Irvingia gabonensis

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Irvingia gabonensis
Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Irvingiaceae
Gattung: Irvingia
Art: Irvingia gabonensis
Wissenschaftlicher Name
Irvingia gabonensis
(Aubry-Lecomte ex O’Rorke) Baill.

Irvingia gabonensis ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Irvingiaceae. Sie ist in feucht-warmen Regenwäldern im nördlichen Zipfel Angolas, im Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, der Elfenbeinküste und im südwestlichen Uganda heimisch.

Beschreibung[Bearbeiten]

Irvingia gabonensis wächst als immergrüner Baum und erreicht Wuchshöhen von 40 Metern. Der aufrechte Stamm besitzt Durchmesser von etwa 1 Meter.[1] Irvingia gabonensis besitzt Brettwurzeln bis zu einer Stammhöhe von etwa 3 Metern. Die äußere graue bis gelb-graue Borke ist glatt und abblätternd. Die Baumkrone ist kugelförmig und dicht. Die Laubblätter sind elliptisch, wobei eine Blattspreite oft runder ist als die andere. Die Blätter laufen spitz zu, sind dunkelgrün und haben eine glänzende Oberseite. Die Blüten sind zweigeschlechtlich. Die Früchte sind beinahe kugelförmig, grün und im Reifestadium zeigen sie eine kräftige, orangefarbene Fruchtpülpe. Der Kern ist holzig und enthält einen Samen. Samen zeigen eine epigäische Keimung.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Bestäubung erfolgt durch einige Insektenfamilien, genauer gesagt Käfer, Diptera oder Hymenoptera.[1] Irvingia gabonensis blüht von März bis Juni. Er hat zwei Fruchtbildungsperioden: Die erste dauert von April bis Juli und die zweite von September bis Oktober. Die Kerne werden durch Säugetiere wie Elefanten und Gorillas verteilt.[2] Infolge des reduzierten Vorkommen dieser Tierarten, nimmt die Verbreitung und die Regeneration von Irvingia gabonensis ab und menschliches Pflanzen wird zunehmend wichtiger.

Die natürliche Verbreitung von Irvingia gabonensis in Afrika

Vorkommen[Bearbeiten]

Irvingia gabonensis ist in feucht-warmen Regenwäldern heimisch, ebenso wie im nördlichen Zipfel Angolas, im Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, der Elfenbeinküste und im Südwesten Ugandas.[1]

Gepflanzt wird sie in Teilen dieses Gebietes, so beispielsweise in Südwest Nigeria, Süd-Kamerun, an der Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Benin.[2]

Irvingia gabonensis kommt im tropisch warmen und im trockenen Klima vor.[3] Dika wächst natürlich in üppig bewachsenem Regenwald, Galeriewäldern und halb-immergrünen Wäldern. Sie wächst von 200 bis 500 Meter Höhe über Meer mit jährlichem Regenfall von 1200 bis 1500 mm. Dika wächst bei Temperaturen von 20 bis 38 °C in beschatteten bis sehr hellen Standorten. Tiefe Böden mit mehr als 1,5 m Gründigkeit sind nötig, mit moderater Fruchtbarkeit und gutem Abfluss. pH-Werte sollten im Bereich von 4,5 bis 7,5 liegen.

Taxonomie[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung dieser Art erfolgte 1857 unter dem Namen (Basionym) Mangifera gabonensis Aubry-LeComte ex O’Rorke. Irvingia gabonensis wurde durch Henri Ernest Baillon in Bot. Méd. 1884, S. 881 veröffentlicht. Der Gattungsname Irvingia ehrt den schottischen Botaniker E. G. Irving, der von 1816 bis 1855 lebte.

Synonyme für Irvingia gabonensis (Aubry-Lecomte ex O’Rorke) Baill. sind: Irvingia barteri Hook.f., Irvingia caerulea Tiegh., Irvingia duparquetii Tiegh., Irvingia erecta Tiegh., Irvingia griffonii Tiegh., Irvingia hookeriana Tiegh., Irvingia pauciflora Tiegh., Irvingia velutina Tiegh., Fegimanra africana (Oliv.) Pierre, Mangifera africana (Oliv.)[4]

Nutzung[Bearbeiten]

Die im Heimat- sowie Anbaugebiet als Dika bezeichnete Kulturpflanze im afrikanischen, tropischen Flachland und in den Zonen des tropischen Regenwaldes ist Pflanzenbau mit modernen, agronomischen Bewirtschaftungsmethoden schwierig.[2] Dika wird von der einheimischen Bevölkerung sehr geschätzt, unter anderem weil Dika ihnen ein geringes Einkommen beschert.[2] Dika eignet sich zur Bekämpfung von Mangelernährung im Westen Afrikas, weil sie energiereich ist und sechs von acht essentielle Aminosäuren enthält.

Produkte[Bearbeiten]

Die Früchte können frisch gegessen werden, daher rührt Dikas alternativer Name afrikanische Mango.[1] Die Früchte können zu Gelee, Konfitüre, Saft und manchmal sogar Wein verarbeitet werden.[5] Das „Fruchtfleisch“ wurde auch schon verwendet, um schwarze Farbe für das Färben von Kleidern herzustellen. Im Gegensatz zum Kern ist die Frucht eine nur kleine Ressource. Die harte Samenschale der Frucht muss geknackt werden, bevor der Samen verwendet werden kann. Die Samen, auch Dika-Nuss genannt, werden roh oder geröstet gegessen. Meist werden die Samen zu Butter verarbeitet oder in einen schokoladeähnlichen Block. Samen können gepresst werden, um ein bei Raumtemperatur flüssiges Speiseöl oder essbare Margarine herzustellen. Das Öl kann aber auch zu Seife, Kosmetik oder Pharmazeutika weiterverarbeitet werden.[5] Der Presskuchen kann als Viehfutter dienen oder als Dickungsmittel für Suppen. Die Samen können gemahlen oder gequetscht werden und werden so als Dickungsmittel und Gewürz für Suppen und Eintöpfe verwendet. Es wird vermutet, dass diese eindickende Eigenschaft durch schleimige Polysaccharide verursacht werden, welche beim Kochen viskoser werden. Die Samen können zur Haltbarmachung zu einem Kuchen verarbeitet werden, der „Dika-Brot“ genannt wird.[5] Für den medizinischen Gebrauch werden meist Borke und Blätter verwendet. Es wird als Abführmittel verwendet, bei Problemen mit dem Magen-Darm-Trakt, Leber-Problemen, Hernien oder bei Problemen beim Wasserlassen, Wunden und Schürfungen können ebenfalls damit behandelt werden. Das Holz ist sehr hart und wird darum gewöhnlich für den Tiefbau verwendet oder als Eisenbahnschwellen. Tote Äste werden als Brennholz verwendet. Die Bäume werden in Agrarforstsystemen verwendet, um anderen Kulturen Schatten zu spenden, im Besonderen für Kaffee und Kakao. Die Bäume werden auch eingesetzt, um Erosion zu reduzieren. Außerdem beginnen Städte Irvingia gabonensis in Straßen zu verwenden, um Straßen zu beschatten, als Windschutz oder zur Zierde.[5] Tausende Tonnen von Dika-Samen werden jährlich gehandelt. Dieser Handel findet hauptsächlich innerhalb Afrikas statt, doch der Export in die USA wächst. Als cash crop generiert Dika vielen Leuten ein Einkommen.

Dika als Nahrungsmittel[Bearbeiten]

Nährwert der Samen pro 100 g essbare Menge, was 2918 kJ Energie entspricht:[5]

Fett 67 g
Kohlenhydrate 15 g
Eiweiß 8,5 g
Wasser 4 g
Kalzium 120 mg
Eisen 2,4 mg

Neben oben aufgelisteten Inhaltsstoffen enthalten die Samen Spuren von Thiamin, Riboflavin und Niacin. Das ungefähre Fettsäurenverhältnis ist 33–70 % Myristinsäure, 20–59 % Laurinsäure, 1–11 % Ölsäure, 2 % Palmitinsäure und 1 % Stearinsäure. Die enthaltenen Aminosäuren sind für die menschliche Ernährung von hoher Wertigkeit. Da Lysin, Tryptophan, Valin, Isoleucin und Phenylalanin in hoher Konzentration im Samen vorkommen, sind Methionin und Cystein die erstlimitierenden Aminosäuren.

Im Gegensatz zur Pulpe anderer Irvingia-Arten ist diejenige der Frucht der Irvingia gabonensis saftig und süß und wird frisch gegessen. Die Nährstoffgehalte entsprechen 100 g einer essbaren Ration von Fruchtpulpe, welche 255 kJ enthält:[5]

Wasser 81 g
Kohlenhydrate 15,7 g
Eiweiß 0,9 g
Fett 0,2 g
Phosphor 40 mg
Kalzium 20 mg
Vitamin C 7 mg
Eisen 2 mg

Die Hauptinhaltsstoffe des Fruchtfleisches sind Zingiberen, α-Kurkumen, Ethyl- und Methylester der Zimtäsäure, Dodecanal und Dodecanol. Diese Inhaltsstoffe verleihen der Frucht einen würzig-erdigen, fruchtigen, weinig-hefigen Geschmack.

Bewirtschaftung[Bearbeiten]

Bis vor wenigen Jahren wurden 90 % der Dika-Produkte von wilden, zerstreuten Bäumen geerntet.[2] Weil die Meinung weit verbreitet war, dass neu gepflanzte Bäume erst nach 15 Jahren Früchte tragen, wurden keine gepflanzt. Obwohl keine neuen gepflanzt wurden, sind sie in oben genannten Gebieten zahlreich vorhanden, weil sie selten gefällt wurden. In neuen Pflanzungen wurde die erste Blüte zwei bis fünf Jahre nach dem Pflanzen beobachtet.[2] Dika wurde bisher nicht bewirtschaftet, darum ist kaum Erfahrung oder Information betreffend ihrer Kultivierung vorhanden. Die Keimrate von Samen ist tief und wenn sie nicht sorgfältig gelagert werden, keimen sie meist gar nicht. Die Ernte der Früchte im Reifezustand, wo sie noch grün sind, gefolgt von einer Nachreifung bei 26–29 °C führte bezüglich Farbe und Textur zu Früchten, welche gegenüber denjenigen, welche am Baum ausreiften, bevorzugt wurden. Heutzutage werden die meisten Samen durch Handarbeit von der Samenhülle befreit. Verschiedene Techniken werden in ganz Afrika dazu verwendet. Zum Teil werden die Samen von frischen Früchten geerntet, zum Teil lässt man sie zuerst in der Frucht gären. Alle Samenerntetechniken sind sehr zeitbeanspruchend.

Züchtung[Bearbeiten]

Die Domestizierung von Dika hat eben erst angefangen.[2] Um 1990 wurde angefangen Dika im großen Maße, durch vegetative Vermehrung, zu replizieren und selektieren. Pfropfen, Knospen und Vermehrung durch Stammstückeschneiden funktionieren, wenn sie an jungem Gewebe durchgeführt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d A tree species reference and selection guide (Version vom 24. Oktober 2013 im Internet Archive)
  2. a b c d e f g National Research Council: Lost Crops of Africa, volume 2, vegetables. The National Academy of Sciences, Washington 2006, ISBN 0-309-10333-9, S. 119–135.
  3. http://ecocrop.fao.org/ecocrop/srv/en/dataSheet?id=6958
  4. Eintrag bei Flora Africana vom Conservatorio y Jardín Botánico de Ginebra.
  5. a b c d e f http://www.prota4u.org/protav8.asp?g=pe&p=Irvingia+gabonensis+%28Aubry-Lecomte+ex+O%27Rorke%29+Baill

Weblink[Bearbeiten]

  • Irvingia gabonensis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.2. Eingestellt von: World Conservation Monitoring Centre, 1998. Abgerufen am 28. Januar 2014
  • Irvingia gabonensis. In: S. Dressler, M. Schmidt, G. Zizka (Hrsg.): African plants - A Photo Guide. Senckenberg, Frankfurt/Main 2014.