Isan

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Isan (Begriffsklärung) aufgeführt.
Lage im Nordosten Thailands

Isan (Thai: อีสาน, Aussprache: [ʔiːsǎːn], auch Isaan geschrieben; aus Pali īsān oder Sanskrit īśān „Nordosten“; offiziell „Nordostregion“, thailändisch: ภาคตะวันออกเฉียงเหนือ, Phak Tawan-ok chiang nuea) bildet den nordöstlichen Teil Thailands. Es liegt auf der Khorat-Hochebene und wird im Norden und Osten vom Mekong begrenzt, im Süden von Kambodscha. Im Westen trennen das Phetchabun-Gebirge, die Berge des Dong Phaya Yen und die Sankamphaeng-Kette den Isan von Nord- und Zentralthailand.

Im Isan ist die Landwirtschaft der vorherrschende Wirtschaftssektor, aber wegen der ungünstigen Umstände bleibt der Ertrag hinter dem anderer Landesteile zurück. Der Isan ist die ärmste Region in Thailand, hat aber in den letzten Jahren stark aufgeholt.[1]

In der Region wird hauptsächlich (ca. 15 Millionen Sprecher) Isan gesprochen, das der Laotischen Sprache und der Thailändischen Sprache sehr ähnelt. Die offizielle Landessprache Thai ist ebenfalls weit verbreitet. Die einheimische Sprache im Süden des Isan (Surin) ist Khmer Surin, ein nördlicher Dialekt der Khmer-Sprache. Die meisten Einwohner sind Lao bzw. Isan, dennoch war die Integration des Isan in den modernen thailändischen Staat durch die gemeinsamen ethnischen Wurzeln der Lao, Thai und Isan weitgehend erfolgreich.

Bekannte Aspekte der regionalen Kultur umfassen „Mor Lam“-Musik, Muay-Thai-Boxen und Klebreisgerichte mit Chili, die mit den Fingern gegessen werden.

Geographie[Bearbeiten]

Übersichtskarte des Isan mit Lage der Städte, Bergketten und Flüsse.
Infolge der Abholzungen innerhalb des Isan können die Grenzen zu Laos und Kambodscha ausgemacht werden.

Der Isan bedeckt eine Fläche von etwa 160.000 Quadratkilometern und ist grob deckungsgleich mit der Khorat-Hochebene, die von den Phetchabun-Bergen im Westen in Richtung Mekong abfällt. Die Hochebene besteht aus zwei Hauptebenen: der südlich gelegenen Ebene von Khorat (Nakhon Ratchasima), die von den Flüssen Chi und Mun durchzogen wird, und der nördlichen Sakon Nakhon-Ebene mit den Flüssen Loei und Songkhram. Die beiden Ebenen werden getrennt durch den Phu-Phan-Höhenzug. Der Boden ist überwiegend sandig mit einigen Salzablagerungen. Der Mekong bildet im Norden und Osten des Isan die Grenze zwischen Thailand und Laos, während der Süden der Region an Kambodscha grenzt. Der bedeutendste thailändische Quellfluss des Mekong, der Mun, entspringt im Khao-Yai-Nationalpark bei Nakhon Ratchasima und fließt ostwärts, um in der Provinz Ubon Ratchathani in den Mekong zu münden. Der andere Hauptfluss der Region, der Chi, durchfließt Zentral-Isan, bevor er sich nach Süden wendet und in Si Sa Ket den Mun trifft. Auch die kleineren Flüsse Loei und Songkhram fließen dem Mekong zu, ersterer in Nordrichtung durch die Provinz Loei, letzterer östlich durch die Provinzen Udon Thani, Sakon Nakhon, Nakhon Phanom und Nong Khai.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima im Isan ist tropisch. Im trockenen Sommer von März bis Mai steigen die Temperaturen auf 40 Grad. Von Juni bis Oktober ist Regenzeit mit viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit. Im Winter von November bis Februar wird es nachts kühl und tagsüber noch 20 °C bis über 30 °C warm.[2]

Die mittleren Niederschläge reichen von 2000 mm in manchen Gegenden bis zu 1270 mm in den südwestlichen Provinzen Nakhon Ratchasima, Buri Ram, Maha Sarakham, Khon Kaen und Chaiyaphum.

Die Durchschnittstemperatur liegt zwischen 30,2 °C und 19 °C. Die höchste jemals gemessene Temperatur war 43,8 °C in der Udon Thani-Provinz, die niedrigste 0,1 °C in Loei.

Geschichte[Bearbeiten]

Isan besitzt eine Anzahl bedeutender bronzezeitlicher Fundstellen von Höhlenmalereien, Artefakten und Hinweisen auf frühen Reisanbau. Bronzewerkzeuge wie die in Ban Chiang gefundenen, sind möglicherweise älter als vergleichbare aus Mesopotamien. Später geriet die Region unter den Einfluss zuerst der Dvaravati-Kultur und dann des Khmerreiches, das Tempelanlagen in Phimai und Phanom Rung zurückließ.

Nachdem das Reich der Khmer ab dem 13. Jahrhundert zerfiel, wurde Isan vom laotischen Königreich Lan Chang beherrscht. In der Folge wurde die Region in steigendem Umfang von Lao besiedelt. Im 17. Jahrhundert fiel Isan an das Nachbarland Siam, das die zwangsweise Ansiedlung von Kolonisten aus Laos im 18. und 19. Jahrhundert durchführte. In den Verträgen, die Siam 1893 und 1904 mit Frankreich abschloss, wurde der Fluss Mekong als natürliche Grenze zwischen Siam und der Kolonie Französisch-Indochina bestimmt. Damit wurde der Isan vom eigentlichen Laos abgetrennt.

Im 20. Jahrhundert wurde im Rahmen der Thaiisierung die Eingliederung des Isan als integraler Teil Thailands verfolgt, wobei die Lao-Wurzeln der Bevölkerung in den Hintergrund gerieten. Diese Politik hinterließ ihre Spuren auch in der Bezeichnung „Isan“ selbst, die sich herleitet von Isana, einer Erscheinungsform Shivas als „Gott des Nordostens“. Also betont der Name selbst die Rolle des Isan als nordöstlicher Teil Thailands. Vor 1939 wurden die Einheimischen noch als Lao bezeichnet; sie schrieben und lasen das Lao-Alphabet, bevor die Schulen nach Anweisung der Zentralregierung das thailändische Alphabet einführten. Einerseits ist diese Politik jedoch auch eine Folge der staatlichen Modernisierung. Das laotische Alphabet ähnelt, wie die Sprache auch, stark der thailändischen Schrift und Sprache. Da die Isan-Sprache im Dialektkontinuum zwischen Lao und Thai steht, bestehen bis auf einige Ausnahmen bei Begriffen und Aussprache wenige oder keine Kommunikationsprobleme.

Siehe auch: Geschichte Thailands

Bevölkerung[Bearbeiten]

Familie in einem Dorf im Isan
Ein Khaenspieler in einem Sarong und Phakama aus Isan

Im Jahr 2000 betrug die Gesamtbevölkerung des Isan 20.825.000 Einwohner, von denen 40 % in den bevölkerungsreichen Provinzen Nakhon Ratchasima, Ubon Ratchathani, Udon Thani und Khon Kaen lebten. Diese Provinzen umgeben die vier bedeutendsten Städte des Isan, die die gleichen Namen tragen: Im Jahr 2000 zählte man in der Stadt Udon Thani 220.493 Einwohner, in Nakhon Ratchasima 204.391, in Khon Kaen 141.034, und Ubon Ratchathani hatte 106.552 Einwohner. 1996 lebten nur 6,3 % der Bevölkerung der Region in Städten. Der Anteil war mit 12,4 % in Khon Kaen am höchsten und mit 2,8 % in Roi Et am niedrigsten. Daraus folgt, dass die Einwohner des Isan zwar größtenteils außerhalb der Städte leben, sich aber im Umland der Städte ballen.

Die meisten Städte sind laotischen Ursprungs, obwohl die ethnische Unterscheidung zwischen Lao und Thai oftmals verwischt. Im Grunde liegt der Unterschied in der Sprache und Kultur. Die Anzahl der Sprecher der Isan-Sprache in Thailand liegt je nach Schätzung zwischen 15 und 23 Millionen, von denen die meisten in der Nordostregion leben. Meist beherrschen die Isan-Sprecher daneben auch die (zentral-)thailändische Standardsprache, was insbesondere für die jüngeren Menschen zutrifft. Der Khorat-Dialekt des Thai, der linguistisch irgendwo zwischen dem Thai und dem Isan liegt, wird von etwa 400.000 Leuten gesprochen. Die thailändische Standardsprache (Hochsprache) ist jedoch auch wichtig für die Verständigung im ganzen Land, zumal Thai für Isan und sogar Lao leicht verständlich ist.

Wie im übrigen Thailand sind die Bewohner des Isan fast ausschließlich Theravada-Buddhisten. Das schließt jedoch nicht aus, dass gleichzeitig animistische Elemente der Verehrung von Phi genannten Geistern vorkommen. Im Süden der Region gibt es eine Khmer-Minderheit.

Siehe auch: Tai-Völker Andere Sprachen, die in Isan vorkommen:

Sprache Familie Sprecher Verbreitung
Aheu Mon-Khmer 750 Sakon Nakhon
Östliches Bru Mon-Khmer 5000 Sakon Nakhon
Westliches Bru Mon-Khmer 20.000 Mukdahan, Amnat Charoen, Ubon Ratchathani
Nördliches Khmer[3] Mon-Khmer 1.400.000 (2006) Surin, Si Saket, Buriram, Nakhon Ratchasima
Kuy Mon-Khmer 300.000 Buriram, Surin, Si Saket, Ubon Ratchathani, Roi Et
Nyahkur Mon-Khmer Unbekannt Nakhon Ratchasima, Chaiyaphum
Nyaw Tai-Kadai 50.000 Sakon Nakhon, Nong Khai, Nakhon Phanom
Nyeu Mon-Khmer Unbekannt Si Saket
Phu Thai Tai-Kadai 156.000 Nakhon Phanom, Ubon Ratchathani, Kalasin, Sakon Nakhon
Phuan Tai-Kadai Unbekannt Udon Thani, Loei
Saek Tai-Kadai 11.000 Nakhon Phanom
Mon-Khmer 55.000 Nakhon Phanom, Sakon Nakhon, Nong Khai, Kalasin
Tai Dam Tai-Kadai 20.000 Nong Khai, Nakhon Ratchasima, Loei (und Saraburi)
Yoy Tai-Kadai 5.000 Sakon Nakhon

Kultur[Bearbeiten]

Eine Musikerin in einem Damen-Sarong
Die Bücherei des Tempels Tung Sri Muang, Ubon Ratchathani, als Beispiel des typischen Baustils von Isan

Die Kultur des Isan ist stark durch das kulturelle Erbe der Lao geprägt und hat viel mit der des Nachbarstaates Laos gemein. Diese Affinität zeigt sich in der regionalen Küche, Kleidung, sakralen Architektur, Feiertagen und den Künsten.

Die traditionelle Kleidung ist der Sarong. Die Damenversion verfügt meist über bestickte Säume, während die Herren-Sarongs mit Karomustern geschmückt sind. Sie werden im Gegensatz zur Sitte in Zentralthailand nicht zwischen den Beinen befestigt. Der Pakama schließlich ist eine Stoffbahn, die als Gürtel, Kopfbedeckung, Hängematte oder auch als Badetuch verwendet wird.

Isan ist das Zentrum der thailändischen Seidenherstellung. In der Nachkriegszeit boomte der Handel, als der Modeschöpfer Jim Thompson die thailändische Seide im Westen populär machte. Eine der bekanntesten Arten von Seide aus der Region ist „Mut-Mee“, durch Batik werden geometrische Muster auf dem Stoff aufgebracht.

Speisen der Isan-Küche unterscheiden sich von den zentralthailändischen und laotischen, haben mit diesen aber auch vieles gemein. Die offensichtlichsten Charakteristiken sind der Gebrauch von Klebreis statt Duftreis und die feurige Chili-Würzung. Beliebte Gerichte sind Som Tam (auch: tammakhung), ein Salat aus grüner Papaya und getrockneten Krabben, und gegrilltes Huhn (gai yang). Diese Gerichte haben in ganz Thailand Verbreitung gefunden, wenn auch in an den jeweiligen Geschmack angepassten Varianten, denen die extreme Schärfe und der säuerliche Geschmack fehlt, die man in Isan vorzieht.

In umgekehrtem Austausch ist auch die zentralthailändische Küche in Isan zu einer gewissen Popularität gelangt. Was die Einflüsse der Lao-Küche angeht, fehlen in Isan die Elemente aus der vietnamesischen und französischen Küche, wie man sie in Laos findet, vollständig. Die Bewohner von Isan sind bekannt für die breite Palette von Tieren, die auf ihrem Speisezettel stehen. Dazu gehören auch Eidechsen, Frösche und gebratene Insekten wie Heuschrecken, Seidenraupen und Mistkäfer. Was ursprünglich aus der Not heraus gegessen wurde, wird heute als Delikatesse angesehen.

Der buddhistische Tempel, oder Wat, ist das wichtigste Bauwerk der meisten Dörfer. Diese Tempel dienen nicht nur der religiösen Verehrung, sondern werden auch als Fest- und Versammlungshallen genutzt. Architektonisch überwiegt der Lao-Stil, der schlichter ist als der ornamentale Thai-Stil. Das Gleiche gilt für Bilddarstellungen Buddhas.

Die Bevölkerung des Isan feiert eine Reihe traditioneller Feste, unter denen das „Bun Bungfai“-Fest mit seinen Feuerwerksraketen hervorzuheben ist. Es geht auf einen Fruchtbarkeitsritus aus vorbuddhistischer Zeit zurück und wird an mehreren Orten in Isan und Laos gefeiert; am heftigsten und berühmtesten sind aber die Feierlichkeiten in der Provinz Yasothon. Andere bekannte Spektakel sind das Kerzenfest von Ubon Ratchathani, das die buddhistische Fastenzeit im Juli einläutet, das Seidenfest von Khon Kaen, eine Art lokaler Handwerksmesse, die Elefantenschau von Surin und die „Bangfai Phayanak“ oder „Naga-Feuerbälle“ von Nong Khai.

Die traditionelle Volksmusik von Isan ist der Mor Lam. Neben einigen lokalen Varianten existieren davon auch moderne Spielarten, die seit den 1970ern durch aus Isan zugezogene Arbeitskräfte nach Bangkok gelangt sind. Viele Mor Lam-Sänger haben sich auch die Luk-Thung-Musik Zentralthailands angeeignet und daraus die hybride „Luk Thung Isan“-Richtung entwickelt. Kantrum ist eine andere traditionelle Musikform, die unter der Khmer-Minderheit im Süden große Beliebtheit genießt.

Obwohl die Sprache von Isan selbst keine schriftlich-literarische Tradition hat, konnte die Region in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einige nennenswerte Schriftsteller hervorbringen, unter denen Khamsing Srinawk und Pira Sudham besonders hervorzuheben sind. Die einheimische Sprache verwendet keiner der beiden: Der Erstgenannte schreibt auf Thai, letzterer auf Englisch.

Isan ist bekannt als Heimat vieler Muay-Thai-Boxer. Viele Kinder armer Familien träumen vom sozialen Aufstieg durch Erfolg im Thaiboxen. Der bekannteste Sportler aus Isan ist dennoch kein Boxer, sondern der Tennisspieler Paradorn Srichaphan, dessen Familie aus der Provinz Khon Kaen stammt.

Die Kulturbarriere hat in Verbindung mit der bekannten Armut des Landesteils und dem typischen dunkleren Teint der Leute von Isan zu rassistisch gefärbten Vorbehalten vieler ethnischer Thais geführt. Der Romancier Sudham schreibt: „Manche Thai aus Bangkok (…) sagten, ich sei kein Thai, sondern (…) ein Wasserbüffel oder ein Bauer.“ Obwohl viele Menschen aus Isan heutzutage nicht mehr auf den Feldern, sondern in den Großstädten arbeiten, sind sie meist beschränkt auf Arbeiten von niedrigem sozialen Status, wie Hilfsarbeiter oder Prostituierte, und Vorurteile gegen sie leben fort. Dennoch ist die Sicht auf Isan nicht ausschließlich negativ gefärbt: Die typische Musik und die Küche der Region sind in ganz Thailand begeistert angenommen worden.

Der Prozess der „Thaiisierung“ hat den besonderen Charakter der Kultur von Isan etwas verwässert. Das gilt gerade für Städte und Provinzen, die sich – wie zum Beispiel Nakhon Ratchasima – in der Nähe des thailändischen Kerngebietes befinden und relativ früh von den Siamesen unterworfen worden sind.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im November findet in Surin ein großes Elefantenfest statt.

Aus der Zeit der Khmer-Herrschaft über das Gebiet des Isan stammen etliche Ruinen von Tempelanlagen im für diese Kultur typischen Baustil.

Die bekannteste und größte dieser Tempelanlagen ist wohl Phrasat Khao Phra Viharn, etwa 150 Kilometer südwestlich von Ubon Ratchathani. Die Ruinen liegen direkt an der Grenze, schon auf kambodschanischem Gebiet, können aber nur von thailändischem Boden aus betreten werden, da der Berg auf dem der Tempel erbaut wurde zur kambodschanischen Seite steil abfällt. Die Felsenburg galt während der Zeit der Roten Khmer deshalb auch als uneinnehmbare Festung. Das Gebiet war lange Zeit zwischen Thailand und Kambodscha umstritten, wurde aber 1965 durch einen Internationalen Gerichtshof Kambodscha zugesprochen. Ein kambodschanisches Visum ist für den Besuch dieser Tempel nicht erforderlich, wohl aber eine gute Kondition, um bei glühender Hitze mehrere hundert zum Teil verfallene Stufen zu erklettern um zu den auf der Spitze des Berges liegenden Ruinen zu gelangen.

Etwa 60 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Nakhon Ratchasima befindet sich Prasat Hin Phimai. Diese gut rekonstruierte Anlage, die etwa um 1100 n. Chr. erbaut wurde, ist eines der schönsten Beispiele der religiösen Khmer Architektur außerhalb von Kambodscha.

Eine andere bedeutende Tempelanlage an dieser Strecke ist Phanom Rung, in der Nähe von Prakhon Chai, Provinz Buri Ram. Dieser Khmer-Tempelkomplex wurde zu Ehren des Hindugottes Shiva auf einem 1300 m hoch liegenden erloschenen Vulkankegel errichtet und wird auch manchmal als das Angkor Wat Thailands bezeichnet. Der Tempelkomplex ist wohl das bedeutendste kulturhistorische Bauwerk in Nordost-Thailand.

5 km östlich von Phanom Rung liegt die Tempelanlage Prasat Mueang Tham. Diese relativ kleine Anlage – manche Forscher meinen, es sei ein ehemaliger Königspalast – liegt zu ebener Erde, neben einem von den Khmer seinerzeit angelegten großen künstlichen See. Der Tempel ist inmitten einer gepflegten Parkanlage vollständig restauriert worden und gibt einen guten Eindruck der damaligen brahmanischen Klosteranlagen. Das etwa 100 Meter x 100 Meter große Rechteck des Komplexes wird von vier kompakten, fast vollständig rekonstruierten Mauern aus Lateritblöcken umgeben. Der erste Hof wird mit von vier symmetrisch angeordneten Wasserbecken eingerahmt, ihre Stufen und Balustraden enden in Nagaköpfen. Von den im Zentrum der Anlage befindlichen Türmen ist der Hauptturm in der Mitte zerfallen, von den Türmen in den vier Ecken des Quadrats ein Turm ganz verschwunden, die restlichen drei wurden restauriert. Viele Giebelsteine und Türstürze sind Monumenträubern zum Opfer gefallen und verschwunden. Der berühmte Türsturz aus Phanom Rung mit Vishnu-Darstellungen tauchte aber 1973 bei einer Kunstausstellung in den USA auf und wurde auf Anforderung des thailändischen Fine Arts Department 1988 zurückgegeben.

Die Anlage Prasat Tameeang in der Nähe von Ban Kruat, Provinz Buri Ram gibt einen guten Eindruck von vom Regenwald überwucherten Ruinen.

Persönlichkeiten des Isan[Bearbeiten]

Tony Jaa

Wirtschaft[Bearbeiten]

Isan (Thailand)
Bangkok
Bangkok
Isan
Karte des prozentualen Anteils der Armen an der Bevölkerung in den Provinzen Thailands 2002 nach einer Untersuchung der Weltbank.[4]
< 7,4 %
7,4–14,2 %
14,2–24,9 %
24,9–35,2 %
> 35,2 %
Isan: Wasserbüffel im September

Die jährliche Wirtschaftsleistung des Isan betrug 2011 pro Kopf 48.549 Baht (ca. 1200 Euro), weniger als ein Drittel des thailändischen Durchschnitts. Die sechs wirtschaftlich schwächsten Provinzen Thailands liegen sämtlich in der Nordostregion. Dabei gibt es jedoch auch im Isan eine Varianz zwischen der ärmsten Provinz Amnat Charoen mit 30.231 Baht pro Kopf und Khon Kaen, das mit 81.884 Baht näher am landesweiten Durchschnitt liegt.[5]

Die Landwirtschaft trägt mit 22 % zum regionalen Einkommen bei (zum Vergleich: 8,5 % Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt Gesamt-Thailands). Reis ist die Hauptkultur und wird auf etwa 60 % der Agrarflächen angebaut. Daneben wird in steigendem Umfang auch Zuckerrohr und Maniok kultiviert. Der Wasserbüffel ist für viele Bauern noch ein wichtiges Arbeitstier oder dient als Geldanlage. Zur Fleischgewinnung werden Schweine, Hühner, Enten und Fische gezüchtet.

Trotz seiner dominierenden Rolle ist die Landwirtschaft von Isan extrem problembehaftet. Das Klima weist oft Dürreperioden auf, während andererseits die Flachlandsituation gerade während der Regenzeit Überschwemmungen begünstigt. Die Flutgefahr macht große Teile des Landes für die landwirtschaftliche Nutzung unbrauchbar. Darüber hinaus ist der Boden sehr sauer, salzhaltig und durch Überbeanspruchung teilweise unfruchtbar. So ist denn auch seit den 1970ern die Bedeutung der Agrarwirtschaft zugunsten des Handels und des Dienstleistungssektors gesunken.

Viele Einheimische suchen Beschäftigung außerhalb der Region, besonders in Bangkok, wo sie oft die Arbeiten verrichten, die schlecht bezahlt werden. Viele dieser Leute siedeln endgültig in die Metropole über.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Isan besitzt zwei Eisenbahnlinien, die beide die Region mit Bangkok verbinden. Die eine verläuft ostwärts, von Nakhon Ratchasima durch Surin nach Ubon Ratchathani, während die andere nordwärts über Khon Kaen und Udon Thani nach Nong Khai führt.

Das Straßennetz des Isan umfasst etwa 15.000 Kilometer, sein Herzstück sind die so genannte Thanon Mittraphap („Straße der Freundschaft“), die in den 1960er- und 70er-Jahren von den USA zur Versorgung ihrer Militärbasen angelegt worden ist. Eine über 1.700 Meter lange Straßenbrücke, die Saphan Mittraphap Thai-Lao (สะพานมิตรภาพไทย-ลาว, [sapʰaːn míttra-pʰâp tʰai-lao], „Thailändisch-Laotische Freundschaftsbrücke“), ein Entwicklungshilfeprojekt Australiens, verbindet Nong Khai mit dem laotischen Vientiane. Seit 2007 gibt es die Zweite Thailändisch-Laotische Freundschaftsbrücke und eine Dritte Thailändisch-Laotische Freundschaftsbrücke wurde 2011 eingeweiht.

Obwohl der Mekong schiffbar ist, wird er kaum benutzt, da viele Stromschnellen und Strömungen die Fahrt erschweren.

Flughäfen existieren in Nakhon Ratchasima, Khon Kaen, Ubon Ratchathani, Udon Thani, Nakhon Phanom, Sakon Nakhon, Roi Et, Buri Ram und Loei.

Verwaltung[Bearbeiten]

Isan unterteilt sich in 19 Provinzen (Changwats), wobei die südwestliche Provinz Nakhon Ratchasima von manchen bereits Zentralthailand zugerechnet wird. Die Provinzen tragen die Namen der jeweiligen Hauptstädte.

Die Provinzen von Isan
Nr. Name Thai Name
1. Amnat Charoen อำนาจเจริญ
2. Buriram บุรีรัมย์
3. Chaiyaphum ชัยภูมิ
4. Kalasin กาฬสินธุ์
5. Khon Kaen ขอนแก่น
6. Loei เลย
7. Maha Sarakham มหาสารคาม
8. Mukdahan มุกดาหาร
9. Nakhon Phanom นครพนม
10. Nakhon Ratchasima นครราชสีมา
Nr. Name Thai Name
11. Nong Bua Lamphu หนองบัวลำภู
12. Nong Khai หนองคาย
13. Roi Et ร้อยเอ็ด
14. Sakon Nakhon สกลนคร
15. Si Saket สรีสะเกษ
16. Surin สุรินทร์
17. Ubon Ratchathani อุบลราชธานี
18. Udon Thani อุดรธานี
19. Yasothon ยโสธร

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolf Donner: The Five Faces of Thailand. Institute of Asian Affairs, Hamburg 1978, Paperback Edition: University of Queensland Press, St. Lucia, Queensland 1982, ISBN 0-7022-1665-8
  • The Northeast (Isan). In: Volker Grabowsky (Hrsg.): Regions and National Integration in Thailand, 1892-1992. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1995, ISBN 3-447-03608-7, S. 105–192. Mit Beiträgen von Grabowsky, Harald Uhlig, Paitoon Mikusol, Charles F. Keyes und Hans U. Luther.
  • Belletristik:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Isaan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thailand's Official Poverty Lines vom NSCB (englisch, aufgerufen am 4. Dezember 2011; PDF-Datei; 245 kB)
  2. Die Bedeutung des Isan
  3. Nördliches Khmer
  4. Somchai Jitsuchon und Kaspar Richter: Thailand’s Poverty Maps. From Construction to Application. In: Weltbank - Offizielle Webpräsenz. Abgerufen am 18. Juli 2011 (pdf; 3,9 MB, englisch).
  5. Gross Regional and Provincial Product, Chain Volume Measures 2011 (PDF; 1,5 MB), National Economic and Social Development Board.