Ingemar Stenmark

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Ingemar Stenmark Ski Alpin
Ingemar Stenmark - 2011.jpg
Ingemar Stenmark 2011
Nation SchwedenSchweden Schweden
Geburtstag 18. März 1956
Geburtsort Joesjö
Karriere
Disziplin Slalom, Riesenslalom,
Super-G, Kombination
Status zurückgetreten
Karriereende 9. März 1989
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 2 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
Weltmeisterschaften 5 × Gold 1 × Silber 1 × Bronze
Junioren-EM 1 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Winterspiele
Bronze Innsbruck 1976 Riesenslalom
Gold Lake Placid 1980 Riesenslalom
Gold Lake Placid 1980 Slalom
FIS Alpine Skiweltmeisterschaften
Bronze Innsbruck 1976 Riesenslalom
Gold Garmisch 1978 Riesenslalom
Gold Garmisch 1978 Slalom
Gold Lake Placid 1980 Riesenslalom
Gold Lake Placid 1980 Slalom
Gold Schladming 1982 Slalom
Silber Schladming 1982 Riesenslalom
FIS Alpine Ski-Junioreneuropameisterschaften
Gold Jasná 1974 Riesenslalom
Platzierungen im alpinen Skiweltcup
 Weltcupsiege 86
 Gesamtweltcup 1. (1975/76, 1976/77,
1977/78)
 Riesenslalomweltcup 1. (1974/75, 1975/76,
1976/77, 1977/78, 1978/79,
1979/80, 1980/81, 1983/84)
 Slalomweltcup 1. (1974/75, 1975/76,
1976/77, 1977/78, 1978/79,
1979/80, 1980/81, 1982/83)
 Kombinationsweltcup 15. (1980/81)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Riesenslalom 46 13 13
 Slalom 40 29 12
 Parallelrennen 0 1 0
 Kombination 0 0 1
 

Ingemar Stenmark (* 18. März 1956 in Joesjö bei Tärnaby) ist ein ehemaliger schwedischer Skirennläufer.

Mit insgesamt 86 Weltcup-Triumphen, die er in seiner aktiven Zeit von 1973 bis 1989 erzielte, führt er klar die FIS-Statistiken an und ist damit der erfolgreichste alpine Skirennläufer seit der Einführung des Weltcups 1967. Der Doppelolympiasieger Stenmark ist auch bekannt als die „lebende Legende aus Tärnaby“.

Karriere[Bearbeiten]

Stenmark gewann dreimal den Gesamtweltcup, obwohl er fast nie im Abfahrtslauf antrat. Einmal fuhr er die legendäre Streif hinunter, um in der Kombination zu punkten.[1] In seiner Zeit war er derart überragend, dass alleine die Slalom- und Riesenslalomerfolge für den Sieg des Gesamtweltcups reichten – allerdings wurden zu jener Zeit nur Slalom-, Riesenslalom- und Abfahrtsrennen sowie einige wenige Kombinationen für den Weltcup gewertet, der Bewerb Super-G kam erst später dazu, daher hatten spezialisierte Abfahrer nur sehr geringe Chancen auf den Gewinn des Gesamtweltcups.

Einer seiner größten Erfolge waren die beiden Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid. Er konnte diese Titel nicht verteidigen, denn er durfte an den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajewo nicht teilnehmen, da er zu dieser Zeit eine Profilizenz besaß.[2]

Technik[Bearbeiten]

Stenmark war ein Ausnahmesportler. Er fuhr sehr elegant und hatte in seiner besten Zeit auf Grund seiner einzigartigen Technik kaum ebenbürtige Gegner. Als ernstzunehmende Kontrahenten galten Gustav Thöni zu Beginn seiner Laufbahn, Heini Hemmi 1976/77 im Riesenslalom und am Anfang der 1980er Phil Mahre.

Neben einer exzellenten Körperbeherrschung und einem extrem ausgeprägten intuitiven Ski- und Schneegefühl zeichnete ihn eine phänomenale Balance aus. Daher geriet er in den vielen von ihm souverän absolvierten Skirennen so gut wie nie in Sturzgefahr oder stürzte tatsächlich. Stenmark trainierte diese Fähigkeit bereits in seiner Kindheit in Nordschweden, indem er auf einem zwischen zwei Bäumen gespannten Seil zur Schulung des Gleichgewichtssinns stundenlang akrobatische Turnübungen ausführte. Der Südtiroler Skiexperte Hermann Nogler erkannte als Erster das enorme Potential des jungen schwedischen Talents und wurde in den Folgejahren Stenmarks Trainer und Mentor.

Persönlichkeit[Bearbeiten]

Ingemar Stenmark war ein Sportler von großer Fairness und zeichnete sich durch ein hohes sportliches Ethos aus. Dies belegt folgendes Beispiel: Als Stenmark als schwedischer Nobody im alpinen Skizirkus auftauchte, erhielt er von den renommierten Ski-Firmen keine Unterstützung, da man dort mit Schweden den nordischen Skilauf assoziierte und mit einem schwedischen alpinen Skiläufer nichts Rechtes anzufangen wusste. Lediglich in der relativ unbekannten jugoslawischen Firma Elan fand Stenmark einen Ausrüster. Als Dank dafür blieb Stenmark vom Anfang bis zum Ende seiner beispiellosen Karriere dieser Firma treu und bestritt sämtliche seiner Rennen ausschließlich auf Elan-Skiern – obwohl er millionenschwere Angebote von den anderen Firmen erhielt, nachdem er zum Superstar aufgestiegen war. Stenmark blieb ein bescheidener Sportler, dem mammonistische Starallüren zuwider waren.[3] Nicht zuletzt diese charakterlichen Eigenschaften sind der Grund dafür, dass Stenmark nach wie vor nicht nur das Sportidol des alpinen Skilaufs ist, sondern allgemein ein Vorbild für die sportlich interessierte Jugend darstellt – vornehmlich in Schweden.

Äußerer Ausdruck seines Charakters war seine legendäre, bewusst gepflegte Einsilbigkeit in Interviews, welche die Zunft der Sportreporter abschrecken sollte. Daher beschränkte er sich zumeist auf lapidare, ausschließlich sachbezogene Antworten.[3] Erst gegen Ende seiner Karriere ging er mehr aus sich heraus, ließ im Gespräch mitunter durch das eine oder andere Bonmot seinen durchaus vorhandenen Humor aufblitzen. Es entsprach Stenmarks Naturell, seiner Persönlichkeit durch Taten Ausdruck zu verleihen statt durch Worte. Gerade diese konstante Untertreibung, machte Stenmark in weiten, auch außersportlichen Kreisen sympathisch und populär.[4] Im Skizirkus der Zeit sah der einsilbige Naturbursche Stenmark wie ein Fremdkörper aus. Der zeitgleich agierende Björn Borg wurde von den schwedischen Massenmedien als Star gefeiert und vom Publikum verehrt, Stenmark aber wurde als Held geliebt.[5]

Erfolge[Bearbeiten]

Olympische Spiele[Bearbeiten]

Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

Weltcup[Bearbeiten]

  • 3 x Gesamtweltcup-Sieger (1976, 1977, 1978)
  • 8 x Riesenslalom-Weltcupsieger (1975, 1976, 1977 *, 1978, 1979, 1980, 1981, 1984)
  • 8 x Slalom-Weltcupsieger (1975, 1976, 1977, 1978, 1979, 1980, 1981, 1983)

* Im Disziplinen-Weltcup für den Riesenslalom erreichten in der Saison 1976/77 Ingemar Stenmark und Heini Hemmi jeweils 115 gewertete Punkte für ihre 5 besten Ergebnisse (je 3 Siege à 25 Punkte und 2 zweite Plätze à 20 Punkte). Das sechstbeste Ergebnis war für Heini Hemmi ein dritter Platz, für Ingemar Stenmark ein sechster Platz. Laut Ski-DB wurde deshalb die Riesenslalom-Kristallkugel nur an Heini Hemmi vergeben und nicht an Ingemar Stenmark, in den heutigen FIS-Statistiken werden aber beide auf dem ersten Platz geführt.

Ingemar Stenmark gewann insgesamt 86 Weltcuprennen (46 Riesenslaloms, 40 Slaloms):

Riesenslalom

Datum Ort Land
23. Februar 1975 Naeba Japan
2. März 1975 Garibaldi Kanada
13. März 1975 Sun Valley USA
27. Januar 1976 Zwiesel Deutschland
6. März 1977 Sun Valley USA
21. März 1977 Åre Schweden
25. März 1977 Sierra Nevada Spanien
10. Dezember 1977 Val-d’Isère Frankreich
14. Dezember 1977 Madonna di Campiglio Italien
8. Januar 1978 Zwiesel Deutschland
18. März 1978 Arosa Schweiz
9. Dezember 1978 Schladming Österreich
22. Dezember 1978 Kranjska Gora Jugoslawien
7. Januar 1979 Courchevel Frankreich
16. Januar 1979 Adelboden Schweiz
23. Januar 1979 Stainach Österreich
4. Februar 1979 Jasna Tschechoslowakei
10. Februar 1979 Åre Schweden
4. März 1979 Lake Placid USA
12. März 1979 Heavenly Valley USA
19. März 1979 Furano Japan
8. Dezember 1979 Val-d’Isère Frankreich
12. Dezember 1979 Madonna di Campiglio Italien
21. Januar 1980 Adelboden Schweiz
1. März 1980 Mount Sainte-Anne Kanada
11. März 1980 Cortina d’Ampezzo Italien
13. März 1980 Saalbach-Hinterglemm Österreich
10. Dezember 1980 Madonna di Campiglio Italien
6. Januar 1981 Morzine Frankreich
26. Januar 1981 Adelboden Schweiz
2. Februar 1981 Schladming Österreich
11. Februar 1981 Voss Norwegen
14. Februar 1981 Åre Schweden
9. Januar 1982 Morzine Frankreich
19. Januar 1982 Adelboden Schweiz
9. Februar 1982 Kirchberg Österreich
13. Februar 1983 Todtnau Deutschland
26. Februar 1983 Gällivare Schweden
10. Januar 1984 Adelboden Schweiz
23. Januar 1984 Kirchberg Österreich
4. Februar 1984 Borowez Bulgarien
7. März 1984 Vail USA
15. Dezember 1985 Alta Badia Italien
27. Februar 1986 Hemsedal Norwegen
18. März 1986 Lake Placid USA
19. Februar 1989 Aspen USA

Slalom

Datum Ort Land
17. Dezember 1974 Madonna di Campiglio Italien
12. Januar 1975 Wengen Schweiz
15. Dezember 1975 Sterzing Italien
11. Januar 1976 Wengen Schweiz
24. Januar 1976 Kitzbühel Österreich
7. März 1976 Copper Mountain USA
14. März 1976 Aspen USA
3. Januar 1977 Laax Schweiz
10. Januar 1977 Berchtesgaden Deutschland
16. Januar 1977 Kitzbühel Österreich
23. Januar 1977 Wengen Schweiz
6. Februar 1977 St. Anton am Arlberg Österreich
18. März 1977 Voss Norwegen
20. März 1977 Åre Schweden
13. Dezember 1977 Madonna di Campiglio Italien
5. Januar 1978 Oberstaufen Deutschland
9. Januar 1978 Zwiesel Deutschland
21. Dezember 1978 Kranjska Gora Jugoslawien
11. Februar 1979 Åre Schweden
17. März 1979 Furano Japan
11. Dezember 1979 Madonna di Campiglio Italien
27. Januar 1980 Chamonix Frankreich
27. Februar 1980 Waterville Valley USA
10. März 1980 Cortina d’Ampezzo Italien
15. März 1980 Saalbach-Hinterglemm Österreich
9. Dezember 1980 Madonna di Campiglio Italien
18. Januar 1981 Kitzbühel Österreich
1. Februar 1981 St. Anton am Arlberg Österreich
8. Februar 1981 Oslo Norwegen
12. Januar 1982 Bad Wiessee Deutschland
17. Januar 1982 Kitzbühel Österreich
14. Dezember 1982 Courmayeur Italien
23. Januar 1983 Kitzbühel Österreich
11. Februar 1983 Le Markstein Frankreich
13. Dezember 1983 Courmayeur Italien
20. Dezember 1983 Madonna di Campiglio Italien
17. Januar 1984 Parpan Schweiz
25. Januar 1986 St. Anton am Arlberg Österreich
29. November 1986 Sestriere Italien
14. Februar 1987 Le Markstein Frankreich

Junioreneuropameisterschaften[Bearbeiten]

Schwedische Meisterschaften[Bearbeiten]

Ingemar Stenmark wurde neunmal Schwedischer Meister:

  • Slalom: 1974, 1976, 1977, 1978 und 1979
  • Riesenslalom: 1976, 1977, 1978 und 1979

Ehrungen[Bearbeiten]

Ingemar Stenmark ist neben Anja Pärson und Björn Borg der einzige Sportler, der zweimal mit der renommierten Svenska-Dagbladet-Goldmedaille geehrt wurde (1975, 1978). Außerdem erhielt er 1979 die Holmenkollen-Medaille und wurde 1979 und 1980 mit dem Radiosportens Jerringpris geehrt. Von 1977 bis 1979 wurde er von der Internationalen Vereinigung der Ski-Journalisten dreimal in Folge mit dem Skieur d’Or ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sein Sport gehört ihm In: Die Zeit 10/1981 vom 27. Februar 1981, abgerufen am 4. Januar 2012. „Nur in Ausnahmefällen hat er sich zur Teilnahme an Abfahrtsrennen verleiten lassen, zuletzt Mitte Januar in Kitzbühel, wo er — langsam, aber sicher — mit neun Sekunden Rückstand auf den Sieger ins Ziel kam.“
  2. Monika könnte mich Lügen strafen In: Der Spiegel 5/1984 vom 30. Januar 1984, abgerufen am 4. Januar 2012. „Außerdem fehlen in Sarajevo auch die Weltmeister Ingemar Stenmark und Hanni Wenzel, weil sie Profilizenzen besaßen.“
  3. a b Sein Sport gehört ihm In: Die Zeit 10/1981 vom 27. Februar 1981, abgerufen am 4. Januar 2012.
  4. Arnd Krüger & Swantje Scharenberg (Hrsg.): Zeiten für Helden - Zeiten für Berühmtheiten im Sport. LIT, Münster 2014, ISBN 978-3-643-12498-2.
  5. John Hellström & Leif Yttergren: Ingemar Stenmark, folk hero and media star. The Media construction of a Swedisch skiiing hero in the 1970s, in: European Studies in Sport History 6(2013), 93 - 110