Internet Protocol over Avian Carriers

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Eine Brieftaube kann IP-Pakete übermitteln.
IPoAC im TCP/IP‑Protokollstapel:
Anwendung HTTP IMAP SMTP DNS
Transport TCP UDP
Internet IP (IPv4, IPv6)
Netzzugang IPoAC

Das Internet Protocol over Avian Carriers (IPoAC), deutsch etwa Internet-Protokoll mittels gefiederter Träger, ist ein scherzhaftes Netzwerkprotokoll für drahtlose Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mittels Brieftauben.

Es wurde ursprünglich am 1. April 1990 im RFC 1149 spezifiziert und am 1. April 1999 im RFC 2549 um eine QoS-Komponente erweitert. Ein Versuch zur tatsächlichen Umsetzung der als Aprilscherz gedachten RFC fand am 28. April 2001 in Norwegen statt[1]. Dabei wurden neun Pakete über eine Distanz von fünf Kilometer gesendet. Jedes dieser Pakete wurde von einer Taube innerhalb von zwei Stunden transportiert und hat eine Datenübertragung in Form eines Pings dargestellt. Jedoch gingen fünf der neun Antworten auf dem Weg verloren, was einem Verlust von ca. 56 % entspricht.

Mit RFC 6214 (1. April 2011) wurde der IPoAC-Standard erweitert, um IPv6-tauglich zu werden.

Beschreibung[Bearbeiten]

In der Spezifikation des Verfahrens werden Vorteile und Nachteile aufgezählt. Der experimentelle Standard verspricht angeblich hohe Latenz bei geringem Durchsatz. Wegen der 3-D-Routing-Fähigkeiten der Brieftauben könnten gleichzeitig beliebig viele Pakete unterwegs sein, die sich, im Gegensatz zu herkömmlichen Netzwerkleitungen, nicht wesentlich beeinflussen. Als Vorteil gegenüber verbreiteten Methoden wie Packet Radio wird zudem angeführt, dass die Reichweite durch die Topografie praktisch nicht beeinflusst wird. Da das Internet-Protokoll Paketverluste selbstständig ausgleichen kann, ist der Verlust eines Pakets zu verkraften. Nicht zu vernachlässigen sei, dass die Tauben selbstständig Würmer und anderes Ungeziefer attackieren können und sich zudem selbst reproduzieren. Nachteilig ist, dass nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen zwei genau vorherbestimmten Orten möglich sind.

Verwendung[Bearbeiten]

Die von der UNIX Usergruppe in Bergen ausgeführte Übertragung ergab folgende Charakteristik für die ICMP-Schicht:

Script started on Sat Apr 28 11:24:09 2001
vegard@gyversalen:~$ /sbin/ifconfig tun0
tun0      Link encap:Point-to-Point Protocol
          inet addr:10.0.3.2  P-t-P:10.0.3.1  Mask:255.255.255.255
          UP POINTOPOINT RUNNING NOARP MULTICAST  MTU:150  Metric:1
          RX packets:1 errors:0 dropped:0 overruns:0 frame:0
          TX packets:2 errors:0 dropped:0 overruns:0 carrier:0
          collisions:0
          RX bytes:88 (88.0 b)  TX bytes:168 (168.0 b)

vegard@gyversalen:~$ ping -c 9 -i 900 10.0.3.1
PING 10.0.3.1 (10.0.3.1): 56 data bytes
64 bytes from 10.0.3.1: icmp_seq=0 ttl=255 time=6165731.1 ms
64 bytes from 10.0.3.1: icmp_seq=4 ttl=255 time=3211900.8 ms
64 bytes from 10.0.3.1: icmp_seq=2 ttl=255 time=5124922.8 ms
64 bytes from 10.0.3.1: icmp_seq=1 ttl=255 time=6388671.9 ms

--- 10.0.3.1 ping statistics ---
9 packets transmitted, 4 packets received, 55% packet loss
round-trip min/avg/max = 3211900.8/5222806.6/6388671.9 ms
vegard@gyversalen:~$ exit

Script done on Sat Apr 28 14:14:28 2001

Tatsächlich werden vor allem von Fotografen Brieftauben zum Transport von Datenträgern aus abgelegenen Gegenden zum verarbeitenden Computer eingesetzt, beispielsweise um Fotos von Reisegruppen auszudrucken, wo sie aufgrund des hohen und schnell transportierbaren Datenvolumens der ADSL-Technik tatsächlich überlegen sind. Dies hat jedoch mit dem Internet Protocol nichts zu tun.[2][3][4]

Für eine PR-Aktion hat eine südafrikanische Firma einen Vergleich ihrer Internetanbindung mit dem Datentransport via Brieftaube durchgeführt. Hierbei wurden 4 GB Daten auf einem USB-Stick abgespeichert (eine Abweichung von RFC1149, in der von Papier die Rede war), welcher von der Brieftaube über eine Entfernung von 63 Kilometern transportiert wurde. Bei einer Dauer von zwei Stunden und dem übertragenen Datenvolumen von 4GiB ergibt sich eine Datenrate von ca. 4 Mbit/s, womit der Transport via Brieftaube vor der Übertragung mit der verfügbaren Internetverbindung lag.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The highly unofficial CPIP WG. Bergen Linux User Group, abgerufen am 15. Oktober 2011 (englisch).
  2. A New Israeli test confirms: PEI (Pigeon Enabled Internet) is FASTER then ADSL. In: RIM - Ami Ben-Bassat's Blog. 2004, archiviert vom Original am 21. Oktober 2004, abgerufen am 9. November 2008 (englisch).
  3. Katy Human: Homing pigeons get down to business, ferrying rafting company photos. In: The Denver Post. 24. Juni 2007, abgerufen am 9. November 2008 (englisch).
  4. SA pigeon 'faster than broadband'. BBC, 10. September 2009, abgerufen am 15. Oktober 2011 (englisch).
  5. Johannes Endres: Brieftaube so schnell wie Breitband-Internet. In: heise online. 10. September 2009, abgerufen am 15. Oktober 2011.