Irakische Luftwaffe

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Irakische Luftwaffe
Aufstellung 1931
Land Flag of Iraq.svg
Typ IQAF Symbol.svg Teilstreitkraft (Luftstreitkräfte)
Stärke 1.600 Militärangehörige
(Stand 2008)[1]
Stationierungsort Bagdad
Schlachten Militärputsch im Irak 1941
Palästinakrieg
Sechstagekrieg
Jom-Kippur-Krieg
Erster Golfkrieg
Zweiter Golfkrieg
Aufstand im Irak
Irakkrieg

Die irakische Luftwaffe (IQAF) ist eine Teilstreitkraft der Irakischen Streitkräfte. Seit dem Irakkrieg 2003, der folgenden Besetzung des Irak und der damit verbundenen völligen Auflösung, steht die irakische Luftwaffe heute vor dem Wiederaufbau. Aktueller Leiter der irakischen Luftwaffe ist Generalleutnant Anwer Hamad Amin Ahmad.[2]

de Havilland Venom
MiG-21
Karte der Luftangriffe der irakischen Luftwaffe im Ersten Golfkrieg

Anfänge[Bearbeiten]

Die Irakische Luftwaffe (RIAF) entstand 1931 aus der Royal Air Force im Britischen Mandat Mesopotamien, die mit der Luftwaffe die Kontrolle über das Mandat ausübte. Nach der Unabhängigkeit des Königreich Irak im Jahre 1932 hatte die RIAF nur wenige Piloten, die in London ausgebildet, mit britischen Flugzeugen flogen. Die ersten eigenen Flugzeuge, 25 italienische Breda Ba.65, vier Savoia-Marchetti SM.79 und 15 Gloster Gladiator-Flugzeuge, erhielt die irakische Luftwaffe von 1938 bis 1942.

Militärische Beteiligungen[Bearbeiten]

Raschid Ali al-Gailani putschte sich am 2. April 1941 zum Ministerpräsidenten des Irak. Am 3. Mai 1941 bombardierte die Royal Air Force mit Wellington-Bombern, Gloster Gladiator und Hawker Hurricane-Jagdflugzeugen den Luftwaffenstützpunkt Hinaida bei Bagdad[3][4] und zerstörte dabei insgesamt 20 irakische Maschinen. Die irakische Luftwaffe hatte zu diesem Zeitpunkt 56 Flugzeuge auf drei Stützpunkten verteilt: Mosul, Hinaida und Zubair. Gailani bat das nationalsozialistische Deutschland um militärische Unterstützung, die dann auch durch einen zweiwöchigen Kurzeinsatz einer Fliegerstaffel des Sonderstabs F erfolgte.

Von August bis September 1945 beteiligte sich die irakische Luftwaffe an der Bombardierung kurdischer Dörfer im Nordirak gegen die Rebellen des Mustafa Barzani.

Das Königreich Irak hatte Israel 1948 im Palästinakrieg den Krieg erklärt, die irakische Luftwaffe an den Kriegshandlungen jedoch keine große Beteiligung.[5] In den 1950er Jahren erhielt die irakische Luftwaffe 15 britische de Havilland Venom und ab 1964 noch 66 Hawker Hunter. Nach dem Militärputsch der Obristen und der Gründung der Republik Irak im Jahre 1958 wurde die Königliche Luftwaffe (RIAF) in Irakische Luftwaffe (IQAF) umbenannt. Militärische Unterstützung erfolgte nun auch durch die Sowjetunion, die die Ausbildung und Kommandostrukturen zur Verfügung stellte. 35 MiG-17 waren die ersten Kampfflugzeuge, die der Irak Anfang 1960 aus der Sowjetunion bekam.

Erst im Sechstagekrieg von 1967 waren irakische Flugzeuge wieder an Kampfhandlungen beteiligt. Die israelische Luftwaffe flog Angriffe auf den H-3 Flugplatz. Die irakische Luftwaffe kämpfte mit britischen Hawker Hunter und zwölf sowjetischen IL-28.[5]

Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 war die irakische Luftwaffe mit 15 Flugzeugen beteiligt.[6] Elf der eingesetzten Hawker Hunter gingen verloren.[5]

Aufrüstung[Bearbeiten]

Mit dem Aufstieg der Baath-Partei erfolgte ab 1968 die Aufrüstung der irakischen Luftwaffe. MiG-19, Su-7 (98 Exemplare ab 1968), MiG-21 (bis zu 100 Exemplare), Su-17, Su-22, MiG-23 (ab 1974) Su-24 (24 Exemplare) sowie Bombenflugzeuge des Typs Tu-22 (zwölf Exemplare bis 1979)[5] und Su-25 (73 Exemplare) aus sowjetischer Produktion wurden geliefert.

Erster Golfkrieg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Erster Golfkrieg

Den Höhepunkt der militärischen Schlagkraft durch Vergrößerung des Bestandes erreichte die irakische Luftwaffe trotz der Kampfhandlungen im Ersten Golfkrieg. Insbesondere Frankreich lieferte zu Beginn moderne Kampfflugzeuge des Typs Mirage F1 inklusive der zugehörigen Luft-Luft-Raketen. Durch die Ausbildung auf französischen Flugzeugen durch französische Instrukteure übernahm die irakische Luftwaffe Anfang 1983 auch die französische Luftkampftaktik.[7]

Der von den irakischen Luftstreitkräften geplante Überraschungsangriff, ähnlich dem des von der israelischen Luftwaffe im Sechstagekrieg gegen Ägypten durchgeführten, bei dem bereits am ersten Kampftag ein Großteil der ägyptischen Flugzeuge noch am Boden zerstört wurden, schlug fehl. Bei den vielschichten Ursachen für den Fehlschlag, wie ungenaue Bombentreffer, gehärtete Hangars der Iraner, Luftabwehr usw., ist noch nicht das zögerliche Vorgehen der irakischen Streitkräfte allgemein berücksichtigt.[8] Im Laufe der ersten Kriegswochen konnte die irakische Luftwaffe die Lufthoheit gegen die zwar wenigen, doch hoch effektiven F-14-Kampfflugzeuge der iranischen Luftwaffe nicht erringen.[9] Dass der Versuch, die iranische Luftwaffe gleich zu Beginn zu vernichten, fehlschlug, sollte sich nur in den ersten Kriegsjahren als Nachteil der Iraker erweisen. Die konsequente Aufrüstung der irakischen Luftwaffe u. a. mit Kampfflugzeugen vom Typ Mirage F1 führte letztlich zu einer Luftüberlegenheit der irakischen Luftwaffe ab dem Kriegsjahr 1984.

Liste der wichtigsten Kampfflugzeuge, die während des Ersten Golfkriegs geliefert wurden:

Land Spezifikation Beschreibung Auslieferung Anzahl
Frankreich Mirage F-1C Kampfflugzeug 1982–1990 72
Frankreich Mirage F-1E Kampfflugzeug 1980–1982 36
Frankreich Super Etendard Kampfflugzeug 1983 5
Sowjetunion MiG-21bis (Fishbed-N) Kampfflugzeug 1983–1984 61
Sowjetunion MiG-23BN (Flogger-H) Kampfflugzeug 1984–1985 50
Sowjetunion MiG-25P (Foxbat-A) Kampfflugzeug 1980–1985 55
Sowjetunion MiG-25RB (Foxbat-B) Kampfflugzeug 1982 8
Sowjetunion MiG-29 (Fulcrum-A) Kampfflugzeug 1986–1989 41
Sowjetunion Su-22 (Fitter-H/ -J/ -K) Kampfflugzeug 1986–1987 61
Sowjetunion Suchoi Su-25 Erdkampfflugzeug 1986–1987 84
Sowjetunion Tupolew Tu-22 Bombenflugzeug bis 1974 28
Volksrepublik China Xian H-6 Bombenflugzeug 1988 4
Volksrepublik China Shenyang F-6 Kampfflugzeug 1982–1983 40
Volksrepublik China Chengdu F-7A Kampfflugzeug 1983–1987 80
Summe 626

[10]

Die irakische Luftwaffe war auch für den Abwurf von über 18.500 chemischen Waffen im Ersten Golfkrieg verantwortlich. Am 18. November 1980 wurde bei Susangerd erstmals von irakischen Flugzeugen im Tiefflug von 200 bis 300 Metern Senfgas in Kanistern über iranischen Stellungen abgeworfen. Spätestens 1983 wurde Tabun und weitere Reizstoffe als Kampfmittel über feindlichen Stellungen abgeworfen.[11] Der Giftgasangriff auf Sardasht am 28. Juni 1987 und der Giftgasangriff auf Halabdscha am 16. März 1988 während der Operation Anfal, zeigte auch der Weltöffentlichkeit den Einsatz von Giftgas gegen die Zivilbevölkerung durch die irakische Luftwaffe.

Die Eroberung Kuwaits führte 1991 zum Zweiten Golfkrieg.

Zweiter Golfkrieg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zweiter Golfkrieg
Zerstörte MiG-29 nach der Operation Desert Storm, 1991

Liste der wichtigsten Kampfflugzeuge vor dem Zweiten Golfkrieg (August 1990):

Spezifikation Typ Anzahl
MiG-21
Chengdu J-7
Kampfflugzeug 236
MiG-23 Kampfflugzeug 127
MiG-25 Kampfflugzeug 35
MiG-29 Kampfflugzeug 41
Mirage F1 Kampfflugzeug 94
Su-20/Su-22 Jagdbomber 121
Su-24 Bomber 30
Su-25 Erdkampfflugzeug 66
Tu-22
H-6D
Bomber 7
Summe 757

[12][13]

Nach der Annexion Kuwaits und der darauf folgenden Kampfhandlungen des Zweiten Golfkriegs dezimierte sich die Zahl der irakischen Flugzeuge. 36 irakische Flugzeuge und sechs Hubschrauber wurden von den Alliierten in der Luft abgeschossen, 68 irakische Flugzeuge und 13 Hubschrauber am Boden zerstört.[14] Die irakischen Piloten hatten gegen modernste westliche Technik kaum Möglichkeiten der Gegenwehr. Zwei Flugzeuge der Alliierten konnten von der irakischen Luftwaffe abgeschossen, drei weitere beschädigt werden.[15] Saddam Hussein ließ kurz nach Beginn der Kampfhandlungen 137 Flugzeuge zum Schutz vor Zerstörung in den Iran fliegen.[14] Der Iran hat diese Flugzeuge teilweise in seine Luftwaffe integriert (Su-24, Su-25, MiG-29) und verweigert die Rückgabe[16]

Flugverbotszone von 1991-2003

Liste der wichtigsten Kampfflugzeuge nach dem Zweiten Golfkrieg (März 1991):

Spezifikation Typ Anzahl
MiG-21
Chengdu J-7
Kampfflugzeug 115
MiG-23 Kampfflugzeug 63
MiG-25 Kampfflugzeug 10
MiG-29 Kampfflugzeug 16
Mirage F1 Kampfflugzeug 37
Su-20/Su-22 Jagdbomber 55
Su-24 Bomber 1
Su-25 Erdkampfflugzeug 20
Tu-22
H-6D
Bomber 0
Summe 317

[17]

Nach dem Zweiten Golfkrieg (1991) und dem Aufstand der Schiiten und Kurden wurde eine Flugverbotszone nördlich des 36. Breitengrads und südlich des 33. Breitengrads eingerichtet. Die Einhaltung der Flugverbotszone wurde durch die Operation Northern Watch und Operation Southern Watch kontrolliert. Flugzeuge der irakischen Luftwaffe durften in diesen Zonen nicht fliegen.

Irakkrieg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Irakkrieg
Aus dem Sand geborgene MiG-25

Für die Zeit nach dem Zweiten Golfkrieg (1991) und vor Beginn des Irakkriegs (2003), gibt es kaum zuverlässige Quellen über die Anzahl der flugfähigen/einsatzbereiten Flugzeuge der irakischen Luftwaffe. Die Flugverbotszone tat ein übriges, den Flugbetrieb einzuschränken. Ein Attentat auf Saddam Hussein am 30. September 2002 durch einen irakischen Luftwaffenpiloten einer MiG-23,[18] der bei einer Übung von der Flugroute abwich und den Palast Saddam Husseins bombardieren wollte, führte zur letzten großen Säuberung der irakischen Luftwaffe.[19]

Die irakische Luftwaffe hatte im Irakkrieg nicht einen einzigen Einsatz zu verzeichnen. Saddam Husseins Entscheidung war, die irakische Luftwaffe völlig aus den Kampfhandlungen herauszuhalten und für „zukünftige Aufgaben“ zu schonen. Dazu wurden die Flugzeuge der irakischen Luftwaffe, zwei Monate vor Kriegsbeginn von ihren Stützpunkten entfernt und in Palmenhainen versteckt oder im Wüstensand vergraben.[20]

Der Irakkrieg führte zur völligen Auflösung der Strukturen der irakischen Luftwaffe. Kampfflugzeuge, Bomber u. a. wurden entweder bei den Luftangriffen zerstört, konfisziert oder unbrauchbar gemacht. Nur einige Transportflugzeuge und leichte Hubschrauber waren der Restbestand der einst mächtigen Flugzeugflotte Saddam Husseins.

An-32 der neuen irakischen Luftwaffe, 2011
C-130 der neuen irakischen Luftwaffe

Neuanfang[Bearbeiten]

Die neue irakische Luftwaffe befand sich auch im Jahr 2013 noch im Wiederaufbau und besaß keine strahlgetriebenen Kampfflugzeuge. Kampfflugzeuge vom Typ F-16 sollten jedoch von den USA der Luftwaffe zur Verfügung gestellt werden.[21]
Liste der Flugzeuge der irakische Luftwaffe (Stand 2012):

Spezifikation Beschreibung Anzahl
*geplant
F-16 C Kampfflugzeug geplant
Su-25 Erdkampfflugzeug unbekannt
An-32 Frachtflugzeug 6
C-130 E Transportflugzeug 3 + 6*geplant
AMD Alarus Trainingsflugzeug 8
King Air 350/360 Trainingsflugzeug 6
Lasta 95 Trainingsflugzeug 20
T-6 A Trainingsflugzeug 15
Cessna 208 Zubringerflugzeug 6
Seabird Seeker Leichtflugzeug 2
SA 342 Hubschrauber 6

Quelle: flightglobal.com[22]

Als dann der IS Mitte 2014 seine Offensive im Irak begann, verfügte die neue irakische Luftwaffe effektiv über gerade drei propellergetriebene Kampfflugzeuge des Typs Cessna AC-208, die mit amerikanischen Hellfire-Raketen bestückt worden waren. [23] Angesichts des Vormarsches des IS forciert der Irak den Wiederaufbau seiner Luftwaffe. Die irakischen Streitkräfte erhielten im Juli 2014 nach eigenen Angaben eine erste Lieferung von fünf gebrauchten russischen Kampfflugzeugen des Typs Suchoi Su-25. [24] Die offizielle Übergabe von ersten Kampfflugzeugen des Typs F-16 C ist inzwischen ebenfalls erfolgt, diese sind jedoch im Irak noch nicht einsatzbereit.[25]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexandra Zavis: latimes.com, Iraq's air force taking to the skies again abgerufen am 4. Januar 2013
  2. dodig.mil (PDF; 45 kB) Biographie, abgerufen am 4. Januar 2013
  3. airminded.org (Bild Hinaida-Flugplatz), abgerufen am 7. Januar 2013
  4. Hinaida ist die heutige Al-Rashid-Luftwaffenbasis
  5. a b c d Tom Cooper: Iraqi Air Force Since 1948 abgerufen am 4. Januar 2013
  6. Martin Gilbert (Hrsg.): The Arab-Israeli conflict. Its history in maps 3. Auflage. Weidenfeld & Nicolson, London 1979, ISBN 978-0-297-77592-8 S. 91-92
  7. Die russische Taktik sah eher die Zurückhaltung, die französische Taktik eher die aggressivere Form des Luftkampfes vor. Vergl.: Tom Cooper
  8. Henner Fürtig: Der irakisch-iranische Krieg. Akademie Verlag GmbH, 1992, ISBN 3-05-001905-0.
  9. Kenneth Pollack: Arabs at War, Lincoln, 2002, S. 184-186
  10. Arms Transfers Database, TIV of arms imports to Iraq, 1980-1988, Stockholm International Peace Research Institute.
  11. sipri.org: CHEMICAL WARFARE IN THE IRAQ-IRAN WAR (PDF; 899 kB), abgerufen am 6. Januar 2013
  12. Institut for Defence Analyses Alexandria: Iraqi Perspectives Project Phase II. abgerufen am 4. Januar 2013
  13. Sadiq/McCain: The Gulf War Aftermath. Springer 1993, ISBN 978-0-7923-2278-8, S. 165 ff
  14. a b defense.gov: The Operation Desert Shield/Desert Storm abgerufen am 4. Januar 2013
  15. safarikovi.org: victories-iraq-gulf (PDF; 122 kB) abgerufen am 4. Januar 2013
  16. und begründet dies mit Reparationszahlungen des Irak.
  17. Institut for Defence Analyses Alexandria: Iraqi Perspectives Project Phase II. abgerufen am 4. Januar 2013
  18. Das Flugzeug wurde von einer Luftabwehrrakete der Republikanischen Garde abgeschossen. Die Offiziere der Basis wurden langen Verhören unterzogen, der Pilot wurde schließlich vor den Augen der Belegschaft des Stützpunktes verbrannt. Vergl: Walter Posch
  19. Walter Posch: Irak unter Saddam Hussein (PDF; 1,7 MB) abgerufen am 4. Januar 2013
  20. Mahnken/Keaney: War in Iraq. Routlegde 2007, ISBN 978-0-415-42075-4, S.23
  21. spiegel.de: USA planen Kampfjet-Deal mit dem Irak abgerufen am 4. Januar 2013
  22. WorldAirForces 2013, abgerufen am 4. Januar 2013
  23. ntv am 5. August 2014: Iraks Luftwaffe ist „gefährlich“ - Malikis Rumpel-Airforce
  24. Mit alten Kampfjets gegen die ISIS, www.tagesschau.de am 29. Juni 2014
  25. Iraq Has Brand New F-16s, But Can't Use Them Against ISIS Yet, ibtimes.com am 12. Juni 2014 (engl.)