Intercity Express Programme

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Das Intercity Express Programme, kurz IEP bezeichnet das Beschaffungsprogramm des britischen Verkehrsministeriums (Department for Transport, kurz DfT) für Nachfolger des High Speed Train bzw. Intercity 125 und Intercity 225.

Eine 2007 gestartete Ausschreibung verlangte drei Zugvarianten: für den Einsatz auf elektrifizierten Strecken, für nicht elektrifizierte Strecken und eine bimodale Version für beide Streckenarten. 2009 wurde das Agility-Trains-Konsortium als Sieger der Ausschreibung bekanntgegeben,[1] und im Juli 2012 mit dem Bau von 92 Zügen beauftragt.[2] Im Juli 2013 wurden weitere 30 Züge bestellt.[3]

Der erste Einsatz soll ab 2017 auf der Great Western Main Line von London Paddington über Bristol nach Südwales erfolgen.[4] Die Züge für die East Coast Main Line sollen ab Dezember 2018 bereitstehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ausschreibung[Bearbeiten]

Die Ausschreibung forderte eine einheitliche Plattform für den Zug, die je nach Konfiguration geeignet ist sowohl für den elektrischen Antrieb (25 kV, 50 Hz), für die Fahrt mit Verbrennungsmotor, und als bimodale Version mit Hybridantrieb für beide Streckenarten.

Am 16. November 2007 nahm das Verkehrsministerium drei Lieferanten in die engere Auswahl - dies umfasste Alstom mit Barclays, Hitachi Transportation Systems sowie die Express Rail Alliance aus den Herstellern Bombardier Transportation, Siemens Transportation Systems, der Leasinggesellschaft Angel Trains und der Investmentgesellschaft Babcock & Brown.[5]

Alstom zog sich von der Ausschreibung im Februar 2008 zurück. Der Partner Barclays Private Equity schloss sich darauf am 28. Juni 2008, vier Tage vor Ende der Ausschreibung, mit Hitachi zusammen. Das daraus entstandene Konsortium Agility Trains umfasste nun auch das britische Bau- und Infrastrukturunternehmen John Laing plc.[6] Barclay stieg im Februar 2010 aus dem Agility-Trains-Konsortium aus, dessen Kapital seither zu 70 % Hitachi Rail Europe und zu 30 % John Laing Investments gehört.[7]

Auftrag[Bearbeiten]

Am 12. Februar 2009 gab die Regierung bekannt, dass sie das Agility-Trains-Konsortium als bevorzugten Anbieter behandele, der ein Angebot für einen Auftrag im Umfang von 7,5 Milliarden Pfund vorlegen solle.[8] Die Entscheidung wurde kritisiert, da Bombardier in Derby hätte fertigen lassen können. Agility konzipierte für den Bau der Züge ein neues Werk in Nordostengland.[9]

Im Juli 2012 erfolgte die Auftragsvergabe an das Agility-Trains-Konsortium. Zunächst wurden 92 Züge mit 596 Wagen bestellt, im Jahr 2013 folgte ein weiterer Auftrag über 30 Züge mit 270 Wagen. Der Gesamtwert der Auftragsvergabe durch das Verkehrsministerium beläuft sich damit auf 5,8 Milliarden Pfund.[10] In diesem Paket ist ein Wartungsvertrag für 27,5 Jahre enthalten. Hitachi wird dafür neue Bahnbetriebswerke u. a. in Bristol und Doncaster bauen sowie bestehende Wartungsdepots entlang der beiden Bahnstrecken auf einen modernen Stand bringen.

Konstruktion[Bearbeiten]

Wenigstens sechs Typen von Triebzügen sollten entsprechend der Ausschreibung angeboten werden:

  • Typ 1 - 10-teiliger dieselelektrischer Triebzug, unterteilt in
    • Typ 1A - intercity
    • Typ 1B - interurban
  • Typ 2 - 10-teiliger bimodaler Intercity-Triebzug, mit einem dieselelektrischen Triebfahrzeug an einem Ende und einem elektrischen Triebfahrzeug am anderen Ende
  • Typ 3 - 5-teiliger elektrischer Triebzug (EMU)
  • Typ 4 - 5-teiliger bimodaler Triebzug für den Vorortverkehr (commuter services)
  • Typ 5 - 10-teiliger intercity EMU.

Die Hybrid-Lösung lehnt sich an die Testzüge im British Rail Class 43 (HST)-Projekt an, das die InterCity 125 ablösen sollte. Die Wagenmodule werden eine Länge von je 26 Metern und eine Breite von 2,7 Metern haben, was auch für das kleine britische Lichtraumprofil noch sehr schmal ist.

Die von Agility Trains angebotenen Züge werden von Hitachi gebaut und unter den Namen „Hitachi Super Express“ oder „Super Express Train“ geführt. Hitachi liefert die Züge in zwei Varianten, die bimodalen Züge der Class 800 und vollelektrischen Züge der Class 801. Ein Zug kann aus 5 bis 12 Wagen bestehen. Jeder Wagen ist 26 Meter lang und 2,7 Meter breit. Die Züge werden mit den Signalisierungssystem ETCS Level 2 und British Rail Automatic Train Protection (BR ATP) ausgestattet.[11]

Die bestellten Züge mit neun Wagen bieten 627 Sitzen, die gegenüber dem Vorgängerzug in der Standardklasse über 50 mm zusätzlichen Fußraum verfügt. Zur Ausstattung gehören WLAN in den Wagen, Steckdosen an jedem Platz, LCD-Anzeigen für die Sitzplatzreservierung und 10 Fahrrad-Stellplätze pro Zug. Im Zug wird eine Küche untergebracht, die pro 2 Stunden 100 warme Mahlzeiten aufbereiten kann.[12]

Die Züge sollen mit einer maximalen Geschwindigkeit von 200 km/h betrieben werden, können jedoch mit 225 km/h fahren, falls die Infrastruktur der East Coast Main Line verbessert wird. Die rein elektronischen Triebzüge werden als Class 801 bezeichnet, die bimodalen Triebzüge als Class 800.[12] Jeder Zug wird mit mindestens einem Dieselantriebsaggregat ausgestatt. Die elektrischen Züge erhalten dadurch einen Selbstrettungsantrieb für den Notfall eines Oberleitungsausfalls. Um das Hilfsaggregat betriebstüchtig zu halten, wird es bei Rangierfahrten regelmäßig genutzt werden.[13]

Herstellung[Bearbeiten]

Die ersten Züge werden komplett im Hitachi-Werk Kasado in Japan gefertigt, bevor die Endmontage in einer neuen Fabrik in Newton Aycliffe (County Durham) beginnen kann, welche voraussichtlich im Jahr 2016 eröffnet wird.[14] Weiter in Japan gefertigt werden dann die Wagenkästen aus Aluminium, solange die Schweißtechnik nur dort verfügbar ist.[3] Die MTU Friedrichshafen liefert für die Züge mindestens 252 jeweils 700 Kilowatt starke Antriebsanlagen, deren Kern ein MTU-Dieselmotor mit 12 Zylindern bildet.[14] An Knorr-Bremse ging im August 2013 ein Auftrag über 42 Mio. Euro für Bremssysteme und Drehgestellausrüstungen.[11]

Der erste von drei Vorserienzügen, ein fünfteilige bimodaler Zug, wurde am 13. November 2014 der Presse vorgestellt. Er verließ am 7. Januar 2015 das Herstellerwerk und wird nach Southampton verschifft. Ausgestattet mit Messinstrumenten, soll er ab April 2015 auf der Teststrecke Old Dalby bei Nottingham geprüft werden.[15] Bei den drei Vorserienzügen, die auch für die Personalschulung verwendet werden, handelt es sich um 2 fünfteilige bimodale Züge der Class 800 und einen neunteiligen EMU der Class 801.

Der erste Auftrag umfasst 92 Züge mit 596 Wagen. Davon werden für die Linie nach Bristol und Wales 369 Wagen an die Great Western Trains geliefert, als 36 fünfteilige bimodale und 21 neunteilige vollelekrische Kompositionen.[10] Sie sollen ab 2017 eingesetzt werden. Als zweite Lieferung gehen 227 Wagen an die East-Coast-Linie, konfiguriert als 12 fünfteilige EMU, 10 fünfteilige bimodale Züge und 13 neunteilige bimodale Züge. Sie sollen ab 2018 auf der East-Coast-Linie eingesetzt werden und dann die Diesel-High Speed Trains ablösen.[2] Mit dem zweiten Auftrag an das Konsortium über 30 neunteilige Kompositionen sind insgesamt 122 Züge mit 866 Wagen bestellt worden.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hightech-Fernzüge für England. In: DMM Mobilitätsmanager. 12. Februar 2009. Abgerufen am 16. Februar 2014.
  2. a b East Coast Main Line IEP train order confirmed (en) Railway Gazette, Sutton (UK). 18. Juli 2013. Abgerufen am 16. Februar 2014.
  3. a b David Millward: Hitachi wins £1.2bn order for new intercity trains. The Telegraph, 13. Juli 2013, abgerufen am 7. Januar 2015 (englisch).
  4. The Intercity Express Programme (en) Department for Transport, Vereinigtes Königreich. 3. Oktober 2012. Abgerufen am 16. Februar 2014.
  5. Department for Transport announces shortlist for Intercity Express Programme (en) Department for Transport, Vereinigtes Königreich. 16. August 2007. Archiviert vom Original am 6. März 2008. Abgerufen am 16. Februar 2014.
  6. Change to IEP short listed bidders (en) Department for Transport. 26. Juni 2008. Abgerufen am 15. Januar 2012.
  7. Jonathan Browning: Barclays Withdraws From Hitachi’s $11.4 Billion U.K. Train Bid. Bloomberg, 26. Februar 2010, abgerufen am 8. Januar 2015.
  8. Agility Trains to supply Super Express fleet (en). In: Railway Gazette International, 12. Februar 2009. Archiviert vom Original am 13. Februar 2012. 
  9. Intercity train investment creates 900 jobs along with 596 railway carriages at a new train factory. (en) Department for Transport, Vereinigtes Königreich. 25. Juli 2012. Abgerufen am 16. Februar 2014.
  10. a b Keith Barrow: Britain orders more Hitachi trains for East Coast. International Railway Journal, 18. Juli 2013, abgerufen am 7. Januar 2015 (englisch).
  11. a b Hitachi Super Express Trains, United Kingdom. railway-technology.com, abgerufen am 8. Januar 2015 (englisch).
  12. a b East Coast Main Line IEP train order confirmed. Railway Gazette, 18. Juli 2013, abgerufen am 8. Januar 2015 (englisch).
  13. MTU to supply diesel powerpacks for Intercity Express Programme. Railway Gazette, 19. September 2012, abgerufen am 8. Januar 2015 (englisch).
  14. a b c Lucie Maluck: Erster Hitachi Super Express Train auf der Schiene. MTUreport, 20. November 2014, abgerufen am 7. Januar 2015.
  15. Keith Barrow: Hitachi rolls out first IEP train for Britain. International Railway Journal, 13. November 2014, abgerufen am 7. Januar 2015 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]