Irmgard Litten

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Irmgard Litten (geborene Wüst; * 30. August 1879 in Halle (Saale); † 30. Juni 1953 in Ost-Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Sie wurde als Tochter einer schwäbischen Gelehrtenfamilie in Halle geboren. Ihr Vater Albert Wüst lehrte dort an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Professor für landwirtschaftliche Maschinenkunde und Meliorationswesen.[1] In Halle lernt sie auch ihren Ehemann den 6 Jahre älteren Fritz Litten kennen. Kurz, nachdem er sein Assessor Examen als Jurist abgelegt hat, heiraten beide im September 1900.[2] Ihre 3 Söhne Hans, Heinz und Rainer kommen innerhalb von 6 Jahren auf die Welt. Wie die meisten Frauen interessiert sie sich bis 1933 nicht für Politik. Dafür aber umso mehr für die Studien von historischer Kunst.

Von 1928 bis 1933 tritt ihr ältester Sohn Hans Litten in Berlin als linker Strafverteidiger groß in Erscheinung. In dem bekannten Berliner Eden Prozess von 1930 blamiert Hans Litten in einer Zeugenvernehmung Adolf Hitler als Führer der NSDAP. 3 Jahre später revanchiert sich dieser. Auch in der Familie und dessen Umfeld wird das politische Wirken von Hans Litten heftig diskutiert. Bei den unterschiedlichsten Gesprächen, wo Irmgard Litten sich wiederholt für ihren Sohn einsetzt, sammelt sie im laufe der Zeit die Erfahrungen, die sie später benötigt, um sich für sein Wohlergehen einsetzen zu können. Nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 wird Hans Litten früh morgens verhaftet und 5 Jahre lang in verschiedenen Konzentrationslagern gefoltert und schikaniert. Nach seiner Verhaftung führt sie einen auch im Ausland anerkannten und viel beachteten Kampf um die Freilassung ihres Sohnes aus der KZ-Haft. Nach dem Selbstmord von Hans Litten im Konzentrationslager Dachau begibt sie sich über die Schweiz und Paris in die Emigration nach Großbritannien.

Dort schreibt sie ihren Bericht über das Schicksal ihres Sohnes und den Zuständen in den deutschen Konzentrationslagern. Er wird 1940 kurz vor der Niederlage Frankreichs unter dem Titel „Die Hölle sieht dich an“ zum ersten Mal auf Deutsch in Paris veröffentlicht. Im gleichen Jahr erscheint er unter dem Titel „A mother fights Hitler“ in England und kurz darauf unter dem Titel „Beyond tears“ in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Jahr darauf wurde er zum ersten mal in Spanisch als „Una madre contra Hitler“. In Deutschland seit 1947 auch unter dem Titel „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“ mehrfach veröffentlicht. Bestreitet ihren Lebensunterhalt hauptsächlich als Mitarbeiterin des Ministry of Information und als Sprecherin der British Broadcasting Corporation (BBC). Sie wird Mitglied im P.E.N. Club in London“. Seit Sommer 1943 Mitglied im „Initiativausschusses für die Einheit der deutschen Emigration“ und der „Freien Deutschen Bewegung“ (FDB). Anfang 1944 Austritt aus dem FDB, als Protest gegen die Deutschlandpolitik der KPD. Beteiligung 1943 an „Der Weg zu einem neuen Deutschland“ (Germany's road to democracy). Kümmert sich zum Ende des Krieges, vor allem um Kriegsgefangene. 1945 erscheint ihre Broschüre „All the Germans" - are they really guilty?“ bei Victor Gollancz, wo sie sich gegen eine Kollektivschuldthese ausspricht und sich für ein antifaschistischen Neuaufbau von Deutschland einsetzt. 1950 Rückkehr nach Deutschland. Lebte vorübergehend auch in der sogenannten Intelligenzsiedlung in Berlin-Schönholz, zu der auch die Straße 201 gehört[3] und anschließend bis zu ihrem Tode in Berlin-Köpenick.

Werke[Bearbeiten]

  • Die Hölle sieht dich an. mit einer Einleitung von Rudolf Olden - Paris : Éditions Nouvelles Internationales, 1940, 293 S.
  • A mother fights Hitler. mit einer Einleitung von William Ebor - London : Allen and Unwin, 1940, 286 S.
  • Beyond tears. mit einer Einleitung von Eleanor Roosevelt - New York : Alliance Book Corporation, 1940, 325 S.
  • Una madre contra Hitler - Mexico : Ed. Minerva, 1940, 299 S.
  • Eine Mutter kämpft gegen Hitler - Bonn : Dt. Anwaltverl., 2000, 250 S., ISBN 3-8240-0435-6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angaben nach Litten: Familiäre Daten, Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Nachlaß Neheimer, entnommen: Benjamin Carter Hett: Crossing Hitler, S. 16,
  2. Familiäre Daten, Nachlaß Neheimer, Crossing Hitler, S. 16,
  3. http://www.max-lingner-stiftung.de/intelligenzsiedlung

Literatur[Bearbeiten]

  • Röder, Werner; Strauss, Herbert A. (Hrsg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 / International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945, Bd.1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben, München 1980. Bd.2: The Arts, Sciences, and Literature, München 1983. Bd.3: Gesamtregister, München 1983 S. 449
  • Knut Bergbauer u. a:: Denkmalsfigur. Biographische Annäherung an Hans Litten 1903 - 1938. Wallstein-Verlag, Göttingen 2008. ISBN 383530268X

Weblinks[Bearbeiten]