Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung

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Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung
Allgemeines
Zweig Protestantismus
Glaubensrichtung Adventisten
Verbreitung 120 Länder
Präsident Idel Suarez Jr.
Gründung
Gründungsdatum 1925
Gründungsort Gotha
Abkunft und Entfaltung
Abspaltungen

Gemeinschaft der Siebenten Tags Adventisten Reformationsbewegung

Zahlen
Mitglieder 31.000
Sonstiges
Steuerliche Stellung Freikirche
Auch genannt: IMG (Abkürzung)

Die Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung (Kurz: IMG. Englisch: „International Missionary Society, Seventh-day Adventist Church, Reform Movement“) ist eine protestantische Freikirche, die aus der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, heute Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, entstanden ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte die deutsche Leitung der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten ihre Mitglieder aufgefordert, sich als Soldaten zur Verfügung zu stellen und auch am Sabbat, dem von den Adventisten geheiligten Wochenruhetag, zu kämpfen. Diese Tatsache wurde bereits sechs Tage nach Kriegsbeginn dem Kriegsministerium in schriftlicher Form unaufgefordert mitgeteilt. Diese gravierende Änderung führte zu sichtbaren Unruhen in einigen Gemeinden. 2000–3000 Gemeindemitglieder,[1] von der Gemeinschaft offiziell als „unnüchtere Elemente mit törichten Ideen“ [2] und als „Betrüger“ [3] bezeichnet, welche diese Änderung nicht akzeptierten, wurden „auf Grund ihres unchristlichen Verhaltens“ [4] ausgeschlossen. Verschiedene Zeitungen in ganz Deutschland, in Köln,[5] Dresden[6] und Stuttgart[7] berichteten über diese Ausweisungen von Mitgliedern. Weitere Ausschlüsse von Gemeinschaftsmitgliedern ließ sich die Leitung der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten unaufgefordert sogar notariell[8] beglaubigen. Sogar bis kurz vor Kriegsende wurden die ehemaligen Gemeindemitglieder als „Agitatoren“ [9] und „als Bedroher der inneren und äusseren Sicherheit“ [10] offiziell bezeichnet und ausgeschlossen.

Die so ausgeschlossenen ehemaligen Mitglieder schlossen sich nach den Wirren zur Zeit des Krieges und in der Folgezeit zusammen und organisierten sich unter der „Internationalen Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung“ (IMG), die 1925 zu einer ersten eigenen Generalkonferenz (umgangssprachlich Weltsynode) zusammenkam und eine eigene Organisation gründete.

Schon elf Jahre später, im Jahre 1936 verboten die Nationalsozialisten die IMG mit der Begründung, sie verfolge „Ziele, die der Weltanschauung des Nationalsozialismus zuwiderlaufen“.[11] Ein unregelmäßiger Gemeindebetrieb war, wenn überhaupt, nur noch im Untergrund unter großen Gefahren möglich. Geheime Gottesdienste in dieser Verbotszeit (1936 - 1945) wurden durch die Gestapo mit Spitzeln überwacht. Von NS-Sondergerichten wurden viele Mitglieder der Gemeinschaft im ganzen Einflussbereichs des NS - Regimes verurteilt. Ganze Gemeinden (Mannheim, Pforzheim, Lahr, Frankfurt,[12] Solingen, Wuppertal, Essen, Aachen, München, Hannover) saßen gemeinsam auf der Anklagebank und wurden im Schnellverfahren verurteilt. Die Teilnahme an 2 Abendachten bedeutete in Mannheim 6 Wochen Gefängnis, die Teilnahme am Abendmahl in Frankfurt eine Geldstrafe in Höhe eines Monatslohns. [13] In Wuppertal wurden Gemeindeglieder wegen der Teilnahme am Gottesdienst zu Strafen verurteilt, die bis zu sechs Monatseinkommen ausmachten. Viele Gemeindemitglieder wurden verfolgt und auch zum Tode verurteilt.[14] Das Eigentum der Gemeinschaft wurde im Jahre 1936 beschlagnahmt und ging bis auf eine Schreibmaschine vollständig verloren. Die Gemeinschaft lebte bis zum Ende der NS-Diktatur im Untergrund.

Unter den protestantischen Freikirchen weisen die Reformadventisten im Dritten Reich die höchste Zahl sowohl von Märtyrern als auch von Kriegsdienstverweigerern auf.[15] Pazifisten in den Reihen der Reformadventisten waren Anton Brugger, Alfred Münch, Günter E. Pietz, Ludwig Pfältzer, Viktor Pacha, Leander Zrenner, Julius Ranacher.

Nach dem 2. Weltkrieg stand die Gemeinschaft im Deutschland bei Null. Auch in anderen europäischen Ländern musste sich die IMG vollständig neu organisieren. Bei der Generalkonferenz 1948 in Holland wurden die ersten Schritte unternommen. Im Jahre 1951 trennte sich eine größere Gruppe unter der Leitung des aus Rumänien stammenden D. Nicolici. Über den Grund der Trennung gibt es bis heute unterschiedliche Bewertungen. Bezeichnend mag retrospektiv sein, dass die früheren leitenden Männer der sich trennenden Gruppe zum großen Teil aus Osteuropa kamen – wenn auch einige aus Deutschland und der Schweiz stammten –, wohingegen unter den Leuten der IMG Westeuropäer dominierten. Zunächst behielten beide Organisationen den ursprünglichen Namen bei; seit 1952 firmiert die Gruppe von D. Nicolici unter der Bezeichnung Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung (STA-REF).

Gegenwart[Bearbeiten]

Die Weltkirchenleitung der Internationalen Missionsgesellschaft der Siebenten Tags Adventisten, die Generalkonferenz, hat ihren Sitz im US-amerikanischen Cedartown, Georgia. Die deutsche Zentrale ist in Mosbach / Baden. Die IMG ist weltweit als Missionsgesellschaft in über 120 Ländern dieser Erde aktiv.

In Deutschland betreibt die IMG in Nonnweiler / Saarland das Kurhaus Elim.

Lehre[Bearbeiten]

Die theologische Ausrichtung basiert auf der ganzen Bibel als höchste geistliche Autorität. Die Bibel wird als irrtumslos angesehen. Nur die 66 Bücher des Alten und Neuen Testaments der protestantischen Zählweise (ohne Apokryphen) werden als kanonisch betrachtet. Das Zentrum der Lehre ist, wie schon der Name ausdrückt, die Wiederkunft Christi. Das Gottesverständnis basiert auf der Einheit von Gott-Vater, Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist Jesu Stellvertreter auf Erden. Das reformatorische Gedankengut des Protestantismus sola scriptura, sola fide, sola gratia, solus Christus ist elementarer Bestandteil des Glaubensverständnisses. Die prophetischen Bücher Daniel und die Offenbarung genießen besondere Beachtung und sind tragende Säulen einer bibelorientierten Endzeittheologie. Im Gegensatz zu den weltweiten Adventisten wird in der Frage der Teilnahme am Militärdienst Pazifismus praktiziert. Das Schrifttum von Ellen G. White wird als inspiriert betrachtet. Eine gesunde Lebensweise und der Vegetarismus schließt sich an. Genuss von Tabak und Alkohol wird abgelehnt. Nach der Bibel wird die biblische Gläubigentaufe praktiziert. Ökumenische Bestrebungen werden abgelehnt, denn darin sieht man einen Synkretismus, der den biblischen Glauben unterminiert. Die IMG vertritt wegen der ausschließlichen theologischen Ausrichtung auf die Bibel folgerichtig die biblische 7 - Tage - Schöpfung.

Die Bibel darf, nach dem Verständnis der IMG, nicht mit anderen Lehren, Traditionen und Überlieferungen vermischt werden. Durch die wöchentliche Sabbatschule, heute meist Bibelschule genannt, die fester Teil des Gottesdienstes ist, haben die Mitglieder in den meisten Fällen eine gute Bibelkenntnis. Die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung wird konsequenterweise abgelehnt. Reformadventisten sind von Grund auf demokratisch aufgebaut. Organisatorischer Aufbau der Reformadventisten: Die Gottesdienste und Versammlungen sind öffentlich und stehen grundsätzlich jedem Besucher offen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Ruttmann: Die adventistische Reformationsbewegung 1914-2001: die Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung in Deutschland. Teiresias-Verlag, Köln, 2002, ISBN 3-934305-39-3
  • Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung (Hg.): Der Weg der Adventisten, Jagsthausen/Heilbronn, 1974
  • Hans Fleschutz: Und folget ihrem Glauben nach! Gedenkbuch für die Blutzeugen der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung. Zeugnisse der Treue und Standhaftigkeit aus Deutschlands dunklen Tagen. Jagsthausen/Heilbronn 1967
  • Internationale Missionsgesellschaft (Hg.): Du sammelst meine Tränen, Erinnerungen an die Blutzeugen und treuen Gläubigen ... in den Jahren 1933 - 1945. Edelstein-Verlag, Naumburg, 2014, ISBN 978-3-933032-59-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oskar Kramer: Mein Leben, S. 14 Manuskript, Eigenverlag
  2. Dresdner Neue Nachrichten vom 12. April 1918
  3. Dresdner Neue Nachrichten vom 12. April 1918
  4. Dresdner Neue Nachrichten vom 12. April 1918
  5. Kölner Zeitung vom 21. September 1915
  6. Dresdner Neue Nachrichten vom 17. April 1918
  7. Stuttgarter Neues Tagblatt vom 26. September 1918
  8. 5. April 1917 beim Notariat Berlin-Charlottenburg (Notariatsregister No.107)
  9. Stuttgarter Neues Tagblatt vom 26. September 1918
  10. Stuttgarter Neues Tagblatt vom 26. September 1918
  11. Schreiben von Reinhard Heydrich, Chef des Geheimen Staatspolizeiamtes (Gestapa) vom 29. April 1936 an den Leiter der deutschen IMG Otto Welp
  12. Du sammelst meine Tränen - Erinnerungen an die Blutzeugen und treuen Gläubigen der Internationalen Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung, in den Jahren 1933 - 1945. Naumburg, Edelstein-Verlag 2014
  13. Du sammelst meine Tränen - Erinnerungen an die Blutzeugen und treuen Gläubigen der Internationalen Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Reformationsbewegung, in den Jahren 1933 - 1945. Naumburg, Edelstein-Verlag 2014
  14. Hans Fleschutz: Und folget ihrem Glauben nach – Gedenkbuch für die Blutzeugen der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung; Zeugnisse der Treue und Standhaftigkeit aus Deutschlands dunklen Tagen. Jagsthausen, Eigenverlag 1973
  15. Harald Schultze, Andreas Kurschat, Claudia Bendick: Ihr Ende schaut an… - evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Leipzig, Evangelische Verlagsanstalt 2006, S. 92 ISBN 978-3374023707