Isabelle Huppert

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Isabelle Huppert bei den Filmfestspielen von Cannes 2009

Isabelle Anne Huppert (* 16. März 1953 in Paris) ist eine französische Film- und Theater-Schauspielerin. Huppert ist eine der am höchsten und am häufigsten ausgezeichneten Schauspielerinnen ihrer Generation.

Familie[Bearbeiten]

Isabelle Huppert − Tochter des Sicherheitsingenieurs Raymond Huppert und der Englischlehrerin Annick Huppert − hat mit Caroline (Regisseurin), Jacqueline und Elisabeth (Schauspielerin) drei Schwestern sowie den Bruder Rémi. Isabelle Huppert ist seit 1982 mit Ronald Chammah verheiratet. Das Ehepaar hat drei Kinder: Ihre Tochter Lolita Chammah (1983) ist auch Schauspielerin und spielte in Copacabana ihre Filmtochter.[1] Ihr jüngster Sohn wurde 1998 geboren.[2]

Isabelle Huppert lebt in Paris.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Huppert bei den 66. Filmfestspielen von Venedig 2009

Bereits im Alter von vierzehn Jahren nahm Isabelle Huppert am Conservatoire de Versailles Schauspielunterricht, dem Kurse bei Jean-Laurent Cochet folgten. Es war der Beginn einer Theaterkarriere.

Film[Bearbeiten]

1971 gab sie ihr Filmdebüt in Faustine et le bel été. Zu den frühen Höhepunkten ihrer Filmkarriere zählen Die Ausgebufften, Der Richter und der Mörder und Die Spitzenklöpplerin. Spätere Filme festigten ihren Ruf als Darstellerin tiefgründiger Charaktere, deren zerbrechliche Erscheinung mit ihrer Willensstärke kontrastiert, so z.B. Die Kameliendame. Sie drehte häufig mit Regisseur Claude Chabrol, mit dem sie ein tiefgehendes künstlerisches Verständnis verband.[3] Mehrfach spielte sie auch unter der Regie von Michael Haneke, wofür sie zuletzt für die Rolle der Erika Kohut in Die Klavierspielerin bei den Filmfestspielen in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde.

1980 versuchte sie den Sprung nach Hollywood; Michael Ciminos Spätwestern Heaven’s Gate geriet jedoch zu einem der größten Flops der Filmgeschichte; amerikanische Filme blieben die Ausnahme. So drehte sie 1987 Das Schlafzimmerfenster, im Jahr 1994 Amateur von Regisseur Hal Hartley und im Jahr 2004 I ♥ Huckabees.

Im Mai 2009 übernahm Huppert bei den 62. Internationalen Filmfestspielen von Cannes das Amt der Jurypräsidentin. Mit dem Hauptpreis der Goldenen Palme wurde der Beitrag Das weiße Band des Österreichers Michael Haneke ausgezeichnet.[4] Bereits 1984 war sie neben Michel Deville und Stanley Donen Mitglied der Wettbewerbsjury in Cannes gewesen, die unter der Leitung des britischen Schauspielers Dirk Bogarde das Drama Paris, Texas von Wim Wenders mit der Goldenen Palme ausgezeichnet hatte.

Theater[Bearbeiten]

Parallel zu ihrer Filmarbeit trat Huppert auch immer wieder als erfolgreiche Theaterschauspielerin in Erscheinung. Auf französischen und europäischen Bühnen übernahm sie sowohl Hauptrollen in klassischen Stücken wie Shakespeares Komödie Maß für Maß (Paris, 1991) und Schillers Maria Stuart (London, 1996), als auch in zeitgenössischen Stoffen wie Sarah Kanes 4.48 Psychose (Paris, 2002; Berlin, 2005), Heiner Müllers Quartett (Paris und Berlin, 2006),Yasmina Rezas Der Gott des Gemetzels (2008) oder Krzysztof Warlikowskis Un Tramway (Paris und Berlin, 2010). Für die Titelrollen in Un mois à la campagne, Virginia Woolfs Orlando, Euripides' Medea und Ibsens Hedda Gabler wurde sie insgesamt fünfmal für den Molière als Beste Hauptdarstellerin nominiert, konnte den wichtigsten französischen Theaterpreis bisher aber nicht gewinnen.

Als Sängerin zeichnete Huppert gemeinsam mit Jean-Louis Murat für den Liederzyklus Madame Deshoulières (2001) verantwortlich, sie übernahm ein Jahr später auch einen Gesangspart in dem Film 8 Frauen (2002).

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Isabelle Huppert gewann zahlreiche Preise, darunter 1996 den César für die beste Darstellerin für ihre Rolle der Jeanne im Film Biester von Claude Chabrol. Darüber hinaus wurde sie 13 weitere Male und damit häufiger als jede andere Schauspielerin für den César nominiert. Zweimal wurde sie als beste Darstellerin bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet, 1978 für Chabrols Violette Nozière und 2001 für Die Klavierspielerin, nach dem gleichnamigen Roman von Elfriede Jelinek. 2002 erhielt sie zusammen mit ihren sieben Partnerinnen einen Silbernen Bären bei der Berlinale für die Krimikomödie 8 Frauen. Im November 2011 erhielt die Schauspielerin den mit 10.000 Euro dotierten Darstellerpreis Die Europa des Internationalen Filmfests Braunschweig.

Isabelle Huppert in Karlsbad, 2009

César[Bearbeiten]

  • 1976: Nominierung als Beste Nebendarstellerin für Aloïse
  • 1978: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Die Spitzenklöpplerin
  • 1979: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Violette Nozière
  • 1981: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Der Loulou
  • 1982: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Der Saustall
  • 1989: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Eine Frauensache
  • 1995: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Trennung
  • 1996: Auszeichnung als Beste Hauptdarstellerin für Biester
  • 1999: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Schule des Begehrens
  • 2001: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Saint Cyr
  • 2002: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Die Klavierspielerin
  • 2003: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für 8 Frauen
  • 2006: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Gabrielle – Liebe meines Lebens
  • 2013: Nominierung als Beste Nebendarstellerin für Liebe

Chlotrudis Awards[Bearbeiten]

Coppa Volpi[Bearbeiten]

  • 1988: Auszeichnung als Beste Darstellerin für Eine Frauensache
  • 1995: Auszeichnung als Beste Darstellerin für Biester

Europäischer Filmpreis[Bearbeiten]

Internationale Filmfestspiele von Cannes[Bearbeiten]

  • 1978: Auszeichnung als Beste Darstellerin für Violette Nozière
  • 2001: Auszeichnung als Beste Darstellerin für Die Klavierspielerin

Molière[Bearbeiten]

  • 1989: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Un mois à la campagne
  • 1994: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Orlando
  • 1995: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Orlando
  • 2001: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Medée
  • 2005: Nominierung als Beste Hauptdarstellerin für Hedda Gabler

Prix Lumière[Bearbeiten]

  • 1996: Auszeichnung als Beste Darstellerin für Biester
  • 2001: Auszeichnung als Beste Darstellerin für Chabrols süßes Gift
  • 2006: Auszeichnung als Beste Darstellerin für Gabrielle – Liebe meines Lebens

weitere[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Isabelle Huppert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Greuling: Es bleibt in der Familie. In: Wiener Zeitung vom 28. Juni 2012.
  2. Gabriela Herpell: In jedem Schauspieler steckt extreme Sensibilität und extreme Kälte. In: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 36, 6. September 2013, S. 82.
  3. Wilhelm Roth (epd): Zum Tod von Claude Chabrol – der scharfsichtige Kritiker. In: Badische Zeitung vom 13. September 2010.
  4. vgl. Dirk Knipphals: Jurypräsidentin mit Ausdruckskraft. In: die tageszeitung vom 3. Januar 2009, S. 2