Irn-Bru

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Irn-Bru

Irn-Bru (ausgesprochen ˈaɪɚn bruː) ist ein koffeinhaltiger Softdrink aus Schottland. Es wird von der A.G. Barr plc in Glasgow hergestellt. Barrs Irn-Bru wird in Großbritannien, Irland, Russland, Kanada, Südafrika, Teilen Europas, Teilen Australiens und in Singapur verkauft.

Irn-Bru ist für die leuchtend orange Farbe bekannt. Die Formel für Irn-Bru ist ein gut gehütetes Geheimnis, das nur zwei Vorstandsmitgliedern der A.G. Barr plc bekannt ist. Seit 1999 beinhaltet es 0,002 % Ammoniumeisen(III)-citrat, Zucker, Geschmacksstoffe (wie Koffein und Chinin) und Farbstoffe (E110, E124). Es wird dafür geworben, dass Irn-Bru einen leichten Zitrus-Geschmack hat. Für lange Zeit war es der beliebteste Softdrink in Schottland, sogar beliebter als Coca Cola. Doch der starke Wettbewerb zwischen den beiden Marken führte dazu, dass zurzeit etwa genau soviel Irn-Bru wie Coca Cola verkauft wird.[1]

Verpackungen und Produkte[Bearbeiten]

Irn-Bru, Irn-Bru Sugarfree (Light-Variante) und andere Barr-Marken wie beispielsweise „Pineappleade“, „Cream Soda“, „Tizer“, „Red Kola“, „Barr Cola“, und „Limeade“ sind in Einweg-PET- und Mehrwegglasflaschen erhältlich. Die leeren Glasflaschen können bei jeder Verkaufsstelle, die dieses Produkt vertreibt, gegen eine Pfandgebühr von 20 Pence eingetauscht werden.

Für Restaurants und Caféterias ist zusätzlich ein Irn-Bru-Sirup erhältlich. Barr produziert auch weiche, auf der Zunge prickelnde Irn-Bru-Riegel, die stark nach dem Erfrischungsgetränk schmecken. In Schottland wird in ausgewählten Eissalons ein Irn-Bru-Sorbet angeboten.

Vermarktung[Bearbeiten]

Der Stil von Irn-Brus Werbekampagnen hat sich schon immer von dem anderer Erfrischungsgetränke stark unterschieden. Bis vor kurzem waren die häufigsten Varianten die „Made in Scotland from girders“ Werbungen, in denen Irn-Bru-Trinker ungewöhnlich stark, ausdauernd oder magnetisch wurden.

Bei den aktuellen, auf diesem Slogan basierenden TV-Spots handelt es sich um Parodien „typischer“ Limonade-Reklamefilme: eine davon war eine in Coca-Cola-Design gehaltene Werbung, die fröhliche Irn-Bru-Trinker mit Colas „Feelgood“-Ballade aufwiegt; eine andere ahmte Pepsis Strategie nach, in einer fiktiven Heavymetal-Band Popstars für das Produkt werben zu lassen. Seit den 1990er-Jahren wurden verschiedenste Werbemethoden angewandt.

Die wahrscheinlich am besten im Gedächtnis verbliebene Werbekampagne war die lange Zeit laufende TV- und Plakat-Werbeserie in schwarz-weiß, welche unter anderem ein Werbeplakat mit dem Sensenmann und dem Slogan „Don't be scared. You'll still get Irn-Bru on the other side.“ (dt. „Hab keine Angst. Du bekommst auf der anderen Seite immer noch Irn-Bru.“) beinhaltete. Beliebt war auch die vorgebliche Werbung für ein Reinigungsmittel namens „Jef“, das aus einem kleinen Jungen in einer Box bestand, der Irn-Bru-Flecken aus der Wäsche saugte.

Eine beliebte Werbekampagne, die im Jahr 2000 eingeführt wurde, zeigte außergewöhnliche Charaktere in sonderbaren Situationen. Eine TV-Werbung erinnerte an das Fernsehprogramm der 1950er-Jahre. In dem Spot spielte die Mutter am Klavier. Der Vater und die Kinder sangen ein Lied, das von der Mutter allerdings mit „Obwohl ich eigentlich ein Mann war …“ beendet wurde.

Dieser Werbefilm wurde erstmals im Jahr 2000 ausgestrahlt. Als 2003 jedoch eine Neuauflage erschien, tauchten 17 Beschwerden[2] von Personen auf, die den Spot als Angriff auf Transsexualität empfanden. Diese Vorwürfe wurden in einem Bericht über Werbebeschwerden der britischen Medienaufsichtsbehörde „Ofcom“ allerdings entschärft. Laut Barr sollte der Werbespot nur ein scherzhaft gemeinter Beitrag über die verändernden Lebenseinstellungen und Gebräuche im Wandel der Zeit sein. Da die Szene am Ende des Spots, in der sich die Mutter rasierte, als möglicher Angriff auf Transsexuelle erachtet wurde, nahm man den Spot trotzdem aus dem Programm.

Über die Jahre haben Werbekampagnen von Irn-Bru immer wieder für Aufregung gesorgt. Eine Plakatserie zeigte beispielsweise eine Frau mit den Worten „4 ½ inches of pleasure“ (dt. „4 ½ Zoll Vergnügen“). Auf anderen Plakaten wirbt eine Kuh mit dem Slogan „When I'm a burger, I want to be washed down with Irn-Bru“ (dt. „Wenn ich mal ein Burger bin, möchte ich mit Irn-Bru runtergespült werden“). Wegen dieser Plakatwerbung gingen 700 Beschwerden ein, die allerdings von der britischen Werbeaufsicht[3] zurückgewiesen wurden.
Die Darstellung eines deprimierten Gruftis mit den Worten: „Cheer up Goth. Have an Irn Bru“. (dt. „Kopf hoch, Grufti. Trink ein Irn-Bru.“) führte laut Medienberichten zu Beschwerden von Anhängern dieses Trends, da sie vermehrt schikaniert und mit Irn-Bru Dosen beworfen wurden.[4]

Die TV-Werbung für Irn-Bru 32 (dem neuesten Mitglied der Irn-Bru-Familie) stellt einen klischeehaften Glasgower Schläger dar, der als riesiger Kuckuck verkleidet in einer Bibliothek Irn-Bru 32 präsentiert. Auch dieser Werbespot wurde wegen seiner Aggressivität kritisiert und die Strathclyde Police forderte sogar ein Verbot des Spots. Als zynische Antwort auf die Beschwerden wurde kurze Zeit lang eine Version in höflichem „Estuary-English“-Dialekt gesendet. Die britische „Advertising Standards Authority“ stimmte mit der A.G.Barr plc überein, dass der Werbespot als komisch anzusehen sei.

Die aktuelle Marketingkampagne für Irn-Bru ist als die „Phenomenal“-Kampagne bekannt. „Diet Irn-Brus“ momentane „Oh Yeah“ Werbekampagne zeigt einen unglückseligen Schürzenjäger namens „Raoul“ begleitet vom Song „Oh Yeah“ von Yello.

Die Weihnachts-Werbekampagne 2006 war eine Parodie von der in Großbritannien bekannten „Walking-in-the-Air“-Szene vom Zeichentrickfilm „The Snowman“, in der ein Schneemann und der Junge „James“ Irn-Bru trinkend über Schottland fliegen. Auch der Text zum begleitenden Song „Walking in the Air“ wurde auf humorvolle Weise verändert.

Die A.G.Barr plc startete eine Irn-Bru-Marketingkampagne, die an ihr vorrangiges Zielgebiet Schottland gerichtet war. Vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 warb Barr den Trinidad und Tobago-Spieler Jason Scotland an, während der Weltmeisterschaft für Irn-Bru zu werben.

Eine frühe, und lange Zeit laufende Werbekampagne war der in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte Comic „The Adventures of Ba-Bru and Sandy“. Die bekannte „Ba-Bru“-Leuchtreklame vor dem Glasgower Hauptbahnhof war dort viele Jahre lang zu sehen und wurde erst Ende der 1980er-Jahre entfernt.

Der Hauptdarsteller in den Krimis von Ian Rankin, Inspector John Rebus trinkt immer Unmengen von Irn-Bru, meist am Tag danach mit viel Aspirin.

Kultureller Einfluss[Bearbeiten]

Irn-Bru ist als exzellentes Mittel gegen Kater bekannt. Dieses Gerücht hat auch ein Fünkchen Wahrheit in sich, denn alle koffeinhaltigen Getränke helfen gegen Kopfweh und zuckerhaltige Getränke ersetzen Fluide und Zucker. Es wird oft mit alkoholischen Getränken, meistens Wodka und Whisky gemischt. Der populäre britische Alcopop WKD wurde ursprünglich als ein alkoholisches Gegenstück zu Irn-Bru gestartet. Barr startete auch einen Versuch, in den Alcopop-Markt einzusteigen; so wurde eine Mischung aus Irn-Bru und Bell’s Whisky entwickelt. Dieser Drink stellte sich aber als sehr unpopulär heraus und wurde bald wieder vom Markt genommen. Ein späterer Versuch wurde in Form einer offiziellen Irn-Bru Red Square Vodka Linie unternommen. Auch dieser Versuch blieb sehr unpopulär und wurde vom Markt genommen. Zurzeit gibt es nur eine offizielle Irn-Bru-WKD-Sorte. Als McDonald’s seine ersten Restaurants in Glasgow eröffnete, wurde kein Irn-Bru verkauft. Dies wurde von vielen Schotten als Beleidigung empfunden und eine Kampagne wurde gestartet, um Irn-Bru in die Lokale zu bringen. Nachdem vor vielen Lokalen Demonstrationen stattfanden, gab McDonald’s nach und nahm Irn-Bru in sein Sortiment auf. In Schottland wird oft erzählt, dass Irn-Bru in Russland beliebter sei als in Schottland oder dass es dort populärer sei als Coca Cola. Barrs erstes, von amerikanischen Partnern unterstütztes, Projekt in Russland schlug aber im August 2001 fehl. Ein zweiter Versuch zum Markteintritt in Russland im Juni 2002 war aber um einiges erfolgreicher.[5]

Export, Ausländische Märkte und weitere Hersteller[Bearbeiten]

Irn-Bru wird zurzeit in fünf Fabriken in Russland produziert. Außerdem wird es unter Lizenz in Kanada produziert. Irn-Bru und verschiedene andere Barr-Produkte werden auch nach Spanien, in die Niederlande, Griechenland, Zypern und in einige Teile Afrikas und Asiens exportiert. Es ist auch in Irland, Belgien und seit 2005 in Polen erhältlich. Der rechtliche Status von Irn-Bru in den USA ist unklar. Einerseits wird Irn-Bru von mehreren Firmen importiert, andererseits wird es von der US Food and Drug Administration als verbotene Substanz gelistet. Laut der FDA-Website beinhalten Irn-Bru und Diet Irn-Bru die karzinogenen Farbstoffe Cochenillerot A und Gelborange S.[6] Ein Importeur (Irn-Bru USA) ändert die Inhaltsstoffe von Irn-Bru, so dass es den FDA-Regeln entspricht. Die Park Company in East Haven, Connecticut produziert bereits seit Jahrzehnten einen Softdrink mit dem Namen „Iron Brew“. Es ist wahrscheinlich, dass der Produktname vom schottischen Original kommt, im Geschmack unterscheiden sie sich aber deutlich. Der Lebensmittelfarbstoff Cochenillerot A ist auch in Norwegen verboten, Gelborange S ist in Norwegen und Finnland verboten, trotzdem kann Irn-Bru in Finnland in auf Importwaren spezialisierten Geschäften verkauft werden. In Kanada wird Irn-Bru koffeinfrei verkauft, denn bis vor kurzem durften nur dunkel gefärbte Getränke Koffein beinhalten.[7] Dadurch und durch das Weglassen von Chinin ist der Geschmack anders und der Energy-Drink-Effekt gleich Null. Auch in Australien gibt es koffeinfreies, unter Lizenz produziertes Irn-Bru. Die heute nicht mehr bestehende McKinley/McInlay Soft-Drink Company in Cape Breton, Nova Scotia, Kanada verkaufte für viele Jahre ein nicht lizenziertes Getränk namens „Iron Brew“. Es war ein braun gefärbter kohlensäurehältiger Softdrink mit fruchtigem Cola-Geschmack. Nachdem die Firma ihre Geschäftstätigkeiten um 1990 eingestellt hatte, verkaufte die Pepsi Co Inc. das Getränk lokal als „Cape Breton’s I’rn Bru“ weiter. Heutzutage ist dieses Produkt selbst in der Umgebung von Cape Breton nur mehr schwer zu finden. Irn-Bru wird auch in Spanien unter Lizenz vertrieben, dort ist aber die Farbe der Dose heller. In Großbritannien selbst werden von diversen Einzelhandelsunternehmen Nachahmerprodukte von Eigenmarken vertrieben, die als günstigere Alternative zum Original angeboten werden und dabei in der Regel als Iron Brew bezeichnet werden. Ähnliche Getränke werden als Discount-Produkte unter anderem von der Morrisons-Einzelhandelskette sowie der britischen Tochter von Aldi Süd vertrieben.

Irn-Bru 32[Bearbeiten]

Irn-Bru 32 ist ein neues Mitglied der Irn-Bru-Familie und ist Barrs erster richtiger Versuch, mit einer Irn-Bru-Variation am Energy-Drink-Markt Fuß zu fassen. Obwohl es bisher schon einige Energy-Drinks mit Irn-Bru-Geschmack gab, hatten diese eher geringe Bedeutung im Marketingspektrum und wurden meist in Liter-Flaschen verkauft. Irn-Bru 32 soll aber als direkte Konkurrenz zu Marktgrößen wie Red Bull, V oder Red Devil verkauft werden. Angeblich kommt der Name von den 32 geheimen Zutaten von Irn-Bru, andererseits könnte er durch die Koffeinkonzentration von 32 mg/100 ml erklärt werden.

Sponsoring[Bearbeiten]

Irn-Bru ist Langzeitsponsor des FC Queen’s Park in der 3. Schottischen Fußballliga. Die Anhänger des Vereins bezeichnen sich selbst als die „Irn-Bru-Gesellschaft“. Außerdem sponsert die Marke den „World Burns Club“ und die „Robert Burns World Federation“. Die „Irn-Bru Revolution“, eine Achterbahn im Freizeitpark „Blackpool Pleasure Beach“ hat ihren Namen ebenfalls vom Getränk.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Coke takes sparkle from Irn-Bru. The Scotsman, 30. September 2003
  2. Ofcom response to complaints about Leith Agency advert for Irn-Bru. Juli 2004
  3. Complaints Resolved (Public and industry). 1998
  4. Irn Bru ad leaves bad taste. BBC News, 30. Juli 2003
  5. Caps off to Irn-Bru for Russian revelation. The Edinburgh Evening News, 17. Juni 2002
  6. http://www.fda.gov/ora/fiars/ora_import_ia4502.html
  7. We're all killing ourselves. kishcom.com, 27. Juni 2005