Institut der deutschen Wirtschaft

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Zentrale am Konrad-Adenauer-Ufer, Köln

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) mit Hauptsitz in Köln und einem Hauptstadtbüro in Berlin ist eine arbeitgebernahe advokatorische, d.h. Ideen vermarktende Denkfabrik .[1]

Es wird von Verbänden und Unternehmen der privaten Wirtschaft finanziert. Trägervereine sind die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Bundesverband der Deutschen Industrie. Die Mitgliedsverbände gehören in der Regel einem dieser Dachverbände an. Weiter können Unternehmen und Institutionen der privaten Wirtschaft die Mitgliedschaft erwerben. Auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeitet es Analysen und Stellungnahmen zu allen Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik, des Bildungs- und Ausbildungssystems sowie der gesellschaftlichen Entwicklung.

Das Institut vertritt wirtschaftsliberale Positionen. Der Auftrag des Instituts, das sich als „führendes privates Wirtschaftsforschungsinstitut in Deutschland“ versteht, ist es nach seiner Selbstdarstellung, „das Verständnis wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prozesse in Politik und Öffentlichkeit zu festigen und zu verbessern“. Das IW fungiert unter anderem als wissenschaftlicher Berater der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, des Roman Herzog Instituts München und der Politik.

IW-Gebäude am Kölner Rheinufer

Leitung[Bearbeiten]

Amtierender Präsident des Instituts ist Arndt Günter Kirchhoff, Geschäftsführender Gesellschafter und CEO der KIRCHHOFF Holding GmbH & Co. KG. In Präsidium und Vorstand des Instituts sind BDA, BDI, der Verband der Automobilindustrie e.V., der Verband der Chemischen Industrie, die Metallarbeitgeber sowie Vertreter von Unternehmen der Industrie und der Montanindustrie vertreten. IW-Direktor ist Michael Hüther, das Hauptstadtbüro leitet Knut Bergmann.

IW-Verbund[Bearbeiten]

Das IW ist gegliedert in einen Wissenschaftsbereich, eine Gesellschaft für kommerzielle Forschung und Beratung, in Unternehmen mit publizistischem Auftrag und in einen Anbieter von Seminaren für Führungskräfte.

Wissenschaft und Forschung[Bearbeiten]

Die Forschungsarbeit des Instituts wird im Wissenschaftsbereich geleistet, der in 11 Kompetenzfelder unterteilt ist. Der Wissenschaftsbereich wird von Hans-Peter Klös und Hubertus Bardt geleitet.

Kompetenzfelder:

  • Institutionenökonomik mit den Arbeitsbereichen Institutionen- und Verhaltensökonomik, Wirtschafts- und Unternehmensethik, Zukunft der Arbeit, Bürgerschaftliches Engagement der Unternehmen sowie Analyse des Dritten Sektors
  • Humankapital und Innovation mit den Arbeitsbereichen Innovationsökonomik, MINT-Fächer, Effizienz des Bildungssystems, Demografie sowie Gesellschaftspolitik und Zuwanderung
  • Schulische und akademische Bildung mit den Arbeitsbereichen Schulische Bildung, Akademische Bildung und Ökonomische Bildung
  • Berufliche Bildung mit den Arbeitsbereichen Fachkräftesicherung, Ausbildung und Weiterbildung
  • Arbeitsmarkt- und Personalökonomik mit den Arbeitsbereichen Arbeitsmarktforschung, Personalpolitik und Mitbestimmung.
  • Berufliche Teilhabe – REHADAT mit dem Arbeitsbereichen Hilfsmittel, Arbeitsleben und Behinderung, Berufliche Bildung, Forschung, Statistik, Ausgleichsabgabe und Internationale Projekte
  • Strukturwandel, Verteilung, Lohnfindung mit den Arbeitsbereichen Wachstum und Strukturwandel, Konjunktur, Unternehmensentwicklung und Regionalpolitik, Arbeitskosten, Arbeitszeiten, Einkommensverteilung, Lohnpolitik und Tarifpolitik, Arbeitskämpfe
  • Internationale Wirtschaftsordnung mit den Arbeitsbereichen Außenwirtschaft, Europäische Integration, Geldpolitik und Finanzmärkte sowie Internationale Wirtschaftspolitik
  • Öffentliche Haushalte und Soziale Sicherung mit den Arbeitsbereichen Finanz- und Steuerpolitik, Mikrodatenanalyse, Umverteilungspolitik, Soziale Sicherung und Pharmastandort Deutschland
  • Umwelt, Energie, Ressourcen mit den Arbeitsbereichen Klimaschutz und Anpassung, Energie und Ressourcensowie Verkehr
  • Immobilienökonomik mit den Arbeitsbereichen Immobilienmärkte und Immobilienfinanzierung, Energetische Sanierung und demografischer Wandel sowie Planspiel Flächenhandel

Bereichsübergreifende Forschungsgruppen[Bearbeiten]

Bereichsübergreifend gibt es drei Forschungsgruppen, die kontinuierlich zum jeweiligen Schwerpunkt arbeiten:

  • Konjunktur, koordiniert von Michael Grömling
  • Markt und Staat, koordiniert von Dominik Enste
  • Mikrodatenanalyse, koordiniert von Thilo Schaefer

Kommerzielle Forschung und Beratung[Bearbeiten]

Die wirtschaftliche Seite von Forschung und Beratung ist in der IW Consult GmbH organisiert. Die Consult macht das wissenschaftliche Know-How des Instituts für die Praxis nutzbar und richtet ihre Angebote dazu an Unternehmen und Verbände, Ministerien und Stiftungen. Dazu arbeitet die Consult eng mit den Forschungsbereichen des Instituts zusammen. Zu den aktuellen Gebieten zählen Branchen- und Regionalanalysen, Umfragen und empirische Untersuchungen sowie die Organisation von Netzwerken und Projekten. Dazu gehört unter anderem die Geschäftsstelle des Klassifikationssystems eCl@ss und das Projekt PROZEUS (Prozesse und Standards) zur Förderung des elektronischen Geschäftsverkehrs.

Publizistik[Bearbeiten]

Die publizistischen und PR-Aktivitäten des Instituts werden in der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH (IW Medien) gebündelt, zu der auch die Redaktionen des Instituts gehören. Tochtergesellschaften des Medienhauses sind der Kölner Universitätsverlag GmbH (KUV) und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH (INSM), eine vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall finanzierte PR-Initiative. Die IW Medien bietet unter dem Motto "Kommunikation für die Wirtschaft" zugleich Dienstleistungen für die Öffentlichkeitsarbeit der Verbände und Unternehmen an. Die IW Medien gibt unter anderem wöchentlich den iwd, Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft, mit arbeitgebernahen Informationen und Statistiken zur wirtschaftlichen Lage heraus.

Internationale Einbindung[Bearbeiten]

Das IW war bis 2009 Mitglied im „Network of Private Business Organizations“, dem Institutionen aus Europa, Amerika, Australien und Asien angehören.[2] Es ist Mitglied im Advisory Board der Zeitschrift "Europe's World" der Friends of Europe und führt regelmäßigen Austausch über wirtschafts- und gesellschaftspolitische Themen mit Einrichtungen in Österreich und der Schweiz sowie im Rahmen der OECD.

Geschichte[Bearbeiten]

Das IW wurde am 16. Januar 1951 als Deutsches Industrie-Institut (DI) gegründet. Gemäß Beschluss der auf der Gründungsversammlung in Oestrich (Rheingau) anwesenden Industriellen und Verbandsvertreter sollte das Institut eine "breitgefächerte volkswirtschaftliche Aufklärungsarbeit über Leistungen und Grundsätze der freien Unternehmerwirtschaft auf der Grundlage von wissenschaftlich einwandfreien Erkenntnissen" leisten. Das Institut nahm am 2. Mai 1951 in Köln seine Arbeit auf. Noch im Laufe des Jahres wurden erste Periodika begründet, darunter der Unternehmerbrief, der ab 1975 redaktionell weiter entwickelt als iwd veröffentlicht wird. Verabschiedung der Satzung und Wahl des ersten Vorstands erfolgte am 19. September in Köln, die Eintragung ins Vereinsregister wurde am 16. Oktober 1951 vorgenommen. Der Gründungsvorstand bestand aus dem Textilunternehmer Carl Neumann (Präsident des Instituts bis 1966), Hellmuth Krengel, Kurt Pentzlin und als stellvertretendes Vorstandsmitglied Otto Seeling. Als Eigenbetrieb des Instituts wurde noch im gleichen Jahr der Deutsche Industrieverlag (später: Deutscher Instituts-Verlag GmbH, heute: IW Medien) gegründet. Der Beirat des Instituts, der die ständige Verbindung zu den Unternehmen und Verbänden der Wirtschaft ausfrechterhalten soll, nahm mit einer ersten Sitzung 1954 seine Tätigkeit auf.

Die Bedeutung des Instituts wuchs in den Folgejahren kontinuierlich. 1956 wurde die Satzung dahingehend geändert, dass alle industriellen Mitgliedsverbände des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) die ordentliche Mitgliedschaft im IW erwerben konnten. 1961 hatte das Institut bereits rund 160 feste Mitarbeiter, darunter 50 wissenschaftlich oder publizistisch ausgewiesene Fachleute. Bis zur Jahrtausendwende wächst die Zahl der Mitarbeiter auf rund 330 an, die je zur Hälfte im wissenschaftlichen Bereich des IW und in den Verlagen beschäftigt sind. Die Umbenennung des Deutschen Industrieinstituts in Institut der deutschen Wirtschaft Köln und der Deutschen Industrieverlags-GmbH in Deutscher Instituts-Verlag GmbH (DIV) erfolgte 1973.

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Chronologie weiterer Stationen in der Entwicklung des IW:

  • 1957 Einrichtung der Bibliothek des Instituts in einer ersten Ausbaustufe mit rund 28 000 Bänden, 820 in- und ausländischen Periodika und einem Pressearchiv.
  • 1962 Einrichtung der Deutschen Industriefilmzentrale (DIZ), einer Einrichtung zum Verleih von Industriefilmen, die bis 1998 betrieben wurde.
  • 1965 übernimmt das IW mit Einrichtung der Bundesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft die Betreuung der seit 1953 bestehenden Arbeitskreise Schule-Wirtschaft, die seit 1976 gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) geführt wird.
  • 1967 wird das IW Mitglied bei der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute.
  • 1969 wird die Arbeitsgruppe "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und Prognosen" gebildet und die Wirtschaftsforschung damit stärker quantitativ ausgerichtet.
  • 1970 Aufnahme der Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft sozialwissenschaftlicher Institute.
  • 1974 Gründung der edition agrippa GmbH als Tochtergesellschaft des Deutschen Instituts-Verlags und Agentur für Öffentlichkeitsarbeit im Institut der deutschen Wirtschaft Köln zur Übernahme von Auftragsarbeiten für Dritte.
  • 1980 Beginn des Aufbaus einer arbeitswissenschaftlichen Datenbank (Projekt PRODIS) als Keimzelle des Bereichs Datenbanken im IW. Auftrags- und Projektarbeiten prägen in der Folge und vor allem seit Anfang der 90er Jahre zunehmend die Arbeit und Struktur des Instituts.
  • Gründung des gemeinnützigen Instituts für angewandte wirtschafts- und gesellschaftswissenschaftliche Forschung e.V. (I.a.F.), das bis 1997 tätig war.
  • 1984 Beginn des regelmäßigen Dialogs Kirche-Wirtschaft. Das IW ist das einzige der großen deutschen Wirtschaftsinstitute, das sich in einem eigenen Referat mit dem Verhältnis von Kirche und Wirtschaft und Fragen der Wirtschaftsethik befasst. Seit 1991 wird im zweijährlichen Turnus der vom Wuppertaler Unternehmer Klaus Tesch gestiftete Max-Weber-Preis für Wirtschaftsethik vergeben.
  • 1988 Gründung der Koordinierungsstelle zur Förderung der Reintegration durch Qualifizierung und Ausbildung gGmbH (KFR) in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung mit dem Ziel, rückkehrwillige türkische Staatsangehörige zu unterstützen. Die Gesellschaft wird ab 2000 als Koordinierungsstelle für berufliche Mobilität und Integration im Ausland gGmbH (KMI) geführt.
  • 1988 Gründung der Fortbildungsakademie der Wirtschaft gGmbH (FAW) zur Integration arbeitsloser Akademiker in die Wirtschaft. Die FAW ist seit 1995 mehrheitlich im Besitz der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz).
  • 1989 Aufbau der Datenbank REHADAT in enger Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung mit dem Ziel der Integration behinderter Menschen in die Arbeitswelt.
  • 1990 Eröffnung des Berliner Büros in der Absicht, die marktwirtschaftliche Transformation in Ostdeutschland wissenschaftlich und publizistisch zu begleiten und zu unterstützen. Heute als "Hauptstadtbüro" Repräsentanz des Instituts in der Bundeshauptstadt.
  • 1994 Gründung des Arbeitskreises Freizeitwirtschaft, der bis 2004 bestand, der Forschungsstelle Ökonomie/Ökologie und Start des Projektes JUNIOR (Junge Unternehmer initiieren, organisieren, realisieren), in dem Schüler an allgemein bildenden Schulen in einjährigen Modellphasen an unternehmerische Tätigkeiten herangeführt werden.
  • 1995 erwirbt das IW die AKTIV-informedia verlag-gmbh, in der die Wirtschaftszeitung AKTIV erscheint, mit deren Tochtergesellschaften Alpha-Omega und Kölner Universitätsverlag. Die Gesellschaft wird 1996 auf den Deutschen Instituts-Verlag verschmolzen.
  • 1998 Gründung der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH als Gesellschaft für kommerzielle Forschungs- und Beratungsleistungen des Instituts.
  • 1999 Gründung der berolino.pr gmbh, seit 2007 INSM-Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH, mit Firmensitz in Berlin als Tochter des Deutschen Instituts-Verlags für die Durchführung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).
  • 2001 Gründung der RheinSiteMedia GmbH als Tochtergesellschaft des Deutschen Instituts-Verlags für multimediale Dienstleistungen. Die Gesellschaft wird 2007 im Rahmen eines Management-Buy-Outs selbständig.
  • 2005 Einrichtung der Forschungsstelle Immobilienökonomik.
  • 2008 Gründung der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Junior gGmbH, in der die Aktivitäten der bisher im Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. geführten Schule-Wirtschaft-Projekte „JUNIOR“, „JUNIOR Kompakt“ und „fit für die Wirtschaft“ zusammengefasst werden.
  • 2012 Gründung der "Akademie für Integres Wirtschaften" (IW Akademie GmbH), die gemeinsam mit dem Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln, dem Schmalenbach Institut der Fachhochschule Köln sowie der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg Forschung zu ethischen Fragen betreibt und Executive Education zum integren Wirtschaften anbietet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://library.fes.de/pdf-files/kug/03818.pdf; www.bpb.de/files/5SF0JR.pdf S. 32
  2. Liste der Organisationen des Network of Private Business Organizations.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fünfzehn Jahre Deutsches Industrieinstitut, Köln: Deutsche Industrie-Verlags GmbH, 1966
  • 25 Jahre Institut der deutschen Wirtschaft, Köln: Deutscher Instituts-Verlag, 1976, ISBN 3-88054-286-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Institut der deutschen Wirtschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


50.945836.96302Koordinaten: 50° 56′ 45″ N, 6° 57′ 47″ O