Intensivtransportwagen
| Fahrzeugdaten | |
|---|---|
| Abkürzung: | ITW |
| Besatzung: | Notarzt, min. Rettungsassistent als Transportführer , min. Rettungssanitäter als Fahrer |
| Einsatz: | Intensivverlegung, Rückholdienst |
| Ausstattung: | DIN EN 1789 Typ C: Mobile Intensive Care Unit
DIN 75076:2012 Intensivtransportwagen (ITW) |
| Antrieb: | Straße |
Ein Intensivtransportwagen (ITW) ist ein Fahrzeug des Rettungsdienstes und ist speziell ausgestattet, um intensivpflichtige Patienten zwischen Intensivstationen von Krankenhaus zu Krankenhaus zu transportieren (Interhospitaltransfer).
Inhaltsverzeichnis |
Fahrzeuge [Bearbeiten]
Als Fahrzeuge werden häufig größere Fahrzeuge als im Notarztdienst (Notarztwagen, NAW) eingesetzt, insbesondere werden üblicherweise längere Fahrgestelle verwendet. Neuerdings werden auch kleinere LKW genutzt, welche für Intensivtransporte umgerüstet wurden.
Geschichte [Bearbeiten]
Noch in den 80er Jahren wurden Intensivpatienten, soweit sie bezüglich der bestehenden logistischen Systeme überhaupt transportfähig waren, mittels genormter Standardrettungsmittel wie Rettungswagen beziehungsweise Notarztwagen oder Ambulanzhubschrauber unter intensivmedizinisch teils bedenklichen Umständen verlegt. Dies hat sich in den vergangenen Jahren nicht zuletzt dank einer innovativen Medizin- und Fahrzeugtechnologie zum Positiven geändert. 1987 begann der Arbeiter-Samariter-Bund als Erster mit dem Interhospitaltransfer von Intensivpatienten. Er entwickelte aus einem Großraumbus ein sogenanntes Intensivmobil.
Ausrüstung [Bearbeiten]
Der größere Innenraum bietet mehr Arbeitsraum für die Besatzung und ermöglicht es, die zahlreichen zusätzlich mitgeführten intensivmedizinischen Geräte, die das Fahrzeug zu einer rollenden Intensivstation machen, unterzubringen.
Dabei ist das Intensiv-Beatmungsgerät besonders zu erwähnen, das differenzierte Beatmungsmuster ermöglicht. Zum Einsatz kommen dabei Geräte, die bei Bedarf über einen Akkusatz betrieben werden können und so Bett-zu-Bett-Verlegungen mit kontinuierlichem Einsatz des Beatmungsgerätes ermöglichen. Dazu verfügen die Geräte über mobile Druckluft- und Sauerstoffflaschen.
Im Fahrzeug kann das Beatmungsgerät über einen 230-V-Generator, der auf die Motorwelle geschaltet wird, oder mit Hilfe eines Spannungswandlers über das Stromnetz betrieben werden. Druckluft kann von modernen ITW über eine sogenannte Air-Pump, einen Verdichter, bei Bedarf selbst erzeugt und in einem Drucklufttank im Fahrzeug gespeichert werden.
Zusätzlich verfügt ein ITW über einen Monitor zur Überwachung der Herzfrequenz mit einem Drei-(oder Zwölf-)Kanal-EKG, der Sauerstoffsättigung des Blutes über ein Pulsoxymeter, Möglichkeiten der nicht-invasiven (NIBP) und invasiven Blutdruckmessung sowie zur Messung des ZVD. Auch die Möglichkeit zur Kapnometrie und Blutgasanalyse (BGA) besteht, womit die Effektivität der Beatmung kontrolliert wird.
Teilweise werden auch NO-Vernebler und sogenannte Burn-Packs für Schwerstbrandverletzte vorgehalten.
Ansonsten wird die typische Ausstattung eines NAW, teils in größeren Mengen oder mit zusätzlichen Alternativprodukten, vorgehalten: Das Fahrzeug verfügt damit zusätzlich zum Intensivrespirator über ein Notfallbeatmungsgerät, Zwölf-Kanal-EKG mit integriertem, wahlweise manuellen oder halb-automatischen Defibrillator mit Schrittmacheroption, zahlreiche Spritzenpumpen, Schaufeltrage, Vakuummatratze usw. Selbstverständlich sind auch Notfallkoffer an Bord. Die Ausrüstung ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder ausgelegt.
Auf Rettungswachen bzw. in Kliniken stehen zusätzlich Transportinkubatoren bereit, die zur Verlegung schwerkranker Neugeborener genutzt werden können.
Außerdem ist es bei diesen Fahrzeugen möglich, spezielle intensivmedizinische Geräte während des Transportes weiter zu betreiben, um eine optimale Versorgung des Patienten zu gewährleisten. Dies wären beispielsweise eine intraaortale Ballonpumpe (IABP) oder eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO). Für den Transport solcher Geräte sind Intensivtransportwagen in der Regel mit einem Airliner-Profil zur Fixierung der Medizintechnik und mit einer 230-V-Stromversorgung ausgestattet.
Personal [Bearbeiten]
Die Besatzung besteht aus einem erfahrenen Intensivmediziner mit zusätzlichen Kenntnissen der Notfallmedizin (meist Anästhesisten), außerdem einem Rettungsassistenten (in Deutschland) mit entsprechender Zusatzqualifikation bzw. einem Notfallsanitäter (in Österreich) und einem Fahrer, der häufig auch Rettungsassistent, Rettungssanitäter, Notfallsanitäter oder Intensivpfleger ist. Viele Organisationen beschäftigen im Intensivtransport Mitarbeiter, die zusätzlich auch Fachkrankenpfleger sind.
Die ITW werden oft von Hilfsorganisationen und privaten Rettungsdiensten betrieben. Diese stellen auch das nicht-ärztliche medizinische Personal. Die Ärzte werden meist von großen Krankenhäusern, Universitätskliniken oder akademischen Lehrkrankenhäusern gestellt und verfügen über langjährige Erfahrung in der Intensivmedizin sowie im Interhospitaltransfer.
Einsätze [Bearbeiten]
ITW werden hauptsächlich zur Verlegung zwischen Krankenhäusern herangezogen. Sie sind dabei auf der kurzen Distanz im Einsatz, die der Intensivtransporthubschrauber nicht sinnvoll übernehmen kann und auf der langen Distanz für Patienten, die im Hubschrauber nicht sinnvoll verlegt werden können oder für die der Einsatz eines Hubschraubers zu aufwändig wäre.
Aufgrund seiner Ausrüstung und der Qualifikation der Besatzung kann der ITW auch als Notarztwagen eingesetzt werden. Wegen der im Vergleich zum regulären Notarztdienst meist längeren Vorlaufzeiten wird diese Option jedoch seltener genutzt. Viele ITW sind im Bereich des Katastrophenschutzes beim Bundesinnenministerium gemeldet und führen daher auch BOS-Funk mit sich. Sie können so zum Beispiel auf Autobahnen durchaus als Helfer für den Erstangriff bei Unfällen eingesetzt werden. Der eigentliche Transport der Verletzten wird dann aber häufig von ortsansässigen, "geländekundigen" Rettungskräften übernommen.
In einigen Gegenden wird mit ITW-Fahrzeugen experimentiert, die unmittelbar mit dem Krankenbett beladen werden können. Man erhofft sich so, die für den Patienten belastenden Umlagerungsvorgänge zu ersparen. Allerdings ist in normalen Fahrzeugen das Platzangebot durch das sehr breite Krankenbett deutlich eingeschränkt, so dass die Versorgung des Patienten im Fahrzeug erschwert ist.
Kosten [Bearbeiten]
Die Kosten für den Einsatz eines ITW tragen in der Regel die Krankenkassen. In einigen Bundesländern ist die Aufnahme des Intensivtransportwagens in das Rettungsdienstgesetz beantragt. In Bayern werden dem Betreiber des ITW die Betriebskosten über den Rettungszweckverband Bayern erstattet.
Literatur [Bearbeiten]
- Andreas Thierbach und Johannes Veith: Praxisleitfaden Interhospitaltransfer. S&K-Verlag, ISBN 3-932750-95-0.