Ira D. Sankey

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Ira David Sankey

Ira David Sankey (* 28. August 1840 bei Edinburg, Pennsylvania; † 13. August 1908 in Brooklyn, New York, N.Y.) war Sänger und musikalischer Leiter bei Evangelisationsveranstaltungen an der Seite des Evangelisten Dwight Lyman Moody und einer der bekanntesten Komponisten des Evangeliumsliedes.

Leben[Bearbeiten]

In einem methodistischen Elternhaus in Pennsylvania aufgewachsen, bekehrte sich Ira D. Sankey im Jahre 1856 mit 16 Jahren zu Jesus Christus und nahm in der Gemeinde schon früh musikalische Leitungsfunktionen als Superintendent der Sonntagsschule und als Chorleiter auf. Musikalisch war er Autodidakt, wobei ihm seine Herkunft aus einer sehr musikalischen Familie zugutekam.

Als junger Mann diente Sankey im amerikanischen Sezessionskrieg als Soldat auf der Seite der Partei der Constitutional Union, d. h. der Nordstaaten. Nach dem Krieg trat er als Assistent seines Vaters dem Internal Revenue Service (IRS) bei, einer von der US-Regierung ins Leben gerufenen Agentur, die spezielle Steuern einnahm, um das finanzielle Defizit nach dem Krieg wieder auszugleichen.

Sankey heiratete im September 1863 Fanny V. Edwards, eine seiner Sängerinnen. Die Ehe brachte drei Jungen hervor.

In New Castle wurde Sankey Mitglied der Methodist Episcopal Church. Er kämpfte engagiert für die Einführung von Musikinstrumenten in den kirchlichen Gottesdienst und erreichte die Aufstellung der ersten Orgel in seiner Kirchengemeinde.

Sankeys Dienst und Ende[Bearbeiten]

Geradezu legendär ist Sankeys erste Begegnung mit dem herausragenden Evangelisten Dwight Lyman Moody im Jahre 1870. Während einer Konferenz des amerikanischen CVJM in Indianapolis bemerkte ein presbyterianischer Pfarrer den jämmerlichen Gesang und bat den anwesenden Sankey das öffentliche Singen anzuleiten. Der hochbegabte Sänger stimmte das Lied There is a Fountain Filled With Blood an und es gelang ihm tatsächlich die jungen Menschen zum Singen zu begeistern. Am Ende des Gottesdienstes kam Moody auf Sankey zu und fragte in seiner typischen direkten Art: „Woher sind sie, sind sie verheiratet, welchen Beruf haben sie?“ Sankey antwortete, dass er verheiratet sei, zwei Kinder habe und Angestellter der Regierung sei. Scheinbar war dies dem Evangelisten jedoch egal, der ihm in bestimmten Ton entgegnete: „Das müssen sie aufgeben und mir bei meinen Veranstaltungen helfen“. Sankey versuchte verständlicherweise zu erklären, dass er diesem spontanen Einfall nicht nachkommen könne, aber Moody erwiderte: „Sie müssen. Auf Sie warte ich schon acht Jahre lang.“ Immer noch wollte Sankey die Idee nicht recht gefallen und er nahm sie wohl auch nicht weiter ernst. Aber am nächsten Tag bekam er eine Karte mit der Bitte, Moody um sechs Uhr an einer bestimmten Straßenecke zu treffen. Sankey entschied sich dem Ruf zu folgen. Zu seiner Überraschung nahm Moody eine Kiste, bat Sankey sich darauf zu stellen und zu singen. Sankey gab nach und tat was Moody von ihm verlangte. Bald jedoch schon konnte er den Zweck dieser doch merkwürdigen Aktion erkennen. Zahlreiche Arbeiter, die aus den Fabriken nach Hause eilten, blieben von Sankeys Singen fasziniert stehen und in kurzer Zeit war eine große Freiversammlung im Gange. Nachdem Sankey sein Lied gesungen hatte, richtete Moody einige Worte an die Zuhörer, die dann, begleitet vom Gesang Sankeys, in die Oper marschierten. Bald war das Konzerthaus, in dem Moody seine Evangelisation hielt, brechend voll.

Das war der Beginn einer jahrelangen Zusammenarbeit, die bis kurz vor Moodys Tod im Jahre 1899 andauerte. Evangelisationskampagnen führten die beiden bis in das englischsprachige Europa. Sankey sang häufig eigene Lieder im neu aufkommenden Stil des Evangeliumsliedes. Durch die häufigen Veranstaltungen erreichte dieses Repertoire eine große Verbreitung und wurde auch in Europa bekannt. Sankey arbeitet eng mit Fanny Crosby zusammen. Das Modell (Moody als Prediger und Sankey als dessen musikalischer Direktor) wurde später auch von anderen Evangelisten wie Reuben Archer Torrey und Billy Graham genutzt.

Sankey erblindete in den letzten Jahren seines Lebens.

Werk[Bearbeiten]

Sankey komponierte etwa 1.200 Evangeliumslieder, die er mit außergewöhnlichem Erfolg in einer Reihe von Sammlungen veröffentlichte.

Sein erstes Liederbuch erschien 1873 in England mit dem Titel Sacred Songs and Solos.

1875 bis 1891 veröffentlichte Sankey, teilweise in Zusammenarbeit mit Philip Paul Bliss (1838–1876), sechs Bände von Gospel Hymns. Sie wurden in mehrere Sprachen übersetzt; angeblich wurden mehr als 90 Millionen Exemplare verkauft.

Zu Sankeys Liedern gehören:

  • There Are Lonely Hearts to Cherish (1881, Text von George Cooper, deutsch von Walter Rauschenbusch als Manches Herz will fast ermüden),
  • Fading Away Like The Stars of The Morning (Text von Horatius Bonar, deutsch als Gleich wie die schimmernden Sterne verblassen)
  • I’ve Found a Joy (Mir ward in bangen Sorgen)
  • Light After Darkness (Text von Frances Ridley Havergal, deutsch von Johanna Meyer als Licht nach dem Dunkel)

Sankeys Lieder, im Stil des Evangeliumsliedes, stehen meist im 4/4- oder 6/8-Takt, dann oft mit Achtel-Auftakt. Punktierungen wechseln sich mit nicht punktierten Abschnitten ab.

Sankeys Lieder stehen meist in Dur und setzen nur die Grundakkorde voraus, Akkordwechseln sind selten. Teilweise kommen Passagen in Moll vor. Die Melodik basiert auf Pentatonik und Dreiklangsbrechungen. Sie ist gesanglich und verwendet kaum weite Sprünge. Chromatische Wechselnoten, meist in punktiertem Rhythmus, finden sich häufig. Die Melodie setzt sich häufig in Sequenzierungen und Steigerungen (häufig als Sekundketten) aus parallelen Paaren von Vordersatz mit Modulation und Nachsatz mit Rückmodulation zusammen. Der Rhythmus bei sich entsprechenden Abschnitten ist meist gleich oder aber als Steigerung konzipiert. Die meisten von Sankeys Liedern schließen mit einem Refrain.

Bekannt ist die Entstehungsgeschichte des Liedes Neunundneunzig der Schafe: Sankey hatte ein Gedicht über den Guten Hirten aus einer Zeitung ausgeschnitten und in sein Musik-Notizbuch gelegt. Bei einer Evangelisation in Edinburg sprach Moody über den Guten Hirten und forderte Sankey auf ein passendes Solo zu singen. Der hatte aber keines. Da fiel ihm der Zeitungsabschnitt ein. Unter Seufzen und im Gebet bat er Gott, ihm zu helfen, und so sang er aus dem Stegreif die berühmte Melodie. Ein Seufzen ging durch die Versammlung und Moody war zu Tränen gerührt.

In Deutschland wurden Sankeys Lieder u. a. durch die Übersetzungen von Ernst Gebhardt bekannt. Auch Franz Eugen Schlachter brachte einige von Sankeys Liedern von seiner Englandreise 1884 mit.

Neben den Kompositionen und Liedausgaben war das durch Sankey / Moody gegebene Modell des reisenden Prediger/Music Director-Paars prägend. Berühmte Paare der Folgezeit waren Reuben Archer Torrey / Charles Alexander, Billy Sunday / Homer Rhodeheaver und Billy Graham / Cliff Barrows.

Sankey wurde 1979-1980 von der Gospel Music Association in die Gospel Music Hall of fame aufgenonnen.

Schriften[Bearbeiten]

  • Ira D. Sankey: My Life and the Sory of the Gospel Hymns, Reprinted from the 1907 edition, Fredinia Books, Amsterdam, The Netherlands
  • Sacred Songs and Solos, Erstausgabe, 1873, Sacred Songs and Solos, With Standard Hymnes, combined. Morgan and Scott, London ca. 1890
  • Gospel Hymns (Teile eins bis sechs)
  • Walter Rauschenbusch, Ira D. Sankey: Evangeliums-Lieder, 1 und 2 (gospel hymns), New York: Im Verlag von the Biglow & Main Company and the Johns ...

Literatur[Bearbeiten]

  • Betty Steele Everett: Ira Sankey: First Gospel Singer, Christian Literature Crusade, Fort Washington PA 1999
  • Elias Nason: The American Evangelists, Dwight L. Moody And Ira D. Sankey. With An Account Of Their Work In England And America. Kessinger Publishing, 2007.
  • Novella P. Jordan: Makers of Music, Baptist Sunday School 1982.
  • Charles Ludwig: Sankey Still Sings. Grand Rapids, Michigan: Baker Book House, 1947.
  • Sankey’s Story of His Own Life in Christian Biography Resource
  • Karl Heinz Voigt: Sankey, Ira David. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 8, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0, Sp. 1330–1336.
  • Karl-Hermann Kauffmann: Ira D. Sankey, der Sänger D.L.Moodys und der Heiligungsbewegung. Kurzbiographie 2009. Eigenverlag der Freien Brüdergemeinde Albstadt, 2009, Brosamen-Verlag Albstadt 2012 ISBN 978-3-00-037593-4.

Weblinks[Bearbeiten]