Internationales Filmfestival Karlovy Vary

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41. Internationales Filmfestival in Karlsbad, 2006

Das Internationale Filmfestival Karlovy Vary (tschechisch Mezinárodní filmový festival Karlovy Vary, englische Kurzform KVIFF) findet jährlich Anfang Juli in dem böhmischen Kurort Karlsbad statt. Das KVIFF zählt zu den 13 Festivals der A-Kategorie, gehört in dieser Gruppe der weltweit führenden Festivals allerdings zu den kleineren Veranstaltungen: Gemessen an der Zahl der verkauften Tickets (etwa 130.000) liegt es zwischen dem etwas größeren Festival von Locarno (147.000) und dem kleineren Warschauer Festival (108.000).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Filmfestival in Karlsbad ist eine der ältesten Filmschauen der Welt. Seine Premiere feierte es 1946, wobei es im ersten Jahr mit Marienbad einen zweiten Austragungsort gab. In den drei folgenden Jahren fand das Festival ausschließlich in Marienbad statt, ab 1950 dann nur noch in Karlsbad. Die ersten Preise wurden 1948 verliehen. Damit blicken nur die Filmfestspiele von Venedig und das Moskauer Filmfestival, die bereits in den 1930er Jahren begründet wurden, auf eine längere Tradition zurück. Die Filmfestspiele von Cannes und das Festival von Locarno wurden ebenfalls erstmals 1946 veranstaltet, allerdings in beiden Fällen einige Wochen nach dem ersten Karlsbader Festival.

Von 1958 bis 1992 fand das Filmfestival Karlovy Vary lediglich alle zwei Jahre – im Wechsel mit dem Moskauer Filmfestival – statt. Zu größeren Veränderungen kam es schließlich bei der 29. Auflage des Festivals im Jahre 1994 – seither wurde auf einen jährlichen Austragungsrythmus umgestellt. Zuvor hatten das tschechische Kultusministerium, die Stadt Karlsbad und das ortsansässige Grandhotel Pupp eine Stiftung für das Festival gegründet, die den bekannten tschechischen Schauspieler Jiří Bartoška als Präsidenten des Festivals engagierte. Eine weitere personelle Stärkung erfuhr das Festival 1995 durch die Berufung der Publizistin Eva Zaoralová zur Programmdirektorin. Seither hat das Festival in Fachkreisen immer wieder Aufmerksamkeit auf sich gezogen, vor allem die Kompetenz für das osteuropäische Kino gilt als hoch. Den Festivalmachern gelang es seither zudem regelmäßig, internationale Stars nach Karlsbad zu locken. Zu den Gästen des Festivals zählten beispielsweise Sharon Stone, Robert Redford, Robert De Niro oder Leonardo DiCaprio. Bei der 48. Austragung des Festivals war 2013 der iranische Dissidenten-Regisseur Jafar Panahi per Skype zugeschaltet. Wie schon die Filmfestspiele in Cannes 2011 und die Berlinale 2013, bei denen heimlich gedrehte Filme Panahis zu sehen waren, bot das Karlsbader Festival dem unter Hausarrest stehenden Filmemacher so eine Bühne.[1]

Zum 1. Januar 2011 gab die zu diesem Zeitpunkt 78-jährige Zaoralová ihren Posten als Programmdirektorin ab. Als Nachfolger wurde Karel Och bestimmt, der seit 2001 den Dokumentarfilmwettbewerb und einige Retrospektiven des Festivals (Sam Peckinpah, Michael Powell, Emeric Pressburger) programmiert hatte.

Hauptpreis des Festivals ist der Kristallglobus (Kristalovy Globus). Der East of the West Award, mit dem seit 2005 ausschließlich Produktionen aus Osteuropa prämiert werden, ist in den vergangenen Jahren zum zweiten wichtigen Preis des Festivals avanciert.

Preisträger[Bearbeiten]

East of the West Award: Kirill SerebrennikowRagin
East of the West Award: Milena AndonowaAffen im Winter (Maimuni prez zimata)
Spezialpreis der Jury: Michael James RowlandLucky Miles
Beste Regie: Bård BreienDie Kunst des negativen Denkens
Bester Hauptdarstellerin: Elvira MínguezPudor
Bester Hauptdarsteller: Sergei PuskepalisSimple Things
East of the West Award: Ognjen SviličićArmin
Spezialpreis der Jury: Nan T. AchnasThe Photograph
Beste Regie: Captive
Bester Hauptdarstellerin: Martha IssováNight Owls
Bester Hauptdarsteller: Jiří MádlNight Owls
East of the West Award: Sergei DworzewoiTulpan (Tjulpan)
Spezialpreis der Jury: Abdolreza KahaniTwenty (Bist)
Beste Regie: Andreas DresenWhisky mit Wodka
Bester Hauptdarstellerin: Paprika Steen (Applause)
Bester Hauptdarsteller: Olivier Gourmet (Angel at Sea) und Paul Giamatti (Cold Souls)
East of the West Award: Andrei ChrschanowskiRoom and a Half (Poltory komnaty, ili Sentimentalnoje puteschestwije na rodinu)
  • 2010 – Kristallglobus: Agustí VilaThe Mosquito Net (La mosquitera)
Spezialpreis der Jury: Jan SvěrákKooky (Kuky se vrací)
Beste Regie: Rajko GrlićJust between us (Neka ostane medju nama)
Beste Hauptdarstellerin: Anaïs DemoustierSweet Evil (L'enfance du mal)
Bester Hauptdarsteller: Mateusz Kościukiewicz und Filip GarbaczTeresa of Cats (Matka Teresa od kotów)
East of the West Award: Cristi PuiuAurora
Spezialpreis der Jury: Martin ŠulíkGypsy (Cigán)
Beste Regie: Pascal RabatéHolidays by the Sea
Beste Darstellerin: Stine Fischer ChristensenCracks in the Shell (Die Unsichtbare)
Bester Darsteller: David MorseCollaborator
East of the West Award: Vladimir BlaževskiPunk’s Not Dead (Pankot ne e mrtov)
  • 2012 – Kristallglobus: Martin LundThe Almost Man (Mer eller mindre mann) [3]
Spezialpreis der Jury: Marco Tullio GiordanaPiazza Fontana: The Italian Conspiracy (Romanzo di una strage)
Beste Regie: Rafaël OuelletCamion
Beste Darstellerin: Leila HatamiThe Last Step (Peleh akhar)
Bester Darsteller: Henrik RafaelsenThe Almost Man (Mer eller mindre mann) und Eryk Lubos – To Kill a Beaver (Zabić bobra)
East of the West Award: Jewa NejmanHouse with a Turret (Dom s baschenkoi)
  • 2013 – Kristallglobus: János SzászDas große Heft (A nagy füzet) [4]
Spezialpreis der Jury: Ben WheatleyA Field in England
Beste Regie: Jan HřebejkHoneymoon (Líbánky)
Beste Darstellerin: Amy Morton, Louisa Krause, Emily Meade und Margo MartindaleBluebird
Bester Darsteller: Ólafur Darri ÓlafssonXL
East of the West Award: Tomasz WasilewskiFloating Skyscrapers (Płynące wieżowce)
Spezialpreis der Jury: Ferenc Pusztai und György PálfiFree Fall (Szabadesés)
Beste Regie: György PálfiFree Fall (Szabadesés)
Beste Darstellerin: Elle FanningLow Down
Bester Darsteller: Nahuel Pérez BiscayarAll Yours (Je suis à toi)
East of the West Award: Ivan I. TverdovskyCorrections Class (Klass korrektsii)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Internationales Filmfestival Karlovy Vary – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Katzenberger: „Jafar Panahi: "Mein Herz ist bei Euch"“, Bei: Süddeutsche.de, 8. Juli 2013
  2. Liste der Preisträger bei kviff.com (englisch; abgerufen am 11. Juli 2011).
  3. Liste der Preisträger bei kviff.com, 7. Juli 2012 (englisch; abgerufen am 10. Juli 2012).
  4. Liste der Preisträger bei kviff.com
  5. Liste der Preisträger bei kviff.com