Iridologie

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Rechte Iris mit Eigenschaften (blaue Farbe, "Kranz wolkiger Strukturen vor dem Irisrand"), die iridologisch auf eine „lymphatische Konstitution“ hindeuten sollen

Iridologie (auch Irisanalyse, Irisdiagnostik oder Augendiagnose) ist die pseudowissenschaftliche Ansicht um die Diagnostizierbarkeit systemischer Erkrankungen des Menschen durch Analyse der Gewebsstrukturen und den ihnen zugeordneten Reflexzonen des Auges, speziell der Iris. Sie konnte bisher weder empirisch belegt noch theoretisch begründet werden.[1] Aus Sicht ihrer Anwender ist die Iridologie selten als alleiniges Diagnosewerkzeug einsetzbar und wird deshalb in der Regel durch andere Verfahren ergänzt.[2] Sie diene insbesondere der Feststellung einer Grundveranlagung, die auf mögliche Schwächen im Organismus hinweisen könne.

Geschichte[Bearbeiten]

Neben knappen Beschreibungen der alten Ägypter und einer Veröffentlichung im 15. Jahrhundert (Meyers) wurden die Grundlagen der Irisdiagnostik um 1670 durch Philippus Meynes beschrieben, in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch den ungarischen Arzt Ignaz von Peczely, der als Erster das Verfahren in der Neuzeit erforschte. Heilpraktiker, Naturheilkundler und Homöopathen versuchen, mit Hilfe der Iridologie für sie relevante Symptome und potentielle Krankheitsursachen zu entdecken. Einer der ersten Anwender in Deutschland war der oft als Lehmpastor bezeichnete Emanuel Felke.

Nach wie vor gibt es jedoch ganz unterschiedliche Ansätze und Einzelentwicklungen der Irisdiagnostik und keine vereinheitlichten Grundlagen und Lehrmeinungen, sodass das Verfahren keine wirkliche Lehre oder einen Standard im alternativ-medizinischen Spektrum darstellen würde.[3]

Studien[Bearbeiten]

Iridologen berufen sich unter anderem auf ein 1954 erschienenes 62 Seiten starkes Buch[4] des Mediziners Walter Lang, der bewiesen haben soll, dass von der gesamten Peripherie mit allen Organen Leitungsbahnen zur Iris führten, und zwar über das Rückenmark und den Thalamus als Zwischenstation, segmental geordnet bis in die Segmente der Iris.

Oft genannt wird auch ein Buch des Karlsruher Allgemeinarztes Franz Vida und des Heilpraktikers Josef Deck ebenfalls aus 1954[5], die an 640 Probanden in 74 Prozent Übereinstimmungen von Irisdiagnose und Organerkrankungen gefunden hätten.[6]

Mehrfach wurde nachgewiesen, dass der Irisdiagnostik jede wissenschaftlich Grundlage fehlt.[7] In einer Vielzahl von klinischen Studien gelang es nicht, eine über der Zufallserwartung liegende Treffsicherheit der Irisdiagnostik nachzuweisen.[8][9][10][11][12][13]

Vorgehensweise[Bearbeiten]

Zirkuläre Topografie
Sektorale Topografie

Die Irisdiagnostik will sich auf funktionelle (pathophysiologische) Abläufe im Organismus statt auf organpathologische Zustände konzentrieren und bezieht sich dabei auf die klassische Konstitutionslehre des Altertums (Humoralpathologie). Dabei wird angenommen, dass sich die Iris durch stoffliche, „informatorische“ und psychische Umwelteinflüsse, Nahrung, Lebensweise, Krankheiten, deren Therapie u. a. zeitlebens verändere, indem sie Farbpigmente einlagere oder ihre Fasern örtlich verdichte.

Irisdiagnostiker beurteilen die Grundfarbe des Auges (blau, braun oder Mischformen), Helligkeitsunterschiede des Irisgewebes, Struktur und Muster der Irisfasern (Lockerung, Verdichtung, Spannung, Stärke und Richtung), flocken-, wolken- und nebelartige Ein- und Auflagerungen, Pigmentflecken und -flächen, Farbveränderungen in der Sklera (Augenweiß), und die Blutgefäße der Bindehaut (Menge der Gefäße, Füllung, Schlängelung). Sie nutzen zwei unterschiedlichen Topografien (zirkulär und sektoral), deren Aussagen miteinander verknüpft werden. Augendiagnostiker verwenden in der Regel ein binokulares Spezial-Mikroskop mit 10- bis 40-facher Vergrößerung (Spaltlampe). Diese Geräte sind häufig mit einer Kamera ausgestattet. Sogenannte konstitutionelle Basisinformationen lassen sich auch mit einer Lupe mit vier- bis fünffacher Vergrößerung erheben.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Edzard Ernst: Komplementärmedizinische Diagnoseverfahren. Dtsch Arztebl 2005; 102(44): A-3034 / B-2560 / C-2410
  2. Hans Reuther: Differenzialdiagnose für Heilpraktiker: Anamnese, Untersuchung, Labor, Diagnose. Foitzick Verlag, Juni 2010, ISBN 978-3929338485
  3. Dietmar W. Thumm: Iris-Diagnostik. Ein Beitrag der Augentagesklinik Sursee, Schweiz
  4. Lang, Walter: Die anatomischen und physiologischen Grundlagen der Augendiagnostik. Haug-Verlag, Ulm 1954
  5. Franz Vida, Josef Deck: Klinische Prüfung der Organ- und Krankheitszeichen in der Iris. Haug-Verlag, Ulm 1954
  6. Balken im Auge. Der Spiegel, 25. November 1953
  7. Franz Grehn: Augenheilkunde. Berlin: Springer Verlag, 30. Auflage, 2008, Seite 178. ISBN 978-3-540-75264-6
  8. Simon A, Worthen DM, Mitas JA 2nd: An evaluation of iridology. JAMA. 1979 Sep 28;242(13):1385-9. PMID 480560
  9. Munstedt K, El-Safadi S, Bruck F, Zygmunt M, Hackethal A, Tinneberg HR: Can iridology detect susceptibility to cancer? A prospective case-controlled study. J Altern Complement Med. 2005 Jun;11(3):515-9. PMID 15992238
  10. Norn M: Analysis of iris: history and future Dan Medicinhist Arbog. 2003;:103-17. PMID 14765528
  11. Knipschild P: Looking for gall bladder disease in the patient's iris. BMJ. 1988 Dec 17;297(6663):1578-81. PMID 3147081
  12. Ernst E: Iridology: not useful and potentially harmful, Arch Ophthalmol. 2000 Jan;118(1):120-1. PMID 10636425
  13. Worrall RS: Pseudoscience - a critical look at iridology. J Am Optom Assoc. 1984 Oct;55(10):735-9. PMID 6491119

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Broy: Die Konstitution – Humorale Diagnostik und Therapie. Foitzick Verlag 2009, ISBN 978-3-929338-42-3.
  • Joachim Broy: Repertorium der Irisdiagnose. Foitzick Verlag 2003, ISBN 3-929338-20-3.
  • Raimann et al.: Grundlagen der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde TEN. Bacopa Verlag 2012, ISBN 978-3-902735-21-8.
  • Willy Hauser, Josef Karl, Rudolf Stolz: Informationen aus Struktur und Farbe. Felke Institut 2004, ISBN 3-933422-03-5.
  • Hans Hommel: Irisdiagnose leichtgemacht. Ariston, ISBN 3-7205-1137-5.
  • Bernard Jensen, Donald V. Bodeen: Visions of Health. Avery (Penguin), ISBN 0-89529-433-8.
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