Internationales Maritimes Museum Hamburg

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Das Museumsgebäude im Juni 2009

Das Internationale Maritime Museum Hamburg ist ein Museum in Hamburg. Dafür wurde in der Hamburger Speicherstadt der Kaispeicher B mit großem Aufwand um- und neugebaut. Die Eröffnung fand am 25. Juni 2008 im Beisein des Bundespräsidenten Horst Köhler und des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust statt[1] und hat der Stadt ein „Schifffahrtsmuseum von Weltrang“ gegeben.

Ausstellung[Bearbeiten]

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Schmalseite des Museumsgebäudes
Sammler Peter Tamm in der Uniform des Ehrenkapitäns der Rickmer Rickmers

Gezeigt werden die Bestände des ehemaligen Instituts für Schifffahrts- und Marinegeschichte von Peter Tamm, einer umfangreichen Sammlung von Schiffsmodellen, Schiffsminiaturen, Konstruktionsplänen, Gemälden, Aquarellen, Grafiken, Uniformen und Waffen. Zusammen zählt die Sammlung über 40.000 Einzelstücke, dazu mehr als eine Million Fotografien. Der Bereich der historischen Marineuniformen und -auszeichnungen gilt als der historisch bedeutsamste weltweit.

Das Archiv, eine Bibliothek und ein Schau-Depot sind in der dritten Etage des benachbarten Heinemann-Speichers eingerichtet worden. Eines der ersten Exponate im Kaispeicher B ist das 7,5 Meter lange Holzschiff James Caird II, ein Nachbau eines rund hundert Jahre alten Walfängers, der als Rettungsboot der Endurance eingesetzt wurde und mit dem Sir Ernest Shackleton die historische Rettungsaktion der Endurance-Expedition durchführte. Arved Fuchs, der im Januar 2000 mit diesem Nachbau diese Rettungsaktion nachlebte und unter schwierigen Bedingungen von der antarktischen Halbinsel zur 150 Seemeilen entfernten Elephant Island gesegelt war, hat dem Museum das Schiff überlassen.

Mitte August 2013 wurde ein von der Reederei Hapag-Lloyd gespendeter Schiffssimulator eingeweiht. Das Hamburger Marine Training Center (MTC) unterstützt das Projekt. Dreimal in der Woche sind ab 14 Uhr ehemalige Kapitäne zur Unterstützung der Ausstellungsbesucher und Belebung der Anlage anwesend.[2]

Für die Präsentation der Exponate hat die Stiftung den Ausstellungsmacher Holger von Neuhoff engagiert, der 1997 in der Speicherstadt die sehr erfolgreiche „Titanic“-Ausstellung konzipiert hat.

Die grobe Ausstellungskonzeption gestaltet sich wie folgt:

  • 10. Boden: Kulturforum 10. Längengrad, Sonderausstellungen
  • 9. Boden: Die große Welt der kleinen Schiffe, Wassersport
  • 8. Boden: Maritime Kunst (mit Gemäldegalerie und „Schatzkammer“)
  • 7. Boden: Meeresforschung, Energietechnik und Fischerei
  • 6. Boden: Handelsschifffahrt, Kreuzfahrt und Häfen
  • 5. Boden: Marinen der Welt (von 1815 bis heute)
  • 4. Boden: Leben auf Marineschiffen, Schiffsbewaffnung
  • 3. Boden: Die Entwicklung von Schiffbau und Maschinenbau
  • 2. Boden: Schiffe unter Segeln – von der Antike bis zur Hanse Sail, Kap Horniers und Piraterie
  • 1. Boden: Entdecker, Navigation, Kommunikation und Kinderbereich
  • Erdgeschoss: Foyer, Eingangsbereich, Gastronomie und Museumsshop

Kaispeicher B[Bearbeiten]

Das Museum wurde im denkmalgeschützten historischen Kaispeicher B eingerichtet, der in den Jahren 1878/79, noch vor der Einrichtung des Freihafens und etwa zehn Jahre vor dem Bau der Speicherstadt, nach Plänen der Architekten Wilhelm Emil Meerwein und Bernhard Hanssen im Stil der Backsteingotik entstand und das älteste erhaltene Speicherbauwerk Hamburgs ist. Das Gebäude bietet mehr als 12.000 m² Ausstellungsfläche. Die Pläne für den Um- und Ausbau stammen von der Hamburger Architektin Mirjana Markovic.[3] Erreichbar ist der Kaispeicher u.a. über eine im Jahr 2007 neu errichtete, abgeknickte, 60 Meter lange Fußgängerbrücke des Pariser Architekten Dietmar Feichtinger.[4]

Obwohl man sich bemühte, im Innenbereich möglichst viel originale Substanz zu erhalten, mussten zum Einbau der Technik (Aufzüge, Klimatechnik, Sprinkleranlagen, Haustechnik) einige Veränderungen vorgenommen werden. Insgesamt wurden weit mehr als 2000 Kubikmeter Beton und 150 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut.

Der Kaispeicher B mit dem Maritimen Museum und auch die Feichtinger-Brücke sind im Oktober 2008 vom Hamburger Architekten- und Ingenieurverein (AIV) mit einem Preis für zwei der besten fünf Bauwerke des Jahres 2007 in Hamburg ausgezeichnet worden.[5]

Galerie, Ausstellungsräume[Bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten]

Kritiker werfen der Sammlung eine zu große Fokussierung auf militärische Aspekte und insbesondere einen zu unkritischen Umgang mit Fragen der Nazi-Zeit vor.[6] Die Reproduktion von Positionen der NS-Zeit sei überdies nur vage in ein museales Konzept eingebunden.[7] Überwiegendes museales Prinzip sei die Exposition möglichst vieler (oftmals völlig identischer) Objekte.[8] Das Museum versucht, die Vorwürfe durch einen wissenschaftlich anerkannten Beirat, der bei der Konzeption der Ausstellungen helfen soll, zu entkräften. Der Schauspieler Rolf Becker, der sich anfangs an die Spitze dieser Bewegung gesetzt hatte, hat sich nach Besichtigung des Museums von der Bewegung und deren Aussagen distanziert.[9]

Der Kaispeicher B

Als problematisch wird die Finanzierung durch die Stadt angesehen: Während der Eigentümer Peter Tamm dem Museum die Ausstellungsstücke unentgeltlich zur Verfügung gestellt habe, seien die 30 Millionen Euro teuren Baumaßnahmen für die Renovierung und den Umbau des Kaispeichers vollständig von der öffentlichen Hand finanziert worden, hinzu kommen Erschließungskosten von 5 Millionen Euro. Die Zuschüsse für die neue, private Stiftung, die das Museum betreibt, stünden angeblich im Gegensatz zu den allgemeinen Kürzungen in der Hamburger Kulturförderung, die obendrein mit dem Museum für Hamburgische Geschichte und dem Altonaer Museum auch zwei Institute beträfen, die sich bereits seit Jahrzehnten auch mit der – allerdings regionalen – Schifffahrtsgeschichte beschäftigen.

Befürworter weisen darauf hin, dass die Stadt Hamburg ihren einzigen aus dem 19. Jahrhundert noch erhaltenen historischen Kaispeicher ohnehin vor dem Verfall retten musste. Ein Großteil der Kosten sei für den Erhalt dieses Kulturdenkmals angefallen. Zudem müsse umgekehrt gesehen werden, dass die Öffentlichkeit praktisch kostenlos Zugang zur Sammlung Tamm erhalten habe, also im Gegenteil Kosten gegenüber einem eigenen umfassenden maritimen Museum gespart worden seien.

Hinzu kommt, dass die für den Beschluss zuständige Senatorin Dana Horáková eine Bekannte Peter Tamms aus jener Zeit ist, als sie beim Axel-Springer-Verlag als Journalistin Karriere machte und Tamm dort Vorstandsvorsitzender war. Das Projekt fand in der Hamburger Bürgerschaft breite Zustimmung. Der Beschluss vom 12. Februar 2004 kam ohne Gegenstimmen und mit Stimmenthaltung der GAL zustande.

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Gretzschel und Michael Zapf: Am Anfang war das Schiff. Das Internationale Maritime Museum Hamburg - Sein Stifter und Gründer Peter Tamm. Koehler Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-7822-1055-3, 172 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. WELT-Online
  2. Wo Besucher Schiffe steuern können. In: Deutsche Seeschifffahrt, Heft 9/2013, S. 47, Verband Deutscher Reeder, Hamburg 2013
  3. MRLV-Architekten
  4. Statisches Meisterwerk in der Hafencity. In: Die Welt.
  5. WELT-Online
  6. TAMM-TAMM — Künstler informieren Politiker
  7. Frank Keil: Ritterkreuz mit Eichenlaub in TAZ vom 8. März 2011, S. 27; verweist auch auf das kritische Buch von Friedrich Möwe, VSA Verlag
  8. Feuilleton der Süddeutschen Zeitung
  9. Interview mit Rolf Becker. In: Hamburger Abendblatt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Internationales Maritimes Museum Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

53.54334444444410Koordinaten: 53° 32′ 36″ N, 10° 0′ 0″ O