Intention (Literatur)
Als Intention eines literarischen Werks bezeichnet man die Absicht, die mit bzw. in dem Werk verfolgt wird. Die Literaturtheorie unterscheidet wesentlich zwischen der intentio auctoris (der dem Verfasser eines Textes unterstellten Absicht) sowie der intentio operis (der Absicht des Textes selbst). Oft wird ferner auch die intentio lectoris, womit die Absicht des jeweiligen Lesers bezeichnet ist, in der Literaturtheorie berücksichtigt.
Die Absicht des Verfassers ist häufig, den Leser auf etwas aufmerksam zu machen, den Leser zu etwas zu bewegen oder etwas zu vermitteln bzw. ihm etwas beizubringen. Oft ist die Absicht auch, Unterhaltung zu schaffen.
Die intentio operis ist die "Aufgabe", die ein Buch hat. Beispielsweise hat ein Schulbuch die Aufgabe weiterzubilden, wohingegen ein Roman die Intention hat, zu unterhalten.
Die Absicht des Lesers kann sehr unterschiedlich sein, wobei diese auch von der intentio operis abhängt. Wenn der Leser ein Schulbuch liest, will er sich in der Regel weiterbilden, liest er einen Roman, will er meist unterhalten werden.
Intentionen [Bearbeiten]
Der Autor kann verschiedene Intentionen verfolgen:
- appellativ: Appell an den Leser (zum Beispiel Werbung mit der Intention, den Leser zum Kauf eines Produkts zu bewegen, oder ein Parteiprogramm einer Partei)
- informativ: Informationen für den Leser ( = werteneutrale Texte wie Nachrichten, Presseberichte)
- expressiv: Expression (Ausdruck) des Autors: Ausdruck, der bei dem Leser bestimmte Gefühle erwecken soll (zum Beispiel Solidarität, Mitleid, Trauer, Freude (in Romanen oder epischen Texten)
Literatur [Bearbeiten]
- Axel Bühler: Ein Plädoyer für den hermeneutischen Intentionalismus. In: Maria E. Reicher (Hg.): Fiktion, Wahrheit, Wirklichkeit. Philosophische Grundlagen der Literaturtheorie. KunstPhilosophie 8. mentis, Paderborn 2007, ISBN 978-3-89785-354-6, S. 178–198.
- Lutz Danneberg: Zum Autorkonstrukt und zu einem methodologischen Konzept der Autorintention. In: Fotis Jannidis/Gerhard Lauer/Matias Martinez/Simone Winko (Hgg.): Rückkehr des Autors. Zur Erneuerung eines umstrittenen Begriffs. Niemeyer, Tübingen 1999, ISBN 3-484-35071-7, S. 77–105.
- Lutz Danneberg/Hans-Harald Müller: Der „intentionale Fehlschluß“ – ein Dogma? Systematischer Forschungsbericht zur Kontroverse um eine intentionalistische Konzeption in den Textwissenschaften (Teil I und II). In: Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie 14 (1983), S. 103–137 und 376–411.
- Jacques Derrida: Die Schrift und die Differenz. Aus dem Französischen von Rodolphe Gasché. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972. stw 177, ISBN 3-518-57341-1.
- Jacques Derrida: Grammatologie. Aus dem Französischen von Hans-Jörg Rheinberger und Hanns Zischler. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983 (Paris 1967). stw 417, ISBN 3-518-28017-1.
- Jacques Derrida: Préjuges. Vor dem Gesetz. Aus dem Französischen von Detlef Otto und Axel Witte. Wien: Passagen Verlag 1992 (= Edition Passagen 34).
- Martin A. Hainz: Intentio scripturae? Zu Offenbarung und Schrift, bei Klopstock sowie in Derridas Kafka-Lektüre. In: TRANS – Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Nr. 16/2005.