Internationales Auschwitz Komitee

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Internationales Auschwitz Komitee
Logo der IAK
Typ Internationaler Dachverband
Gründer Auschwitz-Überlebende:
Gründung 1952. Die Gründerversammlung hat am 22. und 23. Mai 1954 in Wien stattgefunden
Sitz Seit Juni 2002 gibt es eine Geschäftsstelle des IAK in Berlin
Erster Sitz war Wien, Österreich. Die Generalversammlung findet in Oświęcim statt
Personen

Präsident des IAK ist seit 2011 Roman Kent (New York)

Website http://www.auschwitz.info/

Das Internationale Auschwitz Komitee (IAK) wurde 1952 von Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau gegründet. Viele der Leitungsmitglieder waren ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers, die als Gründer und Mitglieder des IAK als deren Aufgabe sahen, für „die Gesamtheit der Überlebenden und Opfer von Auschwitz“ zu sprechen.[1] Das Komitee diente und dient bis heute als „Interessenvertretung seiner Mitglieder, zur Koordinierung der Tätigkeiten nationaler Auschwitz-Komitees und fördert das Gedenken an den Holocaust“.[2]

Die IAK wurde als internationaler Dachverband gegründet, der die nationalen Lagerkomitees und Verbände der NS-Überlebenden koordinieren sollte. Dem Komitee gehören Organisationen aus 19 Ländern an (Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ukraine, Ungarn und USA).

Im Juni 2002 wurde in Oświęcim beschlossen, in Berlin ein Koordinationsbüro des IAK zu errichten. Seit 2004 wird die Arbeit des IAK vom Bundesministerium des Innern institutionell und finanziell gefördert und seit 2003 befindet sich die Geschäftsstelle des IAK in Räumlichkeiten der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin. Ehrenpräsident war Kurt Goldstein († 2007), Präsident des IAK ist seit 2011 Roman Kent (New York).[3]

Gründung des IAKs[Bearbeiten]

Die Landschaft der Verbände und Organisationen der NS-Verfolgten in der Nachkriegszeit war groß und vielseitig. 1947 wurde in Warschau die Fédération Internationale des Anciens Prisonniers Politiques (FIAPP) mit Sitz in Paris und Generalsekretariat in Warschau gegründet, die halbwegs politisch offen, aber zweifellos antifaschistisch orientiert war. Auf dem zweiten „Weltkongress“ der FIAPP, mit dem Ziel „die Kampagne gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und gegen die Gleichsetzung der Sowjetunion mit dem Nationalsozialismus zu zentralisieren und sie von einer allzu deutlichen Nähe zu den osteuropäischen Regierungen abzusetzen“ wurde im Juli 1951 eine neue Organisation gegründet, die Fédération Internationale des Résistants (FIR). Deren Sitz war das neutrale Österreich und die Organisation sollte die Interessen von NS-Verfolgten vertreten, sich mit den Fragen der Entschädigung und mit deren sozialen und rechtlichen Situation befassen.[4] 1952 war Warschau der Ort, an dem Vertreter von NS-Überlebenden aus zahlreichen europäischen Ländern sich für eine Tagung versammelten, die auch die Kampagnen gegen die Remilitarisierung der Bundesrepublik zum Thema hatte. Dort wurde ein Zusammenschluss der NS-Verfolgten unter dem Dach der FIR beschlossen, der die Aufgabe hatte Kampagnen und Aktionen durchzuführen, die den Frieden gefährden würden, als Auskunftsstelle über vermisste Personen dienen sollte und sich der Bearbeitung aller Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz widmen soll. Obwohl ein Komitee gewählt wurde, gab es keine Hinweise über die begonnene Arbeit. Die FIR berief Ende 1953 erneut eine internationale Tagung ein, die in März in Wien ausgerichtet wurde. Der polnische Journalist Henryk Korotinsky wurde als Präsident gewählt, Hermann Langbein als Generalsekretär und die Französin Louise Alcan als Sekretärin.[5] Langbein wurde 1961 aus politischen Gründen abgewählt – zunächst folgte der Ausschluss von der KPÖ und danach verlor er die Funktion des Generalsekretärs, wegen Kritik an den kommunistischen Parteien. Dies führte zu Konflikten zwischen den kommunistisch-geprägten Länderkomitees und der Leitung des IAK, was zur Folge hatte, dass Langbein aus seinen Funktionen entlassen wurde.[6] Langbeins Engagement war enorm und auf seine Initiative gingen zahlreiche Aktivitäten des Komitees zurück. Zur Zeit seiner Aussage im 1. Frankfurter Auschwitzprozess im März 1964 war er 51 Jahre alt und lebte als Schriftsteller in Wien.[7][8] Sein Nachfolger als Generalsekretär im IAK wurde Tadeusz Hołuj.[9]

Die Arbeit des IAK in der Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Die Aktivitäten und Aufgaben mit denen sich die IAK-Mitglieder engagiert haben, waren zahlreich, von verschiedener Art und bedeutend. Das Komitee hatte sich in den wenigen Jahren zwischen 1956 und 1961 als internationale Organisation etabliert und seine Arbeitsschwerpunkte in vielerlei Richtungen entwickelt. Die Zielsetzungen der Organisation fasst Baron Maurice Goldstein, damaliger Präsident, so zusammen:

Das Internationale Auschwitz Komitee wurde […] mit verschiedenen Zielsetzungen gegründet: Um die Welt wissen zu lassen, was im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geschah. Als Vertretung für die Interessen der Überlebenden. Um den Kontakt zwischen den nationalen Auschwitz Komitees zu fördern und zu unterstützen.
Vor dem Hintergrund des vermehrten Aufkommens von Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus und insbesondere der wachsenden Verleugnung dessen, was in Auschwitz passierte, wurde auf der Generalversammlung von 1992 entschieden, allen Organisationen, die aktiv daran arbeiten, ' Auschwitz ' eine wichtige Position in der moralischen und politischen Debatte und in der Ausbildung jüngerer Generationen zu sichern, die Möglichkeit einer Mitgliedschaft im IAK zu eröffnen. […]
[…] denken Sie daran, dass mit der Niederlage des Dritten Reiches, die Nazi-Ideologie nicht verschwunden ist, dass faschistische und neonazistische Bewegungen, Organisationen und Parteien bereit sind, neues Unheil über die Menschen zu bringen.[10]

An dieser Stelle wird ersichtlich, dass das IAK eine wichtige Rolle in der Vergangenheit gespielt hatte, aber es wird auch deutlich, dass ihre Ziele in der Zukunft liegen. Deren politische und gesellschaftliche Rolle, vor allem wenn es um die jüngere Generation geht, ist ein klarer Schwerpunkt in der Arbeit des IAKs.

Die ehemaligen Häftlinge der Konzentrations- und Vernichtungslager und andere Verfolgte organisierten sich in eine Struktur – das Internationale Auschwitz-Komitee (IAK). Sie haben in vielerlei Hinsicht beachtliche Arbeit in der Nachkriegszeit geschaffen, die bis heute ihre Wirkung hat. Die NS-Verfolgten forschten und publizierten zur Geschichte und Auswirkungen der Konzentrationslager, sammelten Berichte, Informationen, Dokumente und Fotos, entwickelten Formen des Gedenkens und schufen Orte dafür. Ihre bedeutendsten Erfolge waren aber die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Verbrechen des Nationalsozialismus, der Kampf für die Entschädigung der Opfer und die Arbeit, die sie leisteten, im Bereich der Strafverfolgung der Täter.

Die Bedeutung der Arbeit des IAK wird noch deutlich durch die Brückenfunktion, die sie im Kalten Krieg zwischen Ost- und Westeuropa hatte. Katharina Stengel beschreibt die Arbeit des IAK in der Nachkriegszeit folgendermaßen: „In der Hochphase des Kalten Krieges war dieses Komitee mit seinen grenzüberschreitenden Netzwerken und Aktivitäten und der proklamierten Überparteilichkeit ein fast einzigartiges Experiment“.[11] Die Erfolge in all diesen Bereichen und seine ununterbrochene Arbeit bis heute zeigen, dass das IAK nicht nur ein Experiment war, sondern Bedeutendes für die Nachwelt geleistet hat.

Die meisten Mitglieder des IAK und anderen Organisationen, für denen sie als Dachverband galt, waren ehemalige KZ-Häftlinge. Deren Weg zur Anerkennung des Unrechts und Leides, das ihnen zugefügt wurde, war nicht leicht und war stets mit deren aktiven politischen Rolle als Akteure in der post-nationalistischen Gesellschaft verbunden. Sie haben hartnäckig versucht „ihre Erfahrungen zu artikulieren, ihre Interessen in der Öffentlichkeit zu vertreten und das Beschweigen der NS-Vergangenheit zu verhindern“. Deren Rolle als politische Akteure hat kritische Ansätze für die „Bewältigung“ der Vergangenheit geschaffen und die Bedeutung der NS-Verfolgten in den Auseinandersetzungen um Wiedergutmachung, die juristische Ahndung der NS-Verbrechen, oder auch im Bereich der gesellschaftspolitischen und sozialpsychologischen Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Nationalsozialismus, gezeigt.[12] Die NS-Überlebenden beziehungsweise das IAK, setzten sich für den Aufbau einer neuen Welt, für Frieden und Freiheit ein, um die Wiederkehr solcher schrecklichen Ereignisse zu verhindern.[13] In diesem Zusammenhang hat das IAK beachtliches für die folgenden Generationen geleistet und ist bemüht diesem weiter gerecht zu bleiben.

Die Entschädigung der NS-Verfolgten[Bearbeiten]

Das IAK befasste sich ab 1956 intensiv mit der Entschädigungsfrage von ehemaligen KZ-Häftlingen durch bundesdeutsche Behörden und Unternehmen. Diese Agenda stand von Beginn an der Tagesordnung des Komitees, aber nur ein ganz kleiner Teil der Auschwitz-Überlebenden konnte Entschädigungszahlungen erhalten. Eins der Probleme, warum keine Entschädigungen gezahlt werden konnten, war das von 1953 erlassene Bundesergänzungsgesetz (BErG), dann das Bundesentschädigungsgesetz (BEG) von 1956, dass auf in Westdeutschland lebende Verfolgte ausgerichtet war, „die aus politischen, weltanschaulichen oder rassischen Gründen“ verfolgt worden waren. Die ausländischen Verfolgten mussten sich an ihre Staaten wenden, um Entschädigungen aus den Reparationszahlungen an den jeweiligen Ländern zu bekommen. Diese wurden durch das Londoner Schuldenabkommen bis zum Abschluss von Friedensverträgen vertagt worden und so dauerten die Reparationen und somit auch die Entschädigungen Jahrzehnte lang.[14] Katharina Stengel sagt zu der Arbeit des IAK im Bereich der Entschädigung der NS-Verfolgten, folgendes:

Das IAK stand in seinen Bemühungen, Entschädigung für Auschwitz-Häftlinge zu erreichen, Industrieunternehmen, bundesdeutschen Behörden und Ministerien gegenüber, aber auch – in nicht minder konflikthaftem Verhältnis – Vertretern anderer Opfergruppen. Die Erfolge, die das Komitee in den Verhandlungen erzielen konnte, waren nur möglich geworden durch einen enormen Aufwand an Zeit und finanziellen Mitteln für die vielen Verhandlungen, Delegationsreisen, Tagungen, juristische Beratungen und Hilfen für die Antragsteller. Über solche Ressourcen verfügten die wenigsten Organisationen ehemaliger KZ-Häftlinge.[15]

Die juristische Verfolgung der NS-Verbrecher[Bearbeiten]

Die womöglich bedeutendsten Erfolge des IAK in der Nachkriegszeit, sind im Bereich der juristischen Verfolgung festzuhalten. Katharina Stengel beschreibt die Arbeit des Komitees im Nachkriegs-Deutschland als äußerst bedeutend und notwendig. Das war ein wichtiger Schritt in der umfangreichen Arbeit gegen die nationalsozialistischen Verbrecher, die danach langsam entstanden ist:

„In der Bundesrepublik war bis Anfang der 60er kaum einer der SS-Angehörigen aus Auschwitz angeklagt oder verurteilt worden, Ermittlungen waren nur zufällig oder auf Initiative der Opfer. 1955 schloss sich das IAK der Strafanzeige des Zentralrats der Juden in Deutschland gegen den berüchtigten Auschwitzer SS-Arzt Carl Clauberg an und begann damit seine umfangreiche »Aktion gegen die SS«.“[16]

Die Arbeit der Mitglieder und Begründer des IAK erstreckte sich weit und war schwer und gefährlich. Sie sammelten Informationen über die Lager und die Verbrechen, um die Verantwortlichen zu ermitteln. Sie erstatteten Strafanzeige auf eigener Initiative und versuchten persönliche Informationen über die NS-Täter zu erfahren. Sie sammelten Beweismaterial, versuchten Zeugen ausfindig zu machen und übergaben diese Informationen den zuständigen Behörden.

Eine sehr bedeutende Rolle hatte das IAK während des Kalten Krieges. Es hatte eine Brückenfunktion, indem Kontakte zwischen westdeutsche und polnische Ermittlungsbehörden – und überhaupt zwischen West und Ost – hergestellt werden konnten. Es war aber nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Beweissammlung jenseits des Eisernen Vorhangs. Noch dazu kam, dass die Mitglieder Zeugen und NS-Verbrecher in der ganzen Welt ausfindig machen konnten.[17][18]

Die Bedeutung für das Zustandekommen des 1. Frankfurter Auschwitzprozess[Bearbeiten]

Der 1. Frankfurter Auschwitzprozess hat es, zum großen Teil, den Ermittlungen der IAK zu verdanken, dass er stattfinden konnte. Es wäre aber auch nicht möglich gewesen, ohne das persönliche Engagement von Hermann Langbein, der dessen Generalsekretär war. Er wurde aber 1961 aus politischen Gründen abgewählt und im Jahr 1963 war er Mitbegründer des Comitè International des Camps in Warschau, dessen Sekretär er in der Folgezeit war. Durch seine ausgezeichneten Kontakte war Langbein in der Lage Zeugen für die Frankfurter Staatsanwaltschaft in Polen zu finden und hatte auch Verbindungen zu polnischen Juristen, obwohl in der Zeit des Kalten Krieges keine diplomatischen Beziehungen bestanden. Er trieb die Ermittlungen durch das IAK voran und ermöglichte es Zeugen, die sich in verschiedenen Ländern nach dem Ende der NS-Zeit verstreut hatten, ausfindig zu machen und sie zu Aussagen für einen Prozess zu überreden.[19] An dieser Stelle wird ersichtlich, dass Langbeins Rolle, eine Leitende in den Ermittlungen für den Prozess war, da er über die Aktivitäten des IAK hinaus agierte.[20]

Die Bedeutung des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses liegt zunächst einmal darin, dass er überhaupt zustande kam, da es enorme Schwierigkeiten und Hindernisse zu bewältigen gab, die für das Zustandekommen des Prozesses im Weg standen. Eine zentrale Rolle hat der ehemalige hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer gespielt, da er als Initiator des Prozesses gilt. Was aber oft nicht in der Literatur erwähnt wird, wenn es um das Zustandekommen geht, ist wie genau der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer an die wichtigen Informationen gekommen ist. Es ist durchaus bewusst, dass die Rolle und das Engagement von Bauer enorm waren, aber ohne die Informationen, ohne bestimmte Dokumente oder das Ausfindigmachen von Zeugen, die für den Prozess aussagten, wäre es unmöglich gewesen.[21] Hier rückt daher die Bedeutung von Hermann Langbein für das Zustandekommen des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses, in den Vordergrund. Er hat beachtliches geleistet, aber nicht unmittelbar vor dem Prozess, sondern sein Engagement reicht bis zu den Ermittlungen für den Eichmann-Prozess zurück.

Damals hatte Langbein sich Adolf Eichmann zum persönlichen Ziel gemacht und erstattete 1959 in Österreich Strafanzeige gegen ihn. Schon 1959 hatte Fritz Bauer über Henry Ormond, der seit 1950 als Rechtsanwalt in Frankfurt wirkte, Kontakt zu Langbein aufgenommen, weil dieser angeboten hatte, eine Ortsbesichtigung in Auschwitz zu ermöglichen. Seit spätestens 1959 haben Hermann Langbein und Fritz Bauer Kontakt zueinander gehabt und haben Ermittlungen zu dem Konzentrationslager Auschwitz geführt. Nach Informationen aus dem Briefwechsel von Henry Ormond gab es zwischen dem 3. und 6. März 1961 ein denkwürdiges Treffen in einem Frankfurter Hotel. Hermann Langbein aus Wien, Thomas Harlan aus Warschau und Henry Ormond aus Frankfurt, die sich persönlich damit engagierten Informationen für einen Prozess im Fall Adolf Eichmann zu beschaffen, machten Fritz Bauer das derzeit umfangreichste Exemplar der Argentinien-Papiere zugänglich, das kurz zuvor noch bei Robert Eichmann – dem Bruder – gelegen hatte. Sie wurden am 6. Mai begutachtet und das Ergebnis war, dass sie echt waren und die Handschrift eindeutig von Eichmann war. Diese Dokumente haben Eichmann enorm belastet.[22]

Ein früherer Auschwitz-Häftling, der damals in Bruchsal in der Landesstrafanstalt einsaß, richtete im März 1958 Anzeige gegen den SS-Oberscharführer und ehemaligen Angehörigen der politischen Abteilung in Auschwitz, Wilhelm Boger, und wusste wo Boger wohnte. Er informierte auch das IAK in Wien.[23] Hermann Langbein wandte sich mehrfach an die Staatsanwaltschaft in Stuttgart und an die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Sachen Boger, und erklärte seine Bereitschaft noch weiteres Material zur Verfügung zu stellen, da er sich ebenfalls an die Taten des NS-Verbrechers erinnerte. Langbein befürchtete, dass Boger einen Fluchtversuch ergreifen würde, wenn sich die Ermittlungen weiter verzögern würden und nannte der Staatsanwaltschaft noch weitere Zeugen, die in diesem Fall aussagen konnten. Boger wurde daraufhin schließlich im Jahr 1958 verhaftet und der Auschwitz-Prozess wurde langsam in Bewegung gesetzt.[24]

Im Fortgang des Ermittlungsverfahrens gelang es, vor allem durch die Mithilfe des IAK beziehungsweise des persönlichen Engagements von Hermann Langbein zahlreiche Auschwitz-Täter ausfindig zu machen. Die Bekanntschaft, die Langbein noch 1959 mit Fritz Bauer gemacht hat, hat durchaus eine Rolle bei den Ermittlungen zu dem Auschwitz-Prozess gespielt. Langbein hat es zudem noch ermöglicht, Kontakt zur Volksrepublik Polen herzustellen, mit der die Bundesregierung damals keine diplomatischen Beziehungen unterhielt. Diese „deutsch-polnische Zusammenarbeit“ ermöglichte dem Gericht einen Ortstermin auf dem Gelände des Vernichtungslagers Auschwitz. Hermann Langbein setzte sich persönlich dafür ein genügend Zeugen für den Prozess zu finden und sie zu ermutigen nach Deutschland zu kommen.[25]

Die Arbeit des IAK heute[Bearbeiten]

Die Arbeit des Internationalen Auschwitz Komitees widmet sich vor allem der Erinnerungskultur in Deutschland, aber auch auf der ganzen Welt. Ihre Bemühungen, weiterhin die Öffentlichkeit über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu informieren, aufgrund der weiterbestehenden antisemitischen Einstellungen in der Gesellschaft, die eine Bedrohung für die Erinnerungskultur darstellen, werden dadurch bestätigt. Christoph Heubner äußert seine Bedenken und bestärkt die Notwendigkeit, sich weiterhin mit dieser Thematik zu beschäftigen und die Öffentlichkeit darüber aufzuklären:

„Und heute kriechen der Antisemitismus und antijüdische Stereotypen in Deutschland erneut aus den Ecken – teils in altbekannter Weise. Neu ist jedoch, dass der Antisemitismus in die Mitte der Gesellschaft wächst, dass er immer öfter salonfähig wird. Für die Überlebenden ist das zum Verzweifeln: Wenn dreißig Prozent der Befragten in einer kürzlich in Deutschland vorgelegten Studie meinen, dass „die Juden die Erinnerung an den Holocaust heute für ihren eigenen Vorteil ausnutzen“, ist das ein Angriff auf die Würde und ein Schlag ins Gesicht jedes Menschen, der Auschwitz und andere deutsche Konzentrationslager überlebt hat.“[26]

Und Antisemitismus ist nicht nur in Deutschland präsent, sondern in vielen anderen Ländern. Das IAK und die Länderkomitees führen deshalb ihre Arbeit, nicht begrenzt auf einzelne Länder aus, sondern auf der ganzen Welt. Im Fokus der Arbeit des Komitees, damit Auschwitz und die Gräueltaten nie vergessen werden, stehen die Jugendlichen. Sie sollen wissen, was passiert ist und dafür verantwortlich sein, dass nie wieder eine solche Tat passiert. Christoph Heubner sagt dazu:

Die Überlebenden haben nicht geschwiegen. Sie haben ihre Erinnerungen bei unzähligen Gesprächen mit jungen Menschen weitergegeben. Ich kenne viele junge Menschen für die diese Begegnungen mit Überlebenden zu einem ganz prägenden Teil ihres Erwachsenwerdens gehören, die sie nicht vergessen werden: Sie sind die Zeugen der Zeitzeugen geworden.“[27]

Die vierzehnte Generalversammlung hat vom 5. bis zum 8. September in Oświęcim stattgefunden und führte elf Nationen zusammen. Sie trägt weiter dazu bei, zu gedenken und zu informieren, junge und alte Menschen aus der ganzen Welt zusammenzubringen und nie zu vergessen was geschehen ist.

Seit 2010 wird die Skulptur „to B remembered“ vom IAK an Persönlichkeiten vergeben, „die nach dem Gedanken der Überlebenden von Auschwitz ‚Nie wieder!‘ handeln.“ 2013 wurde in Berlin auch ein öffentliches Denkmal mit der Statue „to B remembered“ geschaffen.[28]

Das IAK forscht weiter über die Thematik von Auschwitz und der Erinnerungskultur und hat zahlreiche Publikationen dazu. Des Weiteren existiert deren Zeitung „Remember to Think“, die sich auch dieser Thematik widmet. Mehr aktuelle Information dazu und zu anderen Aktivitäten des IAK gibt es auf deren Homepage.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

 

  •  Eichmüller, Andreas: „Die Mörder sind unter uns“ – Die zweite Hälfte der 50er Jahre. In: Keine Generalamnestie. Die Staatsverfolgung von NS-Verbrechen in der frühen Bundesrepublik. Oldenbourg Verlag, München 2012, ISBN 978-3-486-70412-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). S. 135–142.
  • Heinisch, Ingrid: Das Zentrum des Weltgewissens. (Zur Geschichte des IAK) (aus Neues Deutschland vom 13. Oktober 2005)
  •  Irmer, Thomas: „Ihr langes Schweigen ist sicherlich Resignation…“ Norbert Wollheim, Edmund Bartl, Hermann Langbein und die Auseinandersetzung um Entschädigung für NS-Zwangsarbeit nach 1945. In: Opfer als Akteure. Interventionen ehemaliger NS-Verfolgten. Fritz Bauer Institut (Hrsg.). Campus Verlag, Frankfurt/Main 2008, ISBN 978-3593387345, S. 87–106.
  •  Neumann, Philipp: Rezension zu: Stengel, Katharina: Hermann Langbein. Ein Auschwitz-Überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit. Frankfurt am Main 2012. 29.04.2013. In: H-Soz-u-Kult, abgerufen am 1. Juni 2013
  •  Pendas O., Devin: Der Auschwitz-Prozess. Völkermord vor Gericht. 2013, S. 40.,PDF, abgerufen am 1. Juni 2013
  •  Stangneth, Bettina: »Nein, das habe ich nicht gesagt« Eine kurze Geschichte der Argentinien-Papiere. In: Geschichte und Wirkung des Holocausts. Adolf Eichmann vor Gericht. Der Prozess in Argentinien. Fritz Bauer Institut. Einsicht 05. Bulletin des Fritz Bauer Instituts. S. 18–26., Fritz Bauer Institut (PDF), abgerufen am 4. Juni 2013
  •  Stengel, Katharina: Auschwitz zwischen Ost und West. Das Internationale Auschwitz-Komitee und die Entstehungsgeschichte des Sammelbandes Auschwitz. Zeugen und Berichte. In: Fritz Bauer Institut (Hrsg.) Opfer als Akteure. Interventionen ehemaliger NS-Verfolgten.. Campus Verlag, Frankfurt/Main 2008, ISBN 978-3593387345, S. 174–197.
  •  Stengel, Katharina: Die ehemaligen NS-Verfolgten – Zeugen, Kläger, Berichterstatter. In: NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit – Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR. Jörg Osterloh, Clemens Vollnhals (Hrsg.). Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung; #045. 1. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, ISBN 978-3-525-36921-0 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). S. 307–323
  •  Stengel, Katharina: Die ersten Jahre des Internationalen Auschwitz-Komitees. In: Hermann Langbein: ein Auschwitz-Überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit. Wissenschaftliche Reihe des Fritz-Bauer-Instituts.. Campus Verlag, Frankfurt [u. a.] 2012, ISBN 978-3-593-39788-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).S. 143–280
  •  Wojak, Irmtrud: »Die Mauer des Schweigens durchbrochen«. In: »Gerichtstag halten über uns selbst…« Geschichte und Wirkung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Fritz Bauer Institut (Hrsg.). Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2001, S. 21–31.
  •  Wojak, Irmtrud: Fritz Bauer und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen nach 1945. Blickpunkt Hessen. S. 1–20. Hessische Landeszentrale für politische Bildung (PDF), abgerufen am 4. Juni 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Internationales Auschwitz Komitee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Stengel, Katharina: Auschwitz zwischen Ost und West. Das Internationale Auschwitz-Komitee und die Entstehungsgeschichte des Sammelbandes Auschwitz. 2008, S. 177–179.
  2. Internationales Auschwitz-Komitee. Das Komitee, abgerufen am 4. Juni 2013
  3. Internationales Auschwitz-Komitee. Das Komiteeabgerufen am 4. Juni 2013
  4.  Stengel, Katharina: Hermann Langbein. Ein Auschwitz überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit. 2012, S. 127.
  5.  Stengel, Katharina: Hermann Langbein. Ein Auschwitz überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit. 2012, S. 143.
  6.  Stengel, Katharina: Hermann Langbein. Ein Auschwitz überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit. 2012, S. 460–463.
  7.  Irmer, Thomas: „Ihr langes Schweigen ist sicherlich Resignation…“ Norbert Wollheim, Edmund Bartl, Hermann Langbein und die Auseinandersetzung um Entschädigung für NS-Zwangsarbeit nach 1945. Fritz Bauer Institut (Hrsg.). 2008, S. 100–104.
  8.  Stengel, Katharina: Auschwitz zwischen Ost und West. Das Internationale Auschwitz-Komitee und die Entstehungsgeschichte des Sammelbandes Auschwitz. 2008, S. 178.
  9.  Pendas O., Devin: Der Auschwitz-Prozess. Völkermord vor Gericht. 2013, S. 40.
  10. Baron Maurice Goldstein, damaliger Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees am 27. Januar 1995 in Birkenau anlässlich der Zeremonie zum 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.Internationales Auschwitz-Komitee. Geschichte des IAK, abgerufen am 4. Juni 2013
  11.  Stengel, Katharina: Hermann Langbein. Ein Auschwitz überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit. 2012, S. 9.
  12.  Stengel, Katharina: Auschwitz zwischen Ost und West. Das Internationale Auschwitz-Komitee und die Entstehungsgeschichte des Sammelbandes Auschwitz. 2008, S. 8.
  13. Internationales Auschwitz-Komitee. Das Vermächtnis der Überlebenden. Berlin, 25. Januar 2009abgerufen am 4. Juni 2013
  14.  Stengel, Katharina: Hermann Langbein. Ein Auschwitz überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit. 2012, S. 223.
  15.  Stengel, Katharina: Hermann Langbein. Ein Auschwitz überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit. 2012, S. 276.
  16.  Stengel, Katharina: Die ehemaligen NS-Verfolgten – Zeugen, Kläger, Berichterstatter.. 2011, S. 181.
  17.  Stengel, Katharina: Auschwitz zwischen Ost und West. Das Internationale Auschwitz-Komitee und die Entstehungsgeschichte des Sammelbandes Auschwitz. 2008, S. 181–183.
  18.  Stengel, Katharina: Die ehemaligen NS-Verfolgten – Zeugen, Kläger, Berichterstatter.. 2011, S. 318.
  19.  vgl. Stangneth, Bettina: »Nein, das habe ich nicht gesagt« Eine kurze Geschichte der Argentinien-Papiere. Fritz Bauer Institut. S. 22.
  20.  vgl. Irmer, Thomas: „Ihr langes Schweigen ist sicherlich Resignation…“ Norbert Wollheim, Edmund Bartl, Hermann Langbein und die Auseinandersetzung um Entschädigung für NS-Zwangsarbeit nach 1945. Fritz Bauer Institut (Hrsg.). 2008, S. 101.
  21.  vgl. Wojak, Irmtrud: Fritz Bauer und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen nach 1945. Blickpunkt Hessen. 2011, S. 6.
  22.  Stangneth, Bettina: »Nein, das habe ich nicht gesagt« Eine kurze Geschichte der Argentinien-Papiere. Fritz Bauer Institut. S. 22–25.
  23.  Wojak, Irmtrud: »Die Mauer des Schweigens durchbrochen«. Fritz Bauer Institut (Hrsg.). Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2001, S. 7.
  24.  vgl. Wojak, Irmtrud: »Die Mauer des Schweigens durchbrochen«. Fritz Bauer Institut (Hrsg.). Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2001, S. 22.
  25.  vgl. Wojak, Irmtrud: Fritz Bauer und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen nach 1945. Blickpunkt Hessen. 2011, S. 7.
  26. Internationales Auschwitz-Komitee. Aktuellesabgerufen am 4. Juni 2013
  27. Internationales Auschwitz-Komitee. Aktuellesabgerufen am 4. Juni 2013
  28. Internationales Auschwitz-Komitee. B-die Skulpturabgerufen am 4. Juni 2013