachsene an und nimmt an Meisterschaften teil. Die Turn- und Sportgemeinde 1848 in Ober-Ingelheim hat für jede Altersgruppe ein Angebot. Der Schwerpunkt liegt auf dem Geräteturnen und den turnerischen Mehrkämpfen, bei denen schon der deutsche Meistertitel gewonnen wurde. Die Turngemeinde 1847 Corp. Nieder-Ingelheim hat unter anderem die Abteilungen Basketball, Badminton und Tennis. Auch eine Reihe von Fitness- und Gesundheitssporteinrichtungen gibt es dort. Der Verein für Leibesübungen Frei-Weinheim bietet die Abteilungen Fußball und Wandern und die Sparte Showtanz an. Der Handball-Sport-Club Ingelheim wurde 1965 gegründet und ist heute einer der größten Vereine in Rheinhessen. Im Turnverein 1902 Frei-Weinheim wird unter anderem Kinderturnen angeboten. Der Fußball-Sport-Club Ingelheim 07 wurde erst 2007 gegründet. Der Tennis-Club Boehringer ist der werkseigene Verein mit der Sportart Tennis, er verfügt über eine Tennishalle und mehrere Tennisplätze im Außenbereich. Der Ruderverein Ingelheim 1920e. V. kann viele Erfolge aufweisen, zum Beispiel den Gewinn der Goldmedaille Doppelvierer bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles durch Albert Hedderich und Michael Dürsch. 2011 wurde der 1. Frauen Fußballclub Rheinhessen Ingelheim gegründet. Er wird künftig auf dem Tennenplatz in Großwinternheim seine Heimspiele austragen. Seit 2005 ersetzt das regionale Erlebnisbad „Rheinwelle“ zwischen Gau-Algesheim und Sporkenheim das Hallen- und Freibad am Blumengarten, das zu einem reinen Freibad umgebaut wurde. Die Stadt kann ein gutes Fahrradwegenetz vorweisen und wurde 2010 mit dem Preis Fahrradfreundliche Stadt Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Der Verein Lebenswertes Ingelheim e. V. tritt für den Erhalt der Werte der Stadt ein und fördert das Image. Darüber hinaus betreibt der Verein das Stadtfernsehen Blickpunkt Ingelheim. Der Historische Verein Ingelheim wurde bereits 1905 gegründet und beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Geschichte Ingelheims. Er besitzt eine Bibliothek hinter dem alten Rathaus in Nieder-Ingelheim. Der Verein Pro Ingelheim setzt sich für den Erhalt historischer Bausubstanz im Stadtgebiet ein. Durch Spenden finanzierte er die Restaurierung und Wiederbegehbarmachung der Wehrmauer an der Burgkirche. Ingelheim Aktiv ist ein Verein der Gewerbetreibenden in Ingelheim er dient unter anderem zur besseren Zusammenarbeit der einzelnen Einzelhändler bei Veranstaltungen wie den verkaufsoffenen Sonntagen Anfang Mai, Ende September und Anfang November.

Der Verein Mugge-Deiwel Ingelheim e. V. spielt Guggenmusik. In den Stadtteilen Frei-Weinheim (Liederkranz 1857), Nieder-Ingelheim (Gesangverein Einigkeit 1885) und Ober-Ingelheim (Gesangverein Germania 1862 e. V.) bestehen traditionsreiche Gesangsvereine. Der Förderverein der Kleinkunst Ingelheim e. V., der seit 1982 besteht, fördert kulturelle Kleinkunst wie Jazz, Kabarett und Kindertheater. Bis 2007 hatte er eine feste Veranstaltungsstätte im Keller-Kunst-Keller. Seit 2007 führt er seine Veranstaltungen auf wechselnden Bühnen durch.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof in Ingelheim

In Ingelheim gibt es einen Bahnhof, der von Regionalzügen der Deutschen Bahn und der Transregio-Mittelrheinbahn bedient wird mit direkten Verbindungen nach Mainz und Frankfurt sowie Verbindungen nach Bingen, Koblenz, Bad Kreuznach und Saarbrücken. In unmittelbarer Bahnhofsnähe befindet sich auch der Zentrale Omnibusbahnhof, von dem drei Stadtbuslinien (611, 612, 613) zu Zielen in verschiedenen Stadtteilen fahren. Der Stadtbusverkehr wird von der Stadt Ingelheim in Eigenregie betrieben. Vier regionale Linien (620, 640, 643, 75) mit den Zielen Mainz, Ober-Hilbersheim, Gau-Algesheim und Heidesheim erschließen die Umgebung. Betrieben wird der Öffentliche Personennahverkehr der Region von der Omnibusverkehr Rhein-Nahe GmbH. Zudem verkehrt ein Anruf-Sammeltaxi.

Durch die Anschlussstellen Ingelheim-Ost und Ingelheim-West ist die Stadt über die A 60 zu erreichen. Die B 41, die in Saarbrücken beginnt, endet bei Frei-Weinheim. Der Flughafen Frankfurt ist in rund 30 Minuten und der Flughafen Frankfurt-Hahn in rund 50 Minuten zu erreichen. Die hessischen Gemeinden auf der nördlichen Rheinseite sind mit einer Personen- und Autofähre zu erreichen.

Finanzielle Lage der Stadt[Bearbeiten]

Die Stadt ist schuldenfrei und verfügte Ende 2013 über Rücklagen in Höhe von 217 Millionen Euro.[52] Sie ist damit die reichste Stadt des Landes Rheinland-Pfalz, zurückzuführen auf die außerordentlich hohen Gewerbesteuerzahlungen der Firma Boehringer Ingelheim.

Landwirtschaftliche Erzeugnisse und Weinbau[Bearbeiten]

Von den 49,86 km² Stadtfläche werden 321 Hektar für den Weiß- und 324 Hektar für den Rotweinbau sowie 1373 für den Ackerbau (davon sind 120 Hektar Spargelanbau) und 1240 Hektar für den Obstanbau genutzt. Die landwirtschaftlichen Hauptprodukte sind Sauerkirschen, Spargel und Wein. Die Stadt ist die siebtgrößte Weinbaugemeinde Rheinhessens und eine der zwölf größten im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz. Das Institut für Gemüsebau der Hochschule Geisenheim (früher Fachgebiet Gemüsebau der Forschungsanstalt Geisenheim) betreibt in Ingelheim ein Spargelversuchsfeld.[53]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Stadtbildprägend ist das seit 1885 ansässige Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim. Am Stadtrand befindet sich Europas größter Umschlagsplatz für Sauerkirschen, die Vereinigten Großmärkte für Obst und Gemüse Rheinhessen. Die ehemaligen Stadtwerke von Ingelheim, jetzt Rheinhessische Energie- und Wasserversorgungs-GmbH haben ihren Sitz in Ingelheim. Die Gesellschaft kooperiert auch mit der Verbandsgemeinde Heidesheim. Die Weber-Stephen Products Co. hat ihre Zentrale für Deutschland in Ingelheim. Der Fenster- und Türenhersteller PaX AG hat seinen Konzernsitz in Ingelheim.

Öffentliche Einrichtungen und Medien[Bearbeiten]

1996 wurde die Kreisverwaltung Mainz-Bingen von Mainz nach Ingelheim verlegt, das seitdem Kreisstadt ist. Darüber hinaus verfügt Ingelheim über eine Polizeiinspektion, die auch für die Verbandsgemeinden Heidesheim und Gau Algesheim zuständig ist. Es gibt ein Krankenhaus und eine Feuerwehrwache, die mit der Werkfeuerwehr des Pharmaunternehmens Boehringer kooperiert. Die Gewahrsamseinrichtung für Ausreisepflichtige des Landes Rheinland-Pfalz befindet sich ebenfalls in Ingelheim. Der Abwasserzweckverband „Untere Selz“, dessen Mitglied die Stadt ist, betreibt in Ingelheim seine Kläranlage. Das Altenzentrum Im Sohl wurde 1985 eröffnet und bietet Wohnheime und Tagesgestaltungen durch den Sozialen Dienst an.

Gefluteter Hochwasserschutzpolder bei Ingelheim am 16. Januar 2011

Der Hochwasserschutzpolder am Rhein bei Ingelheim wurde 2006 fertiggestellt. Er besteht aus einem mit Deichen eingegrenzten Areal (überwiegend Ackerflächen) von 162 ha und kann 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Ab einem Rheinhochwasser mit einem Pegelstand von 690 cm am Pegel Kaub wird er durch Absenken der Klappen am Ein- und Auslaufbauwerk geflutet. Dieser Fall trat das erste Mal in der Nacht zum 16. Januar 2011 ein.[54][55]

Die Allgemeine Zeitung Ingelheim innerhalb der Rhein Main Presse ist die Tageszeitung in Ingelheim, herausgegeben von der Verlagsgruppe Rhein Main. Wöchentlich am Donnerstag erscheinen das Ingelheimer Wochenblatt sowie der Ingelheimer Kurier mit den amtlichen Bekanntmachungen und monatlich wird die Lokale Zeitung herausgegeben. Das Stadtfernsehen Blickpunkt Ingelheim ist jeden Dienstag und Samstag auf dem regionalen Kanal OK:TV, über Kabelanschluss sowie per Livestream[56] auf der sendereigenen Website zu empfangen.

Bildung[Bearbeiten]

Folgende vier Grundschulen befinden sich im Stadtgebiet von Ingelheim: die Präsident-Mohr-Grundschule in Ober-Ingelheim, die Theodor-Heuss-Grundschule in Ingelheim-West, die Brüder-Grimm-Grundschule in Frei-Weinheim und die die Pestalozzi-Grundschule in Nieder-Ingelheim. In der Innenstadt befindet sich das Sebastian-Münster-Gymnasium. Anfang 2012 wurde die neu errichtete Kaiserpfalz-Realschule-Plus am Gänsberg eröffnet.

Die Albert Schweitzer-Schule in Frei-Weinheim ist eine Sonderschule. Zum Ingelheimer Schulangebot gehören auch die Berufsbildende Schule in Nieder-Ingelheim sowie die IGS Kurt Schumacher im Westen der Stadt. Nur die Grundschulen werden von der Stadt, alle anderen Schulen vom Landkreis Mainz-Bingen getragen.

Für die frühkindliche Bildung stehen im Stadtgebiet 17 Kindertagesstätten zur Verfügung. Unter der Trägerschaft der Stadt Ingelheim und des Vereines der Freunde des Fridtjof-Nansen-Hauses e. V. steht das Weiterbildungszentrums Ingelheim mit seiner Volkshochschule, die Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung, die Musikschule und das Jugendbildungswerk.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Die Ehrenbürgerwürde wurde zum ersten Mal 1863 in Nieder-Ingelheim verliehen.[57] Erster Ehrenbürger war Albert Gerhard de Roock (* 1787 in Zaltbommel (Holland); † 22. August 1867 in Ingelheim), er wurde am 8. August 1863 wegen seines Gemein- und Wohltätigkeitssinns zum Ehrenbürger von Nieder-Ingelheim ernannt. Kommerzienrat Albert Boehringer (* 1861 in Stuttgart; † März 1939 in Ingelheim), wurde 1921 Ehrenbürger von Nieder-Ingelheim, weil er zur industriellen Entwicklung Nieder-Ingelheims entscheidend beigetragen hatte.

Der erste gesamtstädtische Ehrenbürger war Albert Boehringer (der zweite, * 7. Juni 1890 in Ingelheim), der Sohn des Firmengründers von Boehringer Ingelheim. Er wurde wegen seiner Verdienste bei der Entwicklung der Stadt am 7. Juli 1951 zum Ehrenbürger von Ingelheim ernannt. Georg Rückert (* 8. November 1901; † 12. September 1990), erhielt 1966 die Ehrenbürgerwürde für seine Verdienste als erster Nachkriegsbürgermeister von Ingelheim am Rhein. Andreas Saalwächter (* 24. Oktober 1876 in Nieder-Ingelheim; † 10. August 1967 ebenda), wurde für seine Arbeit als Heimatkundler am 13. Oktober 1953 Ehrenbürger von Ingelheim. Darüber hinaus war er Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Als „Vater der Städtepartnerschaft“ zwischen Autun und Ingelheim galt Autuns Bürgermeister René Monrose. Er wurde 1965 Ehrenbürger von Ingelheim. Der Unternehmer und Lyriker Robert Boehringer (1884–1974) wurde 1974 Ehrenbürger. Marcel Lucotte (* 16. Januar 1922; †) wurde anlässlich des Jubiläums der Städtepartnerschaft 1973 als Anerkennung für den Ausbau der Partnerschaft die Ehrenbürgerwürde von Ingelheim verliehen. Der Archäologe Christian Rauch (* 1878; † 31. Januar 1976) wurde für seine Ausgrabungen und Nachforschungen im Saalgebiet 1975 die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Für ihr soziales Engagement und für ihre Verdienste um die Stadt wurde Ruth Boehringer (* 1906; † 2007) anlässlich des hundertjährigen Firmenjubiläums der Firma Boehringer im Dezember 1985 Ehrenbürgerin.[58] Der ehemalige Bürgermeister von Stevenage Brian Hall wurde im September 2005 zum Ehrenbürger ernannt. Ulrike von Baumbach, Tochter von Albert und Marianne Boehringer sind ebenfalls Ehrenbürger der Stadt.[59]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Der Kosmograph Sebastian Münster

Der bekannteste Sohn der Stadt war der Kosmograph Sebastian Münster (* 20. Januar 1488; † 26. Mai 1552). Sein Werk Cosmographia war die erste Beschreibung des Wissens der ganzen Welt in deutscher Sprache. Zu seiner Zeit war die Cosmographia neben der Bibel das meistgelesene Buch.

Mit seinen Expeditionen quer durch die Welt erregte Carlo von Erlanger (* 5. September 1872; † September 1904) die Aufmerksamkeit der Forschungswelt. Unter anderem durchquerte er 1899 bis 1901 Abessinien, dabei legte er 2700 Kilometer zurück. Der kommunistische Politiker Philipp Dengel wurde am 15. Dezember in Ingelheim geboren und verstarb am 28. März 1948 in Berlin. Die SPD-Politikerin Frolinde Balser wurde 1924 in Ingelheim geboren, war Mitglied des Deutschen Bundestages von 1979 bis 1980, Stadtverordnetenvorsteherin der Stadt Frankfurt am Main (erste Frau in diesem Amt) und starb am 4. November 2012. Fritz Teufel (* 17. Juni 1943; † 6. Juli 2010), ein politischer Aktivist, wurde als aktives Mitglied der Studentenbewegung 1967 deutschlandweit bekannt.

Christoph Bartels (* 1949) ist als Montanhistoriker bekannt. Er war unter anderem als Kurator der Ausstellung 750 Jahre Knappschaft tätig. Christian Schmitt-Engelstadt (* 1967) ist ein bekannter Organist, der schon Konzerte außerhalb Deutschlands gegeben hat. Klaus Knopper (* 1968) ist der Entwickler der Linux-Distribution Knoppix. Der Fußballspieler Markus Kreuz (* 1977) war unter anderem beim 1. FSV Mainz 05 sowie bei Eintracht Frankfurt aktiv.

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Folgende Personen haben in Ingelheim gewirkt:[60]

Literatur- und Kartenverzeichnis[Bearbeiten]

  • Gerda Bernhard, Gustav Behrens, Alexander Burger, Ernst Emmerling: Ingelheim. Historischer Verein, 1984, DNB 860002594.
  • Anno Vey: Ingelheim unter dem Hakenkreuz. Historischer Verein, 1999, ISBN 3-00-005295-X.
  • Ursula Pechloff: Ober-Ingelheim, evangelische Burgkirche. Kunstverlag Peda, Passau 2000, ISBN 3-89643-161-7.
  • Ignaz Schweitzer: Vom Glanz der Ingelheimer Kaiserpfalz. Histor. Verein, Ingelheim 1969, DNB 740816292.
  • Karl Heinz Henn: Ingelheim: das Reich und Europa, Aufsätze und Vorträge. Histor. Verein, Ingelheim 1985, DNB 860494225.
  • François Lachenal, Harald T. Weise (Hrsg.): Ingelheim am Rhein: 774 – 1974; Geschichte u. Gegenwart. Boehringer, Ingelheim 1974, DNB 740761544.
  • Historischer Verein Ingelheim: Ingelheimer Haderbücher: Über Prozessakten des Ingelheimer Oberhofs.
  • Hans-Georg Meyer, Gerd Mentgen: Sie sind mitten unter uns: zur Geschichte der Juden in Ingelheim. Ingelheim 1998, ISBN 3-924124-29-9.
  • Friedrich, Reinhard (Hrsg.): Karl der Große in Ingelheim: Bauherr der Pfalz und europäischer Staatsmann; Katalog zur Ausstellung im Alten Rathaus Nieder-Ingelheim, 29. August bis 27. September 1998. Ingelheim 1998, ISBN 3-00-003290-8.
  • Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz: Ingelheim am Rhein. Topographische Karte 6014 (1:25.000), ISBN 3-89637-076-6.
  • Bild von Oberingelheim In: J.F. Dielmann, A. Fay, J. Becker (Zeichner): F.C. Vogels Panorama des Rheins, Bilder des rechten und linken Rheinufers. Lithographische Anstalt F.C. Vogel, Frankfurt 1833.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ingelheim am Rhein – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Ingelheim am Rhein – Reiseführer
 Wikisource: Ingelheim am Rhein – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Ingelheim – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. bfn.de (pdf-Datei)
  3. Historischer Verein 1984: Ingelheim S. 13
  4. http://www.nsgi.de/ Naturschutzgebiete der Stadt Ingelheim
  5. http://www.infothek.statistik.rlp.de/MeineHeimat/detailInfo.aspx?topic=1&ID=3537&key=0733900030&l=3 Flächennutzungsdaten des Landes Rheinland-Pfalz
  6. [1] Abschnitt Orte im regionalen Umkreis von Ingelheim am Rhein
  7. Hauptsatzung der Stadt Ingelheim (PDF; 65 kB)
  8. a b Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961–1990
  9. François Lachenal, Harald Tristan Weise, Robert Boehringer: Ingelheim am Rhein, 774–1974: Geschichte und Gegenwart. Boehringer, Ingelheim 1974.
  10. Ingelheimer Lesebuch. S. 10.
  11. Historischer Verein Ingelheim über das Ingelheimer Reich
  12. Historischer Verein Ingelheim über die Geschichte der Kaiserpfalz
  13. Historischer Verein Ingelheim über Ludwig der Fromme
  14. Karl Heinz Henn: Ingelheim: das Reich und Europa: Aufsätze und Vorträge. 1985.
  15. Historischer Verein über die Ottonen
  16. Ingelheimer Lesebuch. S. 16.
  17. Ingelheimer Adel Historischer Verein Ingelheim
  18. Historischer Verein Ingelheim über die mittelalterlichen Gerichte in Ober-Ingelheim
  19. Adalbert Erler: Die älteren Urteile des Ingelheimer Oberhofes 1418–1430. Band 3, Klostermann, Frankfurt am Main 1963, DNB 451156927.
  20. Historischer Verein: Ingelheim S.68
  21. Historischer Verein Ingelheim über die Kurpfälzische Zeit
  22. Historischer Verein über Sebastian Münster
  23. Historischer Verein über Hexenprozesse in Ingelheim
  24. Historischer Verein Ingelheim über Napoleonische Zeit in Ingelheim
  25. Historischer Verein 1984: Ingelheim S. 87
  26. Historischer Verein 1984: Ingelheim S. 87
  27. Historischer Verein über Ingelheimer Industrie
  28. Ingelheim unter dem Hakenkreuz. S. 181.
  29. Ingelheim unter dem Hakenkreuz. S. 102.
  30. Im Namen des Reichs. Erlaß des Reichsstatthalters in Hessen über den Zusammenschluß der Gemeinden Ober=Ingelhein, Nieder=Ingelheim und Frei=Weinheim zu der Stadt Ingelheim am Rhein. Vom 14. Dezember 1938 (Reg.=Bl. Nr. 21 S. 123) (Seite 125und 126 der PDF-Datei 10,2 MB)
  31. Ingelheim unter dem Hakenkreuz. S. 105.
  32. Ingelheim unter dem Hakenkreuz. S. 216.
  33. Ingelheim im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg
  34. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, S. 181 (PDF; 2,6 MB)
  35. http://www.ingelheimergeschichte.de/index.php?id=297 Einwohnerentwicklungsdaten des Historischen Verein Ingelheim
  36. http://www.ingelheim.de/statistik.html?&L=0class%2525253Dl Einwohnerstatistik der Stadt Ingelheim
  37. http://www.stadtmitte-ingelheim.de/stadtmitte/neuer-markt/ Infos zur Rathauserweiterung
  38. a b Erläuterung des Landeswahlleiters zum „Gewichteten Ergebnis“
  39. Stadtratswahl – Ergebnisse.
  40. Kommunalwahl Rheinland-Pfalz 2014, Stadtrat
  41. www.ingelheim-online.de: Eveline Breyer ist Ingelheims neue Bürgermeisterin 14. Februar 2012.
  42. http://www.ingelheim.de/newsdetails.html?&tx_ttnews%5BpS%5D=1334849804&tx_ttnews%5Btt_news%5D=61152&tx_ttnews%5BbackPid%5D=70&cHash=4ffa19f4da855da93851f06d0dcb02bc Lufthansa Embraer 195 als neuer „Fliegender Botschafter“ von Ingelheim
  43. Burgkirche Historischer Verein Ingelheim
  44. Ausgrabungen bei der Kaiserpfalz
  45. Christian Rauch, Hans Jörg Jacobi: Die Ausgrabungen in der Königspfalz Ingelheim 1909–1914. Historischer Verein Ingelheim, 1976. (Beiträge zur Ingelheimer Geschichte. 24/25)
  46. Ingelheim am Rhein gewinnt Titel unverwechselbare Stadt.
  47. Johannes Leicht: Heinrich Claß 1868–1953. Die politische Biographie eines Alldeutschen. Schöningh, Paderborn u. a. 2012, ISBN 978-3-506-77379-1, S. 69.
  48. Bismarcktürme.de über den Bismarckturm bei Ingelheim
  49. http://www.stadtmitte-ingelheim.de/stadtmitte/mediathek/
  50. Webseite der Kaiserpfalz Ingelheim
  51. AM 7ten UM 7! auf der Webseite des Leinpfad Verlags, gesehen am 11. Februar 2011.
  52. http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/ingelheim/oberbuergermeister-weist-kritikpunkte-im-pruefbericht-zurueck_14269935.htm
  53. Forschungsergebnisse des Spargelversuchsfelds
  54. Flutung des Polders simuliert. In: Allgemeine Zeitung. 29. Oktober 2009.
  55. Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd: Hochwasserrückhaltung am Polder Ingelheim PDF-Datei 12,97 MB
  56. Livestream des OK:TV
  57. Ehrenbürger Ingelheims Historischer Verein Ingelheims
  58. Ruth Boehringer auf der Website der Stadt Ingelheim, gesehen 13. Februar 2012.
  59. Ulrike von Baumbach Ehrenbürgerin
  60. Persönlichkeiten Ingelheims Historischer Verein
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