Internationales Congress Centrum Berlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Internationale Congress Centrum

Das Internationale Congress Centrum Berlin (ICC Berlin) im Ortsteil Westend des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ist eines der größten Kongresshäuser der Welt. Das 320 Meter lange, 80 Meter breite und 40 Meter hohe Gebäude wurde nach Plänen der Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte erbaut und nach nur vier Jahren Bauzeit am 2. April 1979 eröffnet.

Es zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der deutschen Nachkriegszeit und kostete über 924 Millionen Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 1.030.739.000 Euro) und war der teuerste Bau in West-Berlin[1]. Teile des Gebäudes enthalten seit der Entstehung Asbest; auch sonst gilt das Bauwerk inzwischen als „technisch verschlissen“.[2] Eigentümer ist das Land Berlin, Betreiberin die Messe Berlin GmbH.[3]

Seit Jahren wird in Berlin über die Zukunft des Gebäudes diskutiert. Die Messe Berlin hat an einem Weiterbetrieb kein Interesse, da die Betriebskosten die Einnahmen aus Veranstaltungen übersteigen. Auch ein Abriss wurde ins Gespräch gebracht, dieser wird von großen Teilen der Berliner Politik jedoch abgelehnt. Am 9. März 2014 fand die letzte öffentliche Veranstaltung im Gebäude statt, am 9. April 2014 die letzte nicht-öffentliche, seitdem ist es geschlossen. Bisher ist ungeklärt, ob und wann das ICC saniert wird und wer die Kosten dafür trägt. Tragfähige Konzepte für eine weitere Nutzung nach einer Sanierung gibt es bisher nicht.

Gebäude[Bearbeiten]

Das ICC von der Zufahrt zur AVUS gesehen
Das ICC aus der Vogelperspektive
Das Parkhaus des ICC (von Südost gesehen) mit dem Dachgarten
Innenarchitektur des ICC
Berliner Sonderbriefmarke anlässlich des Neubaus im Jahr 1979

Durch seine 80 Säle und Räume von 20 bis 5000 Plätzen (Saal 1) und seine umfangreichen Serviceangebote eignet sich das ICC Berlin für Kongresse und Veranstaltungen aller Art. Ein zum ICC Berlin gehöriges, dreigeschossiges Brückenbauwerk verbindet das Gebäude mit der Ebene 2 der Hallen 14 und 15 auf dem benachbarten Messegelände (160.000 m²). Diese Verbindung mit dem Messegelände erlaubt auch eine Misch- bzw. Quernutzung, die eine für Kongresszentren dieser Größenordnung wirtschaftliche Auslastung ermöglicht.

Ursprünglich war im Zuge der Verlängerung der U-Bahnlinie 1 zum Theodor-Heuss-Platz geplant, das ICC Berlin an das U-Bahn-Netz anzubinden. Dafür wurden unter der Fußgängerunterführung der Straßenkreuzung Messedamm/Masurenallee umfangreiche bauliche Vorleistungen erbracht.[4] Allerdings verwarf man dieses Konzept, es werden aber weiterhin Flächen für eine mögliche Wiederaufnahme dieser Verkehrsplanung freigehalten.

Aufgrund der hohen Betriebskosten trotz überdurchschnittlicher Buchungssituation und anstehender hoher Renovierungskosten (vor allem durch den wie im Palast der Republik[1] zu Brandschutzzwecken in gleicher Form und Umfang verbauten Spritzasbest) wurde von Seiten der Messegesellschaft und des Berliner Senats über den Neubau eines Kongresszentrums auf dem Gelände der Deutschlandhalle nachgedacht. Auch sind die Veranstaltungsräume des ICC extrem ungünstig geschnitten, sodass nur etwa zehn Prozent der Fläche für Veranstaltungen verwendet werden können. Die übrige Fläche wird als Foyers (die zum Teil je nach Veranstaltung auch vermietet werden), als Flure und Wirtschaftsräume (für Haus- und Veranstaltungstechnik sowie für Personal) genutzt.

Am 27. Mai 2008 fällte der Berliner Senat seine Entscheidung zugunsten des ICC. Die Deutschlandhalle wurde inzwischen für 4,8 Millionen Euro abgerissen und wird durch den Neubau des Messe- und Kongresszentrums CityCube Berlin ersetzt werden. Der damalige Wirtschaftssenator Harald Wolf ging davon aus, dass nach dem Ende der verhältnismäßig teuren Sanierung des ICC (182 Millionen Euro laut der Berliner Zeitung und bis zu 368 Millionen Euro nach Aussage der Zeitung Die Welt)[5] voraussichtlich im Jahr 2016 die Betriebskosten zwischen 6,6 und 9,7 Millionen Euro liegen werden. Die Abschätzung einer wirtschaftlichen Betriebsfähigkeit des ICC wird erst zu diesem Zeitpunkt möglich sein. Der Neubau eines Kongresszentrums hätte laut Planungen etwa 150 Millionen Euro gekostet – diese Zahl war aber stets umstritten.

Die notwendige Sanierung erweist sich unter anderem deswegen als so aufwendig, weil die gesamte technische Ausrüstung, unter anderem die vorhandenen großen Turbinen für den enormen Luftaustausch, beim Bau im Keller unter einer Betondecke untergebracht wurden. Für den notwendigen Austausch der Technik muss die Bodenplatte aufgerissen werden.[6]

Unterhalb der Brücke zum Messegelände befinden sich die Garagen für die Betriebsfeuerwehr der Messe Berlin und der Eingang zur VIP-Lounge im Untergeschoss, die durch den sogenannten „VIP-Aufzug“ direkt mit dem Zugang zur Bühne in der vierten Etage verbunden ist.

Die gesamte Veranstaltungstechnik wird über einen Lastenaufzug im Funkturminnenhof des Messegeländes auf die sogenannte „Fahrstraße-Bühne“ über die Brücke zum Bühnenbereich transportiert.

Technische Ausstattung[Bearbeiten]

Seit Ende 2009 steht der technische Standard High Definition Television (HDTV) in den Veranstaltungsräumen des ICC Berlin zur Verfügung. Bei Projektoren, LED-Screens und Event-Notebooks wird das 16:9-Format mit einer Full HD-Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln angeboten. Diese Ausrüstung sichert eine höhere Qualität in der Lesbarkeit von Text und der Darstellung von Bildern. Durch die Einspeisung des HDTV-Signals in das Kabelnetz kann die Signalverteilung preiswert über handelsübliche DVB-C-Receiver und HDTV-Bildschirme dargestellt werden. Des Weiteren ermöglicht eine DVB-C-fähige Set-Top-Box in Verbindung mit einem HDMI-fähigen Videoprojektor Großbilddarstellungen wie beispielsweise Public Viewing.

Das ICC Berlin besitzt ein eigenes Notstromaggregat, das im Bedarfsfall genug Strom liefert, um das Gebäude bei Vollauslastung unabhängig vom Berliner Netz zu versorgen. Ferner ist es mit einer eigenen Polizeiwache, einschließlich Arrestzellen, ausgestattet, die aber nur bei Großveranstaltungen besetzt ist. Beide Einrichtungen befinden sich im Untergeschoss des Parkhauses, das sich am Südeingang des Gebäudes anschließt und auf dessen Dach sich der begrünte Dachgarten befindet, der als Veranstaltungsfläche genutzt wird.

Akzeptanz[Bearbeiten]

Das ICC Berlin ist 2009 zum wiederholten Mal mit dem World Travel Award ausgezeichnet worden.[7] Der Award gilt als „Oscar der Reiseindustrie“ und wird jedes Jahr von dem in London ansässigen Medienhaus World Travel Awards Ltd. verliehen. An der Abstimmung beteiligten sich rund 167.000 Fachleute der Tourismuswirtschaft aus allen Kontinenten, die in Agenturen, Hotels, bei Airlines, Tourismuszentralen und anderen touristischen Institutionen tätig sind. Die Begründung für die wiederholte Ehrung führt die besondere Architektur und räumliche Vielfalt des Hauses an.

Zugleich ist es das Gebäude mit den wohl meisten Spitznamen im Berliner Volksmund. Von „Arche Noah“ über … „Panzerkreuzer Charlottenburg“ oder „Raumschiff“ reicht das Spektrum.[8]

Kunst vor dem Bau[Bearbeiten]

Vor dem ICC an der Neuen Kantstraße stand die Monumentalskulptur Ecbatane – der Mensch baut seine Stadt (1980) des französischen Künstlers Jean Ipoustéguy. Die Skulptur ist der Umbau seiner 1979 aufgestellten Vorläuferskulptur Alexander der Große betritt die eroberte Stadt Ecbatane, die er vor Ort vergrößerte und an ihren Berliner Standort anpasste. Es handelt sich um eine typische Kunstförderung im Rahmen der „Kunst am Bau-Verordnung“. Da der Betonsockel brüchig geworden war, wurde die Skulptur im Sommer 2005 gesichert und in eine Halle des Messegeländes verbracht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ausstellungs-Messe-Kongreß-GmbH (1979): Internationales Congress Centrum Berlin / International Congress Center Berlin / Centre International des Congres de Berlin.

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Film The International spielt eine Szene in der Haupthalle, was deutlich am markanten Teppichboden zu erkennen ist. Die tieferliegenden Zufahrten zum Parkhaus und den Taxi- und Bushaltestellen sowie die auffällig orangefarben gefliesten Personenunterführungen an der Kreuzung Messedamm/Masurenallee sind in zahlreichen Filmen zu sehen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ICC Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Andreas Wassermann: Systemkampf in Stein. In: spiegel.de vom 25. September 2012.
  2. CDU will das ICC nicht aufgeben. In: Der Tagesspiegel, 2. August 2013
  3. berlin.de: Messe Berlin GmbH, abgerufen am 1. Juni 2014
  4. berlin.bahninfo.de
  5. Bericht über den Senatsbeschluss
  6. Interview mit ehemaligem Geschäftsführer der Messe Berlin. In: Der Tagesspiegel, 10. Juni 2013
  7. World Winners 2009, abgerufen am 9. März 2014
  8. ICC „Panzerkreuzer Charlottenburg “ auf berlin.cityseekr.com

52.50444444444413.280555555556Koordinaten: 52° 30′ 16″ N, 13° 16′ 50″ O