Ingrid Matthäus-Maier

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Ingrid Matthäus-Maier, 2012

Ingrid Matthäus-Maier geb. Matthäus (* 9. September 1945 in Werlte) ist eine deutsche Politikerin (SPD, früher FDP) und Bankmanagerin. Sie war von 1979 bis 1982 Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages und von 1988 bis 1999 stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Von 2006 bis Mitte 2008 war sie Vorsitzende der KfW-Bankengruppe.

Studium und Beruf[Bearbeiten]

Ingrid Matthäus-Maier, 1975

Nach dem Abitur 1965 in Duisburg absolvierte Ingrid Matthäus-Maier ein Studium der Rechtswissenschaft in Gießen und an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, welches sie mit dem ersten und zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Danach war sie bis 1976 als Verwaltungsrichterin in Münster tätig. Ingrid Matthäus-Maier engagierte sich zunächst in der Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union (HU). Während ihrer Studienzeit in Münster war sie aktiv in der Studentengruppe der HU (HSG Münster).

Politische Karriere[Bearbeiten]

1969 trat sie in die Jungdemokraten und die FDP ein. 1972 wurde Ingrid Matthäus-Maier für ein Jahr Bundesvorsitzende der Jungdemokraten (sie war erste weibliche Vorsitzende eines deutschen politischen Jugendverbandes) und war von da bis zu ihrem Rücktritt 1982 Mitglied im Bundesvorstand der FDP.

Sie war maßgeblich an der Formulierung des FDP-Kirchenpapiers „Freie Kirche im Freien Staat“ beteiligt, welches am 1. Oktober 1974 auf dem 25. FDP-Bundesparteitag in Hamburg verabschiedet wurde. Es bestand aus einer Präambel und 13 Thesen, die eine Neuregelung des Verhältnisses von Staat und Kirche im Sinne einer strikten Trennung beider voneinander vorsahen, so unter anderem die Abschaffung des Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts für die Kirchen, die Ersetzung der Kirchensteuer durch ein kircheneigenes Beitragssystem, Ablösung sämtlicher exklusiver Staatsleistungen an die Kirchen und die Aufhebung der bestehenden Staatskirchenverträge und Konkordate. Damit wurde erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik von einer regierungsverantwortlichen Partei das etablierte Staatskirchensystem offen problematisiert.

Bundestag[Bearbeiten]

Ingrid Matthäus-Maier wurde bei der Bundestagswahl am 3. Oktober 1976 erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt (8. Wahlperiode). Hier war sie ab November 1979 Vorsitzende des Finanzausschusses. Damals regierte eine sozial-liberale Koalition unter Helmut Schmidt (Kanzler seit Mai 1974); die FDP-Politik wurde damals maßgeblich geprägt von den FDP-Ministern im Kabinett Schmidt II (Hans-Dietrich Genscher, Werner Maihofer, Gerhart Baum, Hans Friderichs und Otto Graf Lambsdorff).

Als es im Herbst 1982 zur sogenannten Wende kam und die FDP einen Koalitionswechsel von der SPD zur CDU/CSU vollzog, verließ Ingrid Matthäus-Maier, die für den Erhalt der sozial-liberalen Koalition eingetreten war, am 9. November 1982 die FDP-Bundestagsfraktion und legte auch den Vorsitz des Finanzausschusses nieder. Am 2. Dezember 1982 trat Matthäus-Maier in die SPD ein, legte ihr Bundestagsmandat nieder und schied aus dem Bundestag aus.

Matthäus-Maier zog bei der vorgezogenen Bundestagswahl vom 6. März 1983 über die Landesliste Nordrhein-Westfalen erneut in den Bundestag ein. Von 1988 bis 1999 war sie finanzpolitische Sprecherin sowie eine der stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion. Im Jahre 1988 wurde sie Vorsitzende des Untersuchungsausschusses „Transnuklear” und leitete damit als erste Frau einen Untersuchungsausschuss. Von 1995 bis 1999 war sie auch Mitglied im SPD-Bundesvorstand.

Am 1. Juli 1999 - inzwischen regierte eine rot-grüne Koalition unter Gerhard Schröder - legte sie ihr Bundestagsmandat nieder und schied somit aus dem Bundestag aus. Sie war insgesamt fast 23 Jahre Bundestagsabgeordnete; sie war Mitglied von sieben Bundestagen (8. bis 13. Bundestag).

Vorstandsmitglied KfW[Bearbeiten]

Von 1999 bis 2008 war sie Mitglied im Vorstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Am 9. Dezember 2005 wurde sie zur Vorstandssprecherin der KfW-Bankengruppe gewählt und übernahm das Amt am 1. Oktober 2006 als Nachfolgerin von Hans Reich. Damit wurde sie zur ersten Frau an der Spitze einer deutschen Großbank.

Ausgelöst durch die Subprime-Krise 2007/2008 musste die KfW als Großaktionär der IKB-Bank diese mehrfach mit Zahlungen in Milliardenhöhe stützen, nachdem die IKB sich mit dubiosen Immobilien-Geschäften verspekuliert hatte. Matthäus-Maier, die selbst nie dem Aufsichtsrat der IKB angehörte, wurde daraufhin von Politikern und Journalisten kritisiert. Am 7. April 2008 trat sie, ein Jahr vor Ende ihres Vertrages, von ihrem Posten als Vorstandssprecherin bei der KfW zurück, nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen.[1]

Arbeitskreis Laizismus[Bearbeiten]

Matthäus-Maier, die sich als Atheistin seit 1966 für eine radikale Entflechtung von Staat und Kirche im Sinne des Laizismus einsetzte, war 2010 Mitgründerin eines laizistischen Arbeitskreises innerhalb der SPD, der jedoch auf Ablehnung durch den Parteivorstand traf.[2][3]

Familie[Bearbeiten]

Ingrid Matthäus-Maier ist mit dem Mathematiker Robert Maier verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Sankt Augustin. Matthäus-Maier wurde mit mehreren Rednerpreisen ausgezeichnet, darunter 1989 mit dem „Goldenen Mikrofon” als Rednerin des Jahres und 1998 mit dem Cicero-Rednerpreis.

Derzeitige Tätigkeiten[Bearbeiten]

  • Vorsitzende des Kuratoriums der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Präsidentin der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments e. V. (VeMdB)
  • Beiratsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung
  • Mitglied im Verbandsrat des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.
  • Sprecherin der Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“ (GerDiA)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ingrid Matthäus-Maier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bankenkrise: Milliardenloch bei KfW - Chefin Matthäus-Maier tritt zurück auf Spiegel Online
  2. Berliner-Zeitung:SPD-Spitze will neue Gruppe nicht anerkennen-Gegen den Blickwinkel der Atheisten
  3. Atheisten-Treffen - Unter Gottlosen Spiegel online, 5. Juli 2012