Internetdienstanbieter

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Internetdienstanbieter oder Internetdienstleister (engl. Internet Service Provider, abgekürzt ISP), im deutschsprachigen Raum auch oft nur Provider, im Sprachgebrauch meist nur Internetanbieter oder Internetprovider genannt, sind Anbieter von Diensten, Inhalten oder technischen Leistungen, die für die Nutzung oder den Betrieb von Inhalten und Diensten im Internet erforderlich sind.

Leistungen von Internetanbietern[Bearbeiten]

Internetzugang (Konnektivität, Verbindung zum Internet)[Bearbeiten]

Diese Leistung ist durch die Bereitstellung von Internet-Konnektivität, also dem Transfer von IP-Paketen in und aus dem Internet gekennzeichnet. Der Transfer kann über Funktechnik, wie Wireless Internet Service Provider, Wählleitungen, Standleitungen, Breitbandzugängen erfolgen. Wenn der Zugang zu einem Server erbracht wird, der beim Provider steht (Rechenzentrum, Colocation des Providers), kann der Transfer durch ein einfaches Netzwerkkabel geschehen. Die Weiterleitung ins Internet kann dabei durch direkte Zugänge zu Internet-Knoten oder die Netze von anderen Internetdienstanbietern stattfinden.

Je nach Größe des Netzes des Providers lassen sich Anbieter in diesem Bereich in die Kategorien Tier-3 (kleine lokale Provider), Tier-2 (Betreiber von großen, wichtigen, überregionalen Netzwerken) und Tier-1 (Betreiber von globalen Internet-Backbones) einteilen. Tier-1, Tier-2 und Tier-3 ist aus dem Englischen für erster Rang, zweiter Rang und dritter Rang übernommen. Größere Betreiber stellen sich auch gegenseitig ihre Leitungskapazität im Rahmen einer kostenfreien Zusammenschaltung zur Verfügung. Der Tier-1-Carrier Level 3 zeigte in einem Streit mit Verizon auf, dass der Endkundenanbieter Verizon an diesen sogenannten Peeringpunkten die Geschwindigkeit des Internets bewusst bremst. Level 3 sagt, dass dieses Vorgehen von vielen großen Anbietern, auch in Europa und Deutschland angewendet wird. Während Level 3 keine Namen nennt, solange ein ISP ihnen nicht die Schuld am langsamen Netz zuschiebt, hat die heisenetze-Redaktion im September 2014 nachgemessen und eine künstliche Verlangsamung am Knotenpunkt zwischen der Deutschen Telekom und Level 3 festgestellt. [1][2]

Hosting[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hosting
  • Domain-Hosting (Registrierung und Anbieten einer Domain) umfasst die Registrierung und meist zusätzlich auch den Betrieb von Domains innerhalb des Domain Name Systems.
  • Server-Hosting: (Direktes Anbieten von Inhalten, Applikationen und Servern) Server-Hosting ist der Betrieb von virtuellen und dedizierten Servern, optional mit Zusatzleistungen wie Wartung und Datensicherung. Auch bei der Auswahl von Anbietern für Unternehmens-Seiten achten viele Interessenten nur auf den Preis und vergessen hierbei die Leistungen zu berücksichtigen, auf die es im Notfall ankommt. Gerade im geschäftlichen Bereich sind garantierte Reaktionszeiten, Verfügbarkeit der Systeme und Flexibilität wichtig, die von den Discountern oft nicht erbracht werden können. Hier empfiehlt es sich, auf spezialisierte Anbieter auszuweichen.
  • Webhosting: Unter Webhosting versteht man die Unterbringung (Hosting) von Webseiten auf einem Webserver eines Internetdienstanbieters. Der Webhoster genannte Provider stellt, üblicherweise gegen Bezahlung, seine Ressourcen zur Verfügung. Zu diesen Ressourcen gehören insbesondere die Bereitstellung und der Betrieb von Webservern und deren Netzwerkanbindung. Der Leistungsumfang von Webhosting-Angeboten variiert erheblich. Die Angebote beginnen mit einer einfachen Webpräsenz über Server mit Skriptsprachenunterstützung (z. B. Perl, PHP) und Datenbank-Backend (wie MySQL mit PHPMyAdmin) bis hin zu Paketen, die ein Web-Content-Management-System beinhalten, Monitoring, Datensicherung, statistischen Auswertungen, Lastverteilung oder Hochverfügbarkeit.
  • Mail-Hosting: Unter E-Mail-Hosting versteht man das Zur-Verfügung-Stellen von E-Mail-Diensten, insbesondere eines Mailservers, auf vom Provider betriebenen Hosts. Optional kann dies auch Filterung (so die Spam- und Virenschutz) und eine Webschnittstelle zur Verwaltung des eigenen E-Mail-Postfaches beinhalten. In Deutschland gab es 2006 etwa 3.200 Unternehmen, welche E-Mail-Dienstleistungen angeboten haben. Über 60% der Unternehmen besaßen jedoch weniger als 1.000 Kunden und deckten damit zusammen ca. 1,28% aller Kunden ab. 2% der Unternehmen bedienten 85,47% der insgesamt etwa 74,9 Millionen Kunden.[3]

Housing oder Colocation[Bearbeiten]

Hauptartikel: Serverhousing

Als Serverhousing bezeichnet man die Dienstleistung eines Anbieters, der seinen Kunden ein Rechenzentrum für deren Hosts (vulgo Server) zur Verfügung stellt. Das Housing (engl. Unterbringung) umfasst in der Regel Serverschränke oder zumindest Raumanteile darin, unterbrechungsfreie Stromversorgung, redundante Klimaanlagen, Zutrittskontrolle, Alarmanlage sowie Anbindung ans Internet.

Unter einer Colocation versteht man den angemieteten Raum oder Platz in einem Rechenzentrum, um dort eigene Hosts unterzubringen und dort zu betreiben. Kleinere Provider mieten auch oft Platz bei anderen Providern, den sie als Colocation (engl. zusätzlicher Ort) auch weitervermieten.

Verfassen oder Erzeugen von Inhalten[Bearbeiten]

Der Inhaltsanbieter (Content-Provider) kann derjenige sein, der eigene redaktionelle Beiträge und Inhalte zu Verfügung stellt oder ein entsprechendes Programm (CMS) auf Mietbasis bereithält. Dabei ist es egal, bei welchem Provider die jeweiligen Seiten/Domains gehostet werden. Die Inhalte werden vom Content-Provider lediglich verlinkt. Vorteil dieser Möglichkeit ist es, dass der Nutzer ein CMS nutzen kann und sich nicht um einen eigenen Server kümmern muss (Supportaufwand). Anbieter von Internetzugängen bezeichnen Hosting- und Housing-Provider oftmals auch als Content-Provider, da sie im eigentlichen Sinne, aus Sicht der Einwahlanbieter, den Inhalt liefern.

Die Abhängigkeit vom Hosting besteht darin, dass die Inhalte nur so lange zur Verfügung stehen, solange die Vertragsbeziehung mit dem Anbieter besteht. Gute Content-Provider stellen nicht nur starr vorgefertigte Templates zur Verfügung, sondern können zu jeder Seite individuelle Anpassungen vornehmen und sind jederzeit erweiterbar.

Anwendungs-Anbieter[Bearbeiten]

Ein Anwendungs-Anbieter (Application Service Provider) stellt Kunden spezifische Anwendungen im Internet zur Verfügung.

Providerhaftung[Bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
Die Artikel Internetdienstanbieter#Providerhaftung und Providerprivileg überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Headbreak 14:36, 12. Jul. 2011 (CEST)

In der Vergangenheit juristisch umstritten war die Haftung der Provider für rechtswidrige Inhalte auf Internetseiten, die von ihnen betrieben oder technisch betreut wurden. Die Frage der Verantwortlichkeit ist mittlerweile in Deutschland durch das Telemediengesetz – TMG (§§ 7 ff. TMG) geklärt, das das Teledienstegesetz – TDG (§ 8 TDG) und den Mediendienstestaatsvertrag – MDStV (§ 6 MDStV) im Jahr 2007 abgelöst hat.

Dass es in Deutschland zwei Regelwerke gab, ist auf den Streit zwischen Bund und Ländern bezüglich der rechtlichen Zuständigkeit für das Internet zurückzuführen, was zu einem Kompromiss geführt hatte, der im Einzelfall nicht immer eine eindeutige Zuweisung ermöglichte. Als Faustformel lässt sich festhalten: Handelte es sich um ein service-orientiertes Angebot (z. B. Online-Banking) oder den Handel mit Waren und Dienstleistungen (E-Commerce), war es ein Teledienst (Bundeszuständigkeit). War der Schwerpunkt redaktioneller Natur (z. B. Online-Zeitschriften), galt der Staatsvertrag der Länder.

Beide Regelwerke sahen für die Verantwortlichkeit von Providern eine Unterscheidung nach ihrer jeweiligen Funktion vor, die auch in das Telemediengesetz übernommen wurde. Der Content-Provider ist nach den allgemeinen Gesetzen für die von ihm zu verantwortenden Inhalte voll verantwortlich, insoweit ergeben sich keine Unterschiede zu Offline-Medien. Der Hosting-Provider muss sich für die von ihm für einen Anderen bereitgestellten fremden Inhalte (jedenfalls auf Unterlassung, sonst vgl. die Ausschlussregelung in § 7 Abs. 2 TMG) verantworten, wenn er von ihrer Rechtswidrigkeit Kenntnis hat oder nach den von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen der so genannten Prüfpflicht von ihrer Rechtswidrigkeit hätte Kenntnis haben müssen. Hat er keine Kenntnis, bzw. hat er unverzüglich die Entfernung des Inhalts veranlasst, nachdem er davon Kenntnis erhalten hat, haftet er nicht. Der Internetanbieter vermittelt lediglich den technischen Zugang und ist damit grundsätzlich nicht verantwortlich, wobei hinsichtlich von Unterlassungsansprüchen die Rechtsprechung noch keine abschließende Klärung getroffen hat und solche nach den Grundsätzen der Prüfpflicht in Betracht kommen. Eine Ausnahme sehen die Regelwerke gleichwohl vor, nämlich, wenn der Access-Provider die Durchleitung und Vermittlung der rechtswidrigen Inhalte selbst veranlasst hat bzw. mit dem Versender der rechtswidrigen Inhalte kollaboriert.[4]

Ein weiteres rechtliches Problem ist, ob Internetanbieter Auskünfte über Ihre Nutzer erteilen müssen. Die OLGe München und Hamburg haben dies im Jahr 2005 verneint, zivilrechtlich gibt es jedenfalls keinen Auskunftsanspruch. Dem Staat gegenüber – etwa bei einem Strafverfahren – müssen aber Auskünfte erteilt werden, etwa wenn die Frage auftaucht, wer wann mit welcher IP-Adresse im Internet „unterwegs“ war. Das ist für die Verfolgung von Kriminalität im Internet wie Urheberrechtsverletzungen, Kinderpornografie, Beleidigungen meist notwendig. Der Bundesgerichtshof hat im April 2012 entschieden, dass Rechteinhaber bei Verletzungen des Urheberrechts Namen und Anschrift der Nutzer vom Provider bekommen dürfen.[5] Zu der Frage, ob und wann Provider Auskünfte erteilen müssen, gesellt sich die Frage, welche Daten sie überhaupt speichern bzw. vorrätig halten müssen und dürfen. Nach jetziger Rechtslage müssen sie unverzüglich alle Verbindungsdaten löschen (§ 100 TKG), so sie die Daten nicht zur Abrechnung benötigen. Bei einer Flatrate muss also immer gelöscht werden. Daran hielt sich T-Online jedoch nicht, was zum Verfahren von Holger Voss führte, das nun vom Bundesgerichtshof für rechtskräftig erklärt wurde. Zu beachten ist auch die aktuelle Diskussion zur Vorratsdatenspeicherung.[6] Das Landgericht Karlsruhe[7] hat gegen einen großen Hostprovider entschieden: „Nach Übermittlung einer gegen einen Kunden wegen beleidigender Äußerungen erlassenen einstweiligen Verfügung ist dessen Webhoster verpflichtet, dessen beanstandete Äußerung zu sperren. Dies gilt auch nach sprachlicher Veränderung der gerichtlich untersagten Äußerung, falls die inhaltliche Übereinstimmung ohne besondere Schwierigkeiten feststellbar ist.“ Eine entsprechende Entscheidung erging unter Hinweis auf den Bundesgerichtshof[8] auch durch das Amtsgericht München.[9]

Siehe auch: Providerprivileg

Ökoprovider[Bearbeiten]

Als Ökoprovider werden Internetdienstanbieter bezeichnet, die ihre Server mit Grünem Strom betreiben. Die Hochschule Trier hat im Rahmen eines vom Bundesforschungsministeriums finanzierten Projekts derartige Provider ermittelt und in drei Qualitätsklassen eingeteilt. Zudem wurde die Firefox-Erweiterung „Green Power Indicator“ entwickelt, mit der sich Internetbenutzer über Provider und Stromstatus einer Website informieren können.[10] Das Projekt wurde 2012 mit dem EnviroInfo Student Prize ausgezeichnet. Ökologisch orientierte Provider finden sich auch auf den Websites von ecologee.net[11] und Green Web Foundation.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Level 3 heats up the Netflix, Verizon internet war. ZDNet., abgerufen am 18. Juli 2014.
  2. Netzneutralität: Backbone-Betreiber Level 3 äußert sich zu Peering-Problemen. heise Netze, abgerufen am 15. September 2014.
  3. Marktstudie: E-Mail-Anbieter in Deutschland der Bundesnetzagentur, S. 7 (archiviert) (PDF-Datei; 435 kB)
  4. Philip Uecker: Host-Provider, Content-Provider, Access-Provider oder was?, DFN Infobrief 06/2009, 5 f. (PDF-Datei; 4,11 MB)
  5. internetanbieter.info: Internetanbieter müssen Daten von Raubkopierern rausgeben, 10. August 2012, abgerufen am 13. August 2012
  6. Gesetzentwurf zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung (PDF; 2,0 MB), 27. Juni 2007, abgerufen am 1. Juli 2013
  7. LG Karlsruhe, MMR 2008, 109
  8. BGH, Urteil vom 11. März 2004, Az. I ZR 304/01, Volltext - „Internetversteigerung I“
  9. AG München, Az. 161 C 13533/08, unveröffentlicht
  10. Green Software Engineering: Ökoprovider
  11. ecologee.net: Bekannte Öko-ISPs im In- und Ausland
  12. Green Web Foundation: List of Green Hosting Companies