Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg

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Festivalzentrum im Mannheimer Stadthaus
Spielort Heidelberg

Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg findet jährlich in den beiden Städten Mannheim und Heidelberg statt.

Das Filmfestival wurde vor über 60 Jahren gegründet und wird derzeit im Oktober oder November veranstaltet. Erwartet werden meist um die 60.000 Besucher, darunter etwa 500 Fachbesucher. Das Festival ist kein Filmfest des Blockbusterkinos, sondern ein Treffen des Autorenkinos, aber auch des anspruchsvollen ausländischen Films. Der Fokus des Festivals liegt auf der Entdeckung und Förderung junger Talente. Es zeigt hauptsächlich Erst- oder Zweitwerke junger Regisseure. Die beiden Hauptreihen sind der Internationale Wettbewerb und die Internationalen Entdeckungen. Neben der Berlinale und den Hofer Filmtagen zählt Mannheim-Heidelberg zu Deutschlands wichtigsten Filmfestivals und rangiert weltweit unter den Top 40.

Seit 2010 gibt es neben den offiziellen Programmreihen den Mannheim Meeting Place, der den bisherigen Koproduktionsmarkt Mannheim Meetings in neuer Form weiterführt, mit dem Ziel, junge Filmschaffende bei der Distribution aber auch bei Koproduktionen neuer Projekte zu unterstützen.[1]

Wettbewerb[Bearbeiten]

Folgende Preise werden verliehen:

  • Newcomer of the Year Mannheim-Heidelberg für den besten Spielfilm ab einer Minimallänge von 70 Minuten
  • Mannheim-Heidelberg Award für den besten Film mit der ungewöhnlichsten Erzählweise mit einer Minimallänge von 60 Minuten.
  • Spezialpreis der Jury für den besten Film ab einer Minimallänge von 55 Minuten. Oder für eine herausragende Leistung zum Beispiel als Schauspieler, Drehbuchautor oder Regisseur
  • Lobende Erwähnungen der Internationalen Jury für einen bemerkenswerten Film mit herausragenden Leistungen in den Bereichen der Schauspielerei, Kamera, Musik, Montage usw.
  • Publikumspreis wird von Publikum frei abgestimmt
  • FIPRESCI-Preis wird von internationalen Filmkritikern verliehen
  • Preis der Ökumenischen Jury
  • Empfehlungen der Jury der Kinobetreiber für den Verleih
  • New Master of Cinema Award

Der von 1993 bis einschließlich 2012 verliehene Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder für den besten Film mit unkonventioneller Erzählstruktur ab einer Minimallänge von 60 Minuten wird nicht mehr vergeben, da die Vereinbarung mit der Rainer Werner Fassbinder Foundation Berlin, die einen eingetragenen Rechtsschutz auf die Nutzung des Namens Fassbinder hat, 2013 auslief und nicht verlängert wurde. Heute gibt es stattdessen den Spezialpreis von Mannheim-Heidelberg.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Auf Anregung des Mannheimer Oberbürgermeisters Hermann Heimerich wurde Ende Mai 1952 erstmals die „Kultur- und Dokumentarfilmwoche“ unter Leitung von Kurt Joachim Fischer durchgeführt.[3] Die Veranstaltung konnte sich in der deutschen Filmwelt schnell einen Namen machen und wurde zum Vorbild für die „Internationalen Kurzfilmtage“ in Oberhausen und das „Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm“. Seit 1960 wird in Mannheim der Kritikerpreis der Weltorganisation der Filmkritiker, FIPRESCI, vergeben. Ab 1961 wurde das Festival als „Internationale Filmwoche Mannheim“ durchgeführt. Mitte der 1980er geriet die Filmwoche in eine existenzbedrohende Krise, als drastische Einsparungen gefordert wurden (die Zuschüsse wurden dann aber weitergewährt). 1991 wurde sie in „Internationales Film Festival Mannheim“ umfirmiert und der noch heute amtierende Festivalleiter Dr. Michael Kötz nahm seine Arbeit auf. Kurz darauf gab es erneut finanzielle Schwierigkeiten. Die Lösung: 1994 wurde die Stadt Heidelberg als Partner gewonnen. Seitdem findet die Filmwoche in beiden Städten statt. Darüber hinaus begann das Land Baden-Württemberg sich stärker zu engagieren.

Von vielen erst später berühmt gewordenen Regisseuren wurden hier schon Filme (oft auch Erstlingswerke) gezeigt, darunter von François Truffaut, Wim Wenders (1969), Rainer Werner Fassbinder (1969 Uraufführung des Films Katzelmacher), Mike Leigh (1972), Patricio Guzmán (1973), Krzysztof Kieślowski (1974), Jim Jarmusch (1980), Lars von Trier, Bryan Singer, Atom Egoyan (1984) und Thomas Vinterberg (1996). Als Gäste oder Jurymitglieder waren unter anderem Fritz Lang (1964), Theodor W. Adorno, Kurt Georg Kiesinger (1965), Bernardo Bertolucci (1966), Werner Herzog (1969), Marcel Reich-Ranicki (1964) und Edgar Reitz (2008) in Mannheim.

Festivalleitung[Bearbeiten]

Preisträger[Bearbeiten]

2006[Bearbeiten]

2007[Bearbeiten]

  • Großer Preis von Mannheim-Heidelberg:
    Blodsband (Mirush, Mirush und sein Vater), Marius Holst, Norwegen
  • Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder:
    Kremen (The Hard-Hearted, Mit kaltem Herzen), Alexey Mizgirev, Russland
  • Spezialpreis der Jury:
    Sztuczki (Tricks, Gezauberte Wirklichkeit), Andrzej Jakimowski, Polen
  • Publikumspreis:
    Desierto Sur (Das Glück meiner Mutter), Shawn Garry, Chile
  • FIPRESCI-Preis:
    Yin Lichuan, Kanada, für den Film Gong Yuan (The Park, Das Glück im Park)
    Daniél Espinosa, Dänemark, für den Film Uden for Kaerligheden (Outside Love, Die Muslimin und der Jude)
  • Preis der Ökumenischen Jury:
    Daniel Espinosa, Dänemark, für den Film Uden for Kaerligheden (Outside Love, Die Muslimin und der Jude)

2008[Bearbeiten]

Die Jury unter Vorsitz von Edgar Reitz kürte folgende Preisträger:

2009[Bearbeiten]

2010[Bearbeiten]

  • Großer Preis von Mannheim-Heidelberg:
    10 1/2, Daniel Grou, Kanada
  • Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder:
    Xun Huan Zuo Le (The High Life), Zhao Dayong, China
  • Spezialpreis der internationalen Jury:
    Siyah Beyaz (Black and White), Ahmet Boyacıoğlu, Türkei
  • Lobende Erwähnung der Internationalen Jury:
    Act of Dishonour, Nelofer Pazira, Kanada
    Alicia Vikander im Film Till Det Som Är Vackert (Pure), Lisa Langseth, Schweden
  • Publikumspreis:
    Eva y Lola (Eva and Lola), Sabrina Farji, Argentinien
    Hold Om Mig (Hold me tight), Kaspar Munk, Dänemark
  • FIPRESCI-Preis:
    Xun Huan Zuo Le (The High Life), Zhao Dayong, China
  • Preis der Ökumenischen Jury:
    Hold Om Mig (Hold me tight), Kaspar Munk, Dänemark
  • Empfehlungen der Jury der Kinobetreiber:
    Till Det Som Är Vackert (Pure), Lisa Langseth, Schweden
    Win/Win, Jaap van Heusden, Niederlande
    Planes Para Manana (Plans for tomorrow), Juana Macías, Spanien

2011[Bearbeiten]

2012[Bearbeiten]

  • Newcomer of the Year – Hauptpreis von Mannheim-Heidelberg:
    Soote Payan (Final Whistle), Niki Karimi, Iran
  • Spezialpreis in memoriam Rainer Werner Fassbinder:
    Lycka Till Och ta Hand om Varandra (Good Luck. And Take Care of Each Other), Jens Sjögren, Schweden
  • Spezialpreis der Internationalen Jury:
    Tiempos Menos Modernos (Not So Modern Times), Simón Franco, Argentinien
  • Lobende Erwähnung der Internationalen Jury:
    When Yesterday Comes, Hsiu-Chiung Chiang, Singing Chen, Wi-Ding Ho, Ko-Shang Shen, Taiwan
  • Publikumspreis:
    Now, Forager. A Film About Love and Fungi, Jason Cortlund, Julia Halperin, Vereinigte Staaten, Polen
  • FIPRESCI-Preis:
    Seenelkäik (Mushrooming), Toomas Hussar, Estland
  • Preis der Ökumenischen Jury:
    Le Sac de Farine (The Bag of Flour), Kadija Leclere, Belgien, Marokko
  • Lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury:
    W Sypialni (In a Bedroom), Tomasz Wasilewski, Polen
  • Empfehlungen der Kinobetreiber:
    La Niña (The Girl), David Riker, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Mexiko
    Now, Forager. A Film About Love and Fungi, Jason Cortlund, Julia Halperin, Vereinigte Staaten, Polen
    Silent City, Threes Anna, Niederlande, Luxemburg, Belgien

2013[Bearbeiten]

  • Newcomer of the Year – Hauptpreis von Mannheim-Heidelberg:
    Melaza (Molasses), Carlos Lechuga, Kuba, Frankreich, Panama
  • Spezialpreis von Mannheim-Heidelberg:
    Mandariinid (Tangerines), Zaza Urushadze, Estland, Georgien
  • Spezialpreis der Internationalen Jury:
    Ghaedeye Tasadof (Bending the Rules), Behnam Behzadi, Iran
    Før Snøen Faller (Before Snowfall), Hisham Zaman, Norwegen, Deutschland, Irak
  • Lobende Erwähnung der Internationalen Jury:
    De Nieuwe Wereld (The New World) , Jaap van Heusden, Niederlande
  • Publikumspreis:
    Mandariinid (Tangerines), Zaza Urushadze, Estland, Georgien
  • FIPRESCI-Preis:
    Drift, Benny Vandendriessche, Belgien
  • Preis der Ökumenischen Jury:
    Hemma (Home), Maxmilian Hult, Schweden, Island
  • Empfehlungen der Kinobetreiber:
    Razredni sovražnik (Class Enemy), Rok Biček, Slowenien
    Mandariinid (Tangerines), Zaza Urushadze, Estland, Georgien
    Cyanure (Cyanide), Séverine Cornamusaz, Schweiz, Kanada

2014[Bearbeiten]

  • Newcomer of the Year – Hauptpreis von Mannheim-Heidelberg:
    23 Segundos (23 Seconds), Dimitry Rudakov, Uruguay
  • Spezialpreis von Mannheim-Heidelberg:
    Nabat, Elchin Musaoglu, Aserbaidschan
  • Spezialpreis der Internationalen Jury:
    A Despedida (Farewell), Marcelo Galvao, Brasilien
  • Publikumspreis:
    Ghadi, Amin Dora, Libanon
  • FIPRESCI-Preis:
    Nabat, Elchin Musaoglu, Aserbaidschan
  • Preis der Ökumenischen Jury:
    Nabat, Elchin Musaoglu, Aserbaidschan
  • Empfehlungen der Kinobetreiber:
    Patrick's Day, Terry McMahon, Irland
    In the Corsswind, Martti Helde, Estland

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Joachim Fischer: Der deutsche Dokumentarfilm lebt! In: Mannheimer Hefte. Heft 1, 1952, ZDB-ID 500808-6, S. 18f.
  • Internationale Filmwoche Mannheim (Hrsg.): 25 Jahre Filmwoche Mannheim. Mannheim 1976.
  • Internationale Filmwoche Mannheim (Hrsg.): 30 Jahre Filmwoche Mannheim. Mannheim 1981.
  • Michael Kötz, Günter Minas: Zeitgeist mit Eigensinn. Eine Filmfestivalgeschichte. Zum 50. Geburtstag des „Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg“. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg, Mannheim 2001, ISBN 3-9808005-0-4.
  • Sebastian Parzer: „Mannheim soll nicht nur als Stadt der Arbeit neu erstehen …“ Die zweite Amtszeit des Mannheimer Oberbürgermeisters Hermann Heimerich (1949–1955). Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher u. a. 2008, ISBN 978-3-89735-545-3, S. 160–166 (Mannheimer historische Schriften 1).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite des Mannheim Meeting Place. Abgerufen am 13. November 2013.
  2. "Spezialpreis in memoriam R.W.Fassbinder" jetzt "Spezialpreis von Mannheim-Heidelberg". Abgerufen am 13. November 2013.
  3. Die erste Mannheimer Kultur- und Dokumentarfilmwoche. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg, abgerufen am 13. November 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien