Initiative Frieden und Menschenrechte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) war eine der Bürgerbewegungen in der DDR, die die Wende wesentlich mitprägten. Sie wurde am 24. Januar 1986 offiziell gegründet und ist damit eine der ältesten Gruppen der Bürgerrechtsbewegung in der DDR.

Vor der Wende[Bearbeiten]

Die IFM wurde als einzige der neuen Gruppierungen der Wendezeit in der DDR nicht erst 1989 gegründet. Sie ging aus einem Menschenrechtsseminar in Berlin (Ost) 1985 hervor. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Bärbel Bohley, Martin Böttger, Werner Fischer, Ralf Hirsch, Gerd Poppe, Ulrike Poppe, Wolfgang Templin und Reinhard Weißhuhn. Die Initiative hatte eine nur lockere Organisationsstruktur; in der Anfangszeit bestand sie aus circa 25 Mitgliedern. Sie nutzte zwar auch die kirchliche Öffentlichkeit, verstand sich aber von Beginn an als unabhängig von der Kirche und hatte damit eine Sonderstellung innerhalb der Menschenrechts- und Demokratiebewegung in der DDR inne. Hauptziele waren die Wahrung der Menschenrechte und die Friedenssicherung. Die Initiative setzte sich für Abrüstung und „Entmilitarisierung“ ein und wendete sich gegen jede Art von autoritärer Struktur, gegen die Verherrlichung von Gewalt und gegen die Ausgrenzung von Minderheiten und Ausländern. Die Positionen wurden unter anderem in der illegalen Zeitschrift „grenzfall“ veröffentlicht.

Im Februar 1986 spaltete sich der sozialrevolutionäre Flügel um Thomas Klein und Reinhard Schult ab und gründete die Gruppe Gegenstimmen.

Im Januar 1988 wurden mehrere Mitglieder der IFM im Zusammenhang mit der traditionellen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin verhaftet und anschließend in den Westen abgeschoben. Ralf Hirsch wurde ausgebürgert.[1]

Als im November 1988 der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu zu einem Arbeitsbesuch in die DDR eingeladen wurde, organisierten Bürgerrechtler in der Gethsemanekirche einen Rumänienabend, um auf die Verletzung der Grundrechte und die katastrophale Versorgungslage in Rumänien aufmerksam zu machen. Infolgedessen wurden mehrere Mitglieder der IFM während des Ceaușescu-Besuchs unter Hausarrest gestellt.[2]

Diese und weitere „Zersetzungsmaßnahmen“ der Stasi erschwerten die Arbeit der IFM in der Folgezeit erheblich. Im März 1989 öffnete sich die IFM zu einer DDR-weiten Oppositionsgruppe.

Wendezeit[Bearbeiten]

Erst während der friedlichen Revolution 1989 wurde die Initiative Frieden und Menschenrechte wieder voll aktiv. Ihre Mitgliederzahl war allerdings im Vergleich zu den neuen Oppositionsgruppen und Parteien eher bescheiden. Die IFM war mit zwei Mitgliedern am Runden Tisch beteiligt und stellte mit Gerd Poppe ab Februar 1990 in der Regierung Modrow einen Minister ohne Geschäftsbereich.

Zur ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 ging die IFM mit dem Neuen Forum und Demokratie Jetzt, die sehr ähnliche politische Ziele verfolgten, ein Wahlbündnis unter dem Namen Bündnis 90 ein. Die Listenverbindung Bündnis 90 erzielte am Wahltag 2,9 % der Stimmen und errang 12 Sitze in der Volkskammer. Für die Initiative Frieden und Menschenrechte saßen Marianne Birthler und Gerd Poppe in der Fraktion Bündnis 90/Grüne, zu der sich die Abgeordneten des Bündnis 90 mit denen der Grünen Partei in der DDR zusammengeschlossen hatten. Den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 Grundgesetz a.F. lehnte das Bündnis ab.

Zu den ersten gesamtdeutschen Wahlen am 2. Dezember 1990 zum Bundestag trat die IFM gemeinsam mit dem Neuen Forum, Demokratie Jetzt, dem Unabhängigen Frauenverband (UFV) und der Partei „Die Grünen“ in der Listenvereinigung Bündnis 90/Grüne - BürgerInnenbewegung (B90/Gr) an. Diese erzielte in Ostdeutschland acht Mandate, unter denen Gerd Poppe der einzige Vertreter der IFM war.

Spätere Entwicklung[Bearbeiten]

Im September 1991 ging die Initiative Frieden und Menschenrechte in der neu gegründeten Bürgerbewegung Bündnis 90 auf, das bis dahin die Bezeichnung für unterschiedliche Wahlbündnisse gewesen war und nun die IFM, Demokratie Jetzt und Teile des Neuen Forums in sich vereinigte. Im Mai 1993 erfolgte der Zusammenschluss von Bündnis 90 mit den Grünen zur Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.jugendopposition.de/index.php?id=197 und dort verlinkte Artikel über die einzelnen Personen
  2. Thomas Kunze: Nicolae Ceauşescu - Eine Biographie, S. 352 (Online bei Google Books)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Rüddenklau: Störenfried. DDR-Opposition 1986–1989. Basis-Druck, Berlin 1992, ISBN 3-86163-011-7.
  • Wolfgang Templin: Bemerkungen zur politischen Orientierung in der Friedensbewegung. Vorstellung der Initiative für Frieden und Menschenrechte am 10. Dezember 1987. Schriftenreihe des Robert-Havemann-Archivs, Berlin, 2002, ISBN 3-9804920-6-0.
  • Wolfgang Templin, Reinhard Weißhuhn: Initiative Frieden und Menschenrechte. Die erste unabhängige DDR-Oppositionsgruppe. In: Von der Illegalität ins Parlament. Werdegang und Konzept der neuen Bürgerbewegungen. Herausgegeben von Helmut Müller-Enbers, Marianne Schulz und Jan Wielgohs, LinksDruck, Berlin 1991, S. 148-165, ISBN 3-86153-017-1

Weblinks[Bearbeiten]