Isambard Kingdom Brunel

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Brunel vor der Ankerkette des Dampfschiffes Great Eastern. Die Fotografie von Robert Howlett, eine Leitikone des 19. Jahrhunderts, zeigt die selbstbewusste Ausstrahlung eines Mannes, der alles technisch Mögliche auch für machbar hält.[1]
Unterschrift Brunels

Isambard Kingdom Brunel (* 9. April 1806 in Portsmouth; † 15. September 1859 in London) war ein britischer Ingenieur und ein technischer Pionier des Zeitalters der Industriellen Revolution. Er ist mit dem Bau der Great Western Railway (GWR) und einer Reihe bekannter Dampfschiffe und Brücken bekannt geworden.[2]

Familie und Vorfahren[Bearbeiten]

Brunel wurde als Sohn von Sir Marc Isambard Brunel und Sophia Kingdom Brunel in der Britain Street in Portsmouths Stadtteil Portsea geboren. Sein Vater stammte aus Frankreich und war dort ein royalistischer Marineoffizier gewesen. Er floh vor der Französischen Revolution erst in die USA und 1799 nach Großbritannien, wo er in einer Block-Firma arbeitete. Auch Brunel selbst verbrachte einige Jahre in Frankreich. Die ganze Familie zog 1808 wegen der Arbeit des Vaters nach London. Brunel hatte zwei Schwestern, Sophia und Emma, und hatte eine fröhliche Jugend, obwohl die Familie zeitweise Geldschwierigkeiten hatte.[3]

Ausbildung[Bearbeiten]

Brunels Vater unterrichtete ihn schon ab 4 Jahren im Zeichnen. Mit acht Jahren hatte er die Euklidische Geometrie gelernt und sprach Französisch fließend. Sein Interesse an Bauwerken nahm zu und er konnte bereits Fehler in den Strukturen und Entwürfen entdecken und korrigieren. Er wurde dann in ein Internat zu Dr. Morrell in Hove geschickt. Sein Vater wollte ihm von Anfang an eine hochklassige Bildung zukommen lassen, wie er selbst sie in Frankreich genossen hatte. Im Alter von 14 Jahren ging Brunel an das College von Caen in der Normandie und schließlich ans Lycée Henri IV in Paris, das für seine Mathematiklehrer berühmt war. Als Brunel 15 Jahre alt war, wurde sein Vater wegen Schulden in Höhe von 5.000 Pfund für drei Monate inhaftiert. Nachdem Brunel die Schulzeit am Henri-Quatre abgeschlossen hatte, wollte sein Vater ihn zur angesehenen École polytechnique (Technische Hochschule) senden, was ihm als Briten jedoch nicht gestattet wurde. Deshalb ließ sich Brunel beim berühmten Uhrmacher Abraham Louis Breguet in Paris ausbilden, der den jungen Brunel sehr lobte. 1822 kehrte Brunel nach vier Jahren wieder nach Großbritannien zurück.[4]

Bauprojekte[Bearbeiten]

Thames Tunnel[Bearbeiten]

Bereits im Alter von 20 Jahren ernannte ihn sein Vater zum leitenden Ingenieur beim Bau des Londoner Themsetunnels, da zwei der wichtigsten Ingenieure bei einem Unfall im Tunnel ums Leben gekommen waren. Der Tunnel war eines der größten Projekte seines Vaters.[5] Der Tunnel war der erste im Schildvortrieb gebaute Tunnel und der erste große Tunnel überhaupt unter einem Fluss. Die Röhre von der einen Seite zur anderen zu treiben, dauerte annähernd zwei Jahrzehnte (1825−1843). In dieser Zeit gab es zwei schwere Zwischenfälle, bei denen Wasser in den Tunnel eindrang und der junge Brunel beinahe ums Leben kam; insgesamt kamen im Verlauf des Projektes zehn Arbeiter ums Leben. Sechs Monate lang erholte Isambard Brunel sich in Clifton bei Bristol von diesem Unglück, litt aber bis an sein Lebensende an den davongetragenen Schäden. Die Arbeit am Tunnel wurde zunächst eingestellt, da sich keine Investoren mehr fanden, wurde jedoch sieben Jahre später, 1843, fertiggestellt. Der Tunnel war der erste, der jemals unter einem schiffbaren Fluss hindurchführte;[6] ursprünglich für Fußgänger vorgesehen, dient der Tunnel heute der London Overground.[7] Zu dieser Zeit fing Brunel auch an ein Tagebuch zu führen, das von seiner Energie und Begeisterung zeugt.

Eisenbahnbau[Bearbeiten]

1831 wurde er Chefingenieur der Bristol-Docks und entwarf und baute in der Folge die Dockanlagen in Plymouth, Cardiff, Brentford und Milford Haven.[8] Schon 1833 wechselte er zum Eisenbahnbau für die Great-Western-Eisenbahngesellschaft, wo er anstelle der Normalspurweite eine 2.140-mm-Breitspur einführte. In den Jahren nach Brunel wurden die Strecken trotz der Vorteile seiner Konzeption auf Normalspur umgespurt. Neben mehr als 1.500 km unter seiner Regie gebauten Eisenbahnstrecken im Westen, den Midlands, Südwales und Irland wurde er vor allem für die Kunstbauten seiner Strecken gerühmt: Mit ihren zahlreichen Viadukten, Bahnhöfen und Untertunnelungen galten sie als eines der Wunder des viktorianischen England.

Brunel nutzte eine Britschka als mobiles Büro zur Überwachung des Baus der Great Western Railway, wobei er ein Zeichenbrett, Streckenpläne, sein Werkzeug sowie 50 seiner liebsten Zigarren und ein Klappbett mitnahm. Er war auch bekannt dafür, dass er täglich bis zu 40 Zigarren rauchte und mit 4 Stunden Schlaf auskam.[9]

Schiffbau[Bearbeiten]

Great Eastern, Juli 1866

Noch vor Eröffnung der Great-Western-Eisenbahn nutzte Brunel sein Renommée, um die Anteilseigner der Bahngesellschaft zu überzeugen, die Great Western zu bauen, zu dieser Zeit das bei weitem größte Dampfschiff der Welt.[10] Die Jungfernfahrt fand 1837 statt. 1843 folgte die Great Britain, der erste propellergetriebene Transatlantikdampfer, dessen Rumpf zudem nicht mehr aus Holz, sondern aus Eisen bestand. Weitere besondere Merkmale des Schiffes, das heute im von Brunel eigens dafür entworfenen Trockendock in Bristol liegt, sind ein Doppelboden und wasserdichte Schotts.

Aufbauend auf diesen beiden Erfolgen wandte sich Brunel 1852 mit der Great Eastern seinem dritten Schiff zu,[11] das mit 18.916 Bruttoregistertonnen ein Gigant der Meere war – ein Rekord, den erst die Celtic im Jahr 1901 einstellen konnte. Schon während des Baus gerieten die Kosten außer Kontrolle, und es gab eine Reihe technischer Probleme. Auch die Größe wurde zu einem Problem, mit etwa 4.000 Passagierplätzen war es für die damalige Zeit bei weitem zu groß dimensioniert. So wurde es bald als Kabelleger über den Atlantik eingesetzt.

Brückenbau[Bearbeiten]

Isambard Brunel war auch am Bau einiger großer Brücken beteiligt, darunter der Clifton Suspension Bridge in der Nähe von Bristol und der Royal-Albert-Brücke in Saltash (Cornwall), die beide erst nach seinem Tod fertiggestellt wurden (siehe auch: Geschichte des Brückenbaus). Die Hängebrücke in Clifton war bei ihrer Fertigstellung die Brücke mit der größten Spannweite der Welt.

Tod und Nachleben[Bearbeiten]

Statue von Brunel auf dem Bahnhof London-Paddington.
Statue von Brunel auf dem Gelände der nach ihm benannten Brunel University. Zur Kompensierung seines kleinen Wuchses (1,60 Meter) trug er fast immer einen hohen Zylinder.[7]

Kurz vor der Jungfernfahrt seines größten Schiffes Great Eastern erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Zehn Tage später starb er im Alter von nur 53 Jahren und wurde – wie sein Vater – auf dem Kensal-Green-Friedhof in London begraben.

Viele seiner Originalnotizen und -zeichnungen sind heute Teil der Brunel Collection der University of Bristol.

Ihm zu Ehren tragen einige Institutionen seinen Namen. So ist die Brunel University in Uxbridge (Stadtteil in Greater London) nach ihm benannt und seit 1985 wird der Brunel Award von einer internationalen Jury aus Designern und Architekten für Eisenbahndesign vergeben (Bauten und Fahrzeuge). Nach ihm wurde auch die Brunel GmbH benannt, ein Dienstleistungsunternehmen im Ingenieurbereich, dessen 1995 gegründete deutsche Zentrale sich in Bremen befindet. In Swindon, das der Great Western Railway seine Bedeutung verdankt, ist ein großes Einkaufszentrum im Stadtkern, das Brunel Center, nach Brunel benannt.

In Swindon steht auch eine Brunel-Statue, ebenso wie im Londoner Bahnhof Paddington. Zwei weitere Statuen sind dem Foto Brunels mit der Ankerkette nachempfunden und auf dem Gelände der nach Brunel benannten Universität in Uxbridge sowie unweit des Bahnhofs Temple Meads in Bristol zu sehen, vor dem Hauptsitz der Anwaltskanzlei Osborne Clarke, deren Mandant Brunel war. Im Bahnhof wird seit 2006 auch eine dreidimensionale Wandcollage aus Aluminiumplatten ausgestellt, die Grafiken auf der Grundlage von Brunels Skizzenbüchern zeigen.[12]

Brunel ist bis heute Teil der populären Kultur. Als die BBC 2002 danach fragte, wer die 100 größten Briten seien, wählten ihn die Umfrageteilnehmer hinter Winston Churchill auf den zweiten Platz.[13] Im historischen Roman Rausch von John Griesemer spielt Brunel eine nicht unwesentliche Rolle,[14] und bei den Olympischen Spielen in London 2012 verkörperte Kenneth Branagh Brunel bei der Eröffnungsfeier.[15] Bis heute hält sich die Legende, dass der Box Tunnel auf der Great Western Main Line so gebaut worden sei, dass die Sonne immer an Brunels Geburtstag durch den ganzen Tunnel scheint.

Werke[Bearbeiten]

Eine Auswahl seiner bekanntesten Werke:

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Isambard Kingdom Brunel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zu dem Foto Andy Grundberg: The Machine and the Garden. Photography, Technology, and the End of Innocent Space. In: ders.: Crisis of the Real. Writings on Photography, 1974–1989. Aperture, New York 1990, S. 50–65, hier S. 51: „the famous Robert Howlett portrait of Isambard Kingdom Brunel, who is shown standing with obvious pride and self-satisfaction … [the picture shows] the creation of a new Eden, one in which the ideal of the garden is supplanted by the ideal of the machine“.
  2. Isambard Kingdom Brunel (1806–1859), Kurzbiographie auf BBC History (Englisch).
  3. Childhood and Family Background auf Brunel200.com (Englisch).
  4. Buchanan (2006), S. 18 (Englisch).
  5. Isambard Kingdom Brunel bei der Brunel University, zuletzt aktualisiert am 4. Oktober 2010 (Englisch).
  6. The Thames Tunnel bei Brunel200.com.
  7. a b Bernd Nebel: Isambard Kingdom Brunel auf der privaten Website Brücken: Architektur, Technik, Geschichte, zuletzt aktualisiert am 27. August 2011.
  8. Isambard Kingdom Brunel auf der Website SS Great Britain (Englisch).
  9. Olinka Koster: Close but no cigar...how Brunel became a non-smoker. In: Daily Mail vom 19. Juli 2006.
  10. SS Great Britain auf Brunel200.com (Englisch).
  11. SS Great Eastern auf Brunel200.com (Englisch).
  12. Temple Meads Brunel Artwork Unveiled. In: BBC.co.uk vom 14. September 2006.
  13. Churchill voted greatest Briton auf BBC.com vom 24. November 2002.
  14. John Griesemer: Rausch. München, Piper 2005, ISBN 3-49224-226-X.
  15. London 2012: Faster, Higher, Stranger – Quirky Offcuts of the Olympics. In: The Observer vom 28. Juli 2012.