Inn

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Inn
Verlauf und Einzugsgebiet des Inns

Verlauf und Einzugsgebiet des Inns

Daten
Gewässerkennzahl AT: 2-8, DE: 18
Lage Schweiz, Österreich, Deutschland
Flusssystem Donau
Abfluss über Donau → Schwarzes Meer
Quelle Am Malojapass, aus mehreren Quellen südwestlich des Lunghinsees
46° 24′ 50″ N, 9° 40′ 0″ O46.4138888888899.66666666666672484
Quellhöhe 2'484 m ü. M.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung In Passau in die Donau48.573613.478138888889291Koordinaten: 48° 34′ 25″ N, 13° 28′ 41″ O
48° 34′ 25″ N, 13° 28′ 41″ O48.573613.478138888889291
Mündungshöhe 291 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 2193 m
Länge 517 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen (mit Aua da Fedoz 520 km)
Einzugsgebiet 26.130 km²[1]
Abfluss am Pegel Innsbruck[2]
AEo: 5631,5 km²
Lage: 298,51 km oberhalb der Mündung
NNQ (31. Jan. 1962)
MNQ 1971 – 2009
MQ 1971 – 2009
Mq 1971 – 2009
MHQ 1971 – 2009
HHQ (23. Aug. 2005)
18,8 m³/s
40,1 m³/s
163 m³/s
28,9 l/(s km²)
718 m³/s
1525 m³/s
Abfluss am Pegel Wasserburg[3]
AEo: 11.980 km²
Lage: 158,7 km oberhalb der Mündung
NNQ (28. Dez. 1969)
MNQ 1965/2006
MQ 1965/2006
Mq 1965/2006
MHQ 1965/2006
HHQ (24. Aug. 2005)
93,8 m³/s
131 m³/s
358 m³/s
29,9 l/(s km²)
1450 m³/s
2940 m³/s
Abfluss am Pegel Passau Ingling[4]
AEo: 26.063 km²
Lage: 3,1 km oberhalb der Mündung
NNQ (2. Nov. 1947)
MNQ 1921/2006
MQ 1921/2006
Mq 1921/2006
MHQ 1921/2006
HHQ (10. Jul. 1954)
195 m³/s
283 m³/s
740 m³/s
28,4 l/(s km²)
2960 m³/s
6700 m³/s
Linke Nebenflüsse Sanna, Mangfall, Attel, Isen, Rott
Rechte Nebenflüsse Ötztaler Ache, Melach, Sill, Ziller, Alz, Salzach
Großstädte Innsbruck
Mittelstädte Rosenheim, Passau
Kleinstädte Landeck, Imst, Hall in Tirol, Schwaz, Rattenberg, Wörgl, Kufstein, Wasserburg, Mühldorf, Töging, Altötting, Neuötting, Simbach, Braunau, Schärding
Schiffbar Nicht schiffbar, örtlich Fahrgastschifffahrt
Der Inn zwischen Wernstein und Passau

Der Inn zwischen Wernstein und Passau

Der Inn (rätoroman. En, lat. Aenus, auch Oenus,[5] griechisch Αἶνος[6]) ist ein 517 km langer, durch die Schweiz, Österreich und Deutschland verlaufender rechter Nebenfluss der Donau. An der Mündung bei Passau fließen im Mittel 738 m³/s Wasser in die nur 690 m³/s heranführende Donau.[7] Der größere Mittelwert beruht auf den Hochwässern des während sieben Monaten weniger Wasser führenden Gebirgsflusses.

Geografie[Bearbeiten]

Länge und Einzugsgebiet[Bearbeiten]

Mit einer Gesamtlänge von 517 Kilometern (mit Aua da Fedoz 520 km) ist der Inn einer der längsten und mächtigsten Alpenflüsse. Nahezu zwei Drittel seines Flusslaufes liegen im Gebiet der Alpen.

Das Einzugsgebiet des Inns beträgt 26.130 km²[1] (nach anderen Angaben 26.053 km²[8]). Davon liegen 1689 km² im Kanton Graubünden, 254 km² (am Oberlauf des Spöl) in Italien, 7880 km² in Tirol[1], 8061 km² in Bayern[8] und rund 8250 km² in Salzburg und Oberösterreich.

Im Einzugsgebiet des Inn befinden sich 823 Gletscher, die zusammen 395 km² oder 1,5 % der Fläche einnehmen.[1] Der höchste Punkt im Einzugsgebiet ist der Piz Bernina mit 4'049 m ü. M.

Hydrologie[Bearbeiten]

Mit einer mittleren Wassermenge von 738 Kubikmetern pro Sekunde ist der Inn, nach dem Rhein, der Donau und der Elbe, bei der die Nebenflüsse des Ästuars dazugerechnet werden, der viertwasserreichste Fluss Deutschlands sowie der zweitwasserreichste Österreichs. Er führt der Donau mehr Wasser zu als Lech, Isar, Enns und Traun zusammen. Obwohl die Elbe fünfmal soviel Stromgebiet entwässert, ist sie nur unwesentlich wasserreicher, denn in den Alpen sind die Niederschlagsmenge und die Abflussrate höher.

Das Abflussregime des Inns ist aufgrund der alpinen Schneeschmelze und der größeren mittleren Hangneigung in seinem Einzugsgebiet unausgeglichener als das der Donau. Insbesondere im Oberlauf ist das Abflussregime stark durch die Vergletscherung am Alpenhauptkamm (Zentralbereiche der Ötztaler, Stubaier, Zillertaler Alpen und Hohen Tauern) beeinflusst. Am Pegel Innsbruck weist der Inn ein nivo-glaziales Abflussregime mit einem Anteil von 10 % Gletscherwasser auf, das nur im Zeitraum von Mai bis Oktober anfällt und im im Juli und August mit 25 % den höchsten Anteil am Abfluss erreicht.[9]


Mittlere monatliche Abflüsse des Inns (in m³/s) am Pegel Passau-Ingling
Reihe 1921/2006[4]

Der mittlere Abfluss des Inns in Passau ist zwar rund 7 % größer als der der Donau, der Inn führt aber die meiste Zeit des Jahres (vom Frühherbst bis zum Frühling) weniger Wasser. Auch wenn visueller Eindruck und Gesamtwasserführung nahelegen, von der Mündung der Donau in den Inn zu sprechen, ist der Name Donau für den vereinigten Strom zu rechtfertigen; denn die Donau ist hier mit 547 km länger als der Inn mit 517 km und die Donau behält, anders als der Inn, ihre Fließrichtung unverändert bei.

Flusslauf[Bearbeiten]

Europäische Wasserscheide

Der Fluss entspringt beim Malojapass im Schweizer Engadin in 2484 m Höhe nahe dem Lunghinsee. In der Nähe des Ursprungs liegt ein europäischer Hauptwasserscheidepunkt (Nordsee, Schwarzes Meer, Adria).

Im Oberengadin wird der Inn bis zum Zusammenfluss mit dem größeren Flaz auch Sela genannt und durchfließt zunächst den Silser-, den Silvaplaner-, den Champfèrer- und den St. Moritzersee. Der kleine Lej da Gravatscha nahe der Mündung des Flaz' ist ein wichtiges Brutgebiet für Vögel. Im Unterengadin durchfließt der Inn mit deutlich stärkerem Gefälle mehrere Schluchten.

Unterhalb der schweizerisch-österreichischen Grenze am Engpass von Finstermünz wird sein Tal im Bundesland Tirol Oberinntal genannt und unterhalb der Einmündung der Melach bei Zirl Unterinntal. Zwischen Kufstein und Erl verläuft die österreichisch-deutsche Staatsgrenze in Flussmitte. Danach durchquert der Inn die südöstliche Ecke Bayerns; ab der Mündung der Salzach markiert er wieder die deutsch-österreichische Grenze. Am unteren Inn stehen mehrere große Stauwerke. Hier erstreckt sich auch über eine Länge von 55 Kilometern das Europareservat Unterer Inn. Der Inn zwischen Braunau und Schärding ist Namensgeber für das angrenzende oberösterreichische Innviertel (politische Bezirke Braunau, Schärding, Ried im Innkreis).

Mündung des Inn (von links) in die Donau in Passau

Der Inn mündet in der „Dreiflüssestadt“ Passau in die Donau. Noch ein längeres Stück nach dem Zusammenfluss bleiben das grüne Gletscherschmelzwasser des Inns, das blaue Donauwasser und das dunkle Moorwasser der von Norden mündenden Ilz in der Donau unvermischt unterscheidbar. Auffallend ist, wie stark das grüne Wasser des Inns das Wasser der Donau beiseite drängt. Dies hängt mit der zeitweise sehr großen Wassermenge des Inns und den unterschiedlichen Tiefen der beiden Gewässer zusammen (Inn: 1,90 Meter, Donau: 6,80 Meter) – „der Inn überströmt die Donau“.

Wichtige Orte am Inn[Bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten]

Bis Landeck verläuft der Inn in den Zentralalpen, wobei er hauptsächlich Kristallingebiete berührt und bei Ardez in das Engadiner Fenster mit seinen Bündnerschiefern eintritt. Von Fließ bis Landeck durchbricht er den Landecker Quarzphyllit. Ab Landeck bildet das Inntal als großes Alpenlängstal die Grenze zwischen den Nördlichen Kalkalpen und den Zentralalpen. Zwischen Schwaz und Brixlegg durchfließt der Inn die Grauwackenzone und anschließend die Nördlichen Kalkalpen. Bei Erl erreicht er das Alpenvorland und durchquert in Bayern die eiszeitlich überformte Flysch- und Molassezone, die von Moränenresten, diluvialen Schotterkörpern und Terrassen geprägt ist. Bei Schärding tritt er in die Böhmische Masse ein.[10][1]

Nebenflüsse[Bearbeiten]

Mündung der Mangfall (vorne) bei Rosenheim
Mündung der Salzach (von links) in den Inn

Die folgende Tabelle enthält alle Zuflüsse mit einem Einzugsgebiet von mehr als 500 km² oder einem mittleren Abfluss (MQ) von mehr als 10 m³/s. Eine umfassende Auflistung findet sich unter Liste von Zuflüssen des Inns.

Zufluss
 
Seite
 
Länge +
[km]
Einzugsgebiet
[km²]
MQ ×
[m³/s]
Spöl rechts 028,0 0310 010,8
Sanna links 053,2 0728 020,0
Ötztaler Ache rechts 066,5 0894 031,3
Sill rechts 042,2 0855 024,5
Ziller rechts 055,7 1135 044,5
Brandenberger Ache links 033,1 0282 010,4
Brixentaler Ache rechts 028,0 0330 010,9
Mangfall links 058,0 1099 026,9
Isen links 076,0 0586 005,6
Alz rechts 150,0 2239 068,5
Salzach rechts 225,0 6700 252,0
Rott links 111,4 1200 009,3
+ mit längstem Quellfluss des Zuflusses
× mittlerer Abfluss am mündungsnächsten Pegel des Zuflusses

Ökologie[Bearbeiten]

Unterer Inn bei Aigen am Inn

Der Inn ist heute über weite Strecken begradigt und verbaut, die Fließstrecke ist durch zahlreiche Kraftwerke beeinträchtigt, eine längere freie Fließstrecke von 150 km besteht noch zwischen Fließ und Kirchbichl. Vereinzelt finden sich noch naturnähere Abschnitte und Reste der ursprünglichen Auwälder, die oft als Natur- oder Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind. Am Unteren Inn im bayrisch-oberösterreichischen Grenzgebiet hat sich der Charakter des Inns in Folge der Kraftwerksbauten grundlegend vom alpinen zum Tieflandfluss mit großen, offenen Wasserflächen gewandelt. Neben diesen Wasserflächen entstanden Anlandungen und weitläufige Aubereiche, die ein international bedeutendes Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für rund 300 Vogelarten darstellen.[11] Die Au- und Wasserflächen am unteren Inn sind unter anderem als Europaschutzgebiet ausgewiesen.

Flora[Bearbeiten]

Deutsche Tamariske auf einer Schotterbank bei Pfunds

Innerhalb der Hochwasserschutzdämme am unteren Inn finden sich Silberweidenauen, die Auwälder außerhalb bestehen hauptsächlich aus Eschen und Grauerlen, in trockeneren Bereichen auch aus Bergahornen.[11]

Die früher weit verbreitete Deutsche Tamariske ist durch Verbauungen fast ausgerottet worden, einzelne Bestände finden sich in den Mieminger und Rietzer Innauen, im Oberen Gericht sowie im Engadin.[12][13] An den Stauseen am unteren Inn finden sich als gefährdete Pflanzenarten Tannenwedel und Schwanenblume.[14]

Fauna[Bearbeiten]

Vom Ursprung bis Landeck zählt der Inn zur Forellenregion, unterhalb zur Äschenregion, im Unterlauf besteht ein Übergang von der Barben- zur Brachsenregion. Im Tiroler Inn konnten von ursprünglich 31 Fischarten nur mehr 17 nachgewiesen werden. Zu den Arten, die im gesamten Tiroler Verlauf vorkommen, gehören Bachforelle, Regenbogenforelle und Äsche, als gefährdet gelten Huchen, Strömer und Aalrutte.[15] Im unteren Inn hat sich durch den Kraftwerksbau die Fischfauna verändert. Neben den früher typischen Arten Barbe, Nase und Huchen haben sich Fischarten, die ruhigere Flussabschnitte oder stehende Gewässer bevorzugen, angesiedelt, darunter Brachse, Karpfen, Hecht, Rotfeder und Rotauge.[11]

Der Europäische Biber wurde in den 1970er Jahren auf der bayerischen Seite der Innstauseen wieder angesiedelt und hat sich seither ausgebreitet. Zwischen der Salzachmündung und der Antiesenmündung finden sich rund 15 Reviere[11], der Biber ist aber auch flussaufwärts bis ins Tiroler Oberinntal gewandert.[16] Allmählich siedelt sich am unteren Inn auch der Fischotter wieder an.[17]

Die Auen dienen zahlreichen, darunter etlichen gefährdeten, Vogelarten als Lebens- und Brutraum. Bedeutsam sind u.a. Brutvorkommen von Flußuferläufer, Nachtigall und Gartenbaumläufer in der Silzer Innau[18], vom Flussregenpfeifer in der Innschleife bei Kirchbichl[19], oder von Zwergdommel, Nachtreiher, Seidenreiher, Rohrweihe, Schwarzmilan, Schwarzkopfmöwe, Flussseeschwalbe, Eisvogel, Blaukehlchen, Brandgans, Weißkopfmöwe, Lachmöwe und Flussseeschwalbe am Unteren Inn.[11]

Wasserqualität[Bearbeiten]

Der Inn weist in Tirol, Bayern und Oberösterreich im gesamten Verlauf Gewässergüteklasse II (mäßig verunreinigt) auf, mit Ausnahme des Tiroler Abschnittes von der Einmündung der Sanna bis zur Einmündung der Pitze, wo er Klasse I–II erreicht.[20][21]

Name[Bearbeiten]

Der Ursprung des Inns (Urpsrung des Ÿns / Fons Oeni) am Julierpass; Detail der Tirol-Karte des Warmund Ygl (1605)

Der Name Inn leitet sich von den keltischen Wörtern en sowie enios ab, welche frei übersetzt Wasser bedeuten. In einer Urkunde des Jahres 1338 ist der Fluss mit dem Namen Wasser eingetragen. Die erste schriftliche Erwähnung aus den Jahren 105 bis 109 (Publii Corneli Taciti historiarium liber tertius) lautet: „...Sextilius Felix ... ad occupandam ripam Aeni fluminis, quod Raetos Noricosque interfluit, missus.“ bzw.: „...wurde Sextilius Felix ... zum Einnehmen des Ufers des Flusses Inn, der zwischen Rätern und Norikern fließt, geschickt.“[22] Auch von weiteren Autoren der römischen Kaiserzeit wird der Fluss als Ainos (griechisch) oder Aenus (Latein) erwähnt. Im mittelalterlichen Latein wird er zumeist Enus geschrieben, von den Humanisten Oenus. Durch den Lautwandel im Altbairischen von e zu i wird aus Enus In. Bis ins 17. Jahrhundert wird es so oder Yn geschrieben, aber auch Ihn oder Yhn. Das Doppel-n taucht erst im 16. Jahrhundert auf, etwa im Tiroler Landreim von 1557. Seit dem 18. Jahrhundert ist diese Schreibweise und die Aussprache mit kurzem Vokal üblich. Früher wurde die Bezeichnung meist als Neutrum betrachtet (daz In heißt es beispielsweise im Nibelungenlied), seit dem 16. Jahrhundert ausschließlich als Maskulinum.[23]

Die Erwähnungen in der Römerzeit beziehen sich auf den Unterlauf, der Tiroler Abschnitt wird erstmals bei Venantius Fortunatus im 6. Jahrhundert als Aenus bezeichnet. Der Name Engadin und die rätoromanische Bezeichnung En deuten darauf hin, dass auch der Oberlauf seit jeher so bezeichnet wurde. Auch wenn vereinzelt die Auffassung vertreten wurde, dass der Inn in der Nähe der Etsch am Reschen entspringt, wird spätestens seit dem 16. Jahrhundert der Ursprung einheitlich im Bereich der Seen am Maloja gesehen.[23]

Nutzung[Bearbeiten]

Schifffahrt[Bearbeiten]

Personenschifffahrt auf dem Inn



Halt… – Streckenanfang
Schaurecker Ingling
Haltepunkt, Haltestelle
Wernstein
Halt… – Streckenende
Schaurecker Schärding

   
Held Wasserburg

   
ehem. Innschifffahrt
Tirol-Bayern (bis 2011)
Oberaudorf
   
Niederndorf
   
Ebbs
   
Kiefersfelden
   
Kufstein
Fahrgastschiff St. Nikolaus in Kufstein

Schifffahrt auf dem Inn gab es schon zur Zeit der Römer. Im Jahr 1190 gewährte Kaiser Heinrich IV. die Einrichtung einer Salzstapelniederlassung in Mühldorf am Inn. Es folgten weitere Innstädte mit verschiedenen Rechten zum Handel auf dem Inn. Neben dem Salz aus Tirol wurden besonders Eisenerz, Silber, Kupfer, Kalk, Holz, Tuche und Tiroler Wein in Schiffszügen flussabwärts bis Wien geschifft. Aus dem Engadin wurde Holz nach Innsbruck, zur Salzpfanne nach Hall und zum Teil bis nach Rosenheim geflößt.[24] Für die Fahrt flussabwärts wurden meist einfache, flache Plätten gezimmert, die am Zielort als Bau- oder Nutzholz verkauft werden konnten. Bei der Rückfahrt transportierte man besonders Weizen, Fleisch, Fett und österreichischen Wein. Dabei zog unter Führung des Stangenreiters auf dem Treidelweg ein Pferdevorspann die Schiffe. Wasserburg am Inn war die bedeutendste Stadt der Innschifferei. Dort und in den anderen Städten brachten es die Schiffsmeisterfamilien zu erheblichem Wohlstand. Endpunkt der Innschifffahrt war Hall, das dadurch der wichtigste Warenumschlagplatz Nordtirols war und u.a. das Stapelrecht für Getreide besaß. Bis Mötz konnte der Inn noch mit Flößen befahren werden.[25]

Neben Gütern wurden auf dem Inn auch Personen befördert. Insbesondere für das Militär war der Fluss ein bedeutender und sicherer Nachschubweg. So wurden 1532 in Hall 20.000 Italiener und Spanier auf 45 Schiffen nach Wien verschifft, wo sie das Heer Kaiser Karls V. gegen die Türken verstärken sollten. 1765 wurde der Leichnam des in Innsbruck verstorbenen Kaisers Franz I. Stephan auf einem Schiff von Hall nach Wien transportiert, gefolgt von 19 Schiffen mit seiner Gattin Maria Theresia und ihrem Hofstaat.[25]

Mit der Eröffnung der Unterinntalbahn von Kufstein nach Innsbruck im Jahre 1858 kam das Ende für die Innschifffahrt in Tirol. Mit dem Bau von Staustufen mit Wasserkraftwerken, die nicht über Schleusen verfügten, wurde eine durchgehende Schifffahrt unmöglich. Nur örtlich, beispielsweise in Passau, Schärding und Wasserburg am Inn findet auf dem Inn Fahrgastschifffahrt statt.

Von Kufstein bis Niederndorf gab es bis 2011 eine touristisch orientierte Innschifffahrt, mangels Fahrgästen wurde diese nach 14 Betriebsjahren eingestellt, das Schiff St. Nikolaus im April 2013 nach Hamburg verkauft.[26]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Inntalautobahn, Arlbergbahn und Inn östlich von Landeck

Der Inn ist zwar nicht in ganzer Länge seines Alpentals eine günstige natürliche Leitlinie für den Verkehr, zum einen wegen mehrerer Engpässe, zum anderen wegen der für den Alpenquerverkehr ungünstigen Längstalrichtung; seine Breite und relative Klimagunst machen das Inntal trotzdem zu einem früh besiedelten eigenen Wirtschaftsraum. Da es am breiten und stark strömenden Inn früher nur wenige Brücken gab, verlangte man seit dem Mittelalter für Bau und Erhalt Brückenzoll, meist von Fuhrwerken, etwa in Zams.

Heute verlaufen die Bundesautobahn 93 und die Inntalautobahn sowie die Unterinntalbahn und die Arlbergbahn im Inntal. Die Verteilerfunktion zu niedrigen Alpenpässen wie Reschenpass und Brennerpass ist einerseits der Wirtschaft förderlich, belastet das Tal aber zunehmend mit Umweltfolgen des Individualverkehrs. So werden die EU-Grenzwerte für die Luftreinhaltung im Unterinntal oft erheblich überschritten.[27] Derzeit ist die Neue Unterinntalbahn als Zulaufstrecke des Brennerbasistunnels in Bau.

Fischerei[Bearbeiten]

In der Vergangenheit spielte die Fischerei am Inn eine große wirtschaftliche Rolle. So wurden Fische aus dem Inn und den Oberengadiner Seen bis ins 19. Jahrhundert nach Italien verkauft.[24] Die Fischerei nahm bisweilen überhand, so dass bereits um 1553 eine Fischordnung für das Herzogtum Bayern erlassen wurde, da der Fischbestand fast „verödigt“ war. Dabei wurden erstmals Fangbeschränkungen und Mindestmaße („Prüttelmaße“) eingeführt. Außerdem wurde der Betrieb von „Archen“, reusenartigen Einbauten im Fluss, untersagt, die nicht nur die Fischbestände dezimierten, sondern auch Hindernisse für die Schifffahrt darstellten. Heute hat die Fischerei keine kommerzielle Bedeutung mehr.[11]

Elektrizitätswerke[Bearbeiten]

Wehr Runserau des Kraftwerks Imst

Am Oberlauf des Inn vom Schweizer Gebiet bis ins österreichische Landeck in Tirol befinden sich mehrere Wasserkraftwerke. Staustufen im Unterlauf ab Kufstein dienen sowohl der Energiegewinnung als auch dem Hochwasserschutz. Da diese Kraftwerke nicht über Schleusen verfügen, wird die Schiffbarkeit des Inn durch diese Kraftwerke stark eingeschränkt.

Das älteste Tiroler Kraftwerk ist in Kirchbichl, nach 70 Jahren wird die bestehende Wehranlage für Extremereignisse erweitert und zur bestehenden Wehranlage eine zusätzliche Abflussmöglichkeit geschaffen. Dafür ist der Ausbau des rund einen Kilometer langen Triebwasserweges auf die doppelte Kapazität von rund 600 geplant. Dadurch und durch den Bau einer Hochwasserentlastung kann das Krafthaus um eine Turbine erweitert werden, die Regeljahreserzeugung wird von derzeit 131 GWh um etwa 45 GWh steigen.[28]

Das Kraftwerk Imst nutzt eine für ein Laufkraftwerk ungewöhnlich große Fallhöhe von 143,5 m, indem der Inn in der Runserau bei Fließ aufgestaut und das Wasser durch einen 12,3 km langen Druckstollen quer durch das Venetmassiv in die Imsterau geleitet wird, wodurch es das Innknie bei Landeck abschneidet.[29]

Wasserkraftwerke am Inn (Reihenfolge flussaufwärts)
Stat.+
[km]
Ort
 
Nennleistung
[MW]
erbaut
(betrieben seit)
Durchfluss
[m³/s]
Fallhöhe
[m]
Turbinen
Anzahl
Betreiber
 
Bemerkung
 
~005 Passau 086,00 1962 (1965)/ 285,0 010,4 4 Grenzkraftwerke
~019 Schärding 096,00 1961 (1963)/ 287,5 011,2 4 Grenzkraftwerke
~035 Egglfing 080,70 1944 (0000)/ 186,0 010,1 6 VERBUND Hydro Power AG
~048 Ering 072,90 1942 (0000)/ 352,0 009,1 4 VERBUND Hydro Power AG
~061 Simbach 100,00 1953 (0000)/ 287,5 012,1 4 Grenzkraftwerke
~075 Stammham 023,20 1955 (0000)/ 185,0 005,7 3 VERBUND Hydro Power AG
~083 Perach 019,40 1977 (0000)/ 170,0 005,2 3 VERBUND Hydro Power AG
~091 Neuötting 026,10 1951 (0000)/ 196,0 006,7 4 VERBUND Hydro Power AG
~100 Töging 085,30 1924 (0000)/ VERBUND Hydro Power AG am Innkanal
~119 Jettenbach 1 000,40 1994 (0000)/ VERBUND Hydro Power AG
~119 Jettenbach 2 005,00 1994 (0000)/ 037,5 008,8 2 VERBUND Hydro Power AG
~137 Gars am Inn 025,00 1938 (0000)/ 090,0 007,2 5 VERBUND Hydro Power AG
~147 Teufelsbruck bei Soyen 025,00 1938 (0000)/ 090,0 007,0 5 VERBUND Hydro Power AG
~160 Wasserburg 024,10 1938 (0000)/ 095,0 007,0 5 VERBUND Hydro Power AG
~173 Feldkirchen 038,20 1970 (0000)/ 178,0 008,7 3 VERBUND Hydro Power AG
~187 Rosenheim 035,10 1960 (0000)/ 215,0 008,3 3 VERBUND Hydro Power AG
~198 Nußdorf 047,90 1982 (0000)/ Österreichisch-Bayerische Kraftwerke AG
~211 Oberaudorf/Ebbs 059,00 1992 (0000)/ 290,0 012,4 2 Grenzkraftwerke
~223 Langkampfen[30] 031,50 1998 (0000)/ 425,0 008,3 2 TIWAG
~233 Kirchbichl[31] 023,00 1941 (0000)/ 250,0 009,7 3 TIWAG Ausleitkraftwerk
~383 Imst[29] 089,00 1956 (0000)/ 085,3 143,5 TIWAG Ausleitkraftwerk
~425 Scuol 288,00 1970/1994 () Engadiner Kraftwerke Ausleitkraftwerk
~466 S-chanf/Ova-Spin 050,00 1970 (0000)/ Engadiner Kraftwerke Ausleitkraftwerk
~486 St. Moritz 004,36 1932 (0000)/ E-Werke St. Moritz
+ Stationierung oder Kilometrierung, das ist die Strecke innaufwärts gemessen von der Innmündung bis zum jeweiligen Kraftwerk.

Freizeit[Bearbeiten]

Wildwasserpaddler auf dem Inn bei Haiming

Der Inn bietet im Oberlauf vielfältige Möglichkeiten für den Wassersport, vor allem für Wildwasserpaddeln und Rafting, auf den Oberengadiner Seen (Silsersee, Silvaplanersee und St. Moritzersee) u. a. für Wind- und Kitesurfen. Ein beliebter Abschnitt bei Wildwassersportlern ist die 14 km lange Imster Schlucht, deren Schwierigkeitsgrad abhängig vom Wasserstand zwischen WW II-III und III-IV liegt.[32]

Entlang der Hochwasserdämme führen auf weiten, zusammenhängenden Strecken Radwege. Der Inn-Radweg folgt dem Flusslauf von Maloja bis zur Mündung. Entlang des Inn liegen viele Baggerseen, die durch Kiesgewinnung entstanden sind. Örtlich verkehren linienmäßig Personenschiffe. Das Inn-Museum in Rosenheim dokumentiert die Geschichte des Inn und der Innschifffahrt.

Galerie[Bearbeiten]

Der Inn und die Marienbrücke in Passau


Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Hafner: Inn - Der grüne Fluss aus den Alpen. Filmdokumentation, Österreich, 2011. 45 Min. Senderinformation mit vielen Bildern, Mediathek.
  • A. Stancik, H.Schiller, O.Behr et al.: Hydrology of the River Danube / Hydrologie der Donau. Gemeinsames Forschungsprojekt der Donauländer und der IHD, 272 p., Verlag Priroda, Bratislava 1988.
  • Valentin Weber-Wille, Manfred Wehdorn: Architektur bei VERBUND. Die bayerischen Innkraftwerke, Band 105 der Schriftenreihe Forschung in der VERBUND AG, Selbstverlag, Wien 2012, ISBN 3-9502188-6-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Inn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Inn – Reiseführer
 Wiktionary: Inn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Land Tirol/Lebensministerium Österreich: Der Inn und sein Einzugsgebiet (PDF; 3,7 MB)
  2. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Hrsg.): Hydrographisches Jahrbuch von Österreich 2009, Wien 2011, S. OG 99 (PDF)
  3. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Donaugebiet 2006. Einzelblatt Pegel Wasserburg. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 15. Februar 2013 (PDF, deutsch, Auf: hnd.bayern.de).
  4. a b Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Donaugebiet 2006. Einzelblatt Pegel Passau Ingling. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 15. Februar 2013 (PDF, deutsch, Auf: hnd.bayern.de).
  5. Itinerarium Antonini
  6. Claudius Ptolemaeus 2.11.5
  7. Wasserführung der Donau an der Inn-Mündung im Profil des Donau-Wasservolumens (Zusammenarbeit und Umsetzung der EU-WRRL im Einzugsgebiet der Donau, Informationsveranstaltung Wasserwirtschaftliche Zusammenarbeit und Zielsetzungen im EZ-Gebiet der Donau, Sigmaringen, 25. Januar 2006)
  8. a b Verzeichnis der Bach- und Flussgebiete in Bayern – Flussgebiet Inn, Seite 1 des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Stand 2012 (PDF, 2,8 MB)
  9. Markus Weber, Ludwig Braun, Wolfram Mauser, Monika Prasch: Die Bedeutung der Gletscherschmelze für den Abfluss der Donau gegenwärtig und in der Zukunft. In: Mitteilungsblatt des Hydrographischen Dienstes in Österreich, Nr. 86 (2009), S. 1-30 (PDF; 6,1 MB)
  10. Reinhard Wimmer, Harald Wintersberger, Günter A. Parthl: Hydromorphologische Leitbilder. Fließgewässertypisierung in Österreich. Band 3: Große Flüsse. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien 2012 (PDF; 2,3 MB)
  11. a b c d e f Amt der Oö. Landesregierung, Naturschutzabteilung (Hrsg.): Natur und Landschaft - Leitbilder für Oberösterreich. Band 27: Raumeinheit Inntal. Überarb. Fassung, Linz 2007 (PDF; 6,5 MB)
  12. Tiroler Schutzgebiete: Mieminger - Rietzer Innauen
  13. Urs Landergott: Auenentwicklung am Inn seit Inbetriebnahme der Kraftwerkstufe Pradella – Martina (1993-2010). Bericht im Auftrag der Engadiner Kraftwerke AG. Zürich 2011 (PDF; 8,9 MB)
  14. BMLFUW: Stauseen am Unteren Inn
  15. Allgemeines zu den Fischen im Inn, uner-inn.at (PDF; 426 kB)
  16. Der Europäische Biber (Castor fiber), unser-inn.at (PDF; 36 kB)
  17. Walter Sage: Der Fischotter Lutra lutra am „Unteren Inn“. Situation und Ausblick. In: Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Braunau, Band 10, Nr. 3 (2012), S. 271–279 (PDF; 344 kB)
  18. Tiroler Schutzgebiete: Silzer Innau
  19. Flussregenpfeifer, unser-inn.at (PDF; 90 kB)
  20. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Hrsg.): Saprobiologische Gewässergüte der Fließgewässer Österreichs. Stand 2005, S. 3 (PDF; 1 MB)
  21. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg (Hrsg.): Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG (WRRL) Bericht zur Bestandsaufnahme für das Deutsche Donaugebiet. München 2005, S. 58 (PDF; 2,1 MB)
  22.  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2006, ISBN 978-3-406-55206-9, S. 123.
  23. a b Otto Stolz: Geschichtskunde der Gewässer Tirols. Schlern-Schriften, Band 32, Innsbruck 1932, S. 6–14 und 83–88 (Digitalisat)
  24. a b Paul Eugen Grimm: Inn im Historischen Lexikon der Schweiz
  25. a b Land Tirol/Lebensministerium Österreich: Wasserstraße Inn (PDF; 3,7 MB)
  26. Die letzte Fahrt der St. Nikolaus auf dem Inn 2011, tirol-schiffahrt.at
  27. Umweltbundesamt (Hrsg.): Programm nach § 9A IG-L für das Bundesland Tirol. Report REP-0119, Wien 2010 (PDF; 5,9 MB)
  28. TIWAG plant Erweiterung des Kraftwerks Kirchbichl
  29. a b TIWAG: Kraftwerk Imst
  30. TIWAG: Kraftwerk Langkampfen
  31. TIWAG: Kraftwerk Kirchbichl
  32. Imster Schlucht auf kajaktour.de