Internationale Transportarbeiter-Föderation

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Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) ist ein 1896 gegründeter, internationaler Gewerkschaftsdachverband, der zur Zeit 4.5 Millionen Beschäftigte im Verkehrssektor repräsentiert.

Organisation[Bearbeiten]

Der ITF sind über 600 Gewerkschaften in mehr als 140 Ländern angeschlossen, der Verband gehört dem IBFG an. Der Hauptsitz der ITF befindet sich in London; Regionalbüros in Nairobi, Ouagadougou, Tokio, Neu-Delhi, Rio de Janeiro, Georgetown, Moskau und Brüssel.

Mitgliedsverbände in der BRD sind die DGB-Gewerkschaften Ver.di und EVG. In der Schweiz sind dies die SGB-Gewerkschaften SEV, VPOD, Kapers und Unia.

Ein derzeitiger Schwerpunkt der Aktivitäten der ITF ist die Unterstützung der Besatzungen von Schiffen, die unter sogenannten Billigflaggen fahren; die ITF ist in verschiedenen Ländern auch berechtigt, direkt Tarifverträge für die betroffenen Besatzungen abzuschließen. Im November 1999 unterzeichneten der internationale Arbeitgeberverband der Schifffahrt IMEC und der ITF den weltweit ersten internationalen Tarifvertrag für eine Branche, der seit 2000 in Kraft ist. Dessen Einhaltung wird von 131 Kontrolleuren der ITF in 43 Ländern (2004) im Rahmen von Hafengewerkschaftskontrollen überprüft.

Die internationale Gewerkschaft ist eine der wenigen Arbeiterorganisationen, die auch schon länderübergreifende Streikaktionen entfaltete, darunter die erste große internationale koordinierte Streikbewegung der Geschichte im Jahr 1911, als zahlreiche europäische Häfen gleichzeitig lahmgelegt wurden, sowie die Streiks gegen die EU-Hafenrichtlinie "Port Package" im Jahr 2003.

Geschichte[Bearbeiten]

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In der Zwischenkriegszeit war die ITF unter ihrem damaligen Generalsektretär Edo Fimmen syndikalistisch ausgerichtet und nahm eine wichtige Rolle in der radikalen Arbeiterbewegung ein. So trug sie wesentlich einen Boykott des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) im Jahr 1920 gegen das autoritäre Horthy-Regime in Ungarn und führte eigenständig ein Embargo von Munitionstransporten nach Polen während des polnisch-sowjetischen Kriegs durch. Von der ITF gingen zudem 1924-25 mehrere - letztlich erfolglose - Initiativen aus, die Gewerkschaftsbewegung stärker international auszurichten und nicht länger auf nationale Landeszentralen zu stützen. Während des britischen Bergarbeiterstreiks 1926 organisierte die ITF einen erfolgreichen Boykott aller Kohletransporte auf die Inseln.

Die ITF spielte zwischen 1933 und 1945 eine wichtige Rolle im antifaschistischen Widerstand, da es ihr gelang, verschiedene illegal arbeitende Gruppen von Transportarbeitern in Deutschland sowie im Exil unter deutschen Seeleuten arbeitende Mitglieder effektiv zu unterstützen und einen stetigen Informationsfluss in beide Richtungen zu gewährleisten. Bereits 1932 startete sie eine Initiative, um die Aktivitäten der internationalen Arbeiterbewegung auf den Kampf gegen den Nationalsozialismus auszurichten und legte dafür ein 13-Punkte-Programm vor. Anfang 1933 bot sie dann dem ADGB an, die IFT in den Dienst des antifaschistischen Kampfes in Deutschland zu stellen, was jedoch von den deutschen Gewerkschaften mit Schweigen quittiert wurde.

Während der NS-Zeit standen die ITF und Fimmen der deutschen Sozialdemokratie und den deutschen Gewerkschaften kritisch gegenüber und machten sie für das Scheitern der Arbeiterbewegungen gegenüber dem Faschismus mitverantwortlich, weswegen sie auch Angebote der exilierten Sozialdemokratie zur Zusammenarbeit skeptisch gegenüberstand. In Erwiderung auf ein solches schrieb etwa Fimmen noch 1937: „Die ITF macht ihre Arbeit alleine und selbständig ... [Jede] Diskussion über eine andere Methode lehne ich ab ... Die einzige internationale Organisation, die tatsächlich etwas zustande gebracht hat, ist die ITF, und dies dank ihrer Arbeitsmethoden.“

Auch in den Spanischen Bürgerkrieg schalte sich die ITF ein, die den Kampf gegen den Faschismus als einen internationalen betrachtete. Dabei verhinderte oder verzögerte Waffentransporte in das von Franco bereits eroberte Gebiet und half der Republik, im Ausland Schiffe zu kaufen. Der Versuch, einen deutschen Waffentransport auf die Seite der Republik zu bringen, scheiterte in der Durchführung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Nelles: Widerstand und internationale Solidarität. Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Klartext Verlag, Essen 2001 ISBN 3-88474-956-0 (Dissertation Gesamthochschule Kassel, 2000)
  • Dieter Nelles: Widerstand und internationale Solidarität. Die Internationale Transportarbeiter-Föderation, in: Hans Coppi, Stefan Heinz (Hrsg.): Der vergessene Widerstand der Arbeiter. Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter, Dietz, Berlin, 2012, ISBN 978-3320022648, S. 73-90.
  • Bob Reinalda (Hrsg.): The International Transportworkers Federation 1914-1945: the Edo Fimmen era. Amsterdam 1997. ISBN 90-6861-124-0
  • Hartmut Simon (Hrsg.): Die Internationale Transportarbeiter-Föderation. Möglichkeiten und Grenzen internationaler Gewerkschaftsarbeit vor dem Ersten Weltkrieg. (Institut für Soziale Bewegungen, Schriftenreihe A – Darstellungen, Band 5). Essen 1994. ISBN 3-88474-046-6
  • Jörn Breiholz: Ein Unikum funkt SOS - Die ITF ist die einzige weltweit agierende Arbeitnehmervertretung überhaupt. In: Rheinischer Merkur 6/2009, S. 13.

Weblinks[Bearbeiten]