International Crisis Group

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International Crisis Group
Logo der International Crisis Group
Typ Nichtregierungsorganisation
Gründung 1995
Koordinaten 50° 49′ 43″ N, 4° 21′ 42″ O50.8285124.361747Koordinaten: 50° 49′ 43″ N, 4° 21′ 42″ O
Sitz Brüssel
Personen

Jean-Marie Guéhenno,
Präsident[1]

Aktionsraum weltweit
Budget 20,4 Mio. US-Dollar[2]
Angestellte 154[1]
Motto Working to prevent conflict worldwide.
Website crisisgroup.org

Die International Crisis Group (ICG) ist eine Nichtregierungsorganisation, welche Analysen und Lösungsvorschläge zu internationalen Konflikten liefert. Sie wird wesentlich von westlichen Regierungen, Stiftungen und Konzernen finanziert. In ihrem Politikfeld wird sie allgemein als der maßgebliche Ansprechpartner für Regierungen und internationale Organisationen, wie z. B. der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Weltbank, angesehen. ICG bietet Analysen und Politikberatung zu über 50 aktuellen oder drohenden Konfliktsituationen weltweit an.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Organisation wurde 1995 von Morton Abramowitz (früherer U.S. Botschafter in der Türkei und Thailand und später Präsident des Carnegie Endowment for International Peace), Mark Malloch Brown (später UNDP-Administrator, stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen, sowie Staatsminister für Großbritannien) und George J. Mitchell, US-Senator und erster Vorsitzender der Crisis Group, gegründet.

Von 2000 bis 2009 war der ehemalige australische Außenminister Gareth Evans Präsident und Geschäftsführer der Organisation. Seit Mitte 2009 ist Louise Arbour Präsidentin und leitende Geschäftsführerin. Sie war davor Hohe Vertreterin für Menschenrechte der Vereinten Nationen und Richterin am Obersten Gerichtshof Kanadas. Der Beirat (Board) von ICG besteht aus ehemaligen internationalen Politikern und Diplomat. Aus Deutschland ist Joschka Fischer vertreten und aus der Schweiz, Maria Livanos Cattaui. Externe deutsche Senior Berater sind Volker Rühe, Christoph Bertram und Uta Zapf.

Leitidee[Bearbeiten]

Die Gründung der Organisation war eine Reaktion auf das Versagen der internationalen Gemeinschaft in Ländern wie Somalia, Ruanda und Bosnien in den frühen 90er Jahren. ICG will dazu beitragen, dass solch tragische Ereignisse früh genug erkannt werden und effektiv darauf reagiert wird.

Es sollte eine neuartige Organisation werden, die Regierungen, internationale Organisationen, sowie die gesamte internationale Gemeinschaft bei der Früherkennung und Verhinderung drohender Konflikte unterstützt. Analysten vor Ort sollten früh vor möglichen Konflikten warnen. Gleichzeitig sollte ein einflussreicher Vorstand effektives Handeln auf höchster politischer Ebene weltweit ermöglichen.

Arbeitsfelder[Bearbeiten]

Konfliktprävention und -lösung gehören zum Kerngeschäft der Crisis Group. Wie die Nichtregierungsorganisation selbst angibt, nimmt sie ihre Aufgaben auf verschiedene Arten wahr:

  • Durch Frühwarnung, mit dem monatlichen CrisisWatch-Bericht sowie mit „crisis alerts“, die auf die Eskalation eines Konfliktes aufmerksam machen.
  • Durch Engagement in und Beiträgen zu Friedensverhandlungen.
  • Durch das Erarbeiten von hochdetaillierten Analysen und Ratschlägen. Damit hilft die ICG Entscheidungsträgern in Regierungen und internationalen Organisationen (UN-Sicherheitsrat, EU), Konflikte besser vorherzusehen und darauf zu reagieren.
  • Durch die Bereitstellung von detaillierten Informationen zu den Themen Konflikte, Massengewalt und Terrorismus. Sie sind besonders nützlich für politische Entscheidungsträger, z. B., wenn es um die radikale islamistische Terrororganisation Jemaah Islamiyah in Indonesien, die verschiedenen Jihadi-Gruppen in Afghanistan und Pakistan oder die islamischen Gerichte in Somalia geht.
  • Die ICG bietet strategische Ansätze zur Lösung einiger der komplexesten Konflikte und Krisensituationen der Welt. Die nukleare Bewaffnung Irans, die Rolle des Islamismus, der arabisch-israelische Konflikt, die Situation in Myanmar/Burma, Zypern, Kosovo und im Irak sind einige Beispiele dafür.

Finanzierung[Bearbeiten]

Das jährliche Budget der Crisis Group beträgt mittlerweile über 15 Millionen US Dollar (ca. 11 Millionen Euro). Davon stammen ungefähr 54 Prozent von Regierungen, 26 Prozent von internationalen Stiftungen und 20 Prozent von individuellen Gönnern und Körperschaften. 70 Prozent aller Spenden sind nicht an spezifische Projekte gebunden, so dass die ICG unabhängig über diese Gelder bestimmen kann.

Unter den Spendern finden sich die Regierungen von 13 EU-Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland und Österreich, sowie die Europäische Kommission selbst. Daneben sind die Regierungen Australiens, Kanadas, Liechtensteins, Neuseelands, Norwegens, der Schweiz, der Türkei und der USA Spender.

Unter den nicht-staatlichen Spendern befinden sich u. a. die Carnegie Corporation of New York, McKinsey & Company oder Goldman Sachs.

Belegschaft und Standorte[Bearbeiten]

Die International Crisis Group beschäftigt heute mehr als 135 Mitarbeiter aus über 50 Ländern, sowie ungefähr 20 Berater und 40 Praktikanten. Diese Mitarbeiter sind auf weltweit neun regionale Büros sowie vierzehn weitere Standorte verteilt und decken über 60 aktuelle oder potentielle Konflikte. Außerdem verfügt die Crisis Group über Advocacy Offices in Brüssel (Hauptsitz), Washington, D.C., New York und London, sowie Verbindungsstellen in Moskau und Peking. Die Berichte der ICG werden von Außenministerien, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen verwendet. Sie sind frei zugänglich für die Öffentlichkeit und können von der Website der Organisation heruntergeladen werden.

Regionen und Länder, über die ICG berichtet[Bearbeiten]

Die globale Präsenz schlägt sich nieder in bis zu 80 ausführlichen Reports jährlich sowie hunderten von Interviews und Artikeln. Crisis Group berichtet zur Zeit über ca. 60 Länder. Dazu gehören in Afrika: Burundi, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Tschad, die Elfenbeinküste, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Äthiopien, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Liberia, Madagaskar, Nigeria, Ruanda, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Uganda und Simbabwe.

In Asien: Afghanistan, Bangladesch, China und Taiwan, Indonesien, Kaschmir, Kasachstan, Kirgisistan, Myanmar/Burma, Nepal, Nordkorea, Pakistan, die Philippinen, Sri Lanka, Tadschikistan, Thailand, Osttimor, Turkmenistan und Usbekistan.

In Europa: Armenien, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Zypern, Georgien, Kosovo, Mazedonien, Nordkaukasus, Serbien und die Türkei.

Im Nahen Osten und Nordafrika: Ägypten, Tunesien, Algerien, Libyen, Israel/Palästina, Libanon, Jemen, Syrien, Bahrain, Jordanien, Saudi-Arabien, Iran und Irak.

Und in Lateinamerika und der Karibik: Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Guatemala und Haiti.

Kritik[Bearbeiten]

Der Organisation wird vorgeworfen, in einigen Konflikten parteilich zu sein, etwa in der 2007 erfolgten ultimativen Forderung an die EU, rasch die Unabhängigkeit des völkerrechtlich zu Serbien gehörenden Kosovo anzuerkennen. Dies wurde von Serbien und Russland als Provokation betrachtet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c About Crisis Group. International Crisis Group, abgerufen am 12. Juli 2013.
  2. International Crisis Group: Annual Report 2013. S. 23 (PDF; 2,3 MB).