Internationale Jugendbibliothek

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Internationale Jugendbibliothek
Gründung 1949
Bibliothekstyp Spezialbibliothek
Koordinaten 48° 9′ 47″ N, 11° 27′ 23″ O48.16305555555611.456388888889Koordinaten: 48° 9′ 47″ N, 11° 27′ 23″ O
Ort München
ISIL DE-M336
Betreiber Stiftung Internationale Jugendbibliothek
Leitung Christiane Raabe
Website www.ijb.de/

Die Internationale Jugendbibliothek München (IJB) ist eine Spezialbibliothek mit der Aufgabe, Kinder- und Jugendliteratur aus der ganzen Welt zu sammeln, zu erschließen und Kindern wie Erwachsenen zu vermitteln, um den Gedanken der interkulturellen Verständigung zu fördern. Diese weltweit größte Bibliothek ihrer Art ist seit Juni 1983 im Schloss Blutenburg im Münchner Stadtteil Obermenzing untergebracht. Davor befand sich die Bibliothek in der Kaulbachstr. 11a im Münchner Stadtteil Schwabing.

Profil[Bearbeiten]

Die Internationale Jugendbibliothek ist heute ein Zentrum für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Mit einem Programm von Ausstellungen, Lesungen, Werkstattgesprächen, Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Fortbildungen sowie mit dem Unterhalt mehrerer Literaturmuseen wird der internationalen Kinder- und Jugendliteratur ein Forum gegeben. Seit 2010 richtet die Internationale Jugendbibliothek alle zwei Jahre das White Ravens Festival für internationale Kinder- und Jugendliteratur aus. 2013 wurde erstmals der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur vergeben, mit dem alle zwei Jahre das Werk eine herausragenden Autors ausgezeichnet wird.

Ausstellungskataloge, die „White Ravens“-Empfehlungsliste und das Jahrbuch „Das Bücherschloss“ tragen zum Diskurs über internationale Kinder- und Jugendliteratur bei. Als Herausgeberin etwa des „Arche Kinder Kalenders“ öffnet die Bibliothek immer wieder kulturelle Horizonte für Kinder.

Mit Lesungen, Schreibwerkstätten und Workshops zu Ausstellungen, den Literaturmuseen und kinderliterarischen Themen ist die Bibliothek zudem Partner von Schulen, Kindergärten und Horten. In einer Kinderbibliothek stehen 30.000 aktuelle Bücher und elektronische Medien in rund 20 Sprachen kostenlos zum Ausleihen zur Verfügung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bibliothek München wurde 1949 von der Schriftstellerin und Journalistin Jella Lepman gegründet. Die Idee entstand durch den enormen Erfolg der Internationalen Jugendbuchausstellung von 1946, deren Ausstellungsstücke die Grundlage für den Aufbau der Bibliotheksbestände bildeten. Am 14. September 1949 wird die Internationale Jugendbibliothek mit einem Buchbestand von 8000 Bänden unter großem öffentlichen Interesse eröffnet. Jella Lepmans Idee, Toleranz, Versöhnung und Verständnis für andere Lebensformen und Kulturen mit Hilfe von internationalen Kinder- und Jugendbüchern zu fördern, stößt auf breite Zustimmung. Die Internationale Jugendbibliothek dient einerseits als Archiv der kostbaren, weil einzigartigen Sammlung, und andererseits als Ort der Begegnung und der Aktivitäten für Kinder zur Förderung der genannten Ziele.

Bestände[Bearbeiten]

Die internationalen Buchbestände und historischen Sammlungen der Bibliothek sind weltweit einzigartig. Sie werden einem Fachpublikum in einem wissenschaftlichen Lesesaal für Studien und Forschungen zur Verfügung gestellt. Ein Stipendiatenprogramm für ausländische Wissenschaftler, finanziert vom Auswärtigen Amt, verfolgt das Ziel, die Forschung auf dem Gebiet der internationalen Kinder- und Jugendliteratur und der Illustration zu unterstützen und wissenschaftlichen Austausch und internationale Kooperation zu fördern.

Der Bestand umfasst mehr als 600.000 Kinder- und Jugendbücher in 150 Sprachen, darunter wertvolle Sammlungen historischer Kinderbücher. Weiterhin verfügt die Bibliothek über mehr als 30.000 Titel internationaler Forschungsliteratur sowie etwa 150 laufende Fachzeitschriften in vielen Sprachen. Alle katalogisierten Bestände können über das Internet recherchiert werden; hier stehen auch unterschiedliche Empfehlungslisten zum Abruf bereit.

Erweitert werden die Bestände um Autorennachlässe, etwa von James Krüss oder Hans Baumann.

Literaturmuseen[Bearbeiten]

Die Bibliothek im Schloss Blutenburg unterhält mehrere Literaturmuseen: Das Michael-Ende-Museum (eröffnet 1998), den James-Krüss-Turm, das Erich-Kästner-Zimmer und seit Juli 2005 das Binette-Schroeder-Kabinett. In den Ausstellungsräumen befinden sich neben zahlreichen Büchern und Illustrationen auch Briefe, Tagebücher und persönliche Gegenstände der dargestellten Personen.

The White Ravens[Bearbeiten]

Der jährlich erscheinende Katalog „The White Ravens“ ist eine Empfehlungsliste für Kinder- und Jugendliteratur. Aus der großen Menge der Rezensions- und Schenkungsexemplare, die die Bibliothek von Verlagen, Institutionen, Organisationen und anderen Freunden der Bibliothek erhält, wählen die Lektoren 200 Neuerscheinungen aus über 40 Ländern in mehr als 30 Sprachen aus. Berücksichtigt werden Titel, die wegen ihres universellen Themas und/oder ihrer innovativen literarischen und bildgestalterischen Qualität für ein internationales Fachpublikum interessant sind und weite Verbreitung verdienen. Jedes Buch wird im Katalog mit einer kurzen Annotation vorgestellt. Mit speziellen Symbolen werden »Special Mentions« gekennzeichnet, außerdem Bücher, die zur Verständigung zwischen Kulturen und Völkern beitragen können (#), und leseleichte Texte, die auch ältere Leser ansprechen (°). Der Katalog enthält Bücher aus 81 Ländern und in 58 Sprachen.

Direktorinnen und Direktoren[Bearbeiten]

  • Bis 1957 leitete Jella Lepman die IJB, ihr folgten als Direktoren:
  • 1. April 1957 bis 30. April 1982: Dr. Walter Scherf
  • 1. Mai 1982 bis 14. Mai 1983: Wolfgang Vogelsgesang (kommissarisch)
  • 15. Mai 1983 bis 31. August 1992: Dr. Andreas Bode; ihm zur Seite stand bis zum 30. November 1991 Lioba Betten als stellvertretende Direktorin
  • 1. September 1992 bis 31. März 2007: Dr. Barbara Scharioth, zunächst als geschäftsführende Direktorin, seit 1996 als Direktorin und Vorstandsmitglied
  • Seit 1. April 2007: Dr. Christiane Raabe

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Bücherschloss. Mitteilungen aus der Internationalen Jugendbibliothek. Jahrbuch 2009ff.
  • Eva-Maria Ledig: Eine Idee für die Kinder. Die Internationale Jugendbibliothek in München. München: Erasmus Grasser-Verlag, 1988.
  • Jella Lepman: Die Kinderbuchbrücke. Frankfurt: Fischer, 1964. (Neuauflage zum 50jährigen Bestehen der Internationalen Jugendbibliothek: München 1999.)
  • Wolfgang Vogelsgesang (Hrsg.): Blutenburg. Das Schloß und sein Umfeld in Geschichte und Gegenwart. Wielenbach: Erasmus Grasser-Verlag, 1992. ISBN 3-925967-24-9
  • Wally de Doncker 'Wie was Jella Lepman? Een portret ter gelegenheid van 50 jaar IBBY' Leesgoed, p. 190-192, 2ge jaargang 2002, deel 5, Biblion Uitgeverij, Den Haag

Weblinks[Bearbeiten]