Iri-Hor

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Namen von Iri-Hor
Iry-hor signs.jpg
Gefäßritzungen mit dem Namen „Iri-Hor“
Eigenname
G5
D21

Iri-Hor / Ro
Jrj-Ḥr / Rw

Gefährte des Horus [1] / Löwe

Iri-Hor (eigentlich Hor-iri, seltener Irihor geschrieben), auch als Ro gelesen, war eventuell ein altägyptischer König (Pharao) der 0. Dynastie (Prädynastik). In der Ägyptologie wird seine Existenz als König allerdings teilweise angezweifelt. Einige Gelehrte sehen in ihm eine Privatperson oder lediglich eine Besitzanzeige.

Belege[Bearbeiten]

Iri-Hor (Ägypten)
Abydos (Grab)
Abydos (Grab)
Zaujet el-Arjan (Fundort)
Zaujet el-Arjan (Fundort)
Fundorte

Iri-Hors Name erscheint grob in Ton eingeritzt auf Gefäßen, die aus dem Doppelgrab B1 und B2 sowie aus den Gräbern der Könige Ka und Narmer in Abydos stammen.[2] Im Grab des Narmer fand sich ein Tonsiegel, dessen Prägung aus den Hieroglyphen „Falke“ und „Mund“ besteht. Ein identisches Tonsiegel wurde in Zaujet el-Arjan gefunden.[1] Sein Name erscheint auch in einer Felsinschrift auf dem Sinai. Dort ist der Name über einem Boot, neben dem Wort Weiße Mauer (der alte Name von Memphis), geschrieben.[3] Aus Iri-Hors Zeit stammen die frühesten Nachweise für die Bezeichnungen „Schemau“ für Oberägypten und „Mehu“ für Unterägypten.[4]

Name und Identität[Bearbeiten]

Zur Lesung des Namens[Bearbeiten]

Iri-Hors Name setzt sich aus den Gardiner-Zeichen G5 für „Horusfalke“ und D21 für „Mund“ zusammen. Während die heute gängige Lesung des Namens „Iri-Hor“ ist, lautete sie zu Flinders Petries und Werner Kaisers Zeiten noch „Ro“, da dies -neben dem Lautwert „r“- die übliche Lesung der Mund-Hieroglyphe war.[5][6] Werner Kaiser und Günter Dreyer deuten und übersetzen Iri-Hors Namen als „Gefährte des Horus“[1], während Jürgen von Beckerath Horus Ra liest und es mit „Sprecher“ und, alternativ, mit „Oberhaupt“ übersetzt.[7] Toby A.H. Wilkinson wiederum liest „Iri-Hor“.[8] Ludwig D. Morenz mag sich auf gar keine Transkription festlegen und schlägt eine neutrale Lesung als „Horus Mund“ vor.[9]

Identität[Bearbeiten]

Iri-Hors Name ist bislang nicht in einem königlichen Serech gefunden worden, sodass eine sichere Identifizierung als König vorerst schwierig bleibt. Ägyptologen wie W.M.F. Petrie[10], Laurel Bestock[6] und Jochem Kahl[11] sehen dennoch in ihm einen eigenständigen Herrscher. Sie weisen auf die markante Schreibweise von Iri-Hors Namen hin: Der Horusfalke hält das Mund-Symbol in seinen Krallen. Auf mehreren Tonsiegeln wird diese Zeichengruppe von einem zweiten, freistehenden Mund-Symbol begleitet. Diese Schreibweise erinnert an zahlreiche anonyme Serechs, die von einem Horusfalken gehalten werden und bei denen einzelne Hieroglyphen dicht daneben stehen (anstatt innerhalb des Serechs). Daher sei das Argument, das Fehlen eines Serechs schließe die Existenz eines Königsnamens aus, unzureichend. Die Ägyptologen weisen abschließend darauf hin, dass sich zu Iri-Hors Zeiten der Serech als kanonisiertes Königswappen noch nicht durchgesetzt hatte.[6]

Tonsiegel mit dem Namen „Iri-Hor“
Plan des Grabes von Iri Hor

Andere Ägyptologen, darunter Peter Kaplony, vermuten hingegen hinter dem Namen eine Privatperson, deren Name wr r3 zu lesen ist.[12][13]

Toby A. H. Wilkinson sieht in „Iri-Hor“ überhaupt keinen Namen, sondern eine Besitzanzeige und übersetzt entsprechend mit „Besitztum des Königs“. Grundlage seiner Einschätzung ist die in der Prädynastik erfolgte Verwendung des Falken als Hieroglyphe für den Begriff „König“.[8][14] Ludwig D. Morenz und Kurt Sethe tendieren in ganz ähnliche Richtung und zweifeln Iri-Hors Identität als König ebenfalls an. Morenz beispielsweise argwöhnt, ob das Mund-Symbol nicht einfach eine phonetische Ergänzung zum Horusfalken ist. Kurt Sethe sieht die Zeichengruppe als Herkunftsanzeige an.[9]

Mögliche Grabstätte[Bearbeiten]

Iri-Hors mögliche Grabanlage in Umm el-Qaab, Tomb B, besteht aus zwei Kammern (B1 und B2). Sie wurde um 1901 von Flinders Petrie ausgegraben und durch Werner Kaiser Iri-Hor unter dem Namen „König Ro“ zugeordnet.[10][15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemeinliteratur[Bearbeiten]

Spezialliteratur[Bearbeiten]

  • Rainer Albertz: Räume und Grenzen: Topologische Konzepte in den antiken Kulturen des östlichen Mittelmeerraums. Utz, München 2007, ISBN 3-8316-0699-4.
  • Laurel Bestock: The Development of Royal Funerary Cult at Abydos: Two Funerary Enclosures from the Reign of Aha (= Menes : Studien zur Kultur und Sprache der ägyptischen Frühzeit und des Alten Reiches, Band 6). Harrassowitz, Wiesbaden 2009, ISBN 3447058382.
  • Douglas J. Brewer: Ancient Egypt: Foundations of a Civilization. Pearson Education, New York 2005, ISBN 0582772532.
  • Edwin C. M. van den Brink: Two pottery jars incised with the name of Iry-Hor from Tomb B1 at Umm el-Ga'ab, Abydos. In: Günter Dreyer, Evamaria Engel, Vera Müller, Ulrich Hartung: Zeichen aus dem Sand: Streiflichter aus Ägyptens Geschichte zu Ehren von Günter Dreyer (= Menes. Band 5). Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 3447058161.
  • Jochem Kahl: Ober- und Unterägypten: Eine dualistische Konstruktion und ihre Anfänge. In: Rainer Albertz: Räume und Grenzen: Topologische Konzepte in den antiken Kulturen des östlichen Mittelmeerraums (= Quellen und Forschungen zur antiken Welt. Band 52). Utz, München 2007, ISBN 3831606994.
  • Jochem Kahl: Das System der ägyptischen Hieroglyphenschrift in der 0.-3. Dynastie (= Göttinger Orientforschungen: Ägypten. Band 29). Harrassowitz, Wiesbaden 1994, ISBN 3447034998.
  • Ludwig D. Morenz: Bild-Buchstaben und symbolische Zeichen. Die Herausbildung der Schrift der hohen Kultur Altägyptens (= Orbis Biblicus et Orientalis. Band 205). Academic Press, Fribourg 2004, ISBN 3-7278-1486-1.
  • William M. Flinders Petrie, F. L. Griffith: The Royal tombs of the earliest dynasties. (= Memoir of the Egypt Exploration Society. Bd. 21). Egypt Exploration Fund, London/ Boston 1901.
  • William M Flinders Petrie: Abydos/ I. (= Egypt Exploration Fund; Memoir of the Egypt Exploration Fund). Egypt Exploration Fund u.a., London 1902.
  • Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt: Strategies, Society and Security. Neuauflage, Routledge, London 2001, ISBN 0415260116.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Werner Kaiser, Günter Dreyer: Umm el-Qaab. Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof. 2. Vorbericht.. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK), 38. Ausgabe. Deutsches Archäologisches Institut, Orient-Abteilung (Hrsg.). de Gruyter, Berlin 1982, S. 211–246.
  2. Edwin C. M. van den Brink: Two pottery jars incised with the name of Iry-Hor from Tomb B1 at Umm el-Ga'ab, Abydos. S. 655–660.
  3. Pierre Tallet, Damien Laisnay: Iry-Hor et Narmer au Sud-Sinaï (Ouadi ‘Ameyra). Un complément à la chronologie des expéditions minières égyptiennes. In: Le Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale. (BIFAO) 2012, Nr. 112, S. 381-395.
  4. Jochem Kahl: Ober- und Unterägypten. München 2007, S. 12.
  5. Flinders Petrie: Abydos/ I. London 1902, S. 4–6.
  6. a b c Laurel Bestock: The Development of Royal Funerary Cult at Abydos. S. 16, 17, 21 & 28.
  7. J. von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. S. 9 & 36.
  8. a b Toby Wilkinson: Early Dynastic Egypt. S. 19, 55 & 234.
  9. a b Ludwig D. Morenz: Bildbuchstaben und symbolische Zeichen. S. 88.
  10. a b Flinders Petrie: The Royal tombs of the earliest dynasties. London 1901, S. 29 & 30.
  11. Jochem Kahl: Das System der ägyptischen Hieroglyphenschrift in der 0.-3. Dynastie. S. 96–101.
  12. Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. S. 36.
  13. Peter Kaplony: Inschriften der Ägyptischen Frühzeit. Band 1. S. 468.
  14. Toby Wilkinson: The identification of Tomb B1 at Abydos: refuting the existence of a king 'Ro/Iry-Hor'. In: Journal of Egyptian Archaeology. (JEA), 79. Ausgabe. Egypt Exploration Society, London 1993, ISSN 0307-5133, S. 91–93.
  15. Werner Kaiser: Einige Bemerkungen zur ägyptischen Frühzeit. In: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde. (ZÄS), 91. Ausgabe, Berlin 1964, S. 86–124.
Vorgänger Amt Nachfolger
unsicher König von Ägypten
0. Dynastie
unsicher