Institut für Auslandsbeziehungen

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Im „Alten Waisenhaus“ am Stuttgarter Charlottenplatz ist seit 1925 der Sitz des ifa. Er hatte unter dem Vorgänger DAI den Namen Haus des Deutschtums.

Das Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa) ist eine vom Auswärtigen Amt geförderte Einrichtung für den internationalen Kulturaustausch mit Sitz in Stuttgart und einer Außenstelle in Berlin. Als älteste Mittlerorganisation für Auswärtige Kulturpolitik Deutschlands engagiert sich das ifa weltweit für Kunstaustausch, den Dialog der Zivilgesellschaften und die Vermittlung außenkulturpolitischer Informationen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1917 wurde das Deutsche Ausland-Institut (DAI) in Stuttgart gegründet, als „Werk des Friedens mitten im Krieg“. 1925 bezog das DAI das umgebaute „Alte Waisenhaus“ am Charlottenplatz, heute Sitz des ifa.

Zu den Hauptaufgaben des DAI zählte damals die Unterstützung von Auslandsdeutschen, die Organisation von Ausstellungen sowie der Presse- und Nachrichtendienst und die Pflege eines umfangreichen Archivs zur Auswärtigen Kulturpolitik.

Nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten 1933 arbeitete das DAI als „Planungszentrum der Volkstumspolitik des Staates“ eng mit der Gestapo, der NSDAP und dem Außenpolitischen Amt der NSDAP zusammen. Unter anderem unterstützte es die Besiedlungspläne für die eroberten Ostgebiete (vergleiche Generalplan Ost).

1949 wurde – in Anlehnung an das vor dem NS-Staat bestandene DAI – die Neugründung des Instituts für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa) als Körperschaft des öffentlichen Rechts, das sich von nun an gemeinnützigen Aufgaben zuwenden sollte, beschlossen. Das ifa begann seine Tätigkeit als Mittlerorganisation im Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik (AKP) und knüpfte erste Kontakte zu Partnern des internationalen Kulturaustauschs.

Auf die Zunahme von Gastarbeitern in Deutschland reagiert das ifa mit dem Angebot der ersten Deutschkurse für Ausländer. 1962 erschien die erste Ausgabe der „Zeitschrift für Kulturaustausch“, die sich 2006 im Zuge einer Neugestaltung in „Kulturaustausch – Zeitschrift für internationale Perspektiven“ umbenannte.

1971 eröffnete die Stuttgarter ifa-Galerie; knapp zehn Jahre später folgte die ifa-Galerie Bonn, die mittlerweile wieder geschlossen wurde. In den 1990er Jahren kam die ifa-Galerie Berlin als weiterer ifa-Ausstellungsraum innerhalb Deutschlands hinzu.

Ziele und Profil[Bearbeiten]

Der Slogan „Kulturen verbinden“ fasst die primären Aufgaben des ifa zusammen, die laut Satzung aus der „Förderung der Völkerverständigung, des interkulturellen Dialogs und des Verständnisses für Deutschland im Ausland, insbesondere durch internationale Zusammenarbeit auf den Gebieten der Kultur, der Medien im Ausland und der Friedensförderung“ bestehen.

Im Kulturbereich arbeitet der Verein auf der Grundlage der Konzeption zur Auswärtigen Kulturpolitik des Auswärtigen Amts, insbesondere in den Bereichen Kunst und Kultur, Bildung, Erziehung, Wissenschaft, Information und Dokumentation.

Schwerpunktregionen des ifa sind neben Ost- und Südosteuropa, Asien und der Afrikanische Kontinent. Der euro-islamische Dialog steht im Fokus vieler Projekte.

Umsetzung[Bearbeiten]

Das ifa bietet umfassende Informationen zu Auswärtiger Kulturpolitik und zum interkulturellen Dialog. Internet-Portal, Synergiestudien und die Fachbibliothek in Stuttgart stellen wissenschaftlich aufbereitete sowie aktuelle Informationen bereit und sind somit wichtige Dokumentationsstellen auf diesem Gebiet. Die vom ifa herausgegebene Zeitschrift „Kulturaustausch“ setzt Impulse für die Auswärtige Kulturpolitik.

Als bedeutender Kunstmittler zeigt das ifa zahlreiche Tourneeausstellungen deutscher zeitgenössischer Kunst weltweit und gibt andererseits in den ifa-Galerien Stuttgart und Berlin Einblicke in die zeitgenössische Kunst, Architektur und Design aus Mittelosteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika.

Mit verschiedenen Förder- und Stipendienprogrammen unterstützt das ifa junge Berufstätige im Kunst- und Kulturbereich, den Dialog mit der islamisch geprägten Welt, Projekte von nicht-staatlichen Akteuren in Krisenregionen sowie deutsche Minderheiten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa und den GUS-Staaten.

Teil des Bildungsangebots des ifa sind die Kurse „Deutsch als Fremdsprache“, die von der ifa-Deutschschule angeboten werden. Bei der Umsetzung der Projekte kooperiert das ifa mit zahlreichen internationalen Partnern wie Stiftungen und internationalen Organisationen auf den Gebieten der Kultur, der Medien im Ausland und der Friedensförderung.

Organisation[Bearbeiten]

Das Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa) hat seinen Hauptsitz in Stuttgart. Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, das Präsidium und der Generalsekretär. Seit September 2008 ist Ronald Grätz (* 1958) Generalsekretär des ifa. Ursula Seiler-Albring vertritt das ifa seit 2006 als Präsidentin.

Das ifa wird finanziert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Fahlbusch, Ingo Haar: Handbuch der völkischen Wissenschaft: Personen – Institutionen – Forschungsprogramme – Stiftungen. Saur Verlag München 2008, S. ?.
  • Michael Fahlbusch: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik? Die „Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften“ von 1931-1945. Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden 1999.
  • Katja Gesche: Kultur als Instrument der Außenpolitik totalitärer Staaten. Das Deutsche Auslands-Institut 1933-1945. Böhlau Verlag Köln 2006.
  • Grant Grams: German Emigration to Canada and the Support of its Deutschtum during the Weimar Republic. The Role of the Deutsches Auslands-Institut, Verein für das Deutschtum im Ausland and German-Canadian Organisations. Band 889. Peter Lang Frankfurt/ Main.
  • Institut für Auslandsbeziehungen (Hrsg.): Institut für Auslandsbeziehungen. Ein Sonderthema der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten, 17. Januar 2007.
  • Institut für Auslandsbeziehunge n(Hrsg.): 75 Jahre Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart: 1917 bis 1992. In: Zeitschrift für Kulturaustausch 42, 1992, S. 141-154.
  • Institut für Auslandsbeziehungen(Hgs.): 75 Jahre Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart. Reden beim Festakt 10. Januar 1992 Stuttgart Neues Schloß. Stuttgart 1992.
  • Sebastian Körber: Vorreiter im Kulturdialog – das Institut für Auslandsbeziehungen: Stärkung der Zivilgesellschaft durch Kulturdialog. Stuttgart 2006.

Quellen[Bearbeiten]

  • Satzung des Instituts für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Institut für Auslandsbeziehungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien