Ipf

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Dieser Artikel behandelt den Berg Ipf, zu anderen Bedeutungen siehe IPF.
Ipf
Der Ipf von Westen aus gesehen

Der Ipf von Westen aus gesehen

Höhe 668 m
Lage Baden-Württemberg, Deutschland
Gebirge Schwäbische Alb (Albvorland)
Koordinaten 48° 52′ 14″ N, 10° 21′ 23″ O48.87055555555610.356388888889668Koordinaten: 48° 52′ 14″ N, 10° 21′ 23″ O
Ipf (Baden-Württemberg)
Ipf
Typ Zeugenberg
Der Wallgraben um das Hochplateau (Ostseite) mit der Wallkrone des Vorwalles
Der Hanggraben der Westseite
Das gestaffelte Wallsystem der Ostseite vom unteren Wall
Auf dem Gipfelplateau des Ipfs
Luftbild

Der Ipf ist ein 668 m hoher Zeugenberg der östlichen Schwäbischen Alb bei Bopfingen im Ostalbkreis (Baden-Württemberg).

Der Ipf liegt direkt nördlich von Bopfingen und überragt die Stadt um 210 Meter. Seine Hänge sind bis auf Teile der Nordseite unbewaldet und von einer Heidelandschaft bedeckt. Die markante Kegelform des Berges hebt ihn deutlich aus der Umgebung heraus.

Auf dem Gipfelplateau befinden sich mächtige vorgeschichtliche Befestigungsanlagen, die bereits in der Spätbronzezeit ab dem 12. Jahrhundert vor Christus angelegt wurden.

Geologie[Bearbeiten]

Der Ipf besteht vorwiegend aus Kalksteinen und Mergeln des oberen Süddeutschen Jura (Weißjura).[1] Die Schichtenfolge des Weißjura ist vollständig. Die sanft zum Ipf ansteigenden Hänge und der Fuß des Berges sind aus Sandsteinen, oolithischen Kalksteinen und Tonsteinen des höheren mittleren Süddeutschen Jura (Braunjura), u. a. dem sogenannten Eisensandstein und Ornatenton aufgebaut. In der weiteren Umgebung des Berges steht der sogenannte Opalinuston des untersten Braunjura (Braunjura α, Aalenium) an.[1][2]

Der Unterschied in der Verwitterungs- und Erosionsanfälligkeit zwischen den Braunjura- (relativ anfällig, vor allem der Opalinuston) und den Weißjuraschichten (weniger anfällig) ist eine wichtige Ursache für die Entstehung des Ipfs als Zeugenberg. Charakteristisch ist hierbei die Armierung der anfälligeren Braunjuraschichten durch die Karbonatgesteine des Weißjura.

Wallanlagen[Bearbeiten]

Der vom Albtrauf abgetrennte freistehende Zeugenberg war seit der Jungsteinzeit besiedelt. Während der Urnenfelderzeit entstanden wahrscheinlich die ersten Befestigungsanlagen auf dem Ipf. Die heute noch so eindrucksvoll erhaltenen Wallanlagen entstanden jedoch wohl meist erst während der späten Hallstattzeit. Möglicherweise diente der Berg damals als keltischer Fürstensitz oder überregionales Zentrum. Etwa 1,5 km nordwestlich liegt beim Hof Meisterstall ein Grabhügelfeld dieser Zeitstellung, das wohl als Begräbnisplatz der sozial höhergestellten Ipfbewohner angesehen werden kann. Eine auf das 6. Jahrhundert v. Chr. datierte griechische Scherbe passt gut in das Fundbild solcher mutmaßlicher Fürstensitze und belegt den relativ hohen Lebensstandard auf dem Bergkegel. Zwischen den Jahren 2000 und 2003 kamen bei Ausgrabungen nahe dem Weiler Osterholz weitere griechische Importwaren ans Tageslicht, die auf Handelsbeziehungen in diesen Raum schließen lassen. Hier wurde auch ein Grabhügel mit seinem umgebenden Kreisgraben rekonstruiert.

In der späten La-Tène-Zeit wurden die Wallanlagen nochmals ausgebaut. Entgegen früheren Vermutungen schützten sie kein Oppidum. Nachweise einer kontinuierlichen römischen Besiedlung konnten bisher noch nicht gefunden werden, jedoch beweisen einige Kleinfunde, dass der Ipf auch in den ersten Jahrhunderten n. Chr. regelmäßig aufgesucht wurde. Eine letzte Reaktivierung der Befestigungsanlagen könnte während der Ungarneinfälle des 10. Jahrhunderts erfolgt sein. In der Nähe liegt auf dem Weiherberg im Kartäusertal eine große Ungarnschutzburg mit ca. 10 Hektar Innenfläche, die durch den Ausbau einer älteren Wallanlage entstand.

Das gestaffelte Wallsystem des Ipf erinnert tatsächlich stark an ungarnzeitliche Befestigungssysteme, auch der Hanggraben um das Gipfelplateau ist ein charakteristisches Kennzeichen solcher Schutzburgen. Möglicherweise sind die heute sichtbaren mächtigen Wallgräben das Ergebnis eines letzten ungarnzeitlichen Ausbaues der frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen, wie es bereits der Laienforscher Wilhelm Schneider (1989, Die südwestdeutschen Ungarnwälle und ihre Erbauer) vermutete. Die archäologischen Grabungen der jüngsten Zeit sprechen jedoch bisher eindeutig gegen diese Annahme. Allerdings bieten gerade ungarnzeitliche Wallanlagen sehr wenig Fundmaterial. Bereits der Archäologe Wolfgang Kimmig ging davon aus, dass „wohl 70 Prozent unserer in Mitteleuropa anzutreffenden ‚prähistorischen‘ Befestigungsanlagen auch Spuren ‚frühmittelalterlicher‘ Benutzung erkennen lassen“. Der gute Erhaltungszustand der Wallanlagen auf dem Ipf ist ein weiteres Indiz für die frühmittelalterliche „Überarbeitung“ der keltischen Befestigungen.

Das Befestigungssystem[Bearbeiten]

Das ovale Gipfelplateau (Durchmesser ca. 180 m) wurde ehemals von einem Randwall umlaufen, der eine etwa 5 m breite, holzversteifte Mauer trug. Ungefähr 15 m darunter schützt ein flacher Hanggraben das Plateau, der anschließende Wall geht in den Steilhang über. An der flachen Ostseite ist dem Hauptwall ein – etwa 150 m langer – weiterer Wallgraben als Zwischenwall vorgelagert. Knapp 60 m östlich verläuft ein dritter Wallzug, in dem ebenfalls eine holzversteifte Steinmauer steckt. 50 bis 60 m unter dem Gipfelplateau läuft schließlich ein vierter Wall um die Süd-, Ost- und Nordseite der im Westen durch die Steilhänge geschützten Anlage. Im Norden läuft dieser, hier von einem Graben begleitete Wall bis zum Bergfuß und schützte ehemals drei Brunnenschächte, die sich als große Trichtergruben erhalten haben. Der alte Burgzugang führte von Südosten zur Hochfläche. Noch heute ist der alte Weg die bequemste Aufstiegsmöglichkeit und gewährt zudem gute Einblicke in das Wallgrabensystem.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rüdiger Krause: Vom Ipf zum Goldberg. Archäologische Wanderungen am Westrand des Rieses. Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, 16. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-1020-9.
  • Rüdiger Krause: Der Ipf. Frühkeltischer Fürstensitz und Zentrum keltischer Besiedlung am Nördlinger Ries. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, 47. Esslingen 2004, ISBN 3-927714-73-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Rudolf Hüttner, Hermann Schmidt-Kaler: Geologische Karte des Rieses 1:50000. 2. überarb. Aufl. Herausgegeben vom Bayerischen Geologischen Landesamt, München 1999.
  2. Volker Dietze, Günter Schweigert, John H. Callomon, Gerd Dietl, Martin Kapitzke: Der Mitteljura des Ipf-Gebiets (östliche Schwäbische Alb, Süddeutschland). Korrelation der süddeutschen Ammoniten-Faunenhorizonte vom Ober-Bajocium bis zum Unter-Callovium mit Südengland und Frankreich. Zitteliana, Reihe A. Bd. 47, S. 105–125, urn:nbn:de:bvb:19-epub-11969-0