Inzidentalom

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Inzidentalom (engl. Incidentaloma) ist ein abgeleiteter Neologismus für das angelsächsische "incidental tumor". Damit wird ein Tumor bezeichnet, der bei radiologischen Untersuchungen zufällig gefunden wird, ohne dass klinische Symptome oder ein Anfangsverdacht vorliegen.

Ein häufiges Problem ist, dass sieben Prozent aller Patienten über 60 Jahre ein gutartiges Wachstum, häufig der Nebenniere aufweisen, welches bei Bilddiagnostik zur Untersuchung anderer Symptome entdeckt wird. Mit der Zunahme von Ganzkörper-CT-Analysen zur Gesundheitsvorsorge (USA) wird eine schnellere Früherkennung erwartet.

Mit der unerwarteten Entdeckung auf diagnostischen Bildern steht der Arzt vor der Frage, ob die Veränderungen tatsächlich harmlos sind. Meist sind deshalb weitere Tests nötig.

Inzidentalome der Nebenniere[Bearbeiten]

Bei Nebennierentumoren wird häufig ein Dexamethason-Suppressionstest durchgeführt, um einen Cortisol-Überschuss im Rahmen eines Cushing-Syndroms zu erkennen. Weitere endokrinologische Untersuchungen sind eine Labordiagnostik mit Nachweis von Metanephrinen und Normetanephrinen zum Ausschluss eines Phäochromozytoms sowie die Bestimmung des Renin-Aldosteron-Quotienten zum Ausschluss eines primären Hyperaldosteronismus. Tumoren unter drei Zentimeter Größe werden generell als gutartig eingeschätzt und nur bei Diagnose von Cushing-Syndrom, primärem Hyperaldosteronismus oder Phäochromozytom behandelt.[1]

Hypophysen-Inzidentalom[Bearbeiten]

Routineuntersuchungen zeigten, dass Hypophysentumoren relativ häufig sind. Es wird angenommen, dass etwa zehn Prozent der Erwachsenen solche endokrinologischen Läsionen aufweisen (Hall et al). Bei deren Auftreten wird Langzeitbeobachtung empfohlen (Molitch). Auch grundlegende Nebennieren-Hormon-Funktionen sollten, mit Messung des ThyreotropinTHC-Spiegels, des Prolactins und des Insulin-like growth factor 1 (IGF-1, als Test für die Aktivität von Wachstumshormonen), untersucht werden. Ebenso ist ein Dexamethason-Suppressionstest möglich.

Weitere[Bearbeiten]

Andere Organe können ebenso von Inzidentalomen betroffen sein, so die Leber (oft ein Hämangiom), Schilddrüse, Nebenschilddrüse und die Nieren.

Wissenschaftliche Kritik[Bearbeiten]

Das Konzept der Inzidentalome wird kritisiert, da solche Läsionen bis auf den Zufallsbefund und den Umstand, dass sie klinisch gesehen inaktiv sind, nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Die Pathologie zeigt kein einheitliches histologisches Muster.

Quellen[Bearbeiten]

  1. M. M. Grumbach, B. M. Biller, G. D. Braunstein, K. K. Campbell, J. A. Carney, P. A. Godley, E. L. Harris, J. K. Lee, Y. C. Oertel, M. C. Posner, J. A. Schlechte, H. S. Wieand: Management of the clinically inapparent adrenal mass ("incidentaloma"). In: Ann Intern Med. 2003;138, S. 424–429. PMID 12614096.

Literatur[Bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!